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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-08 · 28 (8.7.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
28 (8.7.1892)
Date
1892-07-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 48 4 Oesterrrichischr Wochenschrift. j. And tm Elend verkommenen Theiles der reichshauptstädtischen Bevölkerung, auch sie sind Christen und Arier.- ' Besonders lehrreich sind die nachstehenden Fälle: Me es heißt, hat die „Gesellschaft zur Herstellung von Dynamit" einen Verlust von rund 6 Millionen Francs durch Unterschlagung erlitten. Den Morgenblättern zufotze werden zwei Mitglieder des Verwaltungsrathes Gilbert Legay, ehemaliger Präfekt und Senator, Director der Departementsgeschäste im Ministerium des Innern, und Arton, ehemaüger Agent der Panama-Gesellschaft, dieses Vergehens beschuldigt. Bei beiden Angeschuldigten wurden Haussuchungen vorgenommen. Legay hat Paris verlassen. Arton soll verhaftet sein. (Wolff's Telegraphen-Bureau.) Der Director S chenk von dem Comptoir St. Gallen der „Eidgenössischen Bank" wurde verhaftet. Dem Vernehmen nach hat derselbe die Bank durch betrügerische Operationen um eine Summe von etwa 3 Millionen geschädigt. Der Reservefond in Höhe von 3 Millionen ist verloren. Die übrigen Verluste beziffern sich auf 6% bis 7 Millionen. Der neue Verwaltungsrach lehnt jede Verantwortlichkeit ab. Die von der Direction und dem Verwaltungsrath pro 1890 und 1891 bezogenen Tantiemen sollen zurückverlangt werden. (Der Bund.) Der deutsche Consul C. I. Hasselquist in Kaünar (Schweden, bedeutender Unterschlagungen beschuldigt, hat sich erschossen. Die veruntreute Summe beträgt ungefähr 169000 Kronen. — Der Verstorbene, welcher das 62. Lebensjahr erreicht hatte, gehörte zu den hervorragendsten Persönlichkeiten der Stadt. (Nach mehreren Blättern.) Alt-Reg ierungsrath Sturz e n egg er, Fabrikant in Herisau (Appenzell) ist wegen Betruges verhaftet worden. Sturzenegger ist bei der Eidgenössischen Bank mit 3 Millionen Francs engagirt. Er stand in Geschäftsbeziehung mit dem vor einiger Zeit verhafteten Director der Filiale der Eidgenöffischen Bank in St. Gallen, Namens Schenk. (Neue Freie Presse.) Der Gemeinde-Empfänger der 7000 Einwohner zählenden Ortschaft Morlanwelz in Belgien, Godefroi ist stüchtig. In der Cassa fehlen 150000 Fr. Godesroi war auch Wechselagent. Zahlreiche Gewerbetreibende, Kleinbürger und Arbeiter büßen bedeutende Sunnnen ein. (L’Independ. beige.) Der General Capellari della Colomba, Districts-Kommandeur des IX. italienischen Corps, wird wegen großer Unterschleise steckbrieflich verfolgt. (Kleines Journal.) Ueber Unterschlagungen bei den Gotthardbefestigungsbauten wird folgendes mitgetheilt. Da sich für die Ausführung der Befestigungsarbeiten in Anbetracht der klimatischen Vnhällniffe keine Unternehmer mehr fanden, so war die Militärverwaltung genöthigt, in Regie arbeiten zu lassen. Es wurde ein Ingenieur Deutsch aus dem Kanton Appenzell angestellt, der früher bei der Rheincorrection thätig war und sich hierüber durch glänzende Zeugnisse ausweisen konnte. Wie man aber nachträglich erfuhr, hatte Deutsch schon in dieser Stellung sich Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen üstsen. Bei den Gotthardbauten fälschte er Zahlungslisten, indem er höhere Bettäge aussetzte, als an die Arbeiter ausgezahlt wurden. Die Höhe der unterschlagenen Gelder ist nicht genau zu ermitteln; sie scheint aber beträchtlich zu sein. Deutsch hat sich geflüchtet. (Kreuzzeitung.) In Piacenza wurde der Fürst Alessandro Portapuglia wegen eines Sittlichkeitsverbrechens verhaftet. Die Polizei hatte Mühe, die wüthende Volksmenge zürückzudräugen, welche an dem Fürsten Lynchjustiz üben wollte. (Wiener Fremdenblatt.) Ein gräflicher Wechselfälscher und Deserteur. Das 8. Dragoner-Regiment in Bochdanec hat folgende Currende Nr. 38 erlaffen: „Collalto Manfred Graf, Lieutenant i. d. R., zu Sussogana, Bezirk Treviso in Italien, 1870 geboren, nach Staatz, Bezirk Mistelbach