Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 28 (8.7.1892)
- Date
- 1892-07-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Süte 482 Oesterreirhifchr Wochen fchrist Nr. 38 Gegen einen Prediger, der früher in Berlin angestellt war, jetzt in der Provinz, ist eine Untersuchung wegen Meineids eröffnet. Vor einiger Zeit ist ein kleiner Beamter wegen Erpreffung zu einer Gefängnisstrafe verurtheilt worden. Er hatte den Prediger einen Brief geschrieben, er möge seine Tochter, die er verführt habe, mindestens in ihrer bitteren Noch unterstützen, wenn er sie nicht heiraten wolle. Der Prediger war nämlich unverheiratet. Er denuncirte den Briefschreiber wegen Erpreffung, beschwor als Zeuge, daß er mit der Tochter des Angeklagten keinen geschlechtlichen Umgang gepflogen habe, und so erfolgte die Verurtheilung. Mittlerweile hat der Berurcheilte soviel Material herbeigeschafft, so daß gegen den Prediger die Untersuchung wegen Meineids eröffnet wurde. Dem Beamten ist einstweilen, bis zur Erledigung des Verfahrens gegen den Prediger Strafaufschub bewilligt worden. Die Untersuchung wegen Meineids richtet sich gegen eine zweite Person, die um den Umgang des Predigers mit dem Mädchen gewußt haben soll, dieses aber als Zeuge eidlich in Abrede gestellt hat. (Dresdener Zeitung.) Mer Voraussicht nach geht die städtische Verwaltung zu Erfurt einem interessanten Rechtsstreit entgegen. Wie bereits gemeldet, ist ein daselbst zur Aushilfe angestellt gewesener C o mmunalsteuerbeamter, nachdem er eine Anzahl Steuerquittungen gefälscht und einen Bettag von etwa 3000 Mark bei den Steuerträgern einkassirt hatte, flüchtig geworden, ohne daß es bisher gelungen wäre, des Betrügers habhaft zu werden. Ar der letzten Stadtverordnetensitzung nun kam auch diese Angelegenhett zur Sprache und dabei erklärte der Oberbürgermeister, daß nach Lage des Falles die geprellten Steuerträger ohne Zweifel veranlaßt werden würden, den auf Grund der gefälschten Quittungen bereits gezahlten Steuersatz noch einmal zu entrichten. Diese Erklärung hat einiges Aufsehen erregt. Die durch den Schwindler um den Steuerbettag geprellten Geschäftsleute sollen entschloffen sein, den Proceßweg zu beschreiten. (Magdeburger Zeitung.) Der Fehlbetrag bei der Kreissparkasse in Goldap, welcher durch Unterschlagungen des flüchtigen Rendanten Maruschat entstanden fft, wird erheblich höher sein als anfänglich angenommen wurde. Bisher ist etwa die Hälfte der in Umlauf befindlichen Sparkassebücher mit den Hauptbüchern verglichen, und dabei hat sich schon eine Fehlsumme von mehr als 50.000 Mark ergeben. Es steht zu befürchten, daß der Reservefond der Sparkasse zur Deckung der Veruntteuungen daraufgehen wird. Nunmehr hat die Kreisverwaltung beschlossen, bei der Spartaffe neben dem Rendanten noch einen Kassenkontroleur anzustellen. (Vossische Zeitung.) Die Unterschlagungen des Spmkassen-Rendanten Wenghoffer aus Gumbinnen, der sich im April in Berlin erschossen hat, belaufen sich nach endgiltiger Prüfung auf über 120.000 Mark. Äwa 60.000 Mark werden durch die Kaution und das beschlagnahmte Vermögen gedeckt, so daß der Reservefond der Sponhiffe von 90.000 Mark zur Hälfte drausgehen wird. Wenghoffer war das Opfer unglücklicher Speculationen. (Berliner Presse.) Beim hiesigen S t ad t amt HI sollen ganz bedeutende Summen unterschlagen worden sein, deren Höhe ein Regierungskommiffär vorläufig auf 50.000 Mark festgestellt hat. Der Thäter, ein Rentamtsgehilfe K. soll sich schon seit einigen Wochen in Amerika befinden. In erster Linie hat der Amtsvorstand für die unterschlagene Summe aufzukommen. (Regensburger Tageblatt.) Wie man hört, soll der an der hiesigen Post angestellte Packetbote Magnier unter Mitnahme von 6000 Mark flüchttg gegangen sein. Derselbe wurde in Basel ergriffen und wird nun unter sicherer