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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-01 · 27 (1.7.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
27 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 468 Oryerrrichtschr Wochenschrift. Nr. 27 der durch MoriS verursachte Tod deS Hauptmannes Mayer in der Serie der durch die odioseste Verleumdung provozirten Duelle. Wird das nicht bald ein Ende nehmen? Wird wegen der Ausschweifung ei»e8 Verleumders noch alle Welt den Verstand verlieren? In demselk«n Sinne spricht sich die gesummte Presse aus. Senator Ranc schreibt im „Paris": „Ein tapferer, loyaler Offizier ist mitten in die Brust getroffen und sein edleS Blut fließtdahin. Warum dieser grausame Tod? Weil Hauptmann Mayer einer anderen Religion angehörte als der Gegner, weil er Israelit war, und dies geschieht drei Jahre nach der Gedenkfeier der großen Revolution, welche die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze, die Gleichheit aller Coufeffionen decretirte. Will man uns dem fürchterlichsten aller Bürgerkriege, dem Religionskriege, entgegentreiben? Die Ursache dieses Duells ist die Religionsverschiedenheit, denn nie hat ein nichtigeres Motiv zwei Gegner auf das Terrain geführt. Ist es möglich, daß die Zeugen, die souveräne Richter sind, nicht unter ihrer Verantwortlichkeit erklärten, daß die Ehre ihrer Mandatare nicht im Spiele ist?" Die polytechnische Schule wollte heute zu Ehren des Generals Bonus ein Bankett geben, dasselbe wurde zum Zeichen der Trauer um Mayer abgesagt. Rittmeister Cremieu-Foa erwirkte gestern die Aufhebung seines Arrestes und begab sich von Meaux sofort nach Paris. Nachdem er die Leiche seines Freundes gesehen hatte, eilte er auf die Redaktion der „Libre Parole", um Mores herauszufordern. Dieser war inzwischen verhaftet worden. Crömieu-Foa fand nur Drumont vor, welcher weinte und seiner Trostlosigkeit Ausdruck gab. Drumont soll bei dieser Gelegenheit zu Crömieu-Foa gesagt haben: Jetzt sei sein Blatt ruinirt, und er wäre doch an dem Unglück unschuldig. Er wundere sich, daß intelligente nnd ehrenhafte Männer, deren es unter den Israeliten genug gebe, ihren Glaubensgenossen nicht davon abrathen, die öffentliche Meinung aus diesem Anlasse oufzuregen. Drumont fragt sich, ob es nicht möglich wäre, eine Verständigung mit jenen Juden zu finden, welche gute Franzosen sind. Drumont erklärt, man werde in keinem seiner Bücher einen Angriff auf Rabbiner finden. Uebrigens faßt er den Untergang seiner Sache in's Auge. — Die „Laterne" begreift die heutigen ^okodilsthränen der „Libre Parole" nicht. Drumonts Blatt schreibt immer: „Tod den Juden!" Nun sei dies ja erreicht — ein Jude todt, und die „Laterne" lege einen Kranz auf Mayer's Bahre. Es geht den Antisemiten in Paris jetzt ziemlich schlecht. In der Kammer haben sie durch die so entschiedenen Erklärungen des Kriegsministers und die E i n st i m m i g k c i t des Votums eine schwere Berurtheilung erfahren. Die gesammte Presse, selbst die konservativen Journale mit ganz wenigen Ausnahmen fallen über sie her, manche in den herbsten Ausdriicken, Der „Radikal", bei welchem Henry Maret und Sigismond Larom (Krzizanowski) Mitarbeiten, sagt: „Das Land protestirt gegen die Rückkehr zum Religionskricg, zu welchem es eine Koterie verleiten möchte, die dunkle Kombinationen verfolgt . . . Alle loyalen Menschen werden gegen