Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 29 (15.7.1892)
- Date
- 1892-07-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020900-3020929--01528-3025573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eüie 502 Otto Kuhn, Brünn, Silberpocal mit 9 Ducaten, Preis der Frauen Brünns, Leopold Bloch, Brünn, Caffette mit Frcs. 200, gespendet von der Credit-Anstalt, Hugo Fuchs, aus Wien, Staffelei mit 12 Ducaten, Preis der Pistolenschützen des Wiener Schützenvereines: Auf der Pistolenpunktscheibe: Julius Popper aus Brünn Caffette mit Frcs. 100, Auf der Standpunktscheibe: Bernhard Melzer, aus Wien Cassette mit Frcs. 200, Auf der Glücksscheibe: Max Schick, aus München Caffette mit Frcs. 500, Adolf Siebenschein, aus Brünn Caffette mit Frcs. 300, Auf der Geldpunktscheibe: Albert Mandelbaum, aus Wien einen Becher, und außerdem hervorragende Preise auf den Ehrenscheiben Brünn und Wien. Prag. Listy pojizerskS, ein in Turnau erscheinendes, christlich sociales Blatt schreibt in 9fr. 13 v. 3. Juli 1892. Der Pfarrer eines Landstädtchens beklagte sich beim Redacteur eines katholischen Blattes, daß die Herren Spießbürger und die junge Generatton an Jesus Christtls fast gar nicht mehr glauben und sich um religiöse Pflichten nicht bekümmern; dabei sind sie aber zum größten Theile den Juden Geld schuldig. — Dieser jüdische Glaube — sagen diese Leute — muß doch besser sein als der unsere, denn die Juden haben Geld und wir sind arme Teufel. - Wissen Sie was, lieber Freund, — entgegnete der Redacteur — sagen Sie Ihren Pfarrkindern Sonntt»g von der Kanzel folgendes: Geliebte Christen, wenn Ihr schon Jesus Christus und der Kirche nicht folgen wollt, so macht wenigstens dasselbe, was die Juden machen: Die Juden verkaufen wohl Brautwein, aber selbst trinken sie keinen. Ueberhaupt sind die Juden nüchtern und trinken Bormittag gar nicht. Der Jude verbummelt nicht den ganzen Tag in den Wirthshäusern, er ist der sorgsamste Vater und als Ehegatte zumeist treu und aufopfernd! Der Jude bekümmert sich nach Kräften um die praktische Ausblldung seiner Kinder, die meisten besuchen regelmäßig die Synagoge und täglich betet der Jude mit seinen Kindern aus der Thora. Darum haben die Juden Geld. Der Reichthum der Juden stammt durchaus nicht ausschließlich von Wucher, sondern ist das Resultat fleißiger, emsiger Arbeit, das Resultat des Nachdenkens, das Resultat vieler sorgenvoll durchwachter Nächte. — Probatem est! Budapest. (Die Jubiläüms-Generalversammlung des Ungarischen israelitischenLandes-Lehrervereines) nahm mit einem Festgottesdienste im Tempel in der Tabakgasse ihren Anfang. Unter den Festgästen bemerkten wir den Vertteter des Cultus- und Unterrichtsministers Direktor Wilhelm S u p p a n, den Präsidenten der Pester israelitischen Rcligionsgemeinde Reichstags-Abgeordneten Moriz W a h r m a n n, die Schulinspectoren Dr. Carl Veredy und Josef Toty, Dr. Gold zieher, Paul Teurer u. A. Dr. Ko h n hielt eine Festrede, in welcher er den Beruf des israelitischen Lehrers in der Vergangenheit und in der Gegenwart schilderte und schloß seine schöne Gelcgenheitsrede mit einem tiesempfundenen Gebet für das Gedeihen des Lehrerstandes. Nach Absingung des Hymnus begab sich die Festversammlung in den Berathungssaal der Pester israelitischen ReligionSgemeinde. Am.Präsidialtische hatten Platz genommen: Der Vertreter des Unterrichtsministers Director Wilhelm S u p p a n, die SchrUiuspectmeu Veredy und To 1h, Paul Teurer, die Bereinsfunctionäre und die Ausschußmitglieder des Vereins. An der Versammlung nahmen die aus allen Gauen des Landes herbeigeeilten Bereinsmitglieder, deren Zahl über 300 betrug, theil. Präses Sigmund Ozer begrüßte den Director