Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 26 (24.6.1892)
- Date
- 1892-06-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 26 Orsterrrichische Wochenschrift Sette 451 Herretti, Jules Ferry, Gambetta, Rickert, Jokai u. s. w. wurden von ihnen bereits als Kinder Israels bezeichnet. Wie«. Das „Neue Wiener Tagblatt" vom 20. Juni meldet aus Saybusch von einem „antisemitischen Bezirkshauptmann." Der Bezirkshauptmann in Saybusch erließ an alle zum Bezirk Saybusch gehörigen Dorfgemeinden eine Kundmachung, welche in loortgetteuer Uebersetzung des polnischen Textes wie folgt lautet: Z. 5955. An den Gemeindevorstand in. In einigen Gegenden verbreiten die Juden die Nachricht unter den Leuten, daß infolge der Valuta-Regulirung der Werth -es Guldens sich bis zu 80 Kreuzer verringern wird. Die Leichtgläubigkeit der Bauern benützend, kaufen sie die Papiergulden auf und zahlen 90 Kreuzer für einen Gulden; aus diesem Grunde empfehle ich in. der Gemeinde zu verlautbaren, daß sich die Leute nicht betrügen lassen mögen, daß sowohl die Papierwie auch die Silbergulden, wie sie jetzt im Umlauf sind, auch weiter ihren bisherigen Werth behalten und in diesem Werth an allen Amtskassen angenommen werden. Saybusch, den 2. Juni 1892. Der k. k. Bezirkshauptmann: Biernacki w. p. Sofort nach dem Bekanntwerden dieses Erlasses begab sich der Cultusvorstand der israelitischen Gemeinde in Loblocie, als Vertreter der mit obigem Erlasse so schwer gravirten jüdischen Bevölkerung, zum Bezirkshauptmann Biernacki, um bei ihm Beschwerde über die Form und Inhalt des Erlasses zu führen und insbesondere um Aufklärung zu ersuchen, welche Vorgänge und Vorfälle die Bezirkshauptmannschaft veranlaßt haben, die bisher unbescholtenen jüdischen Einwohner des Saybuscher Bezirkes eines so schweren Verbrechens öffentlich und im Amtswege zu beschuldigen. Der Bezirkshauptmann erklärte nun der Deputation, daß bisher noch gar kein Fall vorgekommen ist, in welchem die Sicherheitsbehörden wegen des in dem Erlasse angeführten Bettugsfactums hätte einschreiten müssen und verpflichtete sich, den beregteu Erlaß zurückzunehmen, respective noch einen aufklärenden Zusatzerlaß zu veröffentlichen, in welchem, der vorgebrachten Beschwerde gemäß, der erste Erlaß hätte modificirt werden sollen. Da ttotz. dieser Versicherung bis heute nicht nur keine neue Kundmachung verlautbar wurde, vielmehr mit der ortsüblichen Veröffentlichung (durch Maueranschlag und Austrommeln des besprochenen Erlasses) in den einzelnen Gemeinden fortgefahren wird, wandten sich die Cultusvorstände .sämmtlicher zum Saybuscher Bezirke gehörigen Gemeinden telegraphisch an den Statthalter Grafen Badeni um schleunigste Abhilfe. Wer die galizischen Verhältnisse kennt, weiß, wie der polnische Bauer alles, was der Bezirkshauptmann sagt, für heilig hält, und wird die Auflegung der jüdischen Bevölkerung des Saybuscher Bezirkes für sehr berechtigt finden. Die Statt- Halterei, wie die anderen dazy berufenen Factoren werden gewiß nicht zögern, der berechtigten Klage ein willig Ohr zu leihen und es wird wohl Mittel und Wege geben, um die Wiederholung solcher Vorgänge zu verhindern. Se. Excellenz der derzeittge Statthalter hat bis nun Alles, was in seiner Competenz war, zur Unterdrückung der antisemitischen Seuche verfügt und seine hohe Gevechttgkeit wird zweifellos auch in diesem Falle das Geeignete treffen, sobald die Angelegenheit zu seiner Kenntniß gelangt. Wien. Dem Jahresberichte der isr. Allianz entnehmen wir, daß die Allianz ihre durch nahezu ein Jahrzehnt dauernde S chul- Action in Galizien und der Bukowina nach erfolgter Uebernahme ihrer Schulen durch die Baron Hirsch-Stiftung abgeschlossen habe, und daß volle Gewähr für eine gedeihliche Weiterführung ihrer Institutionen geboten sei. Nach einer Schilderung der bedeutenden Schwierigkeiten, die die Allianz zu bewältigen hatte, erging sich der Bericht in einer detaillirten Aufzählung der besonderen Leistungen der Allianz für die Schulen in Galizien. Besondere Fürsorge widmete die Allianz der Förderung des Handwerkes und des Ackerbaues. Namentliche Hervorhebung verdient die Muster-Handwerkerschute zu Krakau. Vom Jahre 1883 bis Ende 1891 erforderte die Schulaction der Allianz in Galizien einen Aufwand von 219.175 fl., woran sich Baron Hirsch mit einem Kostenbeitrag von 47.805 fl. belheiligte. Außerdem bewilligte die Allianz einer großen Anzahl' von Cultusgemeinden in Oesterreich und Ungarn namhafte Subventionen zu Schulzwecken und gewährte Förderungen Studenten-und Handwerkervereinen; ebenso