Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 28 (8.7.1892)
- Date
- 1892-07-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 480 Oesterrrichifchr Wochenschrifk. " Der Leitartikel „Die Großgrundbesitzer und die Juden", veröffentlicht in der Nummer vom 24. Juni 1892, illustrirt diese Stellungnahme klar und deutlich. Schon in den einleitenden Sätzen lesen wir: „In unserer Zeit macht sich auf allen Seiten eine lebhafte Bewegung und ein „edler" Wetteifer der Großen und Kleinen geltend, um sich aus den schädlichen Klauen der Juden-Speculanten zu befteien." Als ob es nach dem Gesagten eines Beweises bedürfte, um die „liebevolle" Gesinnung des Blättchens zu kennzeichnen, wird weiter gesagt: „Wir wollen uns nicht einlaffen in weitläufige Beweise von der „Ersprießlichkeit des Anüsemitismus", wir bemerken nur so viel, daß wir mit dem Filosemitismus nicht übereinstimmen können." Diese mit pragmattscher Kürze und dankenswerther Offenheit gezeichneten Sätze sind die Einleitung eines Artikels, in welchem den Großgrundbesitzern an's Herz gelegt wird, ja ihre Meierhöfe nicht mehr an Juden zu verpachten. Nun sind aber auch viele geistliche Corporationen gehörigen Meierhöfe an Juden verpachtet, manche durch viele Decennien, was sicher nicht der Fall wäre, wenn diese Pächter schon in den ersten Jahren Grund und Boden ausgesaugt hätten und die Baulichkeiten hätten eingehen laffen. In der am 27. Juni 1892 veröffentlichten Nummer bringt die Zeitschrift „Cech" einen Leitartikel unter der Aufschrift „Antisemitismus". In der Einleitung wird behauptet, „es habe Jemand vor 50 Jahren prophezeit, daß Juden Minister europäischer Reiche sein werden, daß ein Jude Lordmajor in London sein wird, und daß ein Jude einmal den Präsidentenstuhl in Washington einnehmen wird, mit einem Worte, daß die Juden alle Gebiete menschlicher Thätigkeit beherrschen würden." Schade, daß der Prophet nicht genannt wird. Wir könnten ihn uitjeren gemeinsamen Propheten einreihen, da doch Vieles in Erfüllung gegangen ist. „Die Juden Prags wohnen nicht mehr in der Josefstadt, sondern in der ganzen Stadt" sie hatten früher den ganzen Handel in Händen, „heute beherrschen sie ihn nahezu ganz". „Die Tische der Vertheüüger und Rechtsvertreter, das Lager der Kanken und Sterbenden ist von den Juden Wvbert worden. Es ist kein Gebiet der Erwerbsthätigkeit und kein Amt, wohin der Semittsmus nicht gedrungen wäre." „Es ist erklärlich, daß überall, wohin Juden eindrangen der Antisemiüsmus sich ausbreitete." Man wird diesen Herzensergüssen wohl kaum nachsagen können, daß sie für die Juden Partei nehmen, umso auffallender ist das Mittel, welches der „Cech" den Christen anräth, um sich der semittschen Ueberschwemmung zu erwehren, indem er die Parole ausgibt: „Eignen wir uns die rühmenswerthen Eigenschaften der Juden an. Dadurch werden wir uns ihrer am besten in socialer Hinsicht erwehren. Währenddem kann die Gesetzgebung durch geeignete staatliche Einrichtungen dem Semittsmus gewiffe Grenzen stecken." Hiebei ist der „Cech" so gnädig zu bemerken, „daß unsere Zeit drakonische oder drastische Gesetze gegen die Juden verträgt. Solche Gesetze würden nichts nützen, insolange sich bei uns (den Christen) nicht solche moralische Eigenschaften entwickeln, welchen den Juden die Concurrenz unmöglich machen." Dm weiteren Schilderungen des „Cech", denen wir nichts zugÄen, entnehmen wir, „wie an Sonntagen die Gasthäuser gefüllt find, und bei dem Klange der unterschiedlichsten Instrumente, geschrien, gejohlt,, gezankt, gerauft wird. Wie viel Juden betheiligen sich an derartigen Unterhaltungen? Der Jude macht mit seiner Familie eine Landpartie, unterhält sich anständig, stört Niemanden, und fährt oder geht bald nach Hause. Fragen wir wie viele jüdische, akademische Bürger, wir Vormittags und Nachmittags, Abends und spät in der Nacht in Kaffeehäusern und Gafchäusern bei dem Billarde, Kartenspiele oder Trinkgelagen treffen, und wie viel Juden die Falkultät nicht besuchen? Wir wissen aus dem Urtheile von Universitäts-Professoren, daß die Juden die fleißigsten Studenten sind. Der Jude versäumt seltm einen Vortrag, darum ist er verhältnißmäßig früher fertig, wie der Christ, llnd wenn der Jude auch auf manchen Gebieten nicht so viel Kenntnisse hat, wie der Christ, er ersetzt den Mangel an Fähigkeiten durch Fleiß." „Wir sprachen dieser Tage von dem riesigen Anwachsen (der Zahl) jüdischer Advocaten. Da sagte uns ein großstädtische Verhältnisse genau kennender Bürger: Ich erlangte gmug traurige, weil theure Erfahrungen mit christlichen Advocaten. Wenn ich ihnen eine etwas verwickeltere Angelegenheit übergab, so gingen sie entweder saumselig vor, oder sie verlor« ihn durch ihre Unkenntniß. Wenn