Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-17 · 25 (17.6.1892) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3020900-3020925--01453-3025494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 25 Vrstrrrrkhifche Wochenschrift Seite 431 Trotz vielfacher Bemühungen gelang es nicht, daß die Mädchen die Religionsschule besuchten.* *) Um die Sache zu fördern, machte Frau Josefine, Gemahlin des selig Jonas nachmals Freiherr von Königswarter eine Stiftung von fl. 2000, die dem Lehrer zufallen sollte, welcher die Mädchen unterrichtet; aber auch dieses Mittel blieb zunächst ohne Wirkung. Da jedoch die Mädchen, wenn sie heiraten wollten, Zeugnisse beibringen mußten, daß sie die erste und zweite Classe der Volksschule mit gutem Erfolge absolvirt haben, und sie die diesfälligen Zeugnisse nicht erhielten, wenn sie nicht die Religionszeugnisse beibrachten, so wurden sie prwatim vom Prediger Mannheimer geprüft. Die erste Classe hatte biblische Geschichte nach den Lehrtext vom Kirchenrathe Dr. Maier in Stuttgart und die zweite Classe das Lehrbuche von Saalschütz. Es mag übrigens hinzugefügt werden, daß die Mädchen gewöhnlich im Alter von 11—13 Jahren waren, wenn sie die Prüfung ablegten. Im Jahre 1849, nachdem die jüdische Bevölkerung in Wien bedeutend zugenommen hatte, stellte sich die Nothwendigkeit heraus, die erste Classe, welche aus Schülern der drei Bolksschulclassen bestand, Herrn Breuer abzunehmen und sie einem eigenen Lehrer, der jede Schulclasse besonders unterrichten sollte, zu übergeben und wurde zum Lehrer dieser Classen Medicinae Dr. Jacob Mandello (recte Mandel) ernannt. Dieser versah das Amt bis zum Jahre 1852. Hierauf wurde der Schreiber dieser Zeilen mit der vacanten Lehrerstelle betraut. Bald hernach mußte noch eine neue Lehrkraft gewonnen werden. Ich setzte nämlich meine ