Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 29 (15.7.1892)
- Date
- 1892-07-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 504 Oestrrrrirhtfrhr Woehensrhrist Nr. 39 Menschen, ist es möglich geworden, den armen Kleinen für ihren sechswöchenttichen Ferialaufenthalt die nöthigen Effecten und Utensilien mitzugeben. Das Bestreben des Comites geht aber auch dahin für die geistige Thätigkeit seiner Schützlinge Sorge zu tragen und wurde deshalb ein Lehrer und ein Fräulein engagirt, unter deren pädagogischer Leitung das Spiel mit ernster Beschäftigung abwechseln soll. Es wurde daher den Kindern bedeutet, ihre Schulbücher nebst Gebetbuch mitzunehmen, und da blickte so manches Kinderauge betrübt auf, deffen Eigner gestehen mußte, daß es nichts dergleichen besitze. Auf die erstaunte Frage folgte die aufklärende Antwort, daß die den armen Kindern seitens der Schule leihweise überlassenen Bücher mit Schulschluß zurückgestellt werden müssen. Dies ist nun der Punkt, der mich zu diesen Zeilen veranlaßt. Wenn die Humanität es zutoege bringt, den armen Kindern die nöthigen Bücher während des Schuljahres zu überlassen, warum entzieht sie ihnen dieselben in den Ferienmonaten und nimmt ihnen dadurch den Segen der nützlichen Thätigkeit? Es wird gewiß möglich sein, maßgebenden Ortes dahin zu wirken, diese menschenfreundliche Institution auch auf die Ferialmonate auszudehnen, so daß die Ablieferung der allsgeliehenen Schulbücher erst eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahres zu erfolgen hätte. Für die heurigen Feriencolonisten ist diese lvohlthätige Neuerung nicht mehr zu erreichen; möge sie nur im nach en Jahre allen armen Kindern zu Gute kommen und zum Segen gereichen. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnet Antonie Graf. Wir«. Die von Frau Dr. Grünwald gegründete Ferien- Colonie für erholungsbedürftige Kinder reist Montag den 18. Juli d. I. um 9 Uhr Früh vom Staatsbahnhof nach Schellmansdorf in Ungarn ab; da noch Platz für Knaben wäre, fordern wir Eltern, welche gegen Entgelt von 40 st. ihre Söhne der Kolonie anschließcn w ollen, auf, bis längstens Sonntag 3 Uhr Nachmittag ihre Anmeldung bei Fr. Antonie Graf II., Praterstraße 26, vorzunehmen. Für Mädchen ist kein Platz vorhanden. Wie«. (Zur Entlassung Ahlwardt's aus der Untersuchungshaft.) Der Ahlwardt- Moniteur in Berlin jubelt; der „Rector aller Deutschen" hat wieder Moabit verlassen und kann nun bis zur Schlußverhandlung in seinem Strafproceffe das Verlemndergewerbe weiter betreiben. Die vom Berliner Kammergerichte geforderte Caution ist mit Ach und Krach zusammengebracht worden, und dabei haben, wie wir der Berliner „Volkszeitung" entnehmen, namentlich zwei Breslauer Gönner des Antisemitismus, ein Herr Lothar v. Richthofen und ein Herr v. Diest, große Rührigkeit entfaltet, es jedoch vermieden, in die Oeffentlichkeit zu treten, so daß sie nicht einmal in den Quittungslisten des Ahlwardt - Moniteurs als Cautionssammler angeführt sind. Das „D eu ts ch e Bo lks b l a tt", immer auf seine Zukunft bedacht, knüpft an die Zusammenbringwlg der Caution für Ahlwardt die heilsame Lehre, daß dies auch unseren Wiener antisemitischen Kreisen als ein Vorbild dienen möge. Ja, Ja! Für den Fall, als der Seher Jro Recht behalten und