Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-01 · 27 (1.7.1892) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
27 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/3020846-3020900-3020927--01490-3025533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 466 Oestrrrerchische Wochenschrift Nr. 27 ' nur de Händken mch uf de Ban? lrjen, weil keene Bank jar nischt da war — allens de Polizeie schuld. Die Sache verhielt sich eijentlichst man so. Wimmelt da an der Ecke der Strauch- und Wallnerstraße janz unschuldig een eenziger Studiose 'rum — kann jar nicht mehr eenzijer jedacht werden, als er war — tut nichts zu suchen, dat war sein Sinn." Tritt een berittener Sicherheitsschutzmann zu Fuß an ihm heran und sagt zu ihm mit schroffer Stimme: „Zehn Sie sofort auseinander!" Lieber Hrrrjott von Spandau! Wie konnte er das? Eene reene Unmöglichkeit! Der Bursche läßt sich nich die mindeste Unjebührlichkeit jejenüber dem Ooje des Gesetzes zu schulden kommen — nur eett bischen blau jeschlajen hat er's. Da nahm ihn denn ooch sojleich der zu dem betreffenden Ooje jehörige Arm des Joches hopp und marsch uff de Wache und hatte de scheenste Ahlwardtschaft injesponnen zu werden. Det war dat Janze, so wahr ick een raffenreener Arier bin. Nischt weiter als eenije unverfälschte deutsche Handschläje — aber man den Orjanen mitten in't Jesichte. Un det soll strafbar sind? Muß im Reichsrache schleunigst zur Sprache jebrungen werden. Det jiebts nischt. Wir werfen de Judenflinten noch nich in't Korn De Karnickels sind ja von stadtbekannter Bosheit. De entfamten Biester fangen immer an. Det steht schon im Brehme. Wir sind so unschuldig, wie des Ritters trotz Tod und Teufel verflossene Aftermiecheriunen. Den Hochzeitszug Hab' ich mir natürlich ooch mit anjesehen. Der altefferne Kanzler trug die historische Küraßieruniform, aber ohne die historischen Stiebeln, die er bei der historischen Pfeife und bei dem historischen Eylinder, den er doch mal bei paffender Felejenheit einem verdienten Schornsteinfejer verehren könnte, zu Hause jelaffen hatte. Er hatte ooch seinen ollen Leibattentäter mitjebracht der ihm een Packet Schriften in den Wajen warf. De Borwürfe thaten ihm aber nicht weh. Schönerer, der Mitschaffer von Oesterreichs Zerfahrenheit, sah die Uffahrt vom Ballon eenes Eckhauses mit an. Er betrat ihm aber erst, als der Wohnungs-Inhaber bestimmt versicherte der Balkon stünde zu dem bewußten Schmuhl Leeb Kohn aus Pohrlitz in jar keenem ooch nich dem entferntesten verwandtschaftlichen Berhältniß und es wäre dies blos een zwar bedauerlicher aber deswegen nich minder zufällijer Namensjleichklang. — Un de wundersamen Triicksprüche bei der Tafel voll zarte, sinnije Anspielunjen uff de künftije Nachkommenschaft. So wat taktvollijes habe ick meen Lebtaje nich vernommen. In alle Sprachen haben se de Braut erröthen jemacht; wenn een Jrenadrer von Franz-Drajoner seine Köchin heimführt, hätte es nich besser jeleistet werden können. Bon nischt anderm als wie von de Enkels haben se jeredet — höchstercklhast!" De Zeitunjen haben die Berichte jebracht, so lanje wie de Brautschleppe, zweimal des Tajes. Wie se uffjestanden sind nach dem Essen, un w o sich de Braut umjekleidet hat umständlich beschrieben, un wie, un wat se anjezojen hat, un wie se uff de Bahn fuhren, un wohin se fuhren, un warum, un woher, un weshalb-un in Linz im Hotel Krebs hat der Eijenberichterstatter des „Deutschen Bolksblattes" uff de Stieje vorjeleuchtet — det erstemal, daß er sein Licht hat leuchten jelaffen — und hat noch in die jute Stube h i n e i njeleuchtet . . . Dät „Deutsche Bolksblatt" is ausjezeichnet worden vom alteisernen Kanzler vorne un hinten. Deutschlands jrößter un dickster Mann hat dem Buchdruckereibesitzer von der noch mal fürchterlich zum Himmel stinkenden linken Bahnjaffe unbekannterun irrtümlicherweise de Hand drücken laffen. Willem Bismarck hat's bei Stahlehner besorgt, als die Jefellschaft bei de Kunstpfeifers saß. Ick jloobe, er wird es noch berichtijen. Bon de janze Ausstellung hat Deutschlands Wiedereenijer nur zwee Wirthshäuser jesehen und verschiedene nunmehr historische Jläser Biere jelehrt. Er wollte damit jedenfalls ausdrücken, daß er uff de janze übrige Kunst — pfeift! Aber de Schrammeln un Baron-Schan, die jefielen ihm woll, schade, daß er Juschelbauern nich jehört! Liebwerther Pumpo! Wenn de mich fragst: Warum hat der alteiserne Wiedererneuerer von Deutschlands Kraft und Jröße mtt Baron Oppenheimer un Nothnajeln an eenen Tische jeseffen un nich mit Schönerer und Lichtensteinen, un warum hat er sich de verflüchtigen