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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-24 · 26 (24.6.1892) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 444 Vrstrrrrichlfchr Wochrnschrifi. Nr. 86 wühlen findet man eine nagelneue immer thätige Hutfabrik; in den früheren Aankeehütten sehen wir viele Männer, Weiber und Kinder sich 16 Stunden des Tages abmühen mit Hut, Kleider und Geldbörsenarbeit und nicht weit von der alten puritanischen Kirche steht die neue, fremde Synagoge des jüdischen Glaubens. Es kann aber Niemand läugnen, daß die Juden merkwürdig prosperirten seitdem sie von diesen: Platze Besitz ergriffen. In den letzten zwei Jahren kauften sie nicht tpeniger* als 7936 Aecker in Chesterfield und in der angrenzenden Nachbarschaft und die Vorhut stößt an die wilde und schwach besiedelte Stadt Salem, 5 Meilen entfernt gegen Norden und nach Millington und nach dem District „Devils Hop Aard" (Teufels Hopfen- Garter:) 6 Meilen westlich. Die 7936 Aecker, die sie besitzen, kosten ihnen 93.600 Dollars, wovon sie 37.900 schon baar bezahlten, während der Rest hypothekarisch gesichert ist. Dieses ganze Besitzthum gehört gegen sechzig Leuten, Familien von 512 SeÄen. Die größte Farm in der Colonie gehört M. Braunstein und umfaßt 385 Acker; M. Cohn eignet 300 Acker, die ihm 2900 Dollar kosten. Es sind ferner ein halbes Dutzend Farmen die noch einzelnen Individuen gehören. Die kleinste Farm gehört W. H. Hindin und I. Weißberg je zu 35 Acker für 650 Dollar und 460- Dollar. Die meisten Farmen in und um Chesterfield sind, mehr als gewöhnlich ertragreich, aber vom Dörfchen entfernt, nur der Boden ist steinig und unfruchtbar. . Eurige der kleinen Farmen wurden von den früheren Eigenthümern verladen und wurden um eine Kleinigkeit von den Iankeenachbarn gekauft, bevor die Hebräer nach Chesterfield kamen. Das Geheimniß des Erfolges der russischen Juden auf dem ausgesogenem Lande ruht in ihrer wunderbaren Sparsamkeit und Zurathehalten, Ausdauer, langen Arbeitsstunden und besonders in ihrer Methode des Zusammenfügens von Halbdutzend anderer Berufsarten neben ihrer Bestellung des Ackers und industriellen Ekonomie. Jedermann, ob alt oder jung, ob Mann oder Weib arbeitet schwer den lieben langen Tag. Es scheint, daß Niemand Zeit habe an seine Rechenstange anzulegen oder über den Arbeitstisch zu liegen um Dorfklatsch zu verhandeln oder über wichtige Fragen der nationalen Politik zu sprechen. In einer Unterhaltung, erzählte mir heute ein Salcmfarmer die Geschichte dieser Kolonie in wenigen treffenden, kernigen Worten: Lieben wir die Juden, die neuen Nachbarn? Wie, ja! Ich kann keinen Fehler bei ihnen finden. Sie sind ganz recht (all right). Sie bemühen sich um ihre eigenen Geschäfte und versuchen nie sich um die Geschäfte anderer zu bekümmern. Freilich sind sie nicht gesellschaftlich, aber das ist nichts schlimnies. Leute, welche von 5 Uhr Früh bis 11 Uhr Nachts arbeiten, haben nicht viel Muße Besuche zu machen. Jeder unter ihnen hat seine Arbeit und seinen Beruf. In einem Hause kann man die Nähmaschine surren hören den ganzen Tag lang. Und eine große Masse billiger Kleiderwaaren für den New- Aorker Markt bringen sie zu Stande; im nächsten Hause Mann, Weib und Kinder, vielleicht ein halbes Dutzend Hände, verfertigen Hüte, Seidenhüte die im New-Aorker Detailmarkte von 5 bis 7 Dollar das Stück bringen mögen. In einem* anderen Haushalte steckt Alles in der Anfertigung von Geldbörsen, billiger Handtaschen, in welchen Leute ihre Münzen tragen und ich hörte eine Haushaltung soll 1000 täglich zu Stande bringen. Ueberall in den alleinstehenden Farmhäusern, so wie im Dörfchen Chesterfield, wo die Hauptcolonie ist, dieselbe Erscheinung: Jeder arbeitet etwas und schafft den ganzen Tag. Ein anderes Saus macht Hosenträger, ein anderes Röcke, ein anderes Hosen, üte, Schuhe u. s. w. Die Kolonisten wandten auch ihre Aufmerksamkeit der Milchwirthschaft zu. Sie verkaufen gute Butter und Milch nach den entfernten Märkten von Norwich und New-London. Sie vollendeten kürzlich eine Buttcranstalt 30 bis 40 Fuß groß, und stellen nun eine vorzügliche Sorte Butter her, welche von ihren Agenten nach New-Aork verkauft wird. Sie ziehen ein Heer Geflügel groß, welche hundert Dutzende Eier produziren, die in den benachbarten Connecticut-Städten verkauft werden. Einige Monate befand sich ihre Hutfabrik in einer Küche, wo täglich 12 Dutzend Hüte entstanden, aber einige