Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 27 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 27 Orstrrrrirhifrtzr Wochenschrift. Seite 46S Offieiers verloren hat. Auf den ersteren, Bernhard Förster, lenkt nochmals den Blick zurück ein Aufsatz des „Vorwärts", in dem von einem Augenzeugen geschildert wird, wie es um die Colonie des nunmehr Verstorbenen in Paraguay bestellt war. Man kann nur sagen: Antisemitisch. Das Land, welches Förster seinen Colonisten verkaufte, hat er niemals eigenthümlich von der Regierung erhalten, so daß die Einwanderer in jedem Augenblick in Gefahr waren, von Grund und Boden vertrieben zu werden, und es sogar heute noch sind, weil auf dieselben Gebiete eine paraguayische Frau einen guten Besitztitel in Händen hat. Die Menschen nun, welche in dieser Colonie den germanischen Geist zu einer edlen Blüthe entwickeln sollten, waren zum Theil junge Taugenichtse mit Baron- und Grafentiteln, zum andern Theil Einwanderer aus Sachsen, „schwächliche, kleine Leute mit kindlichen, romanhaften Ideen." Die einen wie die anderen sind zum großen Theil zu Grunde gegangen. Während Bernhard Förster selbst, der antisemitische Colonisator, obgleich selbst mittellos, bis zuletzt sehr angenehm lebte. Und wie er das machte, darüber liefert der Artikel folgende Schilderung: Das den Colonisten abgenommene Geld, dessen Gesammtsumme sich jeder Schätzung entzieht, genügte dem Kolonisator, der für seine Person sehr komfortabel lebte, durchaus nicht; und er begann schließlich bei allen möglichen Leuten Geld gegen Wechsel zu entleihen. In kurzer Zeit beliefen sich die Verbindlichkeiten auf ... . die stattliche Summe von 150.000 Mark." Um seine Colonie bekümmern aber thnt sich Förster nicht. „Er war fast immer in der Hauptstadt Asuncion, wo er manch' einen guten Tag lebte." „Schließlich aber wurde die Lage Försters stets bedenklicher; und als es schon immer schwieriger wurde, die wahre Sachlage zu verhüllen, da kam ein letzter Schlag; „Mitten in dieses Lügengewebe fiel, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die Veröffentlichung des Colonisten Klingbeil, dem Förster sein ganzes Vermögen, circa 50,000 Francs, genommen. Diese „Enthüllungen über die Förster'sche Colonie Nueva-Germania" und die von Tag zu Tag dringender sich geberdenden Wechselgläubiger beschleunigten Försters Ende. Bevor er seinem Leben ein Ende machte, entlieh er einem armen Teufel, dem er schon 1000 Pesos schuldete, noch den letzten Groschen, um eine Reise nach Bernardino machen zu können." Dann nahm Förster Strychnin die armen, verlockten Colonisten aber, die nicht zu Grunde gegangen waren, hatten allein zu sehen, wie sie aus ihrem Elend herauskamen. Es bleibt noch ein Letztes mitzutheilen übrig. Wer waren in Deutschland die Werber für die Colonie? Der antisemitische Agitator Fritzsch in Sachsen, den der Antisemitismus zu einem reichert Manne gemacht hat, der Bankier Kürbitz in Naumburg und der Bankier Schubert in Chemnitz; als Herr Schubert sich von dem Geschäft zurückziehen wollte, suchte man ihn von Neuem zu ködern, indem man ihm in Aussicht stellte, daß er „Paraguayischer Konsul" werden solle. Das ist die Geschichte der antisemitischen Colonie „Nueva Germania" und diese Geschichte, die berichtet, daß so und so viele Menschen in Unglück und Verderben getrieben wurden, ist echt — antisemitisch. ^srresMäenrm. Wien. (Ein Verwandter des Ernft Bergani als rnssischer Spion.) Das „Deutsche Bolksblatt" vom 28. Juni 1892 bringt einen Bericht über die Verhaftung des russischen Spiones Hendygery. Der Letztere war ein bezahltes russisches Spitzel und wirkte in Oesterreich als agent provocateur, indem er hier in Oesterreich russische und polnische Studenten zu allerlei Unbesonnenheiten verleitete um der russischen Regierung Denunciationen über angeblich geplante Attentate melden zu können. Hendygery hatte einen polnischen Großgrundbesitzer (aus Congreß-Polen) ersucht, ihm ein Packet Bücher nach Warschau mitzunehmen. Statt der Bücher wollte ihm Hendygery das Dynamitpacket mitgeben, ihn in Warschau auf telegrapischem Wege als „Dynamit-Attentäter und Verschwörer" denunciren und dafür eine Belohnung erlangen. Der Lump hat derart zahlreiche Familien ins Unglück gestürzt um sich zu bereichern. Ernst B erg an i bezeichnet ihn als einen „jüdischen Naderer". In der That aber ist er sein eigener Verwandter. Denn, wie man uns aus Galizien meldet, stammt die Familie