Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 28 (8.7.1892)
- Date
- 1892-07-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 28 ' Vrstrrrrichifchr Wochenschrift. Seite 487 des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Washington als Adjutant zur Seite stand. Einen großen Theil seiner freien Zeit hatte Oberst Goldsmid den Interessen der jüdischen Gemeinde gewidmet, zu deren eifrigsten Mitgliedern er zählt. Besonderen Antheil nahm er an der Kolonisation Palästinas und an der Förderung der Idee eines neuen jüdischen Reiches. Im Jahre 1883 besuchte er Palästina und hielt sich bei Lawrence Oliphant, auf dem Berge Carmel auf. Eine reizende Erinnerung an jenen Besuch lebt in seiner kleinen Tochter Carmel fort, welche auf dem heiligen Berge das Licht der Welt erblickte." London. Herr Jefse Seligmann aus New-Iork, der gegenwärtig in Rom weilt, hatte eine Audienz beim Cardinal Rampella, dem Secretär Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII. und ihm die Bitte um Intervention des Baticans zu Gunsten der in verschiedenen Ländern verfolgten Juden unterbreitet. Der Cardinal bemerkte zu Herrn Seligmann, daß das Papstthum noch zu jeder Zeit die Juden beschützt habe und wo immer dieselben verfolgt wurden, sie stets im Rom sicher gewesen seien. In kurzer Zeit wird im Washington - Park in Albany im Staate N. A. ein Moses-Monument enthüllt werden. Dasselbe ist ein Geschenk des Herrn Henry L. King, dessen Vater, Herr Refas King in seinem Testamente 350.000 Dollars für ein solches Monument mit dem Satze bestimmte: „better läse then never“ (lieber spät als niemals.) Am letzten Juni wurde das Parlament aufgelöst und gleichzeitig die Neuwahlen ausgeschrieben, die in London vom 4. bis längstens 9. Juli und in Irland, Schottland und Wales bis längstens den 16. Juli stattfinden werden. Noch nie waren die Parlamentswahlen für unsere Glaubensgenossen von solchem Interesse wie diesmal. Von den 672 Mitgliedern des Unterhauses wählt London 60, von diesen waren in der letzten Legislatur-Periode 5 Juden. Vergleicht man dieses Verhältniß mit dem Verhältnisse der 50.000 Juden Londons zu den 5,000.000 Einwohnern der Stadt, so zeigt dies von der hohen Achtung, in welcher unsere Glaub eitsgen offen hier stehen. Bei der jetzigen Wahl sind aber noch 4 neue jüdische Candidaten aufgestellt, von denen zwei ganz gewiß durchdringen werden! Es würden also in dem nächsten Parlamente mindestens 8 Juden sitzen. Es candidiren: Benjamin L. Cohn für Jslington, Sir Julian Goldsmid für St. Pancran, Samuel Montague für Whitechapel, Henry Marks für Tower Stamlet, Lews H. Jsacks für Newington, H. H. Samuels für Towee Hamlet, F. Jsacson für Hower Stamlet (getaufter Jude), St. Simon für Tower Stamlet, Baron Henry de Worms und Baron Rokshild. Amsterdam, 25. Juni. Am 18. d. M. feierte zu Brüssel einer der deutschen Gelehrten, die wegen ihres Glaubens die Heimat verlassen (mußten und im Auslande Stellung und Anerkennung suchten und fanden, seinen 80. Geburtstag. Es ist Gottlieb Glu ge, geboren am 18. Juni 1812 zu Brakel in Westfalen. Er studirte im Wesentlichen in Berlin, wo ihn die Vorlesungen von Rudolfi, von Johannes Müller und von Ehrenberg besonders anregten. Charakteristisch für die damalige Zeit war, daß die Vorlesungen Ehrenberg's über Mikroskopie nur von Bischofs (gest. als Prof, der Anatomie in München), von Jakob Heule (damals noch Jude, gestorben vor wenigen Jahren als Prof, der Anatomie in Göttingen) und von Gottlieb Gluge besucht waren. 1835 promovirte Gluge mit seiner Dissertation über die Primitivgewebe bei der Entzündung. In dieser Arbeit finden sich schon die Andeutungen seiner später durchgeführten Entzündungslehre, die zum Theil seinen Ruhm mitbegründete. Schon im Jahre vorher hatte die Berliner Facnltät seiner Arbeit über die Influenza, die damals wie in den letzten Jahren das Publikum und nicht weniger die Aerzte auf das Höchste beschäftigte, einen Preis zuerkannt. Nach vollendetem Studium trieb er kurze Zeit allgemeine Praxis in Minden. Da ihn dieselbe nicht befriedigte und die damaligen Gesetze einenl Juden nicht gestatteten, sich als Doeent zu habilitiren, beschloß er, wie manche Andere — wir erinnern an Valentin, der in Bern einen neuen Wirkungskreis fand — in's Ausland zu gehen. Warme Empfehlungen Alexander von Humboldts, dem er näher getreten war und der ihm, solange er lebte, warme Freundschaft bewahrte, ebneten ihm den Weg nach Paris, wo er namentlich die Institute und Kliniken von Magendi, Bresche! und Cruveilhier besuchte. Schon 1838 erhielt er einen Ruf als außerordentlicher Professor