Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 25 (17.6.1892)
- Date
- 1892-06-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3020900-3020925--01454-3025495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6dk 432 Nr. 25 VrArrrrichtschr Wochenschrift. war Moses Weber (geb. zu ZoMew 1832). Nachdem er seine gesetzliche Dienstzeit in den Regimentern Nr. 20 und 9 bereits abgedienthatte, trat er imJahre 1866 freiwillig wieder in die kaiserliche Armee und machte den Feldzug dieses Jahres als Zugsführrr im Infanterie-Regiment Kronprinz Wilhelm von Preußen Nr. 20 mit. Ms am 20. Juni bei Skalitz sein, von feindlichen Kugeln an beiden Füßen schwer verwundeterHauptmann Puchreiner zusammenbrach, erfaßte ihn Weber und trug ihn mitten im dichtesten Kugelregen aus dem, von den seinen bereits aufgegebenen Kampfplatz. Auf seinen Schultern brachte er ihn an einen von den feindlichen Kugeln geschützten Ort, dann aber kehrte er in das Schlachtgetümmel zurück, übernahm das Commando der bereits aller Officiere beraubten Compagnie und führte dieselbe mit ebensoviel Umsicht als Bravour." ^orreHonäenren. Wie«. (Herr Vergani ruft „Bravo!") Die „Neue deutsche Zeitung" in Leipzig zählt zu den verlogensten Blättern, die im deutschen Stiche erscheinen und ist wohl darum das Organ des „Deittschen Antisemitenbundes." Dieses Lügenblatt bringt aus Berün die Meldung: „Aus guter Quelle verlautet, daß der Zar in Kiel wie zufällig das lebhafte Gespräch auf die Judenftage gebracht hat. Kaiser Wilhelm schien dadurch sichtlich überrascht, pflichtete seinem hohen Gaste jedoch darin bei, daß es Zeit sei, derselben näher zu treten. Hierauf ist aus dem Munde des Zaren der Ausspruch gefallen: „Das ist eine Sache der Selbsterhaltung und der landesväterlichen Fürsorge, die wir unserem Lande schulden." Der polnisch-italienische Urgermane aus Solenz begleitet diese Meldung mit einem „Bravo." Herr Vergani ist ein begeisterter Verehrer der Politik des > Czaren, der die Deutschen aus dem Lande verjagen und die katholischen Bischöfe nach Sibirien deportiren läßt. Der russische Czar behandelt Juden, Katholiken, Polen und Deutsche nach demselben Principe, eingegeben von derselben Staatsweisheit. Es ist darum allein unmöglich und absolut ausgeschlossen, daß der Czar mit dem deutschen Kaiser über die Behandlung des Nichtrussen sich mrterhielt. Da hätte der deutsche Kaiser, wenn er nicht seine nationale Würde verletzen wollte, auf die Bebandlung, welche dar Deutschen in den baltischen Provinzen wiederfährt, Hinweisen müssen. Darum haben die beiden hohen Herren es zweifellos vermieden derlei delikate Fragen zu berühren. Frankreich steht dem russischen Czaren ein wenig näher als das Deutsche Reich und Baron Mohreuheim sucht sich mit den französischen Juden aut zu vertragen, wofür ihn jüngsthin erst die antisemitische Presse zum „Judenstämmling" gestempelt hat. Der Czar ist ein Gefangener im eigenen Heim und wird es selber kaum wagen, einem geordneten Staatswesen die innere Politik Rußlands als Boickild zu empfehlen. Eines hat sich hier offenbart, daß der internationale Autisemitismus seine Hoffnungen auf den Czaren setzt, und seine Intervention erwartet. Wie«. (Generalversammluug der Jsr. Allianz in Wien.) Donnerstag, am 9. Juni 1892 um 5 Uhr Nachmittags, fand im Sitzungssäle der Israel. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Israel. Allianz zu Wien statt. In Abwesenheit des Präsidenten Herrn David Ritter v. Gutmann, welcher durch Unwohlsein verhindert war von Baden nach Wien zur Versammlung zu reisen, leitete Herr Gemeinderath und Cultusvorsteher Dr. Alfred Stern als erster Bicepräsident die Versammlung. Er begrüßte die Bereinsmitglieder und gedachte in warmen Worten der seit der letzten Generalversammlung dahingeschiedenen Männer des Judenthums, welche der Allianz nahestanden. Er pries die unvergänglichen Verdienste um die Wissenschaft, welche sich der verstorbene Professor Graetz erworben, er gedachte der treuen Mitarbeiterschaft des Heimgegangenen Landesrabbiners in Czernowitz, Dr. Lazar Igel, sowie des plötzlich dahingerafften Vorstandsmitgliedes Ritter von Fürth endlich des am 3. Juni l. I. Heimgegangenen unermüdlichenec Sretärs der „Alliance israelite universelle“ in Paris Isidore Loeb und forderte die Versammlung auf zur Ehrung des Andenkens dieser Männer sich von den Sitzen zu erheben (Geschieht.) Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch stellt den Antrag, es sei dem Vorstand der „Alliance israelite“ in Paris im Namen der heutigen Generalversammlung telegraphisch die Theilnahme und das Beileid auszudrücken aus Anlaß des herben Verlustes, den der Schwesterverein durch den plötzlichen Tod des unersetzlichen Secretärs erlitten. (Angenommen.) Redner stellt fernerden Antrag, die Generalversammlung möge dem verehrten Präsidenten der Wiener Israel. Allianz Herrn David Ritter v. Gutmann für seine rastlose Arbeit im Dienste des Vereines und des Judenthums den Dank votiren und ihm eine glückliche Genesung wünschen. Der Antrag wird mit Akklamation angenommen und an den Vorsitzenden die Bitte gerichtet, von diesem Beschlüsse der Versammlung den verehrten Präsidenten telegraphisch zu verständigen. Nach Uebergang zur Tagesordnung und Genehmigung des Berichtes gibt Bereinsmitglied Herr Adolf Rosenbaum seinem Bedauern Ausdruck, daß die diesjährige Generalversammlung nicht zur statutenmäßigen Zeit, sondern im Monate Juni abgehalte» wird. Noch mehr befremdet es ihn, daß der Jahresbericht den Bereinsmitgliedern erst sehr spät, nur wenige Tage vor der Generalversammlung zugestellt worden. Der Vorsitzende weist nach, daß in diesem Jahre die Fertigstellung des Rechnungsabschlusses große Schwierigkeiten im Gefolge hatte und durch die nothwendige Abrechnung mit Berlin eine Verzögerung erleiden mußte. Dagegen sei statutengemäß die Generalversammlung 14 Tage vorher in der amtlichen „Wiener Zeitung" kund gegeben worden. Abg. Dr. Bloch spricht den Wunsch aus daß auch den Fachblättern rechtzeitig die Ausschreibung zugestellt werden möge. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden die Herren M. L. Baruch, Dr. Ad. Jellinek, Friedrich Singer, Oberbaurath Sigmund Taussig nndGeneralrath Klein in den Vorstand gewählt. Nach Berificirung des Wahlprotocolles durch die Herren Skrutoren Josef Jelinek und Hermann Liebermanu erklärte der Vorsitzende die Generalversammlung für geschloffen. Neubydzow, am 13. Juni 1882. Am 12. d. M. feierte der Chef der weitbekannten Lederfabriks-Firma H. Bergmann's Sohn und Comp., Herr Jonas Bergmann, derzeit Präses der isr. Cultusgemeinde, das Fest des fünfundzwanzigjährigen Bestandes der Fabrik. Mit diesem Feste war gleichzeitig die feierliche Uebergabe des von ihm mit einem Kostenaufwande von mehr als 30.000 fl. erbauten und eingerichteten Waisenhauses der Stadtgemeinde verbunden. Die Feier wurde eingeleitet mit einem am Vorabende des Festtages von den verschiedenen Vereinen und Fabriksarbeitern dem Festgeber gebrachten Fackelzuge. Unter den Gratulanten bemerkte man denn k. k. Bezirkshauptmann, den k. k. Bezirksrichter, den k. k. Steuereinnehmer mit sämmtlichen Beamten dieser Behörden, den Bürgermeister mit sämmtlichen Stadträthen und Ausschüssen, den Obmann der Bezirksvertretung Dr. Stranik, den k. k. Steuerinspector, den k. k. Finanzwachcommiffär, den k. k. Notar, den k. k. Postverwalter, den k. k. Schulinspector, die Herren Advokaten und Aerzte, die Vorstandsmitglieder der isr. Cultusgemeinde, den Rabbiner, den Cantor, die Lehrer der isr. Volksschule, die Directoren des Gymnasiums und der Bürgerschulen, den Streckenchef und Stationsvorstand der Oesterreichischen Nordwestbahn, die Communalbeamten, die Obmänner und Stellvertreter der verschiedenen Vereine und Körperschaften und viele Private. Von fremden Gästen waren erschienen') der Direktor der Fachschule für Steinmetze in Horic, der Director der Versuchsstation für die Gerberei aus Wien, der k. k. Bezirksarzt aus Jicin, der Advocat Dr. Taussig aus Königgrätz u. v. A. Während die einzelnen Deputationen ihre Gratulationen vortrugen, wovon die Borstandstellvertreter der isr. Cultusgemeinde Herr Dr. Kraus und der Rabbiner Herr Dr. Löwy längere gediegene Ansprachen hielten und wobei die Vorstandsmitglieder der isr. Gemeinde ihrem Präses eine prachtvoll ausgestattete Adresse mit dessen Ernennung zum Ehrenmitgliede her Repräsentanz und ein prachtvolles Tableau, enthaltend die ') Herr Metchef, Fabriksbesitzer I. L. Pollak, Herr Oberingenieur I. Fried länder, Herr Dr. Grab, Advocat, fämmtliche aus Wien und die Beamten der Wiener Fabriksniederlage.