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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-08 · 28 (8.7.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
28 (8.7.1892)
Date
1892-07-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 28 Orstrrrrichifrhe Wochenschrift. Sette 469 Nürnberg, 27. Juni. Der Erzbischof von Bamberg, Herr Dr. von Schork, welcher schon bei seinem Amtsantritte sich einer Deputation der Bamberger isr. Cultusgemeinde gegenüber in mißbilligender Weise über den Antisemitismus ausgesprochen, hat jetzt gelegentlich der Vornahme der Firmung in der Nachbarstadt Fürth goldene Worte der Toleranz gesprochen. In einer Ansprache ließ er als Oberhirte die Mahnung ergehen, sich nicht bei dem Hasse und der Hetze gegen Andersgläubige zu betheiligen, welche letztere eine Schmach für unsere Zeit sei und gegen den Geist des Christenthums in schärfster Weise verstoße. Man müsse dem Jrrthum widerstreben, aber es gehe nicht an, die Angehörigen eines anderen Glaubens zu hassen, da Christus mit den Worten: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst" alle Menschen ohne Ausnahme mit inbegriffen habe. Düsseldorf, 21. Juni. Gutem Vernehmen nach verweigerte der Tonhallen-Ausschuß den Antisemiten das Lokal der städtischen Tonhalle, was von dem größten Theil der Bürgerschaft freudig begrüßt wird. Berlin. In der „Deutschen Mediciner-Zeitung" berichtet Herr Dr. E. Rosenbaum von einer überraschenden Erfindung des Chemikers Dr. Israel Roos in Frankfurt a. M. Es ist ein neues Heilmittel, das besonders gegen Rheumatismus und Ischias mit überraschendem Erfolg angewendet wird, wie Versuche im Frankfurter Bürgerhospital« und von verschiedenen namentlich aufgeführten Aerzten, festgestellt haben. Das neue Mittel heißt Agathin und hat in ärztlichen Kreisen große Sensation yervorgerufcn. Herr Dr. Roos ist der Sohn des leider so früh Heimgegangenen Vorstehers der israel. Religionsgcsellschaft in Frankfurt a. M. Paris 2. Juli. Die „Semaine Religieuse", das offizielle Amtsblatt des Erzbischofs von Paris, nimmt Notiz von einer Rede, welche der Großrabbiner von Paris, Zadok Kahn, anläßlich des Begräbnisses des Kapitäns Mayer, der bekanntlich im Duell gegen den Antisemiten Morös gefallen ist, gehalten hat. Das erzbischöfliche Blatt schreibt: Beim Begräbniß des Opfers ermahnte der Großrabbiner alle diejenigen, welche die Ehre haben, auf die öffentliche Meinung zu wirken und namentlich „die Geistlichen der Religionen, die gebornen Diener aller gerechten, guten und erhabenen Ideen", allen ihren Einfluß aufzuwenden, damit Frankreich eine Familie sei, die im HerzSN blos eine Leidenschaft habe: „den Ruhm, die Größe und den guten Ruf des Vaterlandes." Wir können uns diesem so löblichen Wunsche blos anschließen, läge es nur an dem katholischen Clerus, wäre es schon längst so gewesen. — Der Katechet einer Lehranstalt in Mont-de-Marsan ist gestern abgesetzt worden weil er seinen Schülern einen antisemitischen Bortrag hielt. Paris. Baronin Josef de Güuzburg, Witwe des Gründers des russischen Hauses Güuzburg und Mutter der Barone Horace, Salomon und Alexander Günzburg starb hier im Alter von 85 Jahren. M. Michel Breal, Mitglied des Institutes und Professor am College de France wurde zum Mitgliede des neuen Oberaufsichtsrathes für öffentl. Unterricht ernannt. Während eines kurzen Aufenthaltes in Luneville verlieh der Präsident der Republik die Insignien der Ehrenlegion dem Gründer der Sammtfabrik in Blamont M. Edemond Blechmann. Amsterdam. Die junge Königin und ihre Mutter die Königinregentin besuchten die Hauptstadt der Provinz Friesland^Leuwarden. Der Oberrabbiner wurde in Audienz empfangen und war einer von den Gästen bei der Hoftafel. Speciell für ihm wurden rituelle Speisen und Koscher-Wein besorgt und oie Königin conferirte mit ihm den ganzen Abend. Herr A. Dinare der Dienstzeit nach das älteste Mitglied des Stadtrathes und Obmann des Schulrathes von Leuwarden wurde durch die Ernermung zum Ritter des Ordens von Nassau-Oranien ausgezeichnet. Odessa. Vor einiger Zeit erhielt der hiesige Oberrabbiner ein Telegramm des Rabbiners in Königsberg, welches ihm mittheilte, daß die Häfen der Bereinigten Staaten für die russischen Juden verschlossen wären. Der Rabbiner verlad dieses Telegramm in der Synagoge, um