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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-24 · 26 (24.6.1892) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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+ Seite 446 Wochenschrift Nr. 26 gelegt haben. Mich Ihnen und den übrigen weiblichen Ebenbildern Gottes empfehlend Ihr ergebenster Hansjakob, Pfarrer in Freiburg. Worauf ein Fräulein Bach antwortete: Wer schreibt über die Pfähle weiß und blau? Es ist Hansjakob — ich weiß es genau Er schreibt uns milde, er schreibt so wann, Ein Christ ist er — daß Gott erbarm! Hansjakob, ich berge so lang mein Gesicht, Zch sehe die christliche Liebe nicht, — Die christliche Liebe, die Ihr so preist, Du schreibst, daß es mir das Herz zerreißt. Kennst Du es denn nicht, des Herrn Gebot: Erbarmen für jedes Nächsten Noth? Wo diese so groß, so erschütternd ist, Wie kannst Du noch fragen, ob Jud' oder Christ. Hansjakob, da bin ich viel höher gesinnt Und war doch ein jüdisches Wickelkind, Hier ist nicht ein christlicher Armenverein, In den ich nicht werf' eine Gabe hinein. Deine Selbstschrift, sie ist uns dennoch werth, Der Seltenheit halber wird sie begehrt, Du kommst in unsere Sammlung hinein Und soll's als Antisemite sein! , Die Feder hast Du sehr geistreich geführt Deine Frage, sie hat mich amüsirt, Denn wahrlich, so tief gekränkt ich bin. Für Witz und Humor Hab' ich dennoch Sinn! Hansjakob, Du magst ruhig sein, Ich verstehe auch die Kochkunst fein, Sie werden's Dir sagen, Mann und Kind, Die vielen Gäste! Das Hausgesind'! Zum Schluffe noch Eins, ich dacht' es schon oft, Erfüllt wäre Wohl, was Ihr wünscht, was Ihr hofft: Es gäbe schon längst keine Juden mehr. Wenn der Christ nicht gar so unchristlich war! ~ Verehrtes Fräulein! * Ich habe vor allen Leuten Respect, die mir tüchtig die Meinung sagen, und das haben Sie ebenso scharf als geistreich besorgt. Wenn Sie aber bedenken, daß ein jüdischer Bankier L la Rothschild in Wien, Paris oder London allein im Stande wäre, den armen russischen Juden zu helfen, so dürfen Sie es begreifen, warum ich cs für nicht nöthig halte, daß wir arme Christen es thun. Wenn übrigens alle ehemaligen jüdischen Wickelkinder so christlich wären, wie Sie, so gäbe es keine Antisemiten. Aber das wünschte ich nicht, daß alle weiblichen Wesen so geistreich wären wie Sie, sonst müßten wir Schriftsteller betteln gehen. In aufrichtigem Respect D r. Hansjakob, Pfarrer. So das war Reue, wahre echte, Die frei und offen schuldig sich bekennt, Versöhnt reich' ich Dir meine Rechte, Der Federkrieg für immer ist zu End'. Und ist fiir meines Stammes Brüder Im Vorurtheil befangen nicht Dein Blick, So nehm' von Herzen gern ich wieder Auch mein geharnischt Trutzgedicht zurück. Es feilschte einst vor Sodoms Thoren Erzvater Abraham mit uns'rem Herrn: Wenn zehn Gerechte unter uns geboren, Auch Du uns milder richten lern'! Zum Lebewohl der letzten Zeile Für mehr gebricht es mir an Ruh' und Zeit Und willst Du wissen, warum ich so eile: Wir haben eine Riesemväsche heut'! Kurz darauf erhielt die Dame Hansjakob's Werk mit folgenden Worten: Der schneidigen Dame, die die besten Berse macht, die ich je von einem weiblichen Wesen gelesen, und dabei noch die Wäsche besorgt. Mit Hochachtung Hansjakob, Pfarrer. Mach auf, Hansjakob, ich bin da Und klopf an Deine Thür, Ich störe Dich? ein bischen? Ja! Ach dann verzeihe mir. Ich bringe meinen wärmsten Dank Und das ist wahrlich wenig, Wer solche Perlen spenden kann, Ist reicher als ein König. Dein geistreich Schaffen würzte mir Schon manche schöne Stunde, Der biederen Sprache lauschten wir In fröhlich-trauter stunde. Ich hätte diesen letzten Gruß In Prosa gern verrichtet, Erräthst Du wohl, warum ich Dich Noch einmal angedichtet? Frau Poesie so lvbrsam Haßt Dame Etiquette, Mit Dir das liebgewohnte Du Das fand ich gar zu nette! Das „Oberhaupt der Verleumder". „Angesichts dieser Wuth und dieser Erbitterung möchte man annehmen, daß