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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-08 · 28 (8.7.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
28 (8.7.1892)
Date
1892-07-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Orsterrrichischr Worhenschrift. Nr 28 Sette 483 verfolgt von etwa 50 Personen, die die Absicht, den Maurermeister niederzuschlagen, zu verwirklichen suchten. Nun wurde dieses Haus von den wüthenden Excedenten förmlich belagert, bis endlich gegen 97* Uhr ein Schutzmann erschien, der Beamte konnte allein Nichts ausrichten, er gab das Nothsignal, auf welches sieben Nachtwächter herbeigerufen wurden, bei deren Erscheinen die Menge nun schleunigst flüchtete. Der durch die Polyri Stfrate S. mußte also den Heimweg unter dem Schutz LechWen rmtreten. Im Laufe des gestrigen Tages wurde bei vierAg Familien der Umgegend des Ostbahnhofes von der Eriminal-Polizei Haussuchwrg gehalten, wobei sich herausstellte, daß die Plünderung keineswegs blos durch die ärmere Bevölkerung jener Straßen verübt worden ist, sondern, daß viele sehr gut situirte Personen au dem Raubzug betheiligt gewesen sind, zu denen u. A. ein reicher Bäckermeister und ein wohlhabender Schlachter gehören. Nach eingehender Vernehmung sind die polizeilich Sistirten, deren Zahl, wie Eingangs erwähnt, mehr als s.'chzig beträgt, auf freien Fuß gesetzt worden. Da die Ermittelten fortwährend neue Angaben machen, glaubt die Behörde mindestens zweihundert Theilnehmer an dem Raub der Staatsanwaltschaft übergeben zu können. — Daß die antisemitische Rotte nicht gerade einen Unterschied macht zwischen jüdischem und christlichem Eigenthum, das hat diese kleine'Kraftprobe des anttsemittschen Raubgesindels bewiesen, es raubte, nachdem es bei dem Juden Seligsohn angefangen, bei den christlichen Nachbarn weiter. Köln, 27. Juni. Die „Köln. Bolks-Zeitung", das Hauptorgan der Ultramontanen am Rhein, das früher antisemittsche Neigungen hatte, bringt heute einen sehr bemerkenswerthen Artikel „Centrumspartei und Judenfrage", in welchem den anttsemittschen Bestrebungen mit folgenden Ausführungen entschieden entgegengetreten wird: „Käme es zum Ausschluß der Inden aus den behördlichen Kreisen, so würde nach 24 Stunden der „Evangelische Bund" dieselbe Ausnahmemaßregel gegen die Katholiken verlangen. Wie stehen wir denn jetzt? Zur Zeit haben wir noch immer keine katholischen Minister, Staats-Secretäre, Unterstaats-Secretare, Ministerial-Directoren, Oberpräsidenten, Oberlandesgerichts- Präsidenten rc. »Ce n’est que la premier pas, qui coute«, sagt ein französisches Sprichwort, — hätte man erst die Juden in die Staatsacht erklärt, so könnte es gar nicht so schwierig sein, das gleiche Experiment mit den Katholiken zu machen. Sage man nicht, dazu werde es nicht kommen. Es ist in Preußen schon zu vielen Dingen gekommen, die früher nicht für möglich erachtet wurden. Wer hätte nach der Schlacht von Sedan an die Möglichkeit eines „Culturkampfes" gegen die katholische Arche in Preußen gedacht? Wer bürgt uns dafür, daß solche Zeiten nicht noch wiederkehren? Unangenehm überascht kann nur der werden, welcher ganz und gar zu vertrauensselig ist. Unser ceteram censeo ist, daß die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden im gemeinsamen Interesse und im Namen der Freiheit und des Rechtes nicht angetustet werden darf. Nur kein Ausnahmegesetz und keine Ausnahmemaßregeln! Sonst find wir nicht der Meinung, daß die 49 Millionen Deutschen sich von der einen Million Juden alles gefallen zu lassen brauchen. Wo jüdische Leute das Volk bewuchern, da kläre man das Volk auf und warne vor den Blutsaugern, aber in ganz gleicher Werse gehe man gegen wucherische Christen bor. Wenn jüdische Journalisten in unanständiger Weise die Heiligthümer der Christenheit bespötteln, so lasse man es an energischer Abwehr nicht fehlen, allein bei ähnlichem Gebühren entarteter Christen thue man dasselbe. Weiter wissen wir keine „Maßregeln gegen dasJudenthum", undsonst wollen wir auch keine. Dem ehrlichen, anständigen Juden soll kein Haar gekrümmt werden; aber Maßnahmen gegen das Judenthum überhaupt würden diese guten Elemente auch treffen. Können die 49 Mll. Deutschen sich auf diese Weise nicht der 750 der Bevöllerung ausmachenden Juden erwehren, dann sind sie nicht mehr werth, zu existiren. Der Antisemitismus bekämpft von den vielen Schäden in unserem staatlichen und socialen Leben nur einen einzigen. Es heißt wirklich, den Juden zu viel Bedeutung beilegen, ihretwegen eine eigene Partei zu gründen. Das Ende vom Liede wäre, daß in Deutschland eine große antisemitische Partei von 49 Millionen Christen zur „Abwehr" gegen die zwei Prozent Juden eristtre; ein solches anttsemitisches „Ideal" muß geradezu heiter stimmen. Unsere Darlegung wird weder den Antisemiten gefallen, noch manchen