förderte sie wissenschaftliche Besttebungen jüdischer Gelehrter und Forscher. Im abgelaufenen Jahre erwuchs der Allianz die Aufgabe, gleichwie in den Jahren 1881 und 1882, in Folge der gegen die Juden in Griechenland und Rußland ausgebrochenen Verfolgungen eine H ilfs actio n einzuleiten. Zahllose aus der Heimat vertriebene oder zur Auswanderung gezwungene griechische und russische Juden fanden durch die Allianz eine nachhaltige Hilfe und Förderung und wurden die Emigranten, soweit es sich um russische Unterthanen handelte, durchaus nach überseeischen Ländern, nach Amerika und Asien, expedirt. Der Bericht lieferte ein erschütterndes Gemälde der ttostlosen Rechtsverhältnisse, unter denen die Juden zu leiden haben und schildert die zu Gunsten der Unglücklichen eingeleitete Hilfsaction. Die Allianz veranstaltete in Oesterreich- Ungarn eine Spendensammlung und errichtete längs der russischen Grenze Hilfs-Comites für die Aufnahme. Unterbringung und Beförderung russischer Emigranten. Der Bericht schloß mit einem trüben Ausblick auf dieZukuntt und einem warmen Appell an die Mildherzigkeit der Menschenfreunde, weil die Mittel der Allianz zu einer dauernden Weiterführung ihrer statutarischen Aufgaben, namentlich gegenwärtig der russischen Hilfsaction, nicht ausreichen, das gesteigerte Elend der noch immer zuziehenden Emigranten aber rascheste Abhilfe erheischt. Löbl. Redaction! In dem für das Jahr 1891 von der israelitischen Allianz in Wien veröffentlichten Jahresbericht heißt es it. A.: „Unsere Volksschulen in Wolanka und Bornsl aw traten zum Schlüße des Jahres 1888 ins Leben, nachdem wir viele und bedeutende Hindernisse nicht ohne schwere Kämpfe glücklich überwunden hatten.'' Diese Angabe beruht insoferne auf einem Jrnhum, als unsere Schule auf der Wolanka schon zu Beginn des Schuljahres 1887/88, die Schule von Boryslav aber erst im zweiten Semester des Schuljahres 1890/91 ins Leben trat. Wolanka-Boryslav. 16. Juni. Wien, 19. Juni. Die „Ostdeutsche Rundschau" vom 19. Juni 1892 erklärt: Der Bericht des „Deutschen Bolksblattes" über den St. Pöltener Skandalproceß leistet das höchste an Schamlosigkeit und stempelt dieses Blatt geradezu zum Bordellblatt. Eine reizende Lecture für die christliche Familie, diese naturalistische Schilderung einer Nothzuchtscene! Pfui Teufel! — Ehren-Bergani erprobt die Zaubergewalt seiner Erscheinung gegenwärtig in Bosnien; es ist ergötzlich, seine feuilletonistischen Plaudereien über Land nnd Leute zu lesen! Der grobklotzige Sttl des edlen Polonski und der plumptäppische Humor, mit welchem der große Herausnehmer des Bolksblattes von seinem vegetabilischen (sie!) Zimmergenoffen und mit Vorliebe von seiner eigenen Hauptthätigkeit, vom Essen, erzählt, werden gewiß Schule machen und vielleicht manchen Hausknecht veranlassen, auch unter die Schriftsteller zu gehen, wenn er sieht, wie wenig dazu gehört, Feuilletons zu schreiben. Prag, 6. Juni. Gestern Vormittag ist hier Herr Dr. M. Jacob Fisch e l, em. Professor der Pfychiattie an der Prager Universität und ehemaliger Director der Landes-Jrrenanstalt, nach kurzem Leiden verschieden. Bor wenig mehr als einem halben Jahre — am 18. October 1891 — feierte er sein fünfzigjähriges Doctorjubiläum, und die zahlreichen Kundgebungen der Sympathie. Liebe und Verehrung, die dem Verschiedenen aus diesem Anlasse dargebracht wurden, zeigten wohl am besten, welch' hoher Achtung sich der Verblichene in allen Kreisen, in der wissenschaftlichen Welt wie in der Gesellschaft, erfleute. Dr. Fischel wurde am 19. April 1813 in Lochowitz (Böhmen) geboren, absolvirte in Prag das Gymnasium und die medicinischen Studien und wurde am 18. October 1841 an der hiesigen Universität zum Doctor der gesammten Heilkunde promovirt. Am 1. März 1844 wurde er in die damals noch mit dem Krankenhause verbundene Irrenanstalt als Secundärarzt erster Kategorie berufen, wo er nach der Ernennung des Primärarztes Dr. Riedl zum supplirenden Director des Allgemeinen Krankenhauses dessen Stellung als Primärarzt übernahm. Im Jahre 1850 bewarb er sich um die damals zur definitiven Besetzung ausgeschriebene Stelle des Jrreuhaus- Directors, die er jedoch trotz der besten Empfehlungen des Statthalters und des Studiendirectors wegen confessioneller Bedenken nicht erhielt. Achtzehn Jahre später, im Jahre 1868, wurde er jedoch nach der Pensionirung ^seines einstigen glücklicheren Mitbewerbers vom Landes-Ausschuye, in dessen Verwaltung'das Institut mittlerweile übergegangen war, zur Leitung der Landes-Jrrenanstalt berufen. Diese Stellung bekleidete