Herr Drumont eher zu bemitleiden als zu tadeln, daß er weniger der Justiz, als der pathologischen Behandlung zu überweisen sei. Aber man täusche sich nicht. Hinter dun scheinbar Nervenüberreizten verbirgt sich ein industrieller Pfiffikus, der mit seinen Schriften Geld macht und der Chef der Verleumder der Zeitgenossen genannt zu werden verdient." Mit diesem von dem Pariser Schwurgericht ratificirten Ausspruche des französischen Staatsanwaltes wurde in den antisemitischen Cloaken von Paris eine Giftblase zum Bersten gebracht, daß ein mephytischer Mißduft aus ihr emporstieg. Umquirlt von diesem fragwürdigen Dunste und das frische Schandmal des Verläumders auf der Stirne, zog Ehren-Drumont am Arme seines lvürdigen Freundes Marquis de Mores aus dem Justizpalast, wo seine Mitbürger des Richteramtes über ihn gewaltet hatten. Nein, wahrlich das sind keine Narren, sondern ganz verwegene Bösewichter, welche früher oder später alle dort enden werden, wohin die Pariser Geschwornen jetzt den Herrn Drumont gewiesen haben: im Zuchthause. Bis dahin mag immerhin der Marquis de Mores öffentlich seinen Arm um Drumont's Nacken schlingen, wie seine Raubritter-Ahnen einst Denjenigen unter ihren Reisigen mit ihrer Huld auszeichneten, der ihnen von der Landstraße her aus den Karren der geplünderten Krämer die reichste Beute -geholt. Der in hocharistokratischen Antisemitengönnern atavistisch fortlebende Feudalismus ist höchstens eine Mahnung mehr für die bürgerliche Gesellschaft, auf ihrer Hut zu sein Wider Diejenigen, die unter demagogisch-anarchistischen Vorwänden eine Bresche in das Princip der bürgerlichen Gleichheit zu legen suchen. Für die öffentliche Meinung Europas wäre die Sache nach dem Wahrspruche der Pariser Geschwornen vollständig abgethan, wenn nicht einige begleitende Umstände des Scaudalproceffes besondere Berücksichtigung ihrerseits heischten. Hieher gehört in erster Reihe die lächerliche Unterstellung Drumont's, als ob die Bank von Frankreich, welche den „Kriegsschatz der Republik" bildet, in der Hand des deutschen Juden Baron Rothschild Gefahr liefe, in den Stunden der Prüfung den Dienst zu versagen, den die französische Nation von ihr erwartet. Ueberflüssig zu sagen, daß Drumont im Verlaufe des Processes den Beweis für diese Behauptung, wie überhaupt für alle seine Aufstellungen schuldig geblieben ist. Auf der Anklagebank mußte er seine Ausstreuungen desavouiren, und in seiner Bertheidigungsrede blieb ihm nur die klägliche Ausrede, er habe sich von seinep schriftstellerischen Phantasie zu einigen Uebertreibungen Hinreißen lassen! Nun darf man aber gespannt darauf sein, wie Herr Ahlwardt, der preußische Drumont, der wegen Verleumdung gleichfalls in Bälde vor seinen Richtern stehen wird, sich zur Anschuldigung seines französischen Gesinnungsgenossen verhalten werde? Der Antisemiten-Apostel an der Spree und mit ihm der ganze Chorus teutonischer Judenfresser verficht bekanntlich die Anschauung, daß die deutschen Juden überhaupt vaterlandslos seien und an der Wohlfahrt des Deutschen Reiches gar kein Interesse bätten, ja daß der Jude Loewe einem Theile des deutschen Heeres Flinten in die Hände gegeben, die im Kriege nicht den Feind tobten, sondern den eigenen Inhaber kampfunfähig machen würden. Man übersehe nicht den amüsanten Widerspruch zwischen den beiden Unterstellungen. Der preußische Drumont zeiht die deutschen Juden der gehässigsten Bosheit gegen das Deutsche Reich, während der französische Ahlwardt seinen. Landsleuten einreden will, daß Rothschild als deuffcher Jude, den Kriegsschatz der Republik dem preußischen Erbfeinde in die Hände spielen möchte! Wer von Beiden hat nun Recht: der Judenfresser, der die Ufer der Spree, oder jener andere, der die Gestade der Seine unsicher macht? Und tvNch' reizende Scene gäbe das, wenn es anginge,'Herrn Drumont als Zeugen vor das Berliner Gericht zu berufen, damit er dort dem Rector

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