des sauberen Hendygery aus Solenz und steht in naher verwandtschaftlicher Beziehung zu Ernst Bergani. Dieser hat es sich angewöhnt, jeden aufgegriffenen Lumpen zum Juden zu machen, ohne Rücksicht darauf, daß er dadurch seiner eigenen arischen Abstammung jede Wahrscheinlichkeit entzieht. Wien. (Fr omm e Werke) Der SchuhmacherJosef Sch im aczek hatte behauptet, daß sein Meister Anton Zemansky sich kein Gewiffen daraus mache, den Juden, bei denen er einkaufe, Leder zu stehlen. Schimaczek wurde geklagt und gab vor dem Bezirksgerichte Alsergrund zu, die Aeußerung gethan zu haben. Doch behauptete er, der Kläger habe ihm diese Mittheilung von den Lederdiebstählen selbst gemacht. Er habe ihm nämlich, als sie noch gut waren, erzählt, daß er bcn Juden, die zu ihm mit Leder hausiren kommen, wiederholt Stücke Leder gestohlen habe. Richter (Dr. Sch ober): Das ist denn doch unglaublich, daß er Ihnen das selbst erzählt haben soll. Angekl.: O ja! Er hat gesagt: „Den Juden, die hausiren gehen, kann man die Haut abzieben. Das is auchkeine Sünd', einem Ju^den was zu stehlen und braucht einem nit leid zu thun!" Da der Geklagte jede Abbitte verweigerte und die Erklärung abgab, den Wahrheitsbeweis führen zu wollen, mußte die Verhandlung behufs Vorladung der namhaft gemachten Zeugen vertagt werden. Wien. (Auszeichnung.) Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar hat dem Dichter Dr. Ludwig August Frankl, welcher kürzlich anläßlich der General-Versammlung der Deutschen Schiller-Stiftung in Weimar verweilte, durch den Staatsminister Freiherrn v. Groß die Insignien vom Commandeurkreuz des Falken Ordens zusenden lassen. Der Staatsminister hat bei diesem Anlässe ein ehrendes Schreiben an Frankl gerichtet, das, die literarischen Verdienste des Dichters in schmeichelhafter Weise würdigend, noch folgende Schlußstelle enthält: „Se. königliche Hoheit trug mir auf, Euer Hochwohlgeboren dabei kundzugebeu, daß der Großherzog Ihnen dies Zeichen Höchstseiner Anerkennung umsomehr mit Freuden sende, als dies in einem Zeitpunkte geschehe, in der die Verbindung zwischen Oesterreich und Weimar sich durch die Weimar'sche Ausstellung in Wien vielfach enger gestaltet hat." Der Großherzog hat Herrn Dr. Frankl wiederholt in Weimar zum Diner zugezogen und bei diesem Anlässe seiner Freude über die Wiener Musik- und Theater-Ausstellung, welche er als eine der schönsten und interessantesten Veranstaltungen erklärte, Ausdruck gegeben. Wie». Unser geschätzter Mitarbeiter Dr. D. Feuchtwang wurde zum Rabbiner der altehrwürdigen Gemeinde zu Nikolsburg berufen. Die Donnerstag, den 23. d. M. durch die Generalversammlung der dortigen israelitischen Cultusgemeinde erfolgte einstimmige Wahl ist um so ehrenvoller, als sie nicht das Resultat einer Probepredigt war, welche man Herrn Dr. Feuchtwang, der sich bereits durch seine Tüchtigkeit in Gelehrtenkreisen eine» guten Namen und in der Wiener jüdischen Gemeinde sowohl durch seine Predigten als auch durch seine Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehr zahlreiche Freunde erworben, mit allem Fug erlaffen durste. Herr Dr. Feuchtwang verfügt über ein großes Maß allgemeiner Bildung und theologischen Wissens und seine Vorträge in der „Oesterr. israel. Union" haben jedesmal die Zuhörer begeistert. Die Sympathien der Bereinsmitglieder wird Herr Dr. Feuchtwang auch in seine neue Stellung mitnehmen. Die israelttische Cultusgemeinde Nikolsburg und die intelligente Leitung derselben können wir zu der trefflichen Wahl ihres Rabbiners und der ehrenvollen Art der Berufung nur herzlichst beglückwünschen. Freitag, den 24. d. M. reiste Herr Dr. Feuchtwang in seine Gemeinde und wurde von Vertretungen des Cultusvorstandes und Gemeinderathes, geführt vom Cultusvorsteher und Bürgermeister, am Bahnhofe begrüßt. Samstag Bormittag hielt Herr Dr. Feuchtwang seine Programmrede. Nach dem Gottesdienste empfing er im Rathhaussaale der isr. Gemeinde zahlreiche Deputationen. Allenthalben herrscht auftichtige Freude über die Wahl und Annahme des Herrn Rabbiners Dr. Feuchtwang und es rief große Freude hervor, daß er sich seiner Gemeinde sofort nach erfolgter Berufung vorstellte, trotzdem der officielle Amtsantritt unserem Vernehmen nach erst am 18. August stattfinden soll. Deshalb wurde auch vorläufig von allen Empfangsfesten abgesehen. Samstag Abend veranstaltete der israelttische gesellige Verein „Hilaritas* einen Unterhaltungsabend, welchen der Herr