es aus der linken Bahngasse „fürchterlich zum Himmel stinken" sollte, wären solche Gönner, wie sie Ahlwardt gefunden hat, sehr von Nutzen. Wie«. („Christliches Volksfest") Während Schönerer und sein Anhang, deren Gebühren genugsam bekannt ist, in Wien am 3. Juli einen Festcommers abhielten, fand auch auf dem „Gaisberg" bei Beyernaumburg ein „christliches Volksfest" statt, auf welchem Stöcker ein oratorisches Feuerwerk abbrannte, welches das Entzücken der „Kreuzzeitung" erregte. Besäße der Hosprediger a. D. mehr Taktgefühl, so hätte er für dieses Fest eine» andern Tag gewählt, und nicht gerade den Jahrestag der Schlacht von Königgrätz. Fürst Bis mark selbst sagte dieser Tage in Kissingen: „Königgrätz muß aus dem Gedächtnisse der deutschen Nation verschwinden." Wie«. Schulstatistik. Wie auf allen anderen Gebieten, kommt auch Groß-Wien auf dem Gebiete des israelitischen Religionsunterrichlcs zum Ausdruck. Nachdem die ehemaligen Bororte einbezogen wurden, ist auch die Zahl der Spulen, an wächen Religionsunterricht und mit denselben die Zahl der Lehrer und die der Schüler und Schülerinnen größer geworden. In 37 Volksschulen für Knaben und in 36 Volksschulen für Mädchen (worunter je 23 Sammelschulen waren) unterrichten 42 Lehrer und eine Lehrerin und ein Hilfslehrer in 169 Knaben- und in 156 Mädchenklasfen. Die Zahl der Knaben und Mädchen war: I. Bez., 394 K. 327 M. II. Bez., 2153 K. 2558 M. IIL Bez.. 344 K. 338 M. IV. und V. Bez.. 163 K. 172 M. VI. Bez.. 179 K. 156 M. VIl. Bez., 222 K. 224 M. VUL Bez-, 98 Knaben 135 M. IX. Bez., 351 K. 439 M. X. Bez. . 136 K. 173 M. XI. Bez., 44 K. 47. M. Xtl. Bez., 79 K. 104 M. j XIV. Bez.. 165 K. 136 M. XV. Bez.. 186 K. 148 M. XVI. B ez.. 219 K. 207 M. XVII. Bez.. 192 K. 202 M. XVIII. Bez., 178 K. 164 M. XIX. Bez., 48 K. 75 M. Summa: 5151 Knaben, 5605 Mädchen. In 18 Bürgerschule n für Knaben und in 21 Bürger- - schulen für Mädchen (worunter 11 Sammelschulen für Kiraben und 10 für Mädchen) unterrichteten 22 Lehrer in 45 Claffen für Knaben und in 65 für Mädchen. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen war: I. Bez. 123 K. 328M. II. Bez., 546 K. 918 M. HI. Bez., 60 K. 129 M' IV. und V. Bez. 36 K. 84 M. VII. Bez.. 79 K. 165 M. VIII. Bez' 35 K. 39 M. IX. Bez., 66 K. 178 M. X. Bez.. 29 K. 50 M' XI. Bez.. 8 K. 7 M. XIV. Bez.. 62 K. 148 M. XVI. Bez.. 64 K' 61 M. XVll. Bez., 63 K. 51 M. XVIII. Bez.. 37 K. 51 M' XIX. Bez., 16 K. 43 M. S u m m a 1244 Knaben 2272 Mädchen. An *3 Mittelschulen (worunter eine Sammclschnle) unterrichteten 12 Lehrer in 100 Elasten. Dieselben waren von 1140 Gymnasial-, 465 Realgymnasial- und 671 Realschülern besucht. Schließlich gab es heuer 5 hebräische Sprach- und Bibel-Schulen u. z. eine im I. Bez., zwei im H. Bez., und je eine hu III. und IX. Bez, welche von 43l Schülern besucht waren. Wien. Bei der am 11. d. M. veranstalteten Schlußprvductivn der mit der Gesellschastsmedaille ausgezeichneten Abiturienten des Conservatorinms. machte besonders Frl. Clotilde Herz l, die begabte Schülerin des rühmlichst bekannten Professors Epstein gerechtes Aufsehen. Ihr ausdrucksvolles Spiel kam beim Bortrage der Chopin-Ballade zur vollsten Geltung. Gefühl und Technik, zwei Faktoren die sich selten vereinen, wirkten wie electrisirend auf das zahlreich