in Niederösterreich, zuständig, 171 Centimeter groß, mit rundem Gesicht, blonden Haaren und Augenbrauen, blauen Augen, kleiner Nase, rundem Kinn, deutsch, französisch und englisch sprechend, ist seit Mai dieser Jahres von Bochdanec flüchtig und hat sich eines Wechselfälschung schuldig gemacht." („Deutsche Ztg." von 5. Juli 1892.) Wie würde es nun den Herren Antisemiten gefallen wenn wir, ihrem Beispiele folgend, aus den vorstehend mitgetheilten Fällen die Schlußfolgerung ziehen wollten, daß die Christen ganz besonders zur Gesetzesübertretung Hinneigen? Sie würden uns mit Fug und Recht eines tendenziösen Vorgehens beschuldigen, und dennoch hätten wir nichts weiter gethan, als was schon seit Jahren die gesammte antisemitische Presse zu Verhetzungszwecken thut. K. Sch. Gjtfmsptttleum Wien. Unter den vielen wohlthätigen Vereinen der Israeliten Wiens nimmt der Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultusgemeinde in Wien einen ersten Rang ein, sowohl der Anciennität wie seinem Wirken nach. Es liegt vor uns sein ein und dreißigster Jahresbericht und der achtzehnte Jahresbericht über das von ihm gegründete israelitische Mädchen-Waisenhaus in Wien. Wir entnehmen denselben folgende Daten: Ende 1891 befanden sich im Schutze des Vereines 327 Waisenkinder und zwar 157 Knaben und 124 Mädchen in externer Versorgung und 46 Mädchen in Waisenhause. Die Versorgung der Vereinspfleglinge beanspruchte im letzten Verwaltungsjahre einen Aufwand von fl. 32.11015. Es berührt den Menschenfreund schmerzlich, wenn der Vorstand in seinem Berichte mit dem Bedauern konstatiren muß, daß seine Bemühungen zu Gunsten der armen jüdischen Waisen nicht mit jener Opferwilligkeit unterstützt wurden, die man von der größten und wohlhabendsten Cultusgemeinde Oesterreichs erwarten darf. Der Verein zählt nicht mehr als 584 beitragende Mitglieder und der Betrag seiner Jahreseinnahme beläuft sich auf nicht mehr als fl. 3882. 'Zudem sind es nicht gerade die minder Wohlhabenden, welche ihre bisherigen Jahresbeiträge einstellen oder sich dem Vereine gegenüber ablehnend verhalten, so daß der Verein leider angesichts seiner unzulänglichen Mittel zahlreiche Gesuche um Waisenversorgung unberücksichtigt lassen mußte. Unter den Spendern ragen hervor: Herr David Ritter von Gutmann mit fl. 30.000, Herr Moritz Ritter von Gutmann mit fl. 5000 und Herr Moritz Hirsch mit fl. 7000. Das Schutzdamen-Comite über das Mädchen-Waisenhaus, welches im verflossenen Jahre sein durch die Munifizenz der Gebrüder- Ritter von Gut mann erbautes eigenes Heim bezog, besteht aus den Damen Baronin Charlotte von Königswarter, Sophie von Gutmann, Charlotte Biedermann, Otttlie B o n d y, BaroninStella von Oppenheimer, Emilie Pfeiffer, Emilie S y g er und Anna T h o rs ch, und es ist erhebend, mit welcher Sorgfalt diese Damen um ihre Schützlinge bemüht sind, und besonders mit welcher Pietät dieselben der jüdischen Recreationstage, wie Purim und Chanuka, gedenken um an denselben den armen Waisen besondere Freude zu machen. Das Waisenhaus wurde im Laufe des letzten Jahres von den Schutzdamen 87mal inspizirt. Mög ihr edles Wirken viele Nachahmer finden und dieser Verein, speziell für sein Mädchen-Waise.rhaus neue Gönner gewinnen. Brünn. (Kaisertage.) Die Cultusgemeinde Brünns und die Juden Mährens können auf die Kaisertage mit hoher Befriedigung zurückblicken. Seine Majestät haben überall dort, wo sich ein Anlaß hiezu geboten, die Deputationen der mährischeu Cultusgemeinden und der zum Empfang und Vorstellung erschienenen jüdischen Capacitäten mit größter Huld und Gnade ausgezeichnet. Daß der Herr Landesrabbiner Dr. Placzek und andere hervorragende Glaubensgenossen der Hoftafel zugezogen wurden, wurde an dieser Stelle bereits hervorgehoben. Erwähnt sei noch, daß als Mitglieder der Deputation der politischen Gemeinden Mährens der Großindustrielle Ignaz Fluß für die Stadt Freiberg erschienen war und mit einer huldvollen Ansprache

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