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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-24 · 26 (24.6.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seae 452 Vryrrrrtchischr Wortzrnfchrist Nr 26 er bis zum Jahre 1885, wo er wegen Kränklichkeit in den Ruhestand trat. Neben seinem praktischen Wirken auf dem Gebiete des Jrrcnheilwesens bethäligte er sich auch in der Lehre seines Specialfaches. Schon im Jahre 1848 begann Dr. Fischet vor den in Prag zu Studienzwecken weitenden fremden Aerzten Borträge zu halten, aus welchen sich bald regelmäßige theore- . tische und praktische Vorlesungen über Psychiatrie und forensische Medicin herausbildeten, die namentlich von den hier weilenden ausländischen Aerzten stark besucht wurden, da zu jener Zeit sehr wenige psychiatrische Kliniken bestanden. Später hielt er über diese beiden Fächer auch zahlreich besuchte Vorträge für die heimischen Studirenden. Im Jahre 1874 wurden ihm Titel und Rang eines außerordentlichen Professors verliehen und anläßlich seines im Jahre 1885 erfolgten Uebertrittes in den Ruhestand wurde ihm die allerhöchste Anerkennung für seine ersprießliche lehramtliche Thätigkeit ausgesprochen. Auch der Landes-Ausschuß hat ihm bei diesem Anlasse in einer besonderen Zuschrift „für den unermüdlichen, hingebenden Pflichteifer, mit welchem er jederzeit seines Amtes waltete, für sein erfolgreiches Bestreben, die seiner Leitung anvertraute Anstalt bei gleichzeiliger gewiffenhafter Wahrung der finanziellen Interessen des Landes zu jener dauernden Höhe zu erheben, auf welcher sie unter den anderen Anstalten gleicher Kategorie eine ehrenvolle, allgemein gewürdigte Stellung behauptet, sowie überhaupt für seine so vorzügliche Wirksamkeit im Landesdienste seine vollste Anerkennung" ausgesprochen. Neben seiner praktischen Lehrthätigkeit hat Dr. Fischel die Ergebnifie seiner reichen Erfahrungen in einer ganzen Reihe von Abhandlungen in medicinischen Fachzeitschriften niedergelegt. Bon dem menschenfreundlichen, wohl' thärigen Sinne, der ihn sein ganzes Leben hindurch geleitet, ist auch sein Testament durchweht. In demselben widmete er 78.000 fl. wohlthätrgen Zwecken. Davon sind bestimmt 27.000 fl. für die Errichtung einer Wohnzinsbeitragsstiftung für Witwen und Waisen nach Rabbinern und israelitischen Lehrern in Prag, 12.000 fl. für den Untcrstützungsverein für mittellose israelitische Universitätshörer in Prag. 12.000 fl. für den israelitischen Freitischverein, 10.000 fl für die Handwerkerabtheilung des Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag, 6000 fl. für die Witwenkasse des Prager medicinischen Doctorem ollegiums für Witwen nach solchen Med.-Doctoren, die nicht Mitglieder der medicinischen Witwensocietät waren, ohne Rücksicht auf Nationalität und Confesiion, 6000 fl. dem israelitischen Nächstenliebe- Verein und 3000 fl. dem Krankenhause der Barmherzigen Brüder. Sambor. Dem uns soeben zugekommenen Jahresberichte des Curatoriums der Osias Gotthelf'schen Stiftung pro 1891 entnehmen wir folgende Details, die von einer umsichtigen Verwaltung seitens des Curatoriums und dessen Obmann Herrn Nehemias Ranunkel zeigen. Im Spitale der Stiftung befanden sich im Jahre 1891 134 Kranke, somit um 25 Pfleglinge mit 795 Behandlungstagen mehr als im Jahre 1890, was im Vergleiche zum Vorjahre eine Vermehrung der Ausgaben um 327 fl. 82 kr. verursachte und den Administrationsfond um 107 fl. 10 kr. verringerte. Durch Capitalisirung der Zinsen von in der Sparkasse hinterlegten Beträgen, Verlosung von Obligationen und Behebung des vom Herrn Schneier Flamm s. A. vermachten Legates vergrößerte sich das Stiftungsvermögen um 1002 fl. 66 kr. Der Schulfond wuchs um 822 fl. 23 kr. Im Juni 1891 genehmigte die hohe k. k. Statthalterei in Lemberg den Lehrplan für die Handelsschule, für welche eine tüchtige Kraft als Leiter gewonnen wurde. Die Schule besteht dermalen aus einem einjährigen Tagesuud einem 6monatlichen Abendkurse. Den Tagescurs besuchen 18, den Pbendcurs 12 Schüler. 13 arme Schüler wurden vom Schulgelde befreit und 5 un- J entgeltlich mit Schulrequisiten versehen. Das Curatorium beabsichtigt mit 1. October 1892 einen weiteren 6monatlicken Fortbildungscurs fijr die Handelsschüler und einen smonatlichen Abendcurs für die dortigen Handwerks- Lehrlinge und Handlungsgehilfen zu eröffnen. Der Heirats-Ausstattungsfond wuchs um 90 fl. 22 kr. Verausgabt wurden aus den Erträgnissen desselben fl. 150 zur Ausstattung eines armen Mädchens und wurden weiters fl. 15 am Todestage des Stifters im Sinne des Stiftsbriefcs vertheilt. »Berlür Die ..Mittheilungen des Vereines des Antisemitismus" bringm folgende Zuschrift: In Nro. 1 1892 der „Mittheilungen" wird an der Hand' einiger Beispiele die in der Ktopfer'schen Sammlung zeitgenössischer Aussprüche zur Judenfrage enthaltene Behauptung Emil Mario Vacano's, daß es noch nie einen jüdischen Erfinder gegeben habe, widerlegt. Das kürzlich erfolgte Ableben Vacano's ruft mir jenen Ausspruch in. Erinnerung und gibt mir zugleich Veranlassung, Sie darauf hinzuweisen, daß Lippmann, der Erfinder der farbigen Photographie, Jude ist. Dresden. (Antisemitische Wahrheitsliebe.) Aus Hartha in Sachsen wird dem „Vorwärts" geschrieben: Kürzlich hielt der conservative Reichst.