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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-08 · 28 (8.7.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
28 (8.7.1892)
Date
1892-07-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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S-tt- 488 Vestrrrrichischr Vochruschrkst Wie«. (Baron Hirsch in Argentinien). Man telegraphirt uns aus Genua: „Baron Moriz Hirsch wird sich im Herbst nach Argentinien einschiffen, um seine dortigen Colonien zn besichtigen. Wie». Der berühmte Orientalist Dr. Alexander Kohut, Rabbiner am Tempel „Chawath chesed“ in New-York ist anläßlich der Beendigung seines epochalen Werthes ,Lrueb eompl&opi“ (in Commission bei CH. O. Lippe, Wien) an welchem derselbe 25 Jahre lang, mit einem nahezu übermenschlichen Fleiße und Ausdauer gearbeitet hat Und das unter Subvention der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien, des preußischen und des ungarischen Cultusministeriums erscheint, in Wien angelangt. Ueber den Werth des Werkes, welches von allen Fachgelehrten, als unentbehrliches Nachschlagebuch für das wissenschaftliche Talmudstudium auerkannt ist, wollen wir uns hier nicht weiter auslassen. Es dürste jedoch interessant sein, zu erfahren, daß dem Gesammtwerke ein Index beigegeben ist, woran der Autor 15 Jahre lang ununterbrochen thätig war und welcher erschöpfenden Ausschluß gibt, über die Gesammte rabbinische Literatur vom Abschlüsse der Bibel bis zur heutigen Zeit. Dr. Kohut ist mit seiner Frau am 5. d. M. Abends zum mehrwöchentlichen Curgebrauche nach Karlsbad abgereist. Carlsbad. (Verlobung.) Wie uns aus Carlsbad mitgethellt wird, hat sich dort am 20. v. M. Herr Victor Samek, Chef der Firma Brüder Samek aus Brünn, mit Frl. Alice Wedeles aus Frankfurt a. M., Tochter des verstorbenen Herrn George Wedeles, verlobt. Gelfenkircheu in Westphalen. Dr. Ludwig Goldschmidt, Amtsrichter uud früher Ptivatdocent, ist als Landrichter noch Bohum berufen worden. Snaz, 9. Juni. In der gestern Nachmittags abgehaltenen statutenmäßigen Generawersammlung der Mitglieder der hiesigen isr. Cultusgemeinde wurde Advocat Dr. Anspach zum Vorsteher der Cultusgemeinde, Herr Ad. Epstein zum Tempelvorsteher neugewählt und Advocat Dr. Löwi als Vertreter der Gemeinde in den Ortsschulrath wiedergewählt. Hoäeschau, 5. Juli 1802. (Tempelbau.) Die isr. Cultusgemeinde zu Holleschau hat beschlossen einen neuen Tempel zu erbauen. Der Bau, mit dem schon im nächsten Frühjahre begonnen werden wird, wird nach dem von dem Architekten H. S. Gärtner in Mien, eingereichten Projekte zur Ausführung gelangen. Die Herren Brüder Skrainka in Holleschau haben zu diesem Unternehmen 6000 fl. ö. W. gewidmet. Postelberg. (Sterbefall) Wie bereits kurz gemeldet wurde, verschied am 22. v. M. der seit 45 Jahren hier praktizirende Arzt Herr Dr. Josef L a n g st e i n, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes, Bahn-, Districts- und Gerichtsarzt, Stadtrath, Obmann der Ortsgruppe des deutschen Schulvereines, Mitglied des Ortsschulrathes, Vorstand und Ehrenmitglied mehrerer Vereine rc. im Alter von 73 Jahren. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer erhebenden Trauerkundgebung, wie solche in unserem Städtchen wohl selten stattgefunden hatte und gab einen Maßstab ab für die allgemeine Verehrung und Achtung, die dem Verstorbenen in Stadt und Umgebung gezollt wurde. Es betheiligten sich am Leichenbegängnisse: Die ehrw. Geistlichkeit, die k. u. k. Herren Officiere der Garnison, die k. k. Beamten, der Bürgermeister mit dem Stadtverordneten-Collegium, die Beamten und dienstfreien Bediensteten der Strecke Dux-Pilsen der k. k Staatsbahnen, die fürstlich Schwarzenberg'schen Beamten, die College» des Verstorbenen, an deren Spitze der Herr Bezirksarzt aus Saaz, der Lehrkörper mit den Schulkindern, die israelitische Cultusgemeinde, die k. k. Gendarmerie, der Gesang-, Feuerwehr- und Veteranenverein, alle 3 mit Fahne, eine Deputation der Feuerwehr Saaz und eine ungezählte Menge von Leidttagenden. Der mit einer Unzahl von Kränzen geschmückte Sarg wurde von der Wohnung des Verewigten bis zum schwarz beflagten Stadthanse von Stadtverordneten getragen und von da bis zum Friedhofe auf dem Leichenwagen gefahren, dort wurde er zuerst von Mitgliedern des Gesangsvereines, dann von Cultusgemeinde-Mitgliedern bis ans Grab getragen. Unter den vielen Kranzspenden bemerkten wir besonders folgende: D s Stadwerordniten-Collegium „Seinem bewährten Mitgliede", der Ortsschulrath „Dem eifrigen Förderer der Schule", die Ortsgruppe des deutschen Schulvereines „Ihrem bewährten Obmanne", bu§ deutsche Haus „Dem treuen Manne", der Bürgermeister „Seinem treuesten Freunde", rc. Vor dem offenen Grabe sprach Cantor Herr Stein eine weihevolle Grabrede und sang der Gesangverein ein Abschiedslied. E- 8. Proßkuitz. (Spende. — Verlobung.) Der hiesige Advocat Dr. Gustav Zweig spendete anläßlich der Geburt seines ersten Sohnes den Armen der israelitischen Gemeinde 30 fl. — Der geachtete und beliebte Borbeter der hiesigen Cultusgemeinde Nr. 38 Herr Lösegeld hat seine Tochter Victoria mit Herrn Srgmund Pollak verlobt. Im Hinblick auf die Sympathien, die sich Herr Lösegeld in der Cultusgemeinde allgemein erfreut, sind demselben zahlreiche Glückwünsche aus allen Bevölkerungskreisen zugekommen. „ . . . „ Gr.