das Treiben der Professionsduellanten ihre Stimme erheben." Viel heftiger spricht noch der „Voltaire": „Es genügt eine Polizeiverordnung gegen die wüthenden Hunde. Was immer nochwendig sein wird, um der Wuth der Drumonts und Mores ein Ende zu machen, wir sind bereit, es aufzuwenden. Es ist ein vaterländisches Interesse, das uns befiehlt, mit diesen öffentlichen Feinden auszuräumen." NachdemHamstag der Kriegsminister Freycinet die antisemitischen Hetzereien als ein Verbrechen an der Nation bezeichnet hatte, hat eine großartige Demonstration der Pariser Bevölkerung bei dem Leichenbegängnisse des Hauptmannes Mayer stattgefunden. Fünfzigtausend Menschen folgten dem unter Blumen verschwindenden Sarge. Die Menge, welche vom Trauerhause bis zum Friedhofe Montparnasse auf de» Straßen Spalier bildete, wird auf dreihunderttausend Köpfe geschätzt. Die Polizei hatte eine solche ungeheure Betheiligung nicht vorgesehen; etwa fünfzig Wachleute konnten die Rue Douai nicht freihalten. Als aber der Zug begann, machte das Publikum freiwillig Spalier und ließ ihn entblößten Hauptes paffiren. Eröffnet war der Zug durch eine Abtheilung Infanterie, zu beiden Seiten des Sarges Hauptlcute. unmittelbar hinter dem Sarge Mayer's Ordonnanzsoldaten und die Repräsentanten des Kriegsministers und des Militär-Gouverneurs. Diese Offiziere marschirten an der Spitze der dritten Compagnie der polytechnischen Schule. Die Zöglinge, angehende Offiziere, deren Lehrer Mayer gewesen, marschirten mit gezogenem Degen im umflorten Arme. Ihnen folgten eine Abordnung der Kriegsschule und viele Offiziere aller Grade, vom General angefangen. Aller Augen richteten sich auf Hauptmann Cre'mieu-Foa, einen prächtigen Dragoner-Rittmeister» dessen Duelle Anlaß zu Mayer's Duell gewesen. Ferner sah man im Zuge eine große Anzahl politischer Persönlichkeiten, Abgeordnete und Senatoren, die Herausgeber fast aller großen Blätter, Künstler und Schriftsteller. Einzelne Abgeordnete halten die trico'ore - Schärpe 'umgehängt. Auf dem Friedhöfe hielt der Großrabbiner von Frankreich Zadock-Kahn eine ergreifende Rede, in der er die Tugenden des vorzeitig und so tragisch dem Leben entrissenen jungen Offiziers und der «hebenden allgemeinen Trauerkundgebung gedachte. Ein Trost bleibt uns, sagte der Redner, die ganze Seele Frankreichs richtet sich hoch empor mir dem ihr angeborenen Edelmuthe und ihrer Gerechtigkeitsliebe. Ein Ruf des Schmerzes drang aus allen Heiden, nie hat sich das nationale Gewissen mit größerer Kraft bethätigt. Der Geist der Toleranz und gegenseitigen Achtung ist die große Lehre, welche der Tod dem Leben ertheilt. Das Opfer Armand Mayer's wird nicht unnütz sein, wenn durch den Trauerschleier, der ihn heute umhüllt, die Fahne Frankreichs, dieses glorreiche, unsterbliche Symbol der Eintracht und Brüderlichkeit wieder hervorleuchten wird. Dann ergriff General Borius als ehemaliger Commandant der polytechnischen Schule das Wort. Er pries Mayer's glänzende Eigenschaften. Die großartige Feier verlief würdig, nur unterwegs ereignete sich ein kleiner Zwischenfall. Bor dem Palais Royal rief ein Antisemit Schmähworte aus, worauf ein Trauergast aus dem Zuge heroortrat und den Burschen ohrfeigte. Letzterer beeilte sich, d avonzukommen, da die Menge Miene machte, die Züchtigung so rtzusetzen. Iudäophobie. Ein unter dem Titel Halyckaja Ras (Galizisches Ruthenenland) im Lemberg