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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-17 · 25 (17.6.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 25 Orsterrrtchifchr WochrnschrW. Seite 437 pries er die hohen Herrscherlugenden unseres allergnädigsten Königs. Bei dem Gottesdienste waren alle Spitzen der Behörden anwesend und machte die Ansprache auf Alle einen sehr erhebenden Eindruck. Vor Abhaltung des Festgottesdienstes hielt die hiesige israelitische Cultusgemeinde eine außerordentliche General- Versammlung, in welcher sie in dankbarer Weise die Errichtung einer „Franz Josef-Krönungs-Jubiläums-Stiftung" zum Beschlüße erhob. BoffLez, im Juni. Aus Anlaß des Krönungs-Jubiläums unseres erhabenen Monarchen ist, wie in allen Kirchen und Synagogen auch zu Mowa-Liesko (Trencsener Comitat) von Sr. Hochwürden, Herrn kath. Pfarrer August Roth eine begeisterte Rede gehalten worden. In dieser Ansprache an's Volk erwähnte er auch in Ehren des jüdischen Bolksstammes, mit dem zusammen, sagte er, wir Einen Gott und Einen König haben, der für Gleichheit des Rechtes aller Confessionen stets eintritt; schon deshalb wir vereint und friedlich mit einander leben, handeln und wandeln mögen, denn nur auf solchem Wege kann ein Land wie Ungarn in seinem Fortschritte ohne Hinderniß zum Besten seiner Insassen gedeihen. Andere Länder, die in ihrem Innern sich nur in unnütze Fehden erschöpfen, die allgemein verdammt , nur zu ihrem eigenen Ruine führen und selbstverständlich nicht anders als zum Nachthcile der gesummten Bevölkerung werden können, gehen einer schlimmen Zukunft entgegen. Lemberg. (Jüdische Ansiedlung in Argentinien.) Wie den polnischen Blättern aus Warschau gemeldet wird, haben zweihundert jüdische Laudwirthe aus der Kischenewer Gegend mit ihren Familien an Baron Hirsch die Bitte gerichtet, er möge ihnen zur Ansiedlung in Argentinien verhelfen. In Folge dessen wurde der Vertrauensmann des Freiherrn von Hirsch in Buenos-Ayres angewiesen, für diese zweihundert Familien vier Kolonien zu 50 Familien in der Provinz Entre Rios einzurichten, was auch bereits geschehen ist. Jede Familie wird 100 Acker Feld und landwirthschaftliche Maschinen zur gemeinsamen Benützung erhalten. Lemberg. Der Verein „Agudas Achim" hat sich aufgelöst und dessen Organ die „Ojczyzna" wird nicht mehr erscheinen. Tarnow. Am Mittwoch den 25. v. M. verschied hier im Alter von 71 Jahren der in allen Kreisen der Bevölkerung hochgeachtete Herr Josua Maschler, Vater des Herrn David Maschler in Lemberg. Der Verblichene war Gutsbesitzer, Mitglied des Cultusrathes, des Gemeinderathes und bekleidete mehrere Ehrenämter in unserer Stadt. Durch seine menschenfreundliche Wohlthätigkeit und durch sein liebevolles von Humanität und Frömmigkeit getragenes Wirken hat er sich die Liebe und das Vertrauen der gesammten Bürgerschaft erworben und kamen diese Gefühle durch eine äußerst zahlreiche Betheiligung am Leichenbegängniß zum ehrenvollen Ausdruck. Berlin. „Armes Italien", schreibt der „Reichsherold". „Aus Neapel wird uns berichtet, daß der Ball, welcher zur Feier des Geburtstages des Königs gegeben wurde, vom Kronprinzen mit der Gemahlin des Generals Ottolenghi eröffnet wurde. General Ottolenghi ist der erste Jude, welcher die höchste Stelle in der italienischen Armee erreichte, derselbe ist bekanntlich auch der „militärische Chef" des Kronprinzen." Berlin, ii. Juni. Eine Anzahl Antisemiten Berlins und anderer Städte Norddeutschlands haben einen antisemitischen „Parteitag" nach Berlin zum 26. Juni einberufen. Zugleich erfahre ich, daß die sogenannte „antisemitische Bolkspartei" einen besonderen Parteitag wenige Tage ftüher in Dresden abhält, und die Leiter der ebenfalls antisemitischen „deutschsocialen Partei" machen bekannt, daß sie mit den beiden Parteitagen nichts zu thun haben, sondern in nächster Zeit eine eigene Bertrauensmännerbesprechung abhalten wollen. Die „Kreuzzeitung" weint blutige Thränen über diese Zerfahrenheit der Antisemiten und Plaidirt für die Gründung einer großen antisemitischen Partei. Hildesheim. 