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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-01 · 27 (1.7.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
27 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 47« Orstrrrrichischr WorherrfchrM.Nr 27 Liffabo«, im Juni. Bor Kurzem erhielt unsere Regierung eine Dresche vom General-Gouvemeur des portugiesischen Congogebietes mit der Meldung, daß dort mehrere jüdische Familien, die aus Südamerika, und zwar aus Argentinien kamen, eingetroffen seien und nun verlangen, man möge ihnen gestatten, sich in den afrikanischen Besitzungen Portugals anzusiedeln, um dort Ackeruyd Plautagenbau und Viehzucht betreiben zu können. Er, der General-Gouverneur, bitte nun um Verhaltungsmaßregeln. Daraufhin telegraphirte das Colonialministerium gleich zurück, der General-Gouvemeur möge diese Fremdlinge freundlichst aufnehmen und ihnen auch einen geeigneten Landstrich zur Ansiedelung darauf anweisen. Der General-Gouvemeur benachrichtigte nun die jüdischen Emigranten, daß er ihnen gestatte, sich auf der Hochebene von Mossamedes, die ein gemäßigtes Klima besitzt und auch über einen großen Quellenreichthum verfügt, anzusiedeln und werde ihn en die Regierung das zu ihren Culturen nöthige Land gratis auweisen. Die jüdischen Einwanderer vernahmen nun mit Jubel diese frohe Botschaft und mtt Kind und Kegel zogen sie dann nach der genannten Hochebene, die ihre neue Heimat werden sollte. Diese jüdische Ansiedelung befindet sich in der Nahe der Stadt Kavangombu und nicht allzuweit vom Meere entfernt. So wird nun baldigst im Jnnem Südafrikas eine neue jüdische Gemeinde entstehen, die hoffentlich blühen und gedeihen wird. Uebrigens sind die Juden dort nicht ganz so vereinsamt, denn in der portugiesischen Hafenstadt Loanda ^istirt schon seit Langem eine jüdische Ansiedelung und in der nähen englischen Capcolonie gibt es auch jüdische Ganeinden. VcnniMes. Wie«. Der Wiener Cultusvorstand hat den Religionslehrer Dr. Jonathan Wolf, der schon seit mehreren Jahren die Funkttonen eines Predigers bei dem Frühgottesdienste an den Festtagen und bei dem Gottesdienste im Musikvereinssaale an den hohen Feiertagen versieht, nunmehr definiliv zum Gemeinderabbiner bestellt und sich Vorbehalten, demselben seinen Wirkungskreis zu bestimmen. Hiümrch erscheint' jedoch die in Aussicht genommene Bestellung eines Hilfspredigers nicht erledigt und hat der Vorstand vielmehr beschlossen, zur Besetzung dieser Stelle Anfangs des Herbstes zu schreiten. Wie«. (Trauungen.) In der abgelaufenen Woche wurden in Wien getraut: Herr Gustav Mkschkönig mit Frl. Bertha Reichmann, Herr Dr. Eduard Rosenfeld mit Frl. Karolinc Fürst, Herr Rudolf König mit Frl. Josefine Bachrach, Herr Salomon Herzog mit Frl. Johanna Pragan, Herr Alfred Ernst mit Frl. Ernestine Singer, Herr Dr. Alois Bloch mit Frl. Elisabeth Löwenfeld, Herr Albert Spitz mit Frl. Amalia Stiasny, Herr Eduard Lang mit Frl. Hermine Bornstein, Herr Philipp Drach mit Frl. Emma Beer, Herr Samuel Geyduschek mit Frl. Adel- Blitz. Wie». Ein Freund unseres Blattes in Galizien theill uns mtt, daß das Curatorium der Baron Hirsch-Sttftung in Wien au seine galizischen Comites ein Circular folgenden