Wilhelm Supp an, die Schulinspectoren, den Vertreter der Pester israel. Religionsgemeinde Paul Teurer, die sämmtlich von der Versammlung mit brausenden Eljenrufen akklamirt wurden. Redner besprach sodann die Entwicklung der jüdischen Schule, deren erste Aufgabe es ist, den nationalen Geist zu wecken mrd zu pflegen und so die Assimilation mit der ungarischen Nation vorzubereiten und zu bewerkstelligen; der Väter Religion und die hebräische Sprache zu pflegen und den Kindern zu erhalten. Im weiteren Verlaufe seiner, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede schilderte er die Entstehung und Entfaltung des Vereins, seine bisher sowohl in moralischer als auch in materieller Hinsicht entwickelte, gedeihliche Thätigkeit und schloß, indem er die Dankesgefühle der Versammlung dem Dr. Samuel Kohn gegenüber für die anläßlich des Gottesdienstes gehaltene Jubiläumsrede verdolmetschte, mit herzlicher Begrüßung der Versammlung, deren Berathung er als eröffnet erklärte. Bereinspräses Ozer stellte nun den Vertreter des Unterrichts- Ministers, Director Wilhelm S u p p a n, vor, der sodann sympathisch begrüßt, das Wort ergriff und die Aufmerksamkeit der Versammlung aus dcn Umstand hinlenkte, wonach die Gründung des Ungarischen israelitischen Landes-Lehrervereins zeitlich mit der Schaffung des ungarischen Volksschulgesetzes und somit mit der Regeneration des ungarischen Unterttchtswesens zusammenfällt, jenes Unterrichtswesens, zu dessen gegenwärtiger Blüthe auch die israelitischen Lehrer tvesentlich peigetragen haben. Doch will Redner dies nicht eingehender erörtern Nr. 29 mrd blos zwei Thatsachen betonen. Die eine ist die Einbürgerung Verbreitung und Pflege der ungarischen Sprache und des patriotischen Geistes, ein Verdienst, für welches die Nation und die Regierung den israelitischen Lehrern und ihrem Vereine zu Dank verpflichtet sind, die andere die hervorragende Thätigkeit der israelitischen Lehrer auf dem weitverzweigten Unterrichtsgebiete und der pädagogischen und Jugendliteratur. All dies beweist, daß die israelitischen Lehrer eine schöne und erhabene Mission erfüllen und auch in Hinkunft erfüllen werden; speziell aber auch durch ihren Verein, der auch die Pflege der materiellen Jntereffen seiner Mitglieder sich zur Aufgabe gemacht hat, was umso nothwendiger ist, da es auch jetzt noch israelitische Schulerhalter gibt, die ihren Pflichten den Lehrern gegenüber Genüge zu leisten nicht immer geneigt sind. Redner schloß sodann, indem er noch der Versammlung den Gruß des Nnterrichtsministers übermittelte, seine mit fast nicht enden wollendem Applaus aufgenommene Rede. Präses Ozer dankte dem Redner für seine, die israelitischen Lehrer auszeichnenden Worte, und bat ihn, dem Unterrichtsminister den huldigenden Dank der Versammlung zu überbringen. Die von Dr. Josef B a n o c z y verfaßte, der Form und dem Inhalte nach meisterhafte Festrede las Rudolf Bard in ebenso vollendeter, schöner Weise vor. Dr. Bail o c z y erörterte die Mission der jüdischen Schule im verflossenen Bierteljahrhundert, deren Thätigkeit im Dienste der Confession und der Ration, lvies nach, wie vollständig und segensreich sie diese Mission erfülle und daß der Löwenantheil an diesem schonen Erfolge dem israelitischen Landes-Lehrervereine gebühre; der Lehrerverein war es, der das Standesgefühl weckte und hegte, er sicherte und vertheidigte die jüdischen Lehrer gegen An- und Uebergriffe und versah die jüdischen Schulen mit confeffionellen Schulbüchern, die in erster Reihe die nationale Idee verkünden. Rauschender Beifall, der sowohl dem Autor als auch dem Vortragenden galt, erfiillte den Saal, als Bard die Tribüne verließ. Nun erhob sich Paul Teurer