6. Juni. Bei der hier stattgefundenen Wahl wurde Herr Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. A. Lewinsky in Weilburg zum Landrabbiner gewählt. Breslau. Unser Operntenor C erin i wurde gestern, nachdem er am zweiten Tage des Wochenfestes die probeweise Leitung des Festgottesdienstes übernommen, und durch seine Vortragsweise nicht minder wie durch seine blendenden Stimmmittel die Bewunderung der außerordentlich zahlreich erschienenen Gemeindemitglikder erregt, zum Kantor an der neuen Synagoge, an Stelle des vor einigen Monaten hin« geschiedenen langjährigen Oberkantors Moritz Deutsch gewählt. Da Cerini Ausländer ist, so bleibt zunächst noch die Naturalisation desselben durch die Regierung abzuwarten. Dresden, 26. Mai. Die Rabbiner an den Synagogengemeinden von Dresden und Leipzig haben in Sachen des ministeriellen Erlasses betreffend das rituelle Schächten bei Sr. Exellenz Herrn von Metsch Audienz gehabt. Derselbe hat, wie man uns ergänzend und berichtigend mittheilt, während der Dauer einer Stunde den Herren Gelegenheit gegeben, ihren Einwendungen gegen den Erlaß Ausdruck zu verleihen. Der Minister des Innern hat den endgiltigen Bescheid dem Beschürffe des Gesantmtniinisteriums Vorbehalten. kanten. 1. Juni. Zu dem Prozeß Buschoff theilt das anktliche Krcisblatt für den Kreis Moers Folgendes mit: „Die Anklage lautet auf Mord und stützt sich auf die Beschaffenheit des Messers, welches bei Buschoff beschlagnahmt wurde. Dasselbe soll eine schartige Schneide aufweisen, welche auch das zum Morde verwandte Messer gehabt haben muß. Ferner fällt in die Waagschale, daß die Thüre welche vom Buschoff'schen Hause aus zu der Küpper'scheu Scheune führt, mit andern Nägeln vernagelt war, als diejenigen waren, welche wenige Tage vor dem Mord von dem diese Arbeit ausführenden Schreiner dazu verwandt wurden." Köln. „Die „Kölnische Zeitung" meldet, daß Herr Grüner, der entlassene Vorsitzende des Kölner antisemitischen Vereins, bei Bonn auf einem Rheindampfer verhaftet wurde. Außerdem, was bereits früher zum Ruhme dieses Streiters für arffche Herrlichkeit mitgetheilt werden konnte, wird jetzt bekannt, daß Herr Karl Julius Grüner von der Staatsanwalffchaft in Magdeburg wegen Betruges steckbrieflich verfolgt wurde. Er hat schon einmal einen Monat wegen Betrugs gesessen; sein ganzes Leben ist auf Lüge, Betrug und Schwindel bafirt. Er pflegte sich als Einjähriger, Assistenzarzt rc. aufzuspielen und die Leute zu brandschatzen. Früher hatte er eine Stelle als Krankenwärter, später als Kellner inne. In Hannover will er 10.000 Mark für die antisemitische Partei gesammelt haben; ob er sie gesammelt hat, steht dahin, jedenfalls hat er sie nicht abgeliefsrt. Kopenhagen. Eine Deputation der jüdischen Gemeinde, bestehend aus dem Oberrabbiner Simonsen und dem Präsidenten wurde vom König und der Königin anläßlich der Feier der goldenen Hochzeit empfangen. Dieselbe überreichte Namens der Juden Dänemarks eine reich ausgestattete Adresse. Beide Deputationsnlitglieder wurden zur Festtafel im Kgl. Schlöffe geladen. — Vielen jüdischen Vertretern der Wissenschaft und Industrie wurden gelegentlich der goldenen Hochzeit des Königspaares Ehrentitel und Decorationen verliehen. Zante. Erzbischof Dionysius Lata von Zante sprach jüngst von der Kanzel herab bemerkenswerthe Worte über die Blutbeschuldigung. Er erklärte feierlichst, daß an dieser Anklage nicht eine Spur von Wahrheit sei, dieselbe beruhe theils auf Neid, theils auf egoistischen Motiven. Er bemerkte, er sei mit den Gebräuchen der Juden vollkommen vertraut und könne daher bestätigen, daß ihnen selbst der Genuß von Thierblut strenge verboten sei. — Da Zante gleichzeitig mit Corfu im vorigen Jahre in Folge der Blutbeschuldigung der Schauplatz von Ex» ceffen gegen die Juden war, so haben die Erklärungen des Erbischofs eine bedeutende moralische Wirkung erzielt. Rom. Das Amtsblatt publicirt eine Reihe von Auszeichnungen, u. A. auch die Verleihung der höchsten Auszeichnung, des Groß - Cordons der Krone Italiens an den Diplomaten Sgr. Giacomo Malvano, General-Director des auswärtigen Amtes. Das Kammermitglied Sgr. Romaniu Jacur wurde zum Officier deffelben Ordens ernannt. Professor Cesare Lombroso wurde zum Bice-Präfidenten der kgl. Akademie der Medicin in Turin ernannt. Petersburg. Die russische Regierung genehmigte den . Plan des Baron Hirsch, in 25Jahren 1,350.000Juden ' aus Rußland in die neue Heimat auswandern zu lassen. Im Jahre 1892 werden zunächst 25.000 Juden auswandern. In , Petersburg übernimmt der Hirsch'sche Centtalausschuß die Haupti leitung. In anderen russischen Städten werden Localcomites er- ' richtet. Die auswandernden Inden werden vollkommen aus dem russischen Unterthanenverband austreten. Zur Deckung der Unkosten hinterlegt die Affociation 100.000 Rubel bei der Re-

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