Obhut wieder hier eintreffen. (Geschäftsanzeiger in Speyer). Nicht geringes Aussehen erregt die plötzliche Verhaftung des Gemeinderechners und Kassiers in dem über 1200 Einwohner zählenden Mecken Dehm (Amt Limburg in Hessen-Nassau). Derselbe machte vor einigen Tagen plötzlich die Mittheilung, es sei in das Kassenlocal zur Nachtzeit eingebrochen und dabei seien an baarem Gelde über 6000 Mart gestohlen worden. Die Untersuchung wurde eingeleitet und förderte das überraschende Resultat zu Tage, daß der Gemeind ekassierer höchst wahrscheinlich den Diebstahl nur fingirt hat, um die von ihm seit längerer Zeit begangenen Fälschungen und Kassendefecte zu verdecken. Ec winde deshalb in einer Wirtschaft in Limburg, wo er sich zufällig befand, verhaftet. (Kölnische Zeitung.) . Der städtische Bauinspector Velten in Darmtadt ist wegen Unterschlagung einer größeren Summe von Amtsgeldern zu zwei Jahren Gefängniß und 5000 Mark Geldbuße verurtheilt worden. (Vossische Zeitung.) Am Sonnabend-Nachmittag wurde in Hannover der Wachtnreister Wilhelm H. festgenommen, weil er als Vollziehungsbeamter über 3000 Mark eingezogener Gelder der Stadtcasse nicht abgeliefert hat. (Hamburger Fremdenblatt.) In der Rendant Stahnke'schen Unterschlagungssache, welche zur Zeit in Bergen so großes Aussehen erregte, können wir mittheilen, daß seitens der Stadt nach den bisherigen Ergebnissen 37000 Mark zur Concursmasse angemeldet worden sind, von denen bisher 34000 Mark seitens des Concursverwalters anerkannt wurden. Zur Zeit weilt hier ein Beamter der Königl. Regierung zu Stralsund, um die Revision der Kassenbücher zu Ende zu führen. (Kreisanzeiger in Greifswald.) Der Postagent Zanders von Neersen am Niederrhein, ein bereits siebzigjähriger Mann, ist nach Unterschlagung amtlicher Gelder in hohem Betrag flüchtig geworden. (Kleines Journal.) In der Kirchenkasse zu Pillkallen hat sich ein Fehlbetrag von über 1000 Mark herausgestellt. Zwei der Rendanten sind gestorben; die Kasse ist in den letzten Jahren durch mehrere Hände gegangen. Der Staatsanwaltschaft ist Anzeige erstattet worden. In denr Kassenbuche fehlen zwei Blätter; dieselben sind herausgeschnitten und durch neue ersetzt worden. (Berliner Zeitung.) Unterschlagungen bei der Intendantur des dritten Armeekorps beschäftigten das Schwurgericht zu Potsdam, vor dem sich der Jntendantur-Bureau-Diätar Lappöhn aus Brandenburg a. H. zu verantworten hatte. Er genoß das volle Vertrauen seines Chefs, des Jntendanturraths Schulze, welcher ihn im Herbste v. I. beauftragte, die Leitung der Verpflegung der Truppen während des in der Lausitz und in Schlesien stattfindenden Manövers zu übernehmen. Lappöhn erhielt zu diesem Zwecke einen Vorschuß von 16200 Mark und unterschlug nun von diesem Gelde 1100 Mark, fälschte oder vernichtete auch, um die Unterschlagungen zu verdecken, die Controlbücher. Der Angeklagte, dem die Geschworenen mildernde Umstände zubilligten, wurde zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnißund 2 Jahren Ehrverlust verurtheilt. (Vossische Zeitung.) Der Cassenrendanl der Niers-Meliorations-Genossenschaft Jacob Schauten in Viersen ist heute in Haft genommen worden. Derselbe soll sich Unterschlagungen zur Höhe von 17000—18000 Mark schuldig gemacht haben. (Rheinisch-Westfälische Zeitung.) Die Registraturbeamten der Leipziger Gerichtsschreiberei Kühne und Weder befinden sich bereits seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft. Es liegt grober Vertrauensmißbrauch vor. — W. soll größere Summen unterschlagen und K. die entsprechenden Urkunden gefälscht haben. (Leipziger Zeitung.) Der Kassirer Vogt von der Filiale der Anglo- Deutschen Bank wurde heute Vormittag von der Strafkammer zu Altona wegen Unterschlagung von 11000 Mark zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt. (Hamburger Tageb.)