Inhalts gerichtet habe: „Rücksichtnehmend auf die zu unserer Kenntniß gelangte Dhatsache, daß der eine oder andere Lehrer der Stistungsschulen durch Vernachlässigung mancher religiöser Sitten und Gebräuche Veranlassung zu Aergerniffen geben, richten wir an Sie die höfliche Bitte an die Lehrer der Sttftung die strenge Mahnung ergehen zu lassen, die religiösen Gefühle der Bevölkerung in keiner Weise zu verletzen und sich stets innerhalb der Schranken tradttioneller Observanzen zu haltm." Me«. Der humaltitäre Geselligkeitsverein „Rudolfsbund" veranstaltet in Gemeinschaft mit dem Humanitären Geselligkeilsverein „Habsdurg" unter Leitung ihrer Obmänner Herrn Josef P o l l a k und Herrn Max Hübsch am 3. Juli a. c. mittelst Separatdampfers einen Ausflug nack Klosterneuburg—Weidling, bei welchem.das Concert während der Fahrt, sowie die Tanzmusik in Weidling die renomirte Salonkapelle Oser besorgt. Zusammenkunft Station Stefanie- Brücke, 1'/, Uhr Nachmittags. Wie«. (Personalnachrichten.) Herr Dr. As ch er, Hof- und Gerichtsadvoblt in Wien, hat sich mit Frl. Paula Fluß, Tochter des Fabrikanten Herrn Jgn. Fluß in Freiberg verlobt. W e«. (Am Jahrestage der Schlacht von Königgrätz.) Am 3. Juli Bormittags findet hier ein „Parteitag" der Antisemiten Scyönerer'scher Färbung statt und am Abend desselben Tages ein Festcommers. Baterlandsloses Gesindel sind aber natürlich die — Juden. Wie«, am 27. Juni 1892.Die am 30. Juni 1892 festgesetzte Ziehung der Gold-, Silber- und Effecten-Lotterie zu Gunsten, der Erbauung einer Synagoge nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien, mußte, da noch eine große Anzahl Lose ausstehend ist, verschoben werden. Die Ziehung tvird unwiderruflich am 28. Dezember 1892 stattfinden. Wien, 29. Juui 1892. (Befähigungsprüsung.) Am 27. und 28. Juni d. I. fand an der mit der Israel. Kinderbewahranstalt verbundenen und unter L'itung des Direktors A. S. Fischer stehenden ersten Privatblldungsanstalt für Kindergärtnerinnen, II., Schiffamtsgasse 15, unter Borsitz des Herrn k. k. Landes-Schulinspectors Hülsenbeck die Befähigungsprüsung statt, bei welcher 32 Candidalinnen — darunter 13 Katholikinnen — erschienen, von denen 29 ein Zeugniß der Reife erhielten; 3 Candidatinnen wurde die Wiederholung der Prüfung aus einem Gegenstände nach den Ferien bewilligt. Seit / dem Bestände der Bi ldungs anstatt wurden an derselbeir 630 Kindergärtnerinnen herangebildet. Das 25. Schuljahr beginnt Mitte September. Deutschbrod. (Böhmen.) Die hohe k. k. Statthatterei in Prag hat den'Religionslehrer am k. k. Staats-Obergymnasium in Deutschbrod Herrn Jacob Singer, zum Rabbiner in Böhmen ernannt. Tesche«. (Einge sendet.) Als Nachtrag zu dem Berichte über die am zweiten Tage des Wochenfestes hier zum erste nmale abgehattene Mädchenconfirmation möge noch, dem Verdienste gerechte Anerkennung zollend, hinzugefügt werden, daß die erste Anregung hiezu von dem verdienstvollen Vorstandsmitgliede und Obmann des hiesigen Tnlmud-Thorä-Bereines Herrn M. F a s a l ausgegangen, der keine Opfer an Zeit und Geld scheute, um diese Feier zu einer wahrhaft erhebenden und ergreifenden zu gestatten. Zum bleibenden Andenken an diese weihevolle Stunde der Andacht widmete