und reflectirte in begeisterter und begeisternder Rede auf die Vergangenheit und die Wandlungen, welche seither in nationaler Hinsicht durchgemacht wurden und die im Leben des Vereins, der ein Bannerträger nationalen Geistes geworden, ihren Ausdruck finden. — Stürmischer Applaus folgte dieser mit Verve und Begeisterung vorgetragenen Rede. Der nächste Festredner tvar Jacob Wälder aus Baja. Auch er entwickelte in wohldurchdachter, vollendeter Rede die Aufgaben der jüdischeir Schule und die Wirksamkeit des Vereins. Auf Antrag Abr. Lederer's votirte die Versammlung dem Redner Dank imd beschloß, die Rede im Bercinsorgan zum Abdruck bringen zu lassen. Der auch im Druck erschienene, von dem Vereinssccretär Jakob Morgenstern mit vieler Sorgfalt zusammengestellte, alle Phasen der Bereinsthä.igkeit umfassende Bericht wird mit Befriedigung zur Kennt»iß genommen. Simon Adler (Budapest) deklamirte sodann eine aus Anlaß der Jubiläumsfeier von Ludwig P a l u g y i verfaßte Gelegenheitsrede. — Es folgte nun die Wahl der von dem Vereinsausschusse prvpvuirten Ehrenmitglieder (Referent C s u k a s s y, Budapest). Gewählt wurden unter großer Begeisterung: Cultus- und Unterrichtsminister Graf Albin C s a k y, Baron Moritz H i r s di, Eleazar Szanto und Sigmund Ozer. — Endlich gelangten noch zahlreiche, von Gemeinden und Einzelnen eingelaufene Begrüßungs-Telegramme zur Verlesung, worauf Vorsitzender Allen, die sich um das Gelingen der heutigen Versammlung verdient gemacht hatten, Dank sagte und. sodann die Sitzung schloß. — Nachmittags 5 Uhr wurde die Versammlung unter Vorsitz des Bicepräsidenten Bela C s a j a g i fortgesetzt. Bevor zur Tagesordnung geschritten wurde, ergriff Professor Alexander P e t e r f f y das Wort und begrüßte den Jubilarverein namens des Eötvössond-Vereines mit herzlichen Worten. Nun wurde vor Allem behufs Zensurirung der Vereinsrechnungen einefünfgliedrigeRechnungsrevisions-Commission entsendet. Den zweiten und wichtigsten Gegenstand der Verhandlung bildete die Modifikation der Statuten. Als Referent fungirte I. Schön (Budapest), welcher den seitens des Ausschuffes ausgearbeiteten Stalulenentwurf und die vorgenommenen wesentlichen Abänderungenmottvirte und dasvorgelegteStatutenelaborat als Grundlage der Spezialberathung zur Annahme empfahl, ein Antrag, den die Versammlung acceptirte. Sehr langwierig gestaltete sich sodann die Spezialberathung, da durch die im Interesse des weitern Gedeihens des Vereines proponirten einschneidenden Aenderungen Viele zur Sache zu sprechen sich bemüssigt fühlten. So kam es, daß die Berathung in Folge der vorgeschrittenen Zeit beim § 13 abgebrochen werden mußte und erst in der morgigen Sitzung fortgesetzt werden wird. Nachdem noch der Bericht der Censurirungs-Commission verlesen, dem Vereinskaffier I. Bela Tolnai das Absolutorium ertheilt und ihm für seine gewissenhafte und mühevolle Thätigkeit Dank votirt wurde, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Nun versammelten sich die Bereinsmitglieder zu einer Privatbesprechung» in welcher es Dank der weisen und tactvollen Leitung des Vorsitzenden Paul T e n c e r gelang, die bestehenden Gegensätze auszugleichen unv eine von allen Mitgliedern genehmigte Candidationsliste zusammenzustellen. Berlin. In einer längeren Unterredung, welche am 30. v. M. einer Deputatton des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde von dem Herrn Minister des Innern gewährt wurde, äußerte der Herr Minister: „Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde könnten mit Sicherheit darauf rechnen, daß ihnen gegen etwaige Ausschreitungen, welche in Folge anttsemitischer Hetzereien verursacht Orsterreichischr Wochenschrift.