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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-24 · 26 (24.6.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 26 narre, k. ung. Landwehr-Oberst v. Dito mit dem ganzen Officiercorps, dem k. Gerichtshof, Magistrat re. und dein Vorstand der israel. Cultusgemeinde w corpore mit ihrem Präses Herrn I. Fleischmann besucht wurde. Die Festpredigt hielt Herr Rabbi Tauber, welcher in ergreifenden Worten die andächtigen Zuhörer enthusiasmirte. Den gesanglichen Theil besorgte der hier zur Probe weilende Cantor Mirsky aus Wien, der durch seine schöne Stimme und schönen Bortrag die Anwesenden entzückte. * Herr Cantor Mirsky wurde auch einstimmig zum Cantor unserer Gemeinde erwählt. Berlin, 12. Juni. Herr Amtsrichter A. Kalischer ist zum Landrichter in Landsberg a. W. ernannt worden. Dresden. Die Leipziger „N. Deutsche Ztg.", von deren Kraftleistungen wir schon öfter Proben zum Besten gegeben haben, läßt sich aus Berlin schreiben: „Dem jüdischen Ex-Finanzminister Luzzatti ist wegen seiner zollpolitischen „Verdienste" vom Kaiser der Rothe Adler-Orden erster Classe verliehen worden. Gleichzeitig wird aus Wien gemeldet, daß die dortige Akademie der Wissenschaften den jüdischen „Grafen" Nigra, Botschafter Italiens, zum Ehrenmitglied ernannt hat. Man ersieht daraus, daß die Actien Sem's trotz aller Nackenschläge doch noch immer sehr gut stehen. Die Gewaltigen dieser Welt, welche mehr oder weniger alle vom Judenkönig Rothschild ab hängen, überhäufen solche semitische Koryphäen mehr als je mit Auszeichnungen aller Art. Interessant wäre es jedoch, zu erfahren, auf welche wissenschaftlichen „Verdienste" hin man in Wien dem genannten Inden-Grafen die akademischen Palmen verliehen hat? So weit wir denselben kennen — und Schreiber dieses zählt ihn zu seinen engeren Bekannten — dreht sich seine Wissenschaft lediglich um Bank- und Jobberkunde, auf die er sich allerdings, wie alle seine Stammetzgen offen, trefflich versteht." Danzig, 8. Juni. (P r a k t i s ch e r A n t i s e m i t i s m u s.) Der katholisch^ Pfarrer Bober und ein jüdischer Kaufmann in Chmielno (Kr^ls Karthaus) sind gute Freunde, beide haben sich achten und lieben gelernt. Dieß verdroß eine Anzahl Parochianen Chmielnos, sie haßten deshalb ihren Pfarrer und suchten ihn durch Drohungen von dem Verhältnisse mit dem Juden abzubringen. Namentlich war ihm der Kaufmann und der Gastwirth Rudolf Kraft in Chmielno feindlich gesinnt, weil er sich durch den. jüdischen Kaufmann geschäftlich geschädigt glaubte. In der Nacht vom 8. zum 9. October wurde ein Schrotschuß durch das Fenster der Schlafstube des Pfarrers Bober abgefenert der aber das Ziel verfehlte. Der Untersuchungsrichter erschien am Thatorte, vernahm Zeugen und stellte fest, daß der Kaufmann Kraft zu mehreren Leuten geäußert hatte, wenn er den Pfarrer einmal träfe, so schlage er ihn todt. Ferner trat als gravirender Umstand hinzu, daß K. in jener stacht kurz vor zwei Uhr angetrunken nach Hause gekommen war. Auch die Stiefelspuren stellen unzweifelhaft fest, daß K. den Schuß abgefeuert hatte. Er wurde ^deshalb vor das Schöffengericht in Karthaus gestellt, durch Indizien überführt erachtet und wegen Bedrohung und Beleidigung zu 6 Monaten Gefängniß vernrtheilt. Er legte dagegen Berufung ein und in dieser wurde heute vor der hiesigen Strafkammer verhandelt. Der Gerichtshof verwarf nach der Beweisaufnahme die Berufung. Meiningen. (Der Herzog von Meiningen gegen den Antisemitismus.) Aus Meiningen wird uns berichtet: Die israelitische Gemeinde Bauerbach richtete anläßlich der Einweihung einer Synagoge ein Huldigungstelegramm an den Herzog von Meiningen, worauf folgende Antwort-Depesche einlangte: „Cadenabbia, 18. Juni. Herzlichen Dank für freundliches Gedenken. Angesichts der Versuche, der Verirrung des Antisemitismus auch bei uns Eingang zu verschaffen, können die Israeliten Meiningens auf mich zählen. Georg." Aus Westfalen, 6. Juni. Die königl. Regierung hat die feit neun Jahren bestehende jüdische Schule zu Altena aufgelöst und angeordnet, daß die Kinder jüdischer Confession den evangelischen Schulen überwiesen werden. Liegnitz, 10. Juni. Herr Rechtsanwalt Peltasohtt ist zum Justizrath ernannt worden. Paris. 