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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-17 · 25 (17.6.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25 Orsterrrichlfche Wochenschrift Seite 435 Bukarest (Rumänien und der Berliner Vertrag.). Der Rumänische Lloyd constatirt, daß das Bukarester Parlament, entgegen deni im Sinne religiöser Freiheit modificirten Artikel 7 der Staätsverfassung wie auch entgegen dem Artikel 44 des Berliner Vertrages, den Israeliten überhaupt, auch den in Rumänien geborenen und dauernd ansässigen, die nachgesuchte formelle Aufnahme in den rumänischen Unterthanenverband grundsätzlich verweigere. Diese in den letzten Jahren klar zu Tage getretene Erscheinung sei schon von erfahrenen Politikern gleich nach dem Jnslebenstreten der Bestimmung betreffs der individuellen Naturalisation vorausgesehen worden. Der Rechtsgelehrte George Cogardan habe 1879 wörtlich Folgendes geschrieben: „Es wirft sich die Frage auf, ob das dem Parlamente anheimgestellte Recht, die Juden, ebenso wie die Christen, einzeln zu naturalisiren, hinreichend sei, nm den Wünschen des Berliner Congresses und den Forderungen des Artikels 44 des Vertrages vom 13. Juli 1878 zu entsprechen. Kann es denn etwa nicht Vorkommen, daß das Parlament sich weigert, die darum nachsuchenden Juden zu naturalisiren, nnd so ihre von Rechtswegen verpönte Ausschließung thatsächlich aufrecht erhält? Man sollte zum mindesten festsetzen, daß die rumänische Staatsangehörigkeit den in Rumänien geborenen und wohnhaften Israeliten, die keiner fremden Nationalität angehören, voll zuerkannt werde. Nur auf diese Weise würde sich Rumänien dem Geiste der Berliner Vereinbarungen allpassen. Sofia, 2. Juni. Wir haben. erwähnt, daß die Hauptstadt des bulgarischen Fürstenthumes, Sofia, die alte Vilayetstadt, von Grund auf wieder aufgebaut werde. Hierdurch ist auch die jüdische Gemeinde zu Neubauten gezwungen, was hier äußerst kostspielig ist. Auch in dieser Beziehung that der Magistrat sein Möglichstes. Er überließ der jüdischen Gemeinde ein großes Grundstück in Utsch brunar (dem neuen Ansiedlungsorte), ebenso ein zweites in der Stadt selbst, auf welchem mit einem Answande von 150.000 Frcs. eine Synagoge und Schute int Vororte nnd eine prächtige Schule in der Stadt selbst aufgefühlt wurden. Bon den früheren vier Synagogen blieben noch erhalten die Synagoge der spagnolisirten Aschkenasim. Außer dieser gibt es kein anderes Bethaus von dem Umfang der zerstörten, weshalb die Gemeinde daran gehen muß, einen neuen Tempel zu erbauen, nnd zwar nach europäischem Muster. Die Deckung dieser Baukosten verursacht der Gemeinde schlvere Sorgen, und schon stand man an dem Punkte, die neuaufgebaute Schule mit einem Auflvalid von 82.000 Frcs., den Baugrund nicht mitgerechnet, wegen der schuldenden 20.000 veräußern zu müssen. Wie ich bereits berichtet, setzen die Gemeindemitglieder Alles daran, um den Unternehmern den Rest zu bezahlen. Hier muß sich noch manches reiche Mitglied zu einem schweren Opfer verstehen. Was die Opferwilligkeit der spagnolischen Gemeinde anbelangt, so muß man gestehen, daß dieselbe tveit größer ist, als bei den europäischen Juden, welche unter gleichen pecuniären Verhältnissen leben. So z. B. trägt die Sofiaer Judengemeinde ungefähr folgende Lasten: die Erhaltung der Schule mit 1500 Kindern mit einem Kostenaufwand von 34.000 Frcs., zu deren Deckung der Staat nur 8000 Frcs. beiträgt. Die Allianz besoldet den Direktor mit 4000, überdies einen französischen Lehrer mit 1000 Frcs. Dle Anglo Jewish Association betheiligt sich mit 1875. Es verbleiben der Gemeinde 21.250 Frcs., die Tchulhäuser abgerechnet, aus eigenen Mitteln zu beschaffen. Die Erhaltung der Gotteshäuser, der Chazanim und Dienstpersonal tvird von einem eigenen Comit6 syuagogal besorgt, welches auch für die Aufbringung des Gehaltes des Landesrabbiners mit über 15.000 Frcs. sorgen muß. An diese reihen sich noch andere Wohlthätigkeits-Jnstitutionen von dem BikurCholim-Berein, welcher ein Budget von 2—3000 Frcs. hat. der Chewra-Kadischa, Vertheilung von Peßachmahl, Holz und Kleidung für die armen Familien rc. Bei dein Umstande, daß unsere spagnolischen Brüder sich der möglichsten Sparsamkeit im Genüsse des Fleisches befleißigen, erscheint die Schochitagebühr von 15.000 Frcs. jährlich ziemlich drückend. Es gibt kaum eine Mizwah, welche nicht besteuert ist, als Mila, Kiduschin, Schochita :c. Besonders hoch zu stehen kommt die hohe Mizwah, die Pessichate-Aron lBekleiden der Thora. Ob bei der jetzt eingetretenen kritischen Zeit, wo zahlreiche Familien ihre Beschäftigung verloren, die Sofiaer Gemeinde ihre bisherigen Lasten