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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-08 · 28 (8.7.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
28 (8.7.1892)
Date
1892-07-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 28 Vrstrrrrtchifche WochrnschrW. Seite 495 seitens des Monarchen beehrt wurde. Als Vertreter der Arbeiter- Pensions- und Witwen-Cassa der Brunner Wollmanufactur -erschienen vor Sr. Majestät in Audienz Herr Obmann Simon Strakosch und Vice-Obmann Johann Reibhorn. Der Theaterpars-Borstellung hatten die Auszeichnung beiwohnen zu dürfen die Herren und Damen: Johann Reibhorn, Johanna f Adolf und Sigmund Flesch. Julius Ritter v. Gomperz mit Gemahlin, Adolf Ernst, Frau Isaak Löw-Beer, Dr. Fuhrmann, die Industriellen Josef Mandl, B. & S. Morgenstern, kaiserlicher Rath Herzfelder, Friedrich Redlich, A. & W. Grünfeld, Julius Engel. Gustav Drucker. Isidor R. Strakosch, Leopold Löw-Beer, Heinrich Pisko und der Publicist Dr. Goldhann. Budapest. (Ungarischer israelitischer Landes- Lehrerverein.) Der fünfundzwanzigjährigen Wirksamkeit des ung. israel. Lehrervereins, die in der morgen, Dienstag, beginnenden Generalversammlung gefeiert wird, ist ein Ehrenplatz in der Geschichte der nationalen Bolksschul-Pädagogik gesichert, da die Ergebnisse seiner Thätigkeit nach mehrfacher Richtung einen entschiedenen Fortschritt unseres Schulwesens theils unmittelbar herbeigeführt, theils eingeleitet haben. Als der hervorragendste Erfolg des israel. Lehrervereins kann derjenige angesehen werden, den er auf dem Gebiete der Humanität erzielt hat. Nicht minder lobenswerth und achtunggebietend sind aber die Resultate seiner confessionell-pädagogischen Wirksamkeit auf dem Gebiete der Bücher-Edition. Der Verein hat im Laufe seiner fünfundzwanzigjährigen Thätigkeit 5425 fl. für Witwen und Waisen verstorbener Lehrer und 12.529 fl. 70 kr. an Krankenunterstützungen verausgabt. 'Der Verein verfügt über 21 Schulbücher-Editionen die in 375.000 Exemplaren cirkuliren. Zur Gründung eines Ungarischen israel. Landes-Lehrervereins gab der öffentliche Lehrer an der königl. Primar-Hau tschule in Pozsony K. Saphir, der im „Kochte Jiczchak“ ^hebräische Zeitschrift, redigirt von M. E. Stern, Wien 1847) also genau vor 50 Jahren, die bestehenden Mißverhältnisse des Lehrerstandes im Judenthum schildert, Sorgen und Kümmernisse der Lehrer bloßstellt und dieselben zur Gründung eines Ungarischen israelitischen Landes-Lehrervereins auffordert. Der Ausbruch des Freiheitskampfes war aber der Beremsgründung nicht günstig. Zehn Jahre später, im Jahre 1858, wurde die Vereinsgründung wieder von einem Lehrer der königlichen Primar-Hauptschule in Pozsony, von Heinrich Buxbaum angeregt. Wieder verstrichen zehn Jahre, bis der Direktor der Musterschule in Pest, A. Lederer, die Initiative zur Gründung des Lehrervereines ergriff. Er und der damalige Oberrabbiner Dr. W. A. Me isel bewogen die Lehrkörper der Musterschule, der Pester und Altofner Normalschule, die zur Gründung nothwendigen Schritte einzuleiten. Nachdem die im Jahre 1866 gehaltene Generalversammlung die Statuten angenommen hatte, konnte der Verein unter der Leitung des Schuldirectors A. Lederer seine Wirksamkeit beginnen. Der erste Ehrenpräses des Vereines war Oberrabbiner Dr. W. A. Meisel. Ihm folgte Dr. Leopold Löw, Oberrabbiner in Szeged. Nach dem Hinscheiden Löw's wurde Rabbiner Dr. Samuel Kohn einhellig zum Ehrenpräsidenten des Vereines gewählt, der auch gegenwärtig diese Ehrenstelle bekleidet. Um das Aufblühen des Vereines haben sich außer den Obgenannten noch Verdienste erworben die Herren Oberkantor Fried mann, Martin Sch ei g ec, Eleazar Szanto, Sigmund Ozer, die alle dem Vereine als Präsidenten vorgestanden. Das Vereinsorgan „Jzr. Mrtesitö" erscheint seit siebzehn Jahren ununterbrochen. — Heute traten die Mitglieder des israelitischen Landes-Lehrervereines im Berathungssaale der Pester israelitischen Religionsgemeinde zu einer zahlreich besuchten Vorkonferenz zusammen. Nachdem Vereins-Präses Ozer die Versammelten begrüßt hatte, wurde daß vom Ausschuß zusammengestellte Programm der Festversammlung nach langwieriger Debatte genehmigt. Nach geschlossener Berathung fand eine Privatbesprechung unter Vorsitz Paul Tencer's statt, in welcher die Person des zu wählenden Vereinspräsidenten den Gegenstand der Berathung bildete. Mit Ausnahme eines einzigen Mitgliedes sprachen sich alle Anwesenden mit großer Begeisterung für die Kandidatur des um den Verein hochverdienten Schuldirektors Eleazar Szanto aus. Berlin. Wenn die Herren Pohl und Schwennhagen die jüngst unter dem Titel „der Talmud-Auszug" den längst von allen Capazitäten auf diesem Gebiete als Fälschung gekennzeichneten „Judenspiegel" des berüchtigten Dr. Justos nachdruckten und zum Zwecke der antisemitischen Propaganda in 150.000 Exemplaren