seine armen Glaubensgenossen vor der Auswanderung nach Amerika zu warnen. Darauf wurde gegen ihn die Klage erhoben, er habe ein Telegramm veröffentlicht, welches die Censur nicht bestanden habe. Die Strafe lautet auf 40 Rubel und Kosten. Das Appellationsgericht hat dieses Urtheil kürzlich bestätigt. Feuilleton. Das letzte Halsersen. (Eine jüdische Dorfgeschichte.) lFortsetzung und Schluß.) „Bist Du mir so gut, wie ich Dir bin?" fragte Berele. „Wie gut bist Du mir denn?" fragte sie. „So gut, daß ich sterben könnte für Dich!" sprach Berele, indem er seine Hand von der ihrigen loslöste und wie zu eidlicher Bekräftigung hoch emporhob. „Und auch ich kann für Dich sterben, wenn ich-Dir dadurch etwas Gutes zu erweisen im Stande bin", sagte fie wehmüthig. Sie waren jetzt bei den ersten Häusern der Gaffe. „Wir müssen uns trennen", sagte Riekele und eilte davon, während Berele in träumerischer Seligkeit noch einige Augenblicke stehen blieb und ihr nachsah. Der Bund einer reinen starken Liebe war geschloffen für immer. In dem Dienstverhältnisse Riekele's im Hause des Vorstehers trat bald eine Aenderung ein. Wenn fie Anfangs jede Arbeit, auch Waschen und Scheuern zu verrichten hatte, gerade wie die anderen Mägde des Hauses, so durfte sie jetzt eigentlich gar nichts arbeiten, sondern nur die Leitung und Aufficht über das andere Dienstpersonale führen. Niemand wunderte sich darüber, daß sie diese Begünstigung erfnhr, war sie doch die Anverwandte Schaffens. Es waren jedoch ganz andere Rücksichten, die ihn zu dieser Aenderung bestimmten. So oft Riekele in die Stube ihres Vetters getreten war, hatten sich seine Augen auf sie gerichtet, und wenn sie die Stube wieder verlassen hatte, war sie noch lange der Gegenstand seiner Gedanken. Das liebenswürdige Mädchen erweckte in seinem Herzen jene Gefühle, deren er sich aus seiner längst entschwundenen Jugend erinnerte, Gefühle, die er für immer erstorben und begraben wähnte. Bald bemächtigte sich seiner mit voller Gewalt der Gedanke, was das für ein herrliches Leben für ihn werden müßte, wenn Riekele nicht mehr als Magd, sondern als Hausfrau, als sein liebes Weib, in der Wirthschast schalten und walten, ihn kosen und Pflegen würde — ehe er es sich selbst recht versah, war er trotz eines Zwanzigjährigen verliebt in das schöne Mädchen. Sein sonst so klarer Kopf war Plötzlich wie umnebelt und nmnachtet, und in seiner Verblendung vergaß er ganz, was er sonst oft genug zu bemerken Gelegenheit gehabt hatte, daß ein bejahrter Mann, wenn er sein unbewachtes thörichtes Herz an ein junges Mädchen verliert und in seiner- Leidenschaft nicht mehr zu beherrschen vermag, immer eine traurige Figur spielt, als alter Narr bezeichnet wird. Wolf Schaffer war fest entschlossen, nach dem bevorstehenden Ablauf des Trauerjahres um seine Gattin, Riekele zu heiraten. Daß diese ein solches Glück, wie er es ihr zu bieten vermag, das Glück, aus einem armen Mädchen plötzlich eine reiche Frau zu werden, zurückweisen würde, daran fiel ihm nicht im. Entferntesten ein zu denken. Er nahm daher Riekele jede schwere Arbeit ab, um sie immer sehen zu können und sie allmälig auf ihre künftige Thätigkeit oorzubereiten und sie bei geeigneter Gelegenheit mit dem Glücke, daß er ihr bieten wollte, bekannt zu machen. Das unschuldige Mädchen ahnte gar nicht, welchen Sturm sie bei dem Alten heraufbeschwor. Er ries sie unzählige Male des Tages in seine Stube, gab ihr die unnöthigsten Aufträge, richtete an fie oft geradezu die unsinnigsten Fragen, um sich an ihrem Anblicke zu weiden. Und das Mädchen folgte immer seinem Ruse, zuweilen sogar in nachlässiger Bekleidung ahnungslos, daß sie ihn mit chren Reizen ganz von Sinnen brachte. Schaffer war ein ftommer Mann. Er kämpfte mit aller Macht gegen die Sünde; er betete, er fastete, und er hatte es in der That über sich gebracht, sie nicht zu berühren; aber desto ungeduldiger erwartete er die Zeit, wo er sie vor Gott und der Welt zu seinem Weibe machen können wird. Das Trauerjahr war endlich um. Schon am nächsten Tage sagte er zu ihr: . „Riekele, setz' Dich zu mir, ich Hab' ein ernstes Wort nnt Dir zu reden." Das Mädchen setzte sich schüchtern zu rhrem Vetter, gespannt auf die Eröffnung, die er ihr so feierlich ankünmgte.

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