das Christenthum fanattsch bekämpfenden „liberalen" Juden Vergnügen machen, aber sie wird bei den Centrumswählern Beifall finden, und darauf allein kommt es uns an. Die Centrumswähler wollen weder Ausnahmemaßregeln gegen die Juden, noch haben sie die Absicht, sich von Ihnen alles gefallen zu lassen. Sie werden nach beiden Richtungen hin ihren Standpunkt mtt Entschiedenheit wahren, darauf können sich sowohl die Inden als die Antisemiten verlassen." Paris, 1. Juli. Der Gouverneur von Paris, General Saussier, erließ an die Officiere folgenden Tagesbefehl: Ein schmerzliches Ereigniß hat in den letzten Tagen die große militärische Familie in Trauer versetzt. Eines ihrer ausgezeichnetsten Mitglieder, Hauptmann Mayer, erlag den Folgen eines Duells, dessen erste Veranlassung ein angeblich von einem Officier geschriebener Artikel war. Wenn in Wirklichkeit Jemand existirt, der den Degen trägt und sich der Feder und des Degens eines Anderen bediente, um Schmähungen und Beleidigungen gegen einen Kameraden zu richten, so hofft der Gouverneur, daß er nicht der Garnison von Paris angehört. Unter allen Umständen empfiehlt er den ihm unterstehenden Officieren kaltes Blut und Ruhe, zumal sie überzeugt sein können, daß die öffentliche Entrüstung alle aberwitzigen und verbrecherischen Versuche, welche den großen Bund der lebendigen Kräfte des Vaterlandes auseinanderzusprengen bezwecken, unfehlbar zu Falle bringen wird. Der „Jour", dessen Specialität darin besteht, allen „sensationellen Affairen auf den Grund zu gehen", hat einen, regelrechten Feldzug gegen Edouard Drumont und dessen antisemitisches Blatt „La Libre Parole" eröffnet. Er veröffentlicht heute eine Reihe von anscheinend unwiderleglichen Documenten, aus denen ersichtlich ist, daß das Geld zur Gründung des Blattes Drumont's von einem Herrn Gaston Cremien, genannt Wiallard stammt, welcher der mosaischen Religion angehört. Daß Drumont seinen Antisemitismus nicht so genau nimmt, wenn es sich um Geld handelt, beweist übrigens der Umstand, daß sein Blatt dem „Oowptoir äes Fonds nationaux“ auffallend starke Reclame macht. Die Directoren dieses Institutes sind die Herren Lucim Kahn und Nachmias, deren Name eine nicht ganz rein arische Abstammuug vermuthen läßt. Schließlich ist der fiuancielle Verwalter des „Libre Parole" derselbe I. B. Gerin, welcher vor l'/2 Jahren als Director des „National" an die Mitglieder der Pariser israelitischen Cultusgemeinde ein Rundschreiben aussendete, worin er ihnen sein Blatt als Organ gegen den Antisemitismus empfahl. I. G. Gerin scheint damals in seinen Hoffnungen getäuscht worden zu sein, denn er hat sich rasch zum Geldmann desselben Drumont gemacht, den er kurze Zeit vorher in seinem Blatte in rücksichtslosester Weffe angegriffen hat. Daß Gerin seine Ansichten und Ueberzeugungen so rasch und leicht ändert, ist eigentlich ganz nebensächlich, bezeichnend ist nur, mit welchen Leuten der „unbestechliche und ehrliche" Drumont sein Blatt gründete. London. (Oberst Goldsmid.) Ein Vertreter des „Daily Graphic" beschreibt den „Josna des neuen jüdischen Auszuges", Oberstlieutenant L. E. W. Goldsmid, wie folgt: „Es würde schwer fallen, einen Mann zu finden, welcher besser für den schwierigen Posten des Generaldirektors der jüdischen Kolonien in Argentinien so geeignet wäre. Befähigen ihn einerseits seine militärische Erziehung und besonders seine Erfahrungen als Vice-Generalquartiermeister der englischen Armee in hervorragendem Maße, die Lösung großer Transport-, Organisations- und Kolonisationsprobleme in die Hand zu nehmen, so sind andererseits in seinem ausgeprägt jüdischen Geiste jene Eigenschaften, Mitgefühl für den Nächsten und edle Begeisterung in der Verfolgung seiner Pläne, vereinigt, welche die Grundbedingung jedes Erfolges bilden. Oberst Golvsmid steht jetzt in seinem 46. Lebensjahre. Ein liebenswürdiger, genialer und energischer Mann der Welt, erinnert er durch seine Verbindung von heiterer Kameraderie mit starkem religiösen und Rasse-Gefühl sehr an Lawrence Oliphant. Er entstammt einem Geschlecht von Soldaten und einer der ersten Familien in Israel. Die Tradition führt den Ursprung der Familie Goldsmid auf die Maccabäer zurück, ein Glaube, welcher auch in dem Wappen der Familie zum Ausdruck gelangt. Wie dem auch schon sein mag, so haben doch die Vorfahren des Obersten die militärischen Gaben des Geschlechtes in glänzender Weise bethätigt. Seinem Großonkel, General Goldsmid wurde bei Waterloo ein Pferd unter dem Leibe erschossen, sein Großvater hinterließ ein ausgezeichnetes Andenken im 19. Dragonerregiment und fast alle seine männlichen Anverwandten haben sich in der Armee mit Ruhm bedeckt. Einer seiner hervorragendsten Vorfahren von mütterlicher Seite war Oberst David Franks, welcher wählend

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