Monate darauf brachten sie eine große Hutfabrik zu Stande. Unlängst kaufte die Colonie die John Beckwith Farm in Salem für 4000 Dollar, die Shapley Williams Farm in East Lyme, sieben Meilen südlich vön Chesterfield, für 2500 Dollar und die schöne ausgedehnte Raymond Farm in Salem. Dr. S. S. Kohns von New Z)ork wurde eben als der medizinische Director der Colonie berufen, e: kam diese Woche in Ncw-London an und eröffnete sein Bureau da. Er ist ein Graduirter des Dortmouth College, hat ein Certificat von der Harvard Universität und ein Diplon: von der Aale Universität. Er hat auch eine lange Praxis in dem New-Aorker Bellevue Hospital. Es ist ein neues Projekt der Colonie eine „Neuengland Wohlthätigkeitsanstalt" in Chesterfield zu etabliren. Die Colonie eröffnete ferner einen Colonialwaarenladen, der vorzügliche Geschäfte macht. Es wird auch bald eine Abendschule in: Dörfchen eröffnet werden. Die Agenten des Hirschföüdes wollen solche kleine hebräische Colonien in der felsigen Stadt Malboro und nahe New- Haven (im Staate Connecticut) gründen. („New-Jork Sun", vom 26. April 1892.) Von cuMrer Seite wird aus New-Jork geschrieben: Die unfreiwillige Masscncinwanderung unserer russischen Glaubensgenossen fordert, daß, uns selbst zu ehren, wir ihre Sache zu der unserigen machen. Von 239.400 jüdischen Einwanderern nach den Vereinigteil Staaten während der letzten sechs Jahre (69.640 während des letzten Jahres) sind 218.910 oder fast 90% der Gesammteinwanderung im Hafen von New-Iork gelandet und ca. '70% der letzteren in hiesiger Stadt verblieben. Unser Departement hat während dieser Zeitperiode für 20.222 Personen, meistentheils Familienväter, Beschäftigung hier und in allen Tlieilen des Landes beschafft und hätte dieses in noch größerem Umfange bewirken können, würden nicht ökonomische Rücksichten auf die persönlichen Verhältnisse unserer Einwanderer und beschränkte Geldmittel unserer Thütigkeit, Grenzen gezogen haben. Das jetzt abgeschlossene Geschäftsjahr hat uns bei einer jüdischen Einwanderung von 62.574 Personen im hiesigen Hafen ganz außergewöhnlichen Anforderungen gegenübergestellt, die wir uns jetzt glücklich fühlen, bewältigt zu haben. Dank größerer Mittel, welche uns von dem Central-Comite des Baron von Hirsch Fond zur Verfügung gestellt wurden und mit Hilfe von Einrichtungen, die sechsjährige Erfahrungen zu praktischen Dienstleistungen -ausgebildet haben, ist es uns gelungen, einen großen Theil der arbeitsfähigen Einwanderer und deren Familien bei lohnender Beschäftigung in den Jndustriedistrikten dieses Landes zu placiren, ohne irgend eine Störung auf dem Arbeitsmarkte hervorzurufen. Hauptsächlich ist unseren diesbezüglichen Transactioneu im abgeschlossenen Jahre die prosperirende Situation der Textil - industrie in den östlichen Staaten zu Statten gekommen, in welchen wir eine größere Anzahl von Aufträgen für Arbeitskräfte erlangt haben als in irgend einem früheren Geschäftsjahre unseres Departements. Im abgeschlossenen Jahre haben wir im Wege persönlicher Geschäftsbesnche und ausgedehnter Ccrrespondenz 5614 Aufträge für Arbeitskräfte in allen Theilen des Landes erlangt und in sorgfältigster Weise behandelt. Andererseits haben wir aus der großen Zahl unserer täglichen Applicanten 4650 arbeitsfähige Personen registrirt. Bon denselben waren 3586 neu Eingewanderte, 1064 länger als ein Jahr hier wohnende Personen. Nicht arbeitsfähige Leute haben wir in unserem Unterstützungs-Departement behufs Errichtung von Erwerbstellen in der Form kleiner Handelsgeschäfte, Restaurants u. s. w. oder behufs Weitersendung an hilfsfähige Angehörige in anderen Staaten des Landes überwiesen. Herr Charles Frank, Superintendent der United Hebrew Charities, hat in bewunderungswerther Weise sich solcher Aufgaben entledigt. Auch in diesem Jahre hat uns die mühevolle und zeitraubende Untersuchung und Prüfung der persönlichen Zuverlässigkeit unserer Schutzbefohlenen in unserer Ansicht bestärkt, daß dieselben fast ohne Ausnahme vertrauenswürdige Personen sind, welche sich unserer Sympathie würdig erweisen. Außer der Anzahl von Personen, deren Hilfsgesuche durch Arbeitsziuveisung erledigt wurden, hatten wir zu versorgen eine Anzahl körperlich schwacher Leute, die erst fähig gemacht werden mußten, irgend einen Arbeitsplatz auszufüllen. Unter diesen befanden sich 1263 russische Einwanderer, verheiratete Leute, die

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