-Meseritsch, 28. Juni. Die Anwesenheit unseres Kaisers in Brünn wurde von unserer Gemeinde durch folgendes loyale Telegramm begrüßt: „Anläßlich des die mährische Provmz so hochbeglückenden Besuches unserer Landeshauptstadt Brunn durch unseren allgeliebten und allverehrten Kaiser, Semer kais. und kön. apost. Majestät Franz Josef I. rufen der israelitische Cultusvorstand und das Rabbinat zu Groß-Meseritsch ehrfurchtsvoll im Namen sämmtlicher Gemeindemttglteder Höchstdemselben ihren aus freudig bewegtem und begeistertem Herzen strömenden loyalen Willkommengruß mit dem empfundenen Wunsche zu: „Gott erhalte, Gott beschütze unseren glorreichen Kaiser zum Heile und Wohle des Reiches und seiner Völker. Nach wenigen Stunden kam von dem mährischen Statthalter an den hiesigen Cultusvorstand folgende Antwort: „Ueber das heutige Telegramm eröffne ich im Allerhöchsten Aufträge dem Cultusvorstande, daß Se. Majestät der Kaiser die Loyalität „ kundgebung der Jsraelitengemeinde zu Groß-Meseritsch danken^ zur Allerhöchsten Kenntniß zu nehmen geruht." Berlin. Drei antisemitische Helden vollbrachten in Spandau — wie ein dortiges Lokalblatt mittheilt — Sonnabend Abend eine große That. Sie drangen unbefugt in das Geschäftslokal der Firma Ettisch u. Co am Markt und ließen den antisemitischen Schlachtruf: „Juden raus!" ertönen. Durch die eine Ladenthür ttaten sie ein, aus der anderen gingen sie wieder heraus; diese Heldenthat führten sie zweimal aus. Als sie dann von dem Vertreter des Geschäftsinhabers zur Rede gestellt wurden, drangen sie nochmals in den Laden ein und verließen denselben erst, nachdem sie verschiedene Male dazu aufgefordert worden waren. Inzwischen war draußen ein Auflauf entstanden, und die Ruhestörer, drei junge Leute, wurden verhaftet. Sie haben sich des gemeinschaftlichen Hausfriedensbruches schuldig gemacht. Mit welcher Dreistigkeit die Antisemiten jetzt auftreten, das zeigte sich am gestrigen Sonntag Nachmittag auf „Tivoli" während des von der Capelle des. Elisabeth-Regiments daselbst veranstalteten Concertes: Ein Herr betrat (so berichtet das „Tagebl.") während einer Pause unverfroren den Musikpavillon und hielt von dort aus eine Ansprache an das versammelte Publikum. Als der hinzugeeilte Oeconom des Etablissements, Herr Kindermann, den unbefugten Stegreiftedner unterbrach, schloß dieser mit einem dreifachen Hoch auf Ahlwardt! Mehrere Gesinnungsgenossen des Redners stimmten in den Ruf ein, während dieser unerhörte Zwischenfall in einem öffentlichen Concert bei dem größten Theil des Publikums Aergerniß erregte, so daß es zu scharfen Auseinandersetzungen und erregten Scenen kam. Herr Kindermann, der von dem beispiellosen Borgavg sichtlich überrascht war und ganz rathlos erschien, gab schließlich die Ordre, daß dem Scandalstifter kein Getränke mehr verabfolgt werden sollte. Berlin, 27. Juni. Anläßlich einer Enquete über den Antisemittsmus, die ein bekannter Schriftsteller veranstaltet, hat Julius Stettenheim in diesenTagen die folgende ebenso witzige als den Nagel auf denKopf treffende Antwort gegeben: „Solange der Staat nicht die Antisemiten zur Gewerbesteuer heranzieht, hat er keinen Begriff von dem inneren Wesen dieser Bewegung. Berlin, 25. Juni. Oberst Debenoist vom 19. reitenden Jäger-Regiment in Lille hatte zu einem vom Regiment veranstalteten Reiterfeste den Präfecten Beldurand, einen Juden, nicht eingeladen. Kriegsminister Freycinet bestrafte ihn dafür mit dreißigtägiger Haft. Dresden. (Aus Sachsen, dem gelobten Lande der Antisemiten.) Das „B. Tgbl." schreibt: „Der Reichsbote" reproduzirt aus der „Leipziger Zeitung" eine Auslassung, welche die Thatsache hervorhebt, daß an der Verwaltung der sächsischen und insbesondere der Leipziger Banken von jeher keine Juden betheiligt waren. In welchem Sinne die „Leipziger Zeitung" das sagt, geht daraus hervor, daß der „Reichsbote" die Auslassung nachdruckt. Dieselbe wird aber auch für alle diejenigen von Interesse sein, welche irriger Weise die Direktoren Jerusalem und Winckelmann von der Leipziger Disconto- Gesellschaft für Juden hielten; die infamen Betrügereien. mit denen diese Herren ihre Bank um Millionen geprellt haben, sind ja wohl allgemein bekannt." Wir bemerken ergänzend, daß die antisemitische Presse grundsätzlich die Direktoren Jerusalem und Winckelmann für Juden ausgibt.

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