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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-08 · 28 (8.7.1892) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
28 (8.7.1892)
Date
1892-07-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Vrsterrrtchtschr Wochenschrift. Sette 483 Aus Schöneck (in Westpreußen) wird gemeldet: Kürzlich | nahm sich der hiesige Rendant der Stadtcasse A. Bathe | durch Ertränken das Leben. Es tauchten sogleich damals über Unterschlagungen und Bücherfälschungen Gerüchte auf, die auch bald Bestätigung fanden. Es fehlen, wie sich jetzt heransgestellt hat, allein aus dem verflossenen Etatsjahr 10600 Mark. Das ist eine Summe, welche bei der ärmlichen Finanzlage unserer kleinen Stadt gehörig ins Gewicht fällt. Es ist hier Vielen unbegreiflich, auf welche Weise der verstorbene Stadtkämmerer eine so hohe Summe hat unterschlagen können, da monatlich eine Revision der Casse stattfand. (Der Graudenzer Gesellige.) In Hamburg wurde der D i r e c to r Kunze der Actienbrauerei Teufelsbrück verhaftet, nachdem in der Kasse ein Fehlbetrag von 60000 Mark entdeckt wurde. Kuntze war zwei Tage vorher aus seiner Stellung entlassen worden. (Kleines Journal.) Der Buchhalter K. A u m a n n der Münchner Galvano-Bronrenfabrik K. Aumann (Haidhausen) hat sich vor ungefähr zehn Tagen entfernt. Es stellte sich nunmehr nachträglich heraus, daß er sich Unterschlagungen im Betrage von ungefähr 10000 Mark hat zu Schulden kommen lassen. Aumann ist noch ein junger Mann und erst seit Kurzem verheiratet. (Münchner Neueste Nachrichten.) Der bei der Bankfirma Richard Landsberger angestellt gewesene K a s s i r e r Wersche hat am vergangenen Freitag iist. Schlesischen Busch einen Selbstmordversuch gemacht, indem er sich mit einem Revolver in die linke Brust schoß. Der schwer Verwundete wurde nach Bethanien gebracht, und man glaubt, daß sein Leben erhalten bleiben wird. Die Ursache zum Selbstmord ist in Defraudationen von einigen 30000 Mark zu suchen. „ (Berliner Zeitung.) Der Inhaber C. G u st. König des Bank- und Commissionsgeschäftes „Schmidt und König" wurde bezüglich einer schwindelhaften Gründungsgeschichte von der Strafkammer wegen Betrugs und Unterschlagung zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß und 4 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Derselbe hatte unter der Angabe, es werde eine Actiengesellschafc für Ausbeutung der Wurzener Steinbrüche gegründet, welche einen großen Gewinn in Aussicht stelle, Actien zu 1000 Mark ausgegeben, deren Beträge aber zu eigenem Nutzen verwendet. (Fränkischer Kurier.) Wegen betrügerischen Bankers t ts und Fälschung ist gegen die Inhaber der Firma Gebrüder Erwig, Johann und Rudolf Erwig in Düsseldorf, Untersuchungshaft verhängt. Die Flüchtigen haben drei Wochen Vorsprung. Die Fälschungen sollen über eine Million betrugen. (Dortmunder Generalanzeiger.) Durch die Untreue des durch Selbstmord verstorbenen Anltsvorstehers Rud. Hinsch in Tritau (Schleswig-Holstein) werden, außer vielen Anderen auch zwei Landleute — Seemann in Hamfelde und Rabe zu Sieckenberg — arg geschädigt, welche wegen Brandschadens Versicherungsgelder durch Hinsch, der auch Bezirks-Commissär der Schlesw.-Holst. Landes-Brandcasse für den Tritauer District war, zu erheben hatten. Hinsch ließ sich von den beiden Brandbeschädigten Quittungen über den Empfang der Versicherungsgelder ertheilen, die er an die Direction einzusenden versprach, worauf sie, die Genannten, alsdann ihr Geld bei ihm erheben könnten. Hinsch hat, wie sich jetzt herausstellt, die Gelder von der Brandcaffen-Verwaltung, die im Besitz der Quittungen ist, auch empfangen, aber nicht an die Brandbeschädigten abgeliefert, sondern für seine Privatzwecke verbraucht, und die Brandcasse verweigert es jetzt, eine abermalige Zahlung zu leisten. Einem im Dorfe Köthel wohnenden Oheim des Hinsch, der demselben über 30000 Mk. anvertraut hatte, geht voraussichtlich bei dem jetzt über das Vermögen des Verstorbenen ausgebrochenen Concurse die ganze Summe verloren, da alle von Hinsch verwalteten öffentlichen