-Abg. Dr. Mehncrt aus Dresden in unserem Nachbarorte Geringswalde einen Vortrag, bei welchem er besonders die sociale und die Judenfrage behandelte. Bei letzterer bemerkte der Redner, wie ui-ser hiesiges Amtsblatt mittheilre: die Gemeinde Wildbad habe des großen Juden Rothschild's wegen während seines Bade-Aufenthaltes daselbst das christliche Glockengeläute eingestellt, um denselben nicht im Schlaf zu stören. Auf meine am 28. Mai an den Kirchenvorstand zu Wildbad diesbezüglich gerichtete Anfrage erhielt ich nun vom dortigen evangelischen Stadt-Pfarramt folgende Antwort: „Auf Vorstehendes beehre ich mich ergebenst zu erwidern, daß mit der von Ihnen berührten Angelegenheit die kirchliche Ortsbehörde von hier nichts zu thun hatte, daß aber während Rothschild's Bade-Ausenthalt dahier das christliche'Glockengeläute nicht eingestellt worden ist. Wildbad, den 30. Mai 1892. Hochachtungsvoll Evangelisches Stadt-Pfarramt, gez. Glauner." Danzig. In seiner Begrüßungsrede an die „Evangelische Vereinigung", die in diesen Tagen ihre Generalversammlung in Danzig abhielt, hat Oberbürgermeister Dr. Baumbach unter Anderem folgende Worte gesprochen: „Mit wahrer Betrübniß muß es uns erfüllen, wenn heule in manchen Gegenden unseres Vaterlandes die niedrigsten Leidenschaften entfesselt werden gegen deutsche Bürger, welche dem mosaischen Glaubensbekenntnisse angehören. So will es denn fast scheinen, als ob wir in Deutschland, wenn mir demnächst die Bilanz des scheidenden Jahrhunderts ziehen werden, neben gewaltigen nationalen Errungenschaften und großen Kulturfortschritten, auf einem Gebiete Rückschritte zu verzeichnen haben sollten: auf dem Gebiete religiöser Toleranz? Meine geehrten Herren, Toleranz ist nicht Gleichgiltigkeit. Toleranz ist nicht Verzicht auf die Selbstständigkeit religiöser Ueberzeugnng. Aber Achtung vor der Ueberzeugung Anderer, das ist Toleranz, und eben derjenige, welcher den eigenen Glauben hochhält, sollte auch an den Glauben des Anderen glauben!" Heidelberg. Ueber den in der heutigen Studentenschaft herrschenden antisemitischen Geist äußert sich ein amerikanischer Joitrnolist auf Grund seiner in Heidelberg gesammelten Erfahnrngen in folgender Weise: „Kurz nach meinem Einzug, als ich noch nicht in die Geheimnisse des Burschen Jargons eingeorungen war, traf ich eines Tages meinen Slubennachbar und er fragte mich nach meinem Wanderstel. Ich erklärte ihm, ich hätte die Vorlesungen des Professors Laubenheimer über Laryngologie rühmen hören und beabsichtige, dieselben anzuhören.. „Wie. Professor Laubenheimer wollen Sie hören?" fragte mein Studiengenosse. „Wissen Sie denn nicht, der ist in Bersch—? „Ja — wie sagten Sie?" „Professor Laubenheimer ist in Bersch—." „So? hm — wo liegt denn das?" Mein Nachbar brach in ein unbändiges Gelächter aus und erklärte mir, Bersch— sei kein Ort, sonderrr bedeute so viel wie Bann oder Acht, eine Art von Boykott, welchen die akademische Jugend über mißliebige Personen verhängt. „Und was hat Professor Laubenheimer verbrochen? Sind seine Vorlesungen schlecht oder hat er sich etwas zu Schulden kommen lassen?" „Keines von Beiden," antwortete mein Begleiter, „allein er mauschelt." „Er mau—?" schnell mein Taschenbuch zur Hand genommen und unter M nachgeschlagen. Ich konnte jedoch besagtes Wort nicht finden und mußte dem jungen Manne meine Unfähigkeit, ihn zu verstehen, zum so und so vielten Male bekennen, worauf er mir auseinandersetzte, mauscheln heiße so viel als „Jude sein", und das neuerdings erwachte Rassenbewußtsein gestatte christlich-germanischen Jünglingen nicht, länger zu Füßen eines semitischen Professors zu sitzen. „Fürwahr" — so schließt der amerikanische Journalist seinen launigen Bericht — „sehr amüsant, wenn es nicht so überaus traurig wäre!" — Zürich, im Juni. Wie den Lesern Ihres geschätzten Blattes bekannt sein dürfte, wird sich in der Schweiz demnächst der Scklußact eines eigenartigen Drama's abspielen; wir meinen die B olksabstimmung über das Schächten. Denn es unterliegt heute schon keinem Zweifel mehr, daß die 50.000 Unterschriften, welche zur Stellung des-

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