schon mancher Advocat Nr. 36 ' sich nicht in Stempelangelegmheiten auskennt, und ich dadurch eine bedeutende Strafe zahlen muß, so hört sich Alles auf. Wenn ich dagegen, wenn immer eine Angelegenheit einem jüdischen Advocaten übergab, so konnte ich sicher sein, daß er derselben alle Sorgfalt zuwenden wird. Der jüdische Advocat rechnet es sich als Ehre an, bis in das kleinste Detail der Sache einzudringen, und wenn er auch Fachstudien machen sollte z. B. bei Wasserbauten, Bergwerksangelegenheiten rc. rc. Bezüglich der Geschäfts-Manipulation Pflegen sie in der Regel, Autoritäten zu sein. Ich weiß nicht, ob je einem jüdischen Advocaten die Schmach passiren wurde, daß sein Client wegen ungenügender Stempelung Strafe zahlen müßte." „Mit welchem Fleiße sich die Juden den medicinischen Studien widmen, ist allgemein bekannt. Die christlichen Studenten beklagen sich, daß jüdische Studenten den Professor bei Vorlesungen oder anatomischen Demonstrationen in einer Weise umringen, daß den christlichen Hörern nur die rückwärtigen Bänke verbleiben. „Aufdringlicher, zudringlicher Jude!" sagen freilich manche, aber das beweist gerade ihren Fleiß, ihre Energie bei dem Studium der Medizin. Mit welchen anatomischen und operativen Kenntnissen, junge christliche Doctoren manchmal in die Praxis eintreten, davon erzählt man recht interessante Fälle. Es wäre interessant, aus Grund statistischer Daten zu erfahren, wie viel jüdische Akademiker die Studien verlassen oder bei Prüfungen durchfallen." „Wenn also unsere graduirtc Intelligenz auf der ganzen Linie weichen muß, und wenn die Universitäten in Prag, Wien, Pest und anderswo eine immer größere Zahl Juden ausweisen, wie können wir verlangen, daß unsere Kauf¬ und Gewerbsleute die jüdische Concurrenz aushalten sollen." Bei Skizzirung des Artikels der Zeitschrift wurde wie gesagt, Nichts zugefügt, eher wegen Raummangel manches gekürzt. Aber das was demselben entnommen wurde, zeigt deutlich, daß es auch diesem Blatte, welches sich offen zum Antisemitismus bekennt, ergangen ist, wie einst Bileam, der ausging um zu fluchen, und segnen mußte. Prag', 28. Juni 1892. ' I. S. Kraus. Der Fanlner Knabenmord vor dem Schwurgericht in Cleve. T hatbestand und Un tersuchu ngszeit. Cleve, 3. Juli. Am verflossenen Mittwoch, am 29. Juni, war schon ein Jahr dahingeschwunden, seitdem in Tanten in einer Scheune die Leiche eines Knaben mit durchschnittenem Halse aufgefunden wurde. Ueber diesen Fall schwebte bis heute ein tiefes Dunkel und durch den Wahrspruch 'der Geschworenen aus dem Volke soll dieses Dunkel wenn möglich, gelichtet werden. Irr der Presse aller Parteien ist dieser räthselhafte Mord nach allen Seiten erörtert lvorden, im preußischen Abgeordnetenhanse gab er in zwei Sitzungen, am 10. Februar und 19. März d. I. Anlaß zu Besprechungen über Ritualmord und über unsere Justizpflege, und den Antisemiten bot er Stoff um in zahlreichen Versammlungen und in Flugschriften Angriffe aller Art gegen die preußischen Justizbehörden zu richten. Der folgende Bericht über die heute beginnenden Verhandlungen des Schwurgerichts in Cleve gegen den Schlächter Buschhof wird nach bestem Wissen und Können frei von jeder Voreingenommenheit und siei von Abneigung oder Gunst ein getreues Bild der Vorgänge liefern, die von heute ab in Cleve vor den berufenen Richtern sich abspielen werden. Zum. vollen Berständniß des Verlaufs des Processes Buschhof dürfte es wohl förderlich sein, wenn vorerst die Thatsachen noch einmal zusammengestellt werden, soweit sie als richtig im Parlament und in der Presse sich herausgestellt haben. Am 29. Juni vorigen Jahres wurde in Tanten Abends kuiz nach 6 Uhr in einer dem Stadtverordneten Klüppers gehörigen Fruchtscheune von der Dienstmagd Dora Moll die Leiche des fünfjährigen Knaben Johann Hegemann, Sohn des katholischen Schreinermeisters Hegemann, mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Der Knabe war schon Vonniltags nach 11 Uhr vermißt worden. Die Dienstmagd Moll weilte gegen 7,1 Uhr Mittags in der Fruchtscheune; aber um diese Zeit befand sich die Lerche noch nicht dort. Das Kind ist demnach zweifellos zwischen 7-1 Ühr Mittags und 6 Uhr Abends in die Fruchtscheune gekommen. Die Frage ist nun: Wurde der Knabe in der Scheune ermordet^oder wurde die Leiche in die Fruchtscheune gebracht, und von wem wurde der Junge ermordet? Oder liegt am Ende gar kein Mord vor, sondern ein bis jetzt unaufgeklärter Unfall? Die Schnittwunde am Halse der Leiche zeigte einen kräftigen und klaren Schnitt. Auch war ein Theil der Halskrause an dem Gewände des Kindes durchschnitten. Die Durchschneidung des Halses war aber nicht von der Art, wie es beim Schächten von Thieren nach jüdischem