Cassen leer sind. H. der mit seiner treulosen Wirthschaft an allen Enden festgerathen war, vergiftete sich an dem Morgen, an welchem er aus Antrag der Altonaer Staatsanwaltschaft wegen Unterschlagung verhaftet werden sollte. Das Strychnin, womit er sich tödtete, hatte er von einem zu seinen Händen gelangten Quantum Gift entnommen, welches von den dortigen Jagdpächtern zur Vertilgung der Füchse hatte verwandt werden sollen. Die durch die Treulosigkeit des H. im öffentlichen und privaten Leben Hierselbst hervorgerufenen Schädigungen, Confufion und Bestürzung sind sehr groß, und viele Familien werden davon bettoffen. (Hamburger Correspondent.) Wie der „Cref. Ztg." von unterrichteter Seite mügetheilt wird, hat sich der dortige Notar Velder in Köln im Rhein ertränkt. Die Geschäftsräume sind mit Beschlag belegt worden. Als die erste Folge dieses Ereignisses, das voraussichtlich noch viel von sich reden machen wird, ist die Festnahme des ersten Secretärs des Notous, Wilh. Prinz, früheren Rechtsconsulenten in Linnich und Sttomberg zu melden. Das eigenthümliche Verhältniß, welches zwischen den Notar und seinem Secretär bestand, ist schon lange in weiten Kreisen aufgefallen, ebenso der Umstand, daß der nunmehr verhaftete Prinz ein sehr kosffpieliges Leben führte. Ueber beide Punkte wird die sofort eingeleitete Untersuchung wohl Aufschluß geben. Der Notar Velder war nach dem Gutachten eines Specialarztes bereits am 6.ds.Mts. zu der Ueberzeugung gekommen, daß sein Kopsteiden unheilbar sei und er nicht mehr lange zu leben habe. Am selbigen Tage bestellte er einen hiesigen Rechtsanwalt zu seinem Testamentsvollstrecker. Er ist dann nach Köln gefahren, wo er am andern Tage zuletzt von einem Crefelder Herrn gesehen worden ist. In Folge der aus Köln eingegangenen Nachricht, daß bei Deutz bei der Leiche eines im Rhein angeschwemmten älteren Herrn, auf dem das Signalement des Verstorbenen paßte, eine Rückfahrtkarte II. El. Crefeld-Köln vorgefunden war, begab sich ein Kriminalist nach Köln, zum Zwecke der Besichtigung der bei der Leiche gefundenen Sachen, worauf dann die Ausgrabung und Anerkennung der auf dem katholischen Friedhof bereits beigesetzten Leiche erfolgte. Der hiervon auf telegraphischem Wege benachrichtigte Testamentsvollstrecker öffnete, nachdem das Königliche Amtsgericht die Anlegung der Siegel an die Geschäftsräume des Verstorbenen angeordnet hatte, das Testament und übergab der Criminal-Polizei ein Schriftstück, welches eine Anklage des Notars gegen seinen ersten Secretär wegen vielfacher Unterschlagungen und Betrügereien darstellte, worauf dann die Polizei den Prinz aufsuchte und festnahm. Ueber die bisherigen Ergebnisse der energisch betriebenen Untersuchung verlautet noch nichts. Die Höhe der veruntreuten Gelder wird auf 20000 Mk. angegeben. (Elberfelder Zeitung.) Dies ist die Ausbeute einer ganz flüchtigen Durchsicht dessen, was die Zeitungen, welche in den letzten drei Wochen erschienen, über solche Verbrechen wußten, deren Urheber unstreitbar Christen sind. Bei genauerem Zusehen würden sich sicher noch mehr Fälle dieser Art haben festftellen lasten. Doch wir denken: Für den ersten Bedarf genügt diese kleine Blumenlese. Sollte aber der eine oder andere anspmchsvolle Antisemit damit noch nicht zufrieden sein, so bleibt es chm ja unbenommen, den Prozeß des ruchlosen Mörderpaares Erbe- Bunttock, welcher sich gegenwärtig in Magdeburg abspielt, mü in den Kreis seiner criminalstatistischen Bettachtungen zu ziehen. Die beiden Scheusale, welche in diesem Proceß selbst der Anklagebank zur Schande gereichen, sind nämlich evangel'fche Christen, keine Juden. Erbe scheint sogar ein stommer Mann zu sein. Er schenkte einer seiner „Bräute" ein Gebetbuche das sich im Besitz einer, von ihm und der Bunttock abgeschlachteten Frauensperson vorgefunden hatte. Aehnlich verhält es sich mtt den Angeklagten im Proceß Heinze, der in den letzten Tagen wieder das Berliner Schwurgericht beschäftigte und tiefe Einblicke gestattet in das verbrecherische Treiben des im Laster

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