verbreiteten, wenn diese Herren nicht dem Beispiele Rohlings folgen und an der Schwelle des Gerichtssaales von ihrer Klage zurücktreten, so werden wir endlich ein. mal doch die Genugthuung haben, daß an Gerichtsstelle, vor der breitesten Oeffentlichkeit die Fälscher und Schänder unserer Religionsquellen gebrandmarkt werden. Bekanntlich hat Herr Dr. H. Hildesheimer gegen den „Talmud-Auszug" der genannten Herren eine Gegenschrift unter dem Titel „der echte Talmud-Auszug herausgegeben und in dem Vorworte diese Herren Antisemiten nach Verdienst gewürdigt. Daraufhin veröffentlicht nun der hiesige antisemitische Moniteur eine Erklärung der Herren Rohl und Schwennhagen, worin sie anzeigen, daß sie diesmal die günstige Gelegenheit nicht verpaffen und ausnahmsweise einmal klagen werden. Vielleicht hat Herr Dr. Hildesheimer mehr Glück als der Reichsraths-Abgeordneten Dr. Bloch, der nicht im Stande war, Rohling in den Gerichtssaal zu bekommen um ihn dort anzunageln. Möglich sind die Herren Rohl und Schwennhagen noch unwissender als Dr. Rohling und haben wirklich den „Math" ihren „Talmud-Auszug" vor Gericht zu legitimiren. Das Judenthum muß es wünschen, daß die Herren diesen Muth finden und endlich der Tag komme, an welchem die Bosheit und Niedertracht, mit welchen man unsere Religionsschriften angreift von Richtern anfgedeckt werden und unsere Selbstwehr in einer richterlichen Entscheidung eine Stütze finde. Berlin, 28. Juni. „Am Sonnabend wurden in der Friedrichstraße nicht nur die „Judenbordelle" sondern auch eine andere Broschüre „Geyeimnisse eines verrufenen Hauses rc." ausgeschrien, uud zwar von denselben Personen. Heute sind die „Geheimnisse" verschwunden, während die Judenbordelle in blutrotstem Umschlag weiter verkauft und den Vorübergehenden unter die Augen gehalten werden. Sollte die Pornographie nur unter der Flagge des Antisemitismus erlaubt sein? Ein Polizist, der auf das Gebühren der Verkäufer aufmerksam gemacht wurde, erklärte, er habe nicht schreien hören. Er mag etwas schwerhörig sein, oder die Schreier nehmen auf die Ohren unserer Polizei Rücksicht und brüllen lieber Damen an. Uebrigens ist die Verbindung von Antisemitismus und Pornographie nichts Neues. Die Romane des berüchtigten Denuncianten, des Kreuzzeitungs-Goedsch», der die deutsche Literatur unter dem Pseudonym Ratcliff mit den Kindern seiner Muse beglückt hat, verbindet conservative Gesinnung mit Antisemitismus und Pornographie, der Antisemit Chirac ist als Pornogräph mit drei Monaten Gefängniß bestraft. Ein süddeutsches Antisemitenblatt versüßt sein Hauptthema durch Preußenfresserei und Pornographie. Läden, die Carricaturen von Juden im Schaufenster sichren, haben auch Photographien dürftig bekleideter weiblicher Schönheiten. Berlin. (Praktischer Antisemitismus.) Unter dem Schlachtrufe: „Nieder mit den Juden" hat sich in Berlin ein Exceß abgespielt, der wohl eine Vorübung der Berliner Antisemiten sein soll. Auf dem der Ostbahn gehörigen Grundstück, Brombergerstraße 14, hatte die Nutzholzhandlung Emil & Martin Seligsohn einen Lagerplatz inne, den dieselben jetzt räumten, da die Stätte zum 1. Juli d. I. an einen Maurermeister S. vermiethet war. Am Freitag Abend um 6 Uhr hatte das Personal obiger Firma den Lagerplatz, auf welchem sich noch für 800 Mark Maare befand, verlassen und die Eingangsthüre verschlossen. Gegen 6'/, Uhr sammelte sich eine nach Hunderten zählende Menschenmaffe an. Ohne Weiteres riß die Menge nun den Platz von der Straße trennenden Zaun nieder und es begann eine allgemeine Plünderung. Man riß die Holzstapel ein, trug die Nutzhölzer einzeln. fort, andere Personen wieder, denen dies Geschäft zu langweilig war, hielten einherkommende Fuhrwerke an und ließen auf denselben die geraubten Waaren fortbringen. Alsdann legte die Menge einen Zaun um, welcher das Grundstück Nr. 14 von einer benachbarten Nutzholzhandlung trennte und machte sich auch an die Plünderung dieses Platzes. Es waren hier auch schon bedeutende Borräthe geraubt worden, als der Besitzer dieses Platzes mit vier Angestellten erschien und vier die Stätte bewachende Hofhunde loskettete, um so die weitere Plünderung zu verhindern. Die Thiere wurden jedoch von der Menge durch Steinwürfe zurückgetrieben und so konnte Nichts gegen den Janhagel ausgerichtet werden. Gegend'/, Uhr Abends kam nun der neue Miether des Platzes, Maurernceister S. mit seiner Gattin an dem geplünderten Grundstück, auf welchem noch immer die Menge ihr Unwesen trieb, vorüber und fühlte sich veranlaßt, einen Knaben, der gerade ein größeres Brett sorttrug, zurückzujagen; er forderte dann die Plünderer auf, den Platz zu verlassen, da aber drang die Menge unter den Rufen: »Haut den Hund todt!" auf Herrn S. ein, der sich jetzt mit seiner Frau nach einem Hause in der Memelerstraße flüchten mußte,

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