Semiten Doczh un Anspitzer und Sonnenthalen vorstellen laffen un nicht Bergan!» und Jregorigen, so will ick Dir wat sajen: Dat Hai jewiß seine Jründe! Worin aber diese Jründe eijentlichst bestehen thun, det können wir jar nischt begreifen, det is eene jroße un dunkle und schwierije Sache, die unser beschränkte Uuterthanenverstand unmöglich fassen kann — da müssen wir schon Alldeutschlands Eenijer vertrauen. Dat sojenannte berühmte „Sacrifizio dell’ inte netto4 kommt uns ja verhältnißmäßig nich schwer an. Daß der Wiedererwecker von Alldeutschland's Machtfülle verjudet sein könnte, wajen wir nicht zu ahnen. Er, der den antisemitischen Hochjedanken zuerst ersann, er, der Herrlichste von Allen, er, von dem einen Fußtritt zu bekommen ich für den schönsten Moment meines Lebens erklären würde — der — verjudet!! Entsetzlich wär's, aber et is nich. Jewiß! Is' nich! Kann nich sind! Also die schönen Taje von die Wallnerstraße sind nu alle jeworden. Nu kannste den janzen Tach hin-und herpatrolljieren wie de willst und hinuffgucken, un stehenbleiben, wehrt dir's kenner nich. Janz nach Justo! „lieber allen Wipfeln itz' Ruh, In allen Zipfeln spierest Du Kaum eenen — Hauck..." singt der jroße Dichterfürst. Aber wat is dem sein janzes Jeschreibe und Jesinge in 32 Bände, jroße Ausjabe, jejen een eenziges bismarckiges Wort; z. B. hat ihm deQuadrija uff dem Reichsrathe jefallen, weil se unsere zerfahrenen Zustände darstellt. Un Oesterreichs Feind is er jar nie nischt jewesen. Entfamte Judenlüje! Er stellte sich man en bischen böse, meente et aber jar nischt so arg. Keene Rede nich! Fiel ihm nich entfernt bei! Allens de verfluchtijen Judenblätter, die's uffjebracht haben. Bald mehr. U. D. Jruß! Dein Teutobold. „Jüdische Colonisakions-Gesellfchafi in Rutzland." Petersburg, im Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht an leitender Stelle nachstehende Mittheilung: „Im September v. I. eröffnete die in London unter dem Namen „Jüdische Colonisattons-Affociation" gegründete Aktien- Gesellschaft mit einem Grundkapital von 50 Millionen Francs ihre Thätigkeit, wobei sie sich die Aufgabe stellte, den Glaubensgenossen der Begründer die Emigration aus Europa und Asien zu erleichtern, in Amerika Colonien für Ansiedler zu errichten, für die Colonisten Land zu erwerben und die für ihr Fortkommen nöthigen Institutionen zu errichten. Zu diesem Zweck brachte der Hauptactionär und Präsident des Conseils der Gesellschaft, Bankier Baron Hirsch, der Association 25.000 Hectare Land zum Geschenk dar, welche er in der Provinz Buenos Ayres in der Argentinischen Republik gekauft hatte. Für die weitere Organisation jüdischer Colonien wurden von der Association in derselben Republik, in der Provinz Formosa 360.000 Hectare und in den Provinzen Chago und Misionos 3,250.000 Hectare Land erworben. Außerdem wird beabsichttgt, die jüdische Colonisation auch auf andere Länder auszudehnen, und zwar ist von der Association eine besondere Delegatton nach Brasilien abgeordnet, von welcher Colonien in Mexiko und Kanada errichtet werden, während mit den Bereinigten Staaten von Nordamerika ein Abkommen getroffen wird, kraft deffen eine bedeutende Anzahl von Emigranten, die sich dem Ackerbau widmen, dort Aufnahme finden soll. Zur Eröffnung der Thätigkeit der Association in Rußland wurde von Baron Hirsch der englische Unterthan A. White bevollmächtigt, welcher an unsere Regierung das Ersuchen richtete, in St. Petersburg ein Central- Emigrations-Comite und in anderen Städten des Reichs, je nach Bedürfniß, Local-Comites, welche die Bedeutung von Executiv-Organen der Colonisattons-Gesellschast haben sollen, eröffnen zu dürfen. Nach der von dem Bevollmächtigten des Baron Hirsch geäußerten Ansicht könnten durch die Thätigkeit der Association in Rußland allmälig im Laufe von 25 Jahren 3.250.000 Juden bei jährlicher progressiver Steigerung der Emigrantenzahl aus dem Gebiete des russischen Reichs ausgesiedelt werden, wobei das Unternehmen im Jahre 1892 mit der Uebersiedelung von 25.000 Personen nach der Argentinischen Republik in Gang gesetzt werden könnte. Nachdem das Ministerium des Innern dem Minister- Comite von dieser Petttion Vorstellung gemacht, hielt dasselbe es für möglich, die Thätigkeit der „Jüdischen Colonisations-Association in Rußland" unter der Bedingung ihrer vollständigen Unterwerfung unter die Anordnungen der Regierung zu gestatten. Bei den Erwägungen des Ministeriums in dieser Angelegenheit erwies sich, daß es nothwendig sei, bei der von der Association erbetenen Einrichtung - des - Central-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.