Herr F a sal jedem zur Confirmation zugelaffenen Mädchen je ein gedrucktes Exemplar, enthaltend Programm und Festrede in zierlicher reich mit Gold geschmückter Enveloppe. —Herr Dr. H. Berger fungirt bei uns als Rabbinatsstellvertreter, nachdem unserem verehrten Rabbiner Dr. Fried mann in Folge seiner Erkrankung ein einjähriger Urlaub bewilligt worden. Neubhdzow, -am 26. Juni 1892. (Berichtigung) In unserem Berichte über die Jubiläumsfeier fand sich ein unliebsamer Druckfehler, den wir hiemit richtigstellen. „Herr I. Bergmann feierte nicht den 25jährigen, sondern den 50jährigen.Bestand seiner Leder-, fabrik. Ferner ist der im Berichte genannte Herr Sei d l nicht Fabriksgesellschafter, sondern Fabriksbuchhaller." Berlin, 21. Juni. Gegenüber den schamlosen Fälschungen, welche unter dem Titel eines Talmudauszugs von antisemitischer Seite in ungezählten Exemplaren verbreitet worden sind, ist es erfreulich, heute von einem Gegenflugblatt „Der echte Talmud-Auszug" berichten zu können, welcher in populärer Weise die Gebote des Talmud und des Schulchan aruch, welche das Verhalten zum Nebenmenschen regeln, übersetzt und unter Anführung der Quelle wievergeben. Es sind im Ganzen 100 Paragraphen ausgezogen. Der verdienstvollen Arbeit hat sich Herr Dr. H. Hildesheimer unterzogen. Da das Flugblatt für die Massenverbreitung bestimmt ist und wo mög-. lich die antisemitischen Fälschungen auf Schritt und Tritt begleiten soll, so ist daffelbe mit einem etwas derbe gehaltenen Vor- und Nachwort versehen. Dock wer wollte dem Herausgeber das verübeln? Auf groben Klotz ein grober Keil! Hoffentlich wirkt's! Petersburg. Nach Mittheilung des Boschod wird der Minister der kaiserlichen Domänen Ostrovsky die jüdischen Ackerbau-Colonien in Cherson und Jekaterinoslav besuchen. Dieser Besuch steht im Zusammenhänge mit einer Petition, der Colonisten um Zuweisung von weiteren 10 Dessiatinen (1*1 Hectaren) aus. dem Reserveland, welches bei Beginn der Niederlassung wohl' formell verlost aber niemals in den Besitz übertragen wurde. Vergangenen Winter petitionirten mehrere Colonisten persönlich bei der Regierung in Petersburg um Vermehrung ihres Landbesitzes und der Minister der kaiserlichen Domänen versprach denselben die Angelegenheit nach einem Besuche der Cölönien in. Erwägung zu ziehen.. London. Das Ergebnjß der Sammlungen zu Gunsten. der russischen Emigranten beläuft sich auf 90.682 Livre Sterling,' wovon 22.438 Livre Sterling auf die Sammlungen in den Provinzen und Cvlonien entfallen. Miß Frances Barnett, ehemals Leiterin der Mädchenabtheilnng der jüdischen Armenschule, starb vergangenen Samstag im 83. Lebensjahre. Ihr Leben war den Werken der Nächstenliebe gewidmet nnd noch bis kurz vor ihrem Ableben stand sie der Spitals-Küche in Sandy-Row (einem von der verstorbenen Baronin Rothschild gegründeten Institute) vor. Rom, 12. Juni. Freudiges Aufsehen erregt in unserer politischen Welt die Verleihung des Rothen Adlerordens erster Klasse an den Exminister Luzzatti, der sich als Staatsmann - um die handelspolitische Förderung des Bündnisses mit Deutsch- ’ land große Verdienste erworbenhat, Hexr,LuPatti ist besannt-

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