versammelte Publikum, so daß die Behauptung ausgestellt werden kann, der jungen Künstlerin sei eine ruhmreiche Zukunft gesichert. In Anerkennung ihrer vollendeten Leistungen wurde Frl. Herzl bei der Mittwoch den 13. d. M. stattgehabten Preisvertheilung mit der Gesellschastsmedaille und dem Liszt-Prämium von 100 fl. ausgezeichnet. Wir wünschen der jungen Künstlerin auf ihrem Lebenswege jenen Erfolg, den Künstler immer anstrebcn — die volle Anerkennung. f ernals. Anläßlich des Rücktrittes des Herrn Dr. Beneilbogen, Religionslehrers am k. k. Obergymnasium von Hernals/ von seiner sechzehnjährigen Lehrthätigkeit wurde demselben eine Adresse des gesammten Lehrkörpers dieser ausgezeichneten Anstalt überreicht. Dr. Feilbogen, welcher bei Schülern und Lehrern der Anstalt ein ungewöhnliches Ansehen genossen Hot, wurde schon im Jahre 1884 von dem niederösterreichischen Landesschulrathe durch ein Decret ausgezeichnet, welches ihm für seine, durch eine lange Reihe von Jahren bewährte Pflichttreue und ersprießliche Wirksamkeit im Unterrichte uild in der Erziehung der israel. Jugend Dank und Anerkennung ausdrückte! Die Adreffe des Lehrkörpers von Hernals lautet: Hochgeehrter Herr College! Mit tiefem Bedauern erlangten wir Kenntnis; davon, daß Ihr Langenleiden Sie zwingt, Ihre langjährige, ersprießliche Thätigkeit an unserer Anstalt aufzugeben. Wir üerlicreit an Ihnen einen hochachtbaren, pflichtreuen College«, einen Mann, gleich ausgezeichnet durch sein tiefes' Wissen, wie durch schöne Eigenschaften des Herzens und bedauern auf's Jnni'ste, daß es uns nicht länger gegönnt sein soll, Sie hochgeehrter Herr Professor, gemeinsam mit uns in unserem erhabenen Berufe thätig zu sehen. Bewahren Sie uns allen eine freundliche Erinnerung, sowie auch Sie uns stets in treuem Andenken, bleiben werden. Wien, 5. Juli 1892. Mödling. Herr Dr. Adolf Kelemen, Rabbiner aus Nagy At ad in Ungarn, hielt am Samstag den 9. d. M. im Tempel der Cultusqemeinde in Mödling eine Probepredigt. Die Rede fand bei den zahlreichen Zuhörern lebhaftesten Beifall und Anerkennung. F. Holleschau. Der Bau des Tempels wird nach den eingereichten Plänen des Architecten I. Gärtner in Wien ausgeführt, nach dessen Plänen der Tempel in Tyrnau und Galgocs zur Ausführung gelangte. Lundendurg. (Vergebliche Mahnung.) Tiefen Eindruck machten die beim Empfange in Brünn an den Clerus gerichteten kaiserlichen Worte von Friede und Versöhnlich, feit, Worte, die in jedem Pfarrhofe mit goldenen Lettern eingegraben und namentlich dem jüngeren Clerus eine Leuchte für seinen edlen Beruf sein sollten. In den Pfarrhof nach Schakw itz, Bezirk Ausspitz, scheinen diese bedeutungsvollen Worte nicht gedrungen zu sein; am Peter- und Paultage fügte der dortige Pfarrer Pater P ekarz Folgendes in seine Predigt ein: „Es kränkt mich sehr, aus den Zeitungen zu hören, daß in Lnndenburg den Kaiser ein Jude (Bürgermeister Kuffner) empfangen hat; was ich hier von der Kanzel herab verkünde, sollt Ihr bei Euch behalten, ich habe letzthin gegen einen Juden losgezogen, Ihr habt ihm dies gleich zugetragen." Pater Pekarz macht kein Hehl daraus, sich öffentlich als Judenfeind zu bekennen, weil die Juden mit den Deutschen gehen und wählen. So wird die Nächstenliebe von der Kanzel herab in einer Kirche