zu ertragen im Stande sein wird, muß die Zukunft lehren. Argentinien. Die erste Kundgebung des neuen Bevollmächtigten des Baron Hirsch, Colonel A. E. Goldsmidt aus London, ist für die fernere Gestaltung des Colonisationswerkes von größter Wichtigkeit; sie lautet in wörtlicher Nebersetzung: „Euch, Ihr Söhne Israels, die Ihr Zuflucht und Ruhe suchet in den Colonien des Baron Hirsch, Euch Allen entbiete ich meinen brüderlichen Friedensgruß! Es hat dem Allmächtigen gefallen, unsere Vorfahren auf wunderbare verschlungene Pfade zu leiten und dornenvolle Wege wandeln zu lassen; Roth und Kummer war ihr Loos seit vielen Jahrhunderten. Euch aber hat Gott in seiner großen Gnade und Barmherzigkeit neue Wege geführt nnd Eure Lebensbahn geebnet zu Eurem zeitlichen und ewigen Heil. Der Ewige hat Euch in der Person des Baron Hirsch einen Erretter aus Pein und Drangsal gesandt und ihn zu Eurem Erlöser aus Bedrückung und Verfolgung ernannt, daß er Euch eine Stätte gibt, wo Ihr Ruhe und Erholung findet, wo Euch die Sonne des Heils und des Glücks leuchten soll nach sturmbewegten, finstern Tagen'; zu Ende sind nun Eure Plagen und Eure Klagen. — Bedenket, welch' ein wunderbares, großartiges nnd heiliges Werk dies ist! Euch hat die höhere Vorsehung auserkoren und Euch gewürdigt die ersten Frühlingsboten und die ersten Verkünder des anbrechenden herrlichen Frühlings zu werden; Ihr seid auserwählt worden, Euren Namen und das Ansehen unseres ganzen Volkes zu Ehren zu bringen. Mit pochendem beklommenem Herzen blickt gegenwärtig ganz Israel auf Euch! Auch andere Nationen beobachten Euch und Euer Unternehmen mit besonderer Aufmerksamkeit und (meistens) mit innigster Theilnahme. Darum seid stark und fest; seid brav und betragt Euch gut! Verrichtet Eure Arbeit mit Fleiß mit dem Schweiß Eures Angesichts ohne Murren; erfiittt freudig die Befehle und Anordnungen Eurer Vorgesetzten, die Euch mit Rath und Hilfe beistehen! Dann wird Gott Euch segnen und das Werk Eurer Hände gelingen lassen! Ihr werdet ein geachtetes Volk sein und gute, treue Bürger Eures neuen Vaterlandes. In Zufriedenheit und mit wonnigem Gefühl wird ein jeglicher unter Euch die süßen Früchte seiner Hände Arbeit genießen und so werdet Ihr durch Eure Thaten und gute Führung am glänzendsten die fatschen Behauptungen unserer Feinde widerlegen: Daß unsere Brüder ungeeignet sind zu ehrlicher, anstrengender Arbeit. Mögen die Lieder Zions in Eurer Mitte erklingen und zum Höchsten empordringen, möget Ihr ernten mit Jubel was Ihr säet mit Thränen und heißem Ringen. Haltet hoch die Fahne der Thora und Israels. Euer Panier sei: Friede, Tugend und Religion. Gott segne unser heiliges Vorhaben!" Alb. Ed. Goldsmidt. Adelaide (Australien). Bei dem Besuche des Grafen von Meath machte eine jüdische Deputation, bestehend aus dem Rabbiner, Rev. A. T. Boas, dem Gemeindevorsteher S. Sannders, dem Schatzmeister I. Ascher u. a. demselben ihre Aufwartung, um ihm den Dank für seine den bedriickten russischen Inden geleisteten Dienste auszusprechen und eine Adresse ihrer Glaubensgenossen in Süd-Australien zu überreichen. Einige Mitglieder der Deputation hielten eine Ansprache an den Lord, welcher in seiner Erwiderung u. A. sagte: „Die jüdische Bevölkerung Rußlands beträgt über Drei Millionen Seelen. Die Regierung kann unmöglich wünschen, eine so enorme Zahl, die der Bevölkerungszahl von Australien fast gleichkommt, auszntreiben. Sollte es ihr jedoch gelingen, dieses ungeheure Unrecht auszuführen, so würde sie einen Theil ihrer intelligentesten Bürger fortgetrieben haben und die russische Civilisation würde dadurch dm größten Schaden erleiden. Die Juden werden persönlich noch viel zu leiden haben, aber den größten und dauerndsten Verlust wird Rußland selbst davon haben. Die Juden werden wahrscheinlich in den freier» Ländern, wohin sie ihre Schritte lenken, ihre Lage verbessern; es wird - aber Jahre dauern, ehe Rußland die Wunde wird heilen können, welche der Fortzug einer so großen Zahl seiner intelligentesten Bürger ihm schlagen wird. Hoffen wir, daß der Czar und seine Räthe in ihrem Hgenen und im Interesse des von ihnen regierten Landes mit der Zeit das Thvrichte der von ihnen eingeschlagenen Richtung einsehen und die Politik ändern werden, welche nicht verfehlen kann, ebenso das materielle Wohl, wie das Ansehen und den Ruf Rußlands empfindlich zu schädigen. Bei meiner jüngsten Anwesenheit in Neu-Seeland gewahrte ich zu meiner Freude, daß die Legislatur eine Resolution angenommen hatte, in welcher sie ihre Sympathie mit den russischen Juden und ihre Mißbilligung der Handlungsweise ihrer Bedrücker

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