der Physiologie und pathologischen Anatomie an die neugegründete Universität in Brüssel, dem bald darauf seine Ernennung zum ordentlichen Professor folgte. Durch äußere Verhältnisse war er gezwungen, neben dem Unterricht und einer ftuchtbaren literarischen Thätigkeit in Brüssel allgemeine Praxis zu treiben, wie das im Auslande auch heute noch vielfach von den Inhabern theoretischer Lehrstühle geschieht. Im Jahre 1843 wählte ihn die königliche Akademie Belgiens zum correspondirenden, 1849 zum ordentlichen Mitglieds, 1857 uud 1873 war er »Directeur de la classe des Sciences«. Seine literarffche Thätigkeit war eine sehr umfangreiche. Die meisten seiner Arbeiten sind in französischer Sprache in den Veröffentlichungen der belgischen Akademie und in anderen Zeitschriften erschienen. Am bekanntesten sind seine „Anatomisch-mikroskopischen Untersuchungen" (Minden 1859 und Jena 1842) geworden und sein „Atlas der pathologischen Anatomie" 1843 bis 1850, welcher in's Französische und Englische übersetzt worden ist. Es ist das das erste derartige Werk in deutscher Sprache, ja, nach dem sehr umfangreichen und durch seinen hohen Preis fast unzugänglichen Atlas von Cruveilhier das erste derartige Werk überhaupt. Die drei letzten Bücher dieses Werkes, die „Pathologische Histologie" zeichnete die Pariser Akademie der Wissenschaften mit dem Montyonpreise des Jahres 1852 aus. Das öffentliche Interesse erregte in späteren Jahren besonders seine Arbeit »quelques mots sur le cas de Louise Lateau, la stigmatis£e de Bois-d’Haine« in den Bulletins de l’acaddmie royale de medecine III. Ser. t. IX Nr. 5 1875. Obwohl er 1873 durch Gesundheitsverhältnissc gezwungen, seine Entlassung nahm, hat er bis zu den letzten Jahren nicht nur die Fortschritte der Wissenschaft auf's Regste verfolgt, sondern auch häufig durch Publikationen, durch Mittheilungen aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen eingegriffen. Seine letzte Arbeit »sur les microbes de la suppuration«, welche er in der belgischen Akademie der Wissenschaften verlas, trägt das Datum des September 1891. Möge es dem greisen Gelehrten noch lange vergönnt sein, zur Ehre der Wissenschaft zu leben und zu wirken! VmmMes. Wien. (T r a u u n g e n). In der abgelaufeaeu Woche wurden nachstehende Paare getraut: Herr Bernat Glaser mit Frl. Leopoldine Baue r; Hr. samuel Wachs mit Frl. Minna Dona 1 h;Hr. Dr. Adolf I o ' l e s mit Frl. Rosa G e i r i n a e r; Herr Dr. Ludw. A l t m a n n mit Frl. Eleonore Polansky; Herr Julius Herl^tschka mit Frl. Irma Adler; Herr Alfred Waizner mit Frl. Sofie Reis. Wien. (Trauung.) Sonntag am 10. Juli findet im Israel. Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Rittmeisters Wolf Bardach Ritter von Chlumberg mit Fräulein Leontine Rappapvrt statt. Wien—Mariahilf. Am 17. d. M. feiert der m den westlichen Wiener Bezirken allgemein bekannte und geachtete Fabrikant Herr Michael Winkler seinen 70. Geburtstag. Herr Winkler hat als Präsident des Humanitäts-Vereines „Nachlat Zeschurun", sowie als langjähriges Vorstands-Mitglied des Tempel-Vereines und Gründer des Frauen-Bereines eine für die Entwicklung dieser Vereine ungemein ersprießliche, verdienstvolle Thätigkeit entwickelt und feit vielen Jahren ftlr die Interessen der Humanität in uneigennützigster, aufopferndster Weise gewirkt. Auch als Industrieller kann der Jubilar auf bedeutende Erfolge zurückblicken; nach seinen Plänen wurde in Wien und 100 anderen Städten die Häuser - Nummerirung durchgeführt und wurde er für diese seine Thätigkeit von Seiner Majestät durch Verleihung des goldenen Verdienst-Kreuzes ausgezeichnet. Seine zahlreichen Verehrer werden diesen Tag gewiß zum Anlaß nehmen, um den leider erkrankten Jubilar ihre Sympathien kundzugeben. — y— Wien, 4. Juli. Am 1. Juli a. c. constituirte sich der von der löbl. Wiener isr. Cultusgemeinde neuerlich ernannte Bethaus - Vorstand in Währing. Es wurde zum Obmanne Herr Ignaz Weber, Leiter der Taubstummenschule in Währing, zum Obmann-Stellvertreter Herr Hermann Sole Mitglied des löbl. Cultusgemeinde-Vorstandes in Wien, stimmeneinhellig gewählt. Wien. Zehntes Verzeichniß der in Folge des Aufrufs, der Frau Dr. Grünfeld I.. Schottenring Rr. 2 (Feneuanfeuthalt betreffend) eingelangten Spenden: Frau Rosa Regenstreif 2 fl., Herr Dr. Gust. Morgenstern 5 fl. Herr D. Berger 1 fl., Herr Max Kotänyi 1 fl., Herr furcht fl. Herr Joh. Kotänyi 3 fl., Frau Charlotte Frankl (Baden) 2 fl., Frau Auguste Fürst 5 fl., Frau Jakob Fürst 5 fl., Frau Hermine Gerber 2 fl. Frau Camilla Quittner 3 fl. Mit den bereits ausgewiesenen zusammen 2850 fl.