20. Juni. Der israelitische Dragoner-Capitän Cremieux-Foa, welcher unlängst wegen eines die jüdischen Officiere der französischen Armee beleidigenden Artikels in der „Libre Parole" Drumonts diesen im Duell verwundete, ist nunmehr von Lamase, welcher jenen Artikel als Autor gezeichnet hatte, gefordert worden. Es wurde ein Duell mit vierfachem Sette 455 Kugelwechsel vereinbart. Anläßlich eines patriotischen Freiwilligen - Festes hielt Deroulede eine geharnischte Rede, in der er sagte, daß beide Erscheinungen, der Anarch.smus und Antisemitismus, die edle Fahne Frankreichs schänden. Der Oberrabbiner von Frankreich Zidok Kahn hat an die Oberrabbinen des Landes ein Circular ergehen lassen, behufs Mitwirkung zur Errichtung eines jüdischen Central- Waisenhauses für die Provinzen. Ein ähnliches Institut existirt in Holland, wo neben den Waisenhäusern in Amsterdam, Haag und Rotterdam ein solches in Utrecht für die Provinzen errichtet worden ist. Eine _ interessante Illustration zu der Behauptung der Antisemiten, daß die Juden die körperliche Arbeit scheuen, daß sich unter ihnen wenig Handwerker befinden, liefert folgende Miitheilung ans London: Wie bekannt, setzt sich der größte Theil der in England einwandernden mittellosen Personen im Ostende von London fest und ernährt sich dort kümmerlich als Schneider, Schuster, Tischler und Cigarrenmacher. Wie Lord Dunraven in einem Artikel der Zeiffchrift „Nineteenth Century" auseinandersetzt, leben in jenem Stadttheile Londons 25.000 Personen (10.000 Männer und 15.000 Frauen) von der Schneiderei. Drei Viertel der Männer und .ein Viertel der Frauen sind israelitischen Stammes. » London, 10. Juni. Herr I. R. Pilling hat von der türkischen Regierung die Concession zum Bau einer Eisenbahn von Acco nach Damascus erhalten. Die Linie, 120 englische Meilen lang, wird von den Häfen zu Acco und Haifa auslaufen und nach ihrer Bereinigung östlich von Haifa über den östlichen Fuß des Karmel führen und von hier durch die Ebene Jsreel an Nazareth, N.ün, Jesreel und Beisan vorbei ihre Richtung zum Jordan nehmen, von wo sie am östlichen Ufer des galiläischen Meeres nach dem vjolan-Plateau und weiter durch das Wiesenland von Damascus am östliche» Abhang des Hecmon hinlaufend, am Südeingange der Stadt ihr einstweiliges Ende erreichen wird. Aew-?)ork. Frau Amelia B. Lazarus in NewAork, die Witwe des bekannten Porträtmalers Jacob H. Lazarus, und deren Tochter Fräulein Emilie Lazarus, haben dem „Metropolitan-Museum of Art" 24.000 Dollars zu einer Stiftung über lviesen, deren jährliche Zinsen zu je einem Preise für einen in öer Kunstschule des Museums herangebildeten Maler verwende werden sollen. Diese unter dem Namen „The Jacob H. Lazarus Travelling Scholarship" gegründete Stiftung ist eine der größten ihrer Art und übertrifft durch ihren Preis den bekannten Rompreis der ,Academie des Beaux Arts" in Paris, welcher nur 800 Dollars beträgt. Jacob H. Lazarus war am 4 October 1822 in New-Bork geboren und gehörte einer alten angesehenen Familie an. Seine kunstvoll«» Malereien erwarben ihm bald einen Namen und ein beträchtliches Vermögen. Er starb am 11. Jänner 1891. Feuilleton. Im Frifenr-Taden. In der . . . gaffe in der Leopoldstadt befindet sich seit ungefähr drei Jahren, hart neben meinem Hausthme, ein Friseur- Ladeu mit einem für dieses Viertel fast zu luxuriösem Portale. Au gewöhnlichen Tagen hatte dieser ungemein reingehaltene kleine Laden nur wenige Besucher, aber an Freitag- und Samftagnachmittagen füllte er sich mit einer geräuschvollen Menge von Kunden. An Freitagnachmittagen waren es durchaus Juden, die für den Sabbath Kopfhaar und Bart schneiden ließen, denn bei all' der graffirenden Gleichgiltigkeit gegen die Feier dieses heiligen Tages wird er in diesem Theile des zweiten Bezirkes, bewohnt von nur Wenigbemittelten, noch strenge gehalten, und wenn man auch die Rüste dazu nicht wie in den Landgemeinden aus der Straße bemerkt, so fühlt man sie doch im Hause, in den Fleischhauer- und Spezereiwaaren-Läden, auf den Marktplätzen Vormittags und am Nachmittage, hart vor dem Einzuge der Prinzessin Sabbath in den Friseur-Sttiben. An solchen großen Geschäftstagen bewegte sich vor dem matten Spiegel der Inhaber des in Rede stehenden Locals, „ein schöner Blonder", für die Frauen der Eisenbahn- und Postbeamten, welche die Elite der Bewohnerschaft dieser Gegend bilden, mit großer Rührigkeit hin und her: er machte sich um Orstrrrrichifchr Wochenschrift.

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