erscheinendes Tageblatt bringt im Leitartikel der Nummer 97 vom 12. Mai (ruth. 30. April) 1892 unter der Aufschrift „Die Juden und das galizische Ruthenenland" Folgendes: — „Der Bote" (ruthenisches Blatt) vom 28. April schreibt: In vielen Städten Galiziens gründete der jüdische Baron Hirsch , Volks-, Handwerker- und Gewerbeschulen und man kann erwarten, daß noch viele solcher Schulen gegründet werden. Im Berichte dieser Fundation vom vergangenen Jahre wurde angegeben, daß diese bereits 7 Millionen Gulden Kapital besitzt. Die Juden wollen es dazu bringen, daß der gesammte Boden, das Handwerk und das Gewerbe in Galizien ihr Eigenthum werde und daß die Christen ihnen als Sklaven dienen. Vielleicht möchten die Nationalruthenen es überlegen, wie der drohenden Gefahr zu steuern wäre und den Leuten die Augen öffnen, daß sie auf der Hut feien. Das ist eine viel wichtigere Angelegenheit als solche, von denen man ohne Ende, sogar bis zum Ueberdruffe schreibt und redet. Zur Illustration dieser Worte des „Boten" fügen wir hinzu, daß in Kolomea im Jahre 1891 in der vom Baron Hirsch gegründeten Volksschule 600 Schüler waren; heuer wurden 300 Kinder, welche die dritte Klasse absolvirt haben in die Lehre uz Handwerkern gegeben. Als Meister wurden die besten gewählt, seien es Christen oder Juden nnd erhalten dieselben jährlich 30 bis 40 fl. Von den übrigen Schulkindern wurden die besttalentirten gewählt und in's Gymnasium oder Handelsschulen geschickt. Diese Kinder stammen aus der ärmsten Claffe der hiesigen jüdischen Bevölkerung. Die neucecrntirten Kinder kann man im Monate September sehen, wie sie die bei Bilons und Rammler untergebrachten Schulen verlaffen, einige mit jüdischen Kappen, die andern barfuß, schmutzig, abgerissen und in Fetzen gehüllt. Gegen den Winter werden sie bekleidet, bekommen Mäntel, Mützen und Stiefel und sehen wie Herrenkinder aus. Im Schulgarten lernen sie dazu noch unter der Leitung der Lehrer exercieren, damit sie dann im kaiserlichen Dienste zu Officieren taugen. In der kalten Winterszeit kommen die jüdischen Damen aus der Aristokratie in die Schulküche, legen Schürzen an und kochen für die armen Kinder Mittag. Sie haben eine Borrathskamm'r mit koscheren Speisen für diese arme Schuljugend. Auch in der Mädchenschule besteht die Hälfte der eingeschriebenen Mädchen aus Jüdinnen. Ihr sehet also, daß es nicht Zeit ist zum Nachdenken. Die immensen Capitalien der Stiftung drohen sowohl den Polen, wie auch den Ruthenen. Zum WeÄe also, christliche Bürger, daß wir nicht verdrängt werden, wie die Indianer in Amerika. Wir brauchen nicht so weit zu greifen; schauen wir was man in Posen thut, wie die Germanen den polnischen Boden an sich ziehen. Der Glaube wird uns retten, durch den Glauben wurde Abraham so groß, durch den Glauben entreißt Baron Hirsch die Juden der Finsterniß und Armuth. Trachten wir auch für unsere Kinder, lassen wir sie bilden, geben wir ihnen Gelegenheit das Handwerk, das Handelswesen u. s. w. zu erlernen. Bernhard Förster. Ein Jahrzehnt zurück, und er war soviel genannt wie heute noch Herr Stöcker, jetzt ist er fast vergessen, und man nennt statt seiner einen anderen Förster, den Bruder, den Verkünder der Ahlwardt'schen „Wahrheit" über die Waffen der deutschen Armee, der wegen seiner sauberen Prophetenrolle die Epauletten des preußischen

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