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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-17 · 25 (17.6.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 25 Oestrrrrichifchr Wochrnfchrist. Sette 433 Cabinetsphotographien der Vorstandsmitglieder überreichten. Nach Entgegennahme sämmtlicher Gratulationen seitens des Festgebers begaben sich die Festtheilnehmer in den festlich geschmückten Hofraum, wo die Fabriksfeuerwehr und sämmtliche Arbeiter im Halbkreise aufgestellt waren. Herr Fabriksdirektor Friedrich Lurie hielt an den Jubilar eine kernige Rede, in der er den Entwickelungsgang des Etablissements, die Arbeitskraft, den Fleiß, die Energie, den Scharfblick und den Humanitätssinn des Chefs schilderte, dem es gelang, aus einer bescheidenen Gerberei eine großartige Lederfabrik verbunden mit der Erzeugung von Bedarfsartikeln für das k. ü. k. Heer anzulegen. Zum Schluffe bat er, das aufgestellte prachtvolle mehrere Meter hohe und breite Tableau, enthaltend die Photographien der Fabriksherren, der Beamten und der Arbeiter zur Erinnerung an den heutigen Festtag dankbarst entgegenzunehmen. Hierauf hielten noch ein Fabriksbeamter und ein Werkmeister der Gerberei Ansprachen, wobei der letztere namens der Gerber ein prachtvolles Geschenk, darstellend die Enbleme der Gerbergenoffenschaft in feiner Goldstickerei ausgeführt, überreichte. Der Jubilar dankte, in längerer Ansprache sichtlich bewegt, den Beamten und Arbeitern für die ihm erwiesenen Aufmerksamkeiten, versprach ihnen ein väterlicher Freund bleiben zu wollen und ließ eine Urkunde vorlesen, in der er ein Capital von 5000 fl. Rente für alte, arbeitsunfähige Arbeiter stiftete.') Zum Schluffe producirte sich die Fabriksfeuerwehr mit einem eigenen patentirten Rettungsapparate. Hierauf wurden die Festtheilnehmer eingeladen, die angrenzenden herrlichen Gartenanlagen zu besichtigen, wobei Erfrischungen verabreicht wurden. Ein endloser Wagenzug brachte um die Mittagsstunde die Festtheilnehmer in das Waisenhaus, das im modernsten Stil erbaut und mit allem Comfort ausgestattet ist. In dem großen Saale daselbst wurde die kirchliche Weihe vorgenommen. Der Herr Dechant verglich in längerer und gediegener Rede die heutige Einweihung mit der des ersten Tempels in JerusalemunterKönig Salomon, hob die Tugenden des israelitischen Volkes im allgemeinen und jene des Gründers und Erbauers des Waisenhauses, des Herrn Großindustriellen Bergmann im Besonderen hervor, forderte die anwesenden Waisenkinder auf, ihres Wohlthäters nie zu vergessen und denselben täglich im Gebete miteinzuschließen, mit welchem Beispiele er sofort voranging. Hierauf überreichte Herr Bergmann dem Herrn Bürgermeister den Schlüssel des Hauses, die Uebergabe desselben an die Stadtgemeinde symbolisch andeutend. In längerer Rede zählte der Herr Bürgermeister die Verdienste des Erbauers des Waisenhauses auf, die sich derselbe um die Stadt und um die Arbeiter erworben und theilte ihm mit, daß die Stadtvertretung in einer der letzten Sitzungen ihm das Ehrenbürgerrecht seiner Vaterstadt verliehen und überreichte ihm das Diplom als Ehrenbürger. Hierauf dankte der Herr k. k. Bezirksrichter als Obervormund der Waisenkinder in einer gediegenen Ansprache. Endlich verlas der Herr Dechant ein Dank- und Anerkennungsschreiben des bischöflichen Consisteriums Königgrätz an den Erbauer und überreichte ihm dasselbe. Jede dieser Ansprachen erwiderte Herr Bergmann tief bewegt und versprach ein treuer Sohn seiner Vaterstadt und fernerer Wohlthäter zu bleiben. Nachmittags vereinigte ein Festmahl fast sämmtliche Festtheilnehmer, wobei es an schwungvollen Toasten nicht fehlte. Zuerst toastete Herr Bergmann auf Se. Majestät, unseren allgeliebten Monarchen. Hierauf brachten der Herr Bezirkshauptmann, der Herr Bezirksrichter, der Herr Bürgermeister, der Herr Dechant, der Herr Bezirksobmann Dr. Stranik, der Herr Dr. Grab, Advocat aus Wien, Herr Fabriksdirector Lurie, Herr Vorstandsmitglied Neumann, Herr Fabriksqesellschafter Seidl u. v. a. auf den Fabriksherrn und deffen Familie Toaste aus. Gleichzeitig fand ein Festessen für die Arbeiter- und Waisenkinder statt. Auch die Armen - beider Confessionen wurden nicht vergessen. So endete ein Fest, das den Festtheilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Prag. Das Frühlingsfest und die Juden. Es mag welche Veranstaltung immer von deutscher Seite insceniri werden, eine Festlichkeit, Jubiläum, Gründungs-Commers oder sonst dergleichen, der gemüthvoltl angelegte idealgesinnte Deutsche — kühlt sein M ühchen an den Juden. Bon diesem nimmt man mit Vergnügen das Geld — zu deutschen Zwecken, bei Sammlungen weiß man den vermögenden Inden sicherlich zu finden, während der echt Deutsche in der Mehrheit von zugeknöpfter Schmutzigkeit ist und wenn er sich einmal im Jahre in der Gesellschaft von Juden sehen läßt, wird 2) Ein dreifaches „Släva“ auf den Fabriksherrn war die Erwiderung der Arbeiter auf diese Mittheilung. Jenen sehr deutlich gezeigt, auf Schritt und Tritt, daß erst der Deutsche zur Welt kam, bevor diese noch erschaffen war. Ein eigener Vorfall hat sich am Samstag, den 11. Juni im deutschen Casino beim Frühlingsfeste, einem Feste, der Humanität geweiht — abgespielt. Ein deutscher Student aus Budweis, Herr Bondy, kam mit einem Gothen (die „Bohemie" leistet sich, oder der deutschen Parteileitung. die Notiz, daß auch die Couleurs ausnahmsweise dem diesmaligen Feste die rechte Bierweihe gaben) einer geringfügigen Ursache wegen in Wortwechsel, der in eine Rauferei ausartete, bei der Hermann, der Cherusker, eine schallende Ohrfeige zu Eigen erhielt. Seltsamerweise richtete es der deutsche Held in seiner angeborenen Ritterlichkeit so ein, daß dieser Streit in der Nähe der Mufiktribune ausgefochten wurde. — Nun trat etwas für alle Zuschauer Unerwartetes ein. Der Dirigent der Capelle, der genügsam bekannte Herr Rzeznicek, ein verkommener Wagnerianer, zog sofort blank und versetzte dem Juden rücklings drei scharfe Hiebe über den Arm. hinter dem Ohre und einen Seilenhieb in die Nähe des Auges, der Boden färbtsich sofort mit Blutwellen, der meuchlin s Angegriffene (nach Jesuitenart) wurde besinnungslos fortgeschafft. — Nun, ftagen wir. wie kommt der zum großen Theile mit jüdischem Gelde entlohnte Musik - Dirigent unberechtigter Weise dazu, den beleidigten Officier zu spielen. in seiner Civilanstellung und vom Leder zu ziehen? Wer gab Herrn R. das Recht, ungerufen die beleidigte Ehre eines Andern herzustellen, der angeblich fern Freund sein soll? Eine unbeschreibliche Aufregung bemächtigte sich der Nächststehenden, hinaus! hinaus! ertönte es von allen Seiten, der diensthabende Polizei-Commissär war sofort zur Stelle, sonst wäre es Herrn R. sicherlich schlecht ergangen, dessen angeborener Heldenmuth schnell verflüchtigte und einer todtenähnlichen zitterhaften Bläffe. Platz machte. Nachdem dem Helden seine Zierwaffe abgenommen (vorher wurde er noch durch einen Abgesandten des so Angegriffenen zu einem Duell gefordert, worauf ein stammelndes „Ja" als Zustimmung gedeutet wurde, verflüchtigte auch der so geschilderte Held aus dem Garten und das Gemüthlichkeitssest konnte seinen Fortgang nehmen. Prag, 12. Juni. Der Operncomponist und Militär- Capellmeister des 88. Infanterie-Regimentes Freiherr von Rzeznicek, ein Antisemit, wurde heute auf dem Platzcommando von der Polizei einem Verhör unterzogen, weil er gestern in einem Garten-Restaurant, wo er mit der Regimentscapelle concertirt:, einen Juristen, Namens Bondy mit Säbelhieben rücklings auf dem Köpf und an der Hand schlver verwundete, angeblich um einem Hausfteunde beizuspringen. Das äußerst zahlreiche Publicum, welches Zeuge der Gewaltthat war, wollte Rzeznicek lynchen, dem es jedoch gelang, durch die Garten-Hinterpforte zu flüchten. Der Vorfall hat heftige Erbitterung in der ganzen Stadt hervorgerufen. Przemysl. Herr Redacteur? Sie haben gewiß Kenntniß von dem großen Unglücksfalle, welcher die israelitische Gemeinde der Przemysler Borstadt „Zasanic" getroffen hat. Die hebräischen wie die polnischen Blätter haben davon Berichte erstattet. Mit bedeutenden Geldopfern, mit unzähligen Schwierigkeiten, ja mit Anspannung aller Kräfte, ist es dem Baucomite gelungen, die so dringend nothwendige Synagoge unter Dach zu bringen. Obgleich noch ohne Plafond, wurden am Neujahrsfest vorigen Jahres, daselbst die Gebete verrichtet. Als nun nach Ostern die Arbeit begann um den Bau zu vollenden, und mehrere Arbeiter am Dach beschäftigt waren, stürzte plötzlich die Südwand dieser Synagoge, nebst fertig gewordenem Plafond ein und begrub in den Trümmern einen jüdischen 19jährigen Klempfnergesellen. Nun fordert die Baupolizei die sofortige Herstellung der Synagoge und droht im Berzögerungsfalle mit der Demolirung des ganzen Gebäudes, das Baucomite aber ist baar aller Fonds und noch obendrein verschuldet. Das gefertigte Baucomite appellirt daher an den schon oftbewährten Gemeinsinn der Glaubensgenossen, daß Sie uns mit freiwilligen Spenden zum Zwecke des Wiederaufbaues dieser Synagoge verhelfen, und gleichzeitig an die löbliche Administration Ihres weitverbreiteten Blattes „Oesterreichische Wochenschrift", etwaige Spenden zu diesem Zwecke entgegen zu nehmen und an uns abführen zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung Heinrich Wiesel, Moses I. Faß. Berlin. Zu den Orgien, welche der Antisemitismus derzeit in Deutschland feiert, sagt das „Cons. Wochenblatt": „Daß Ahlwardt und Genossen mit diesen Bemühungen, das deutsche Gewissen abzustumpfen, schon beträchtliche Resultate erzielt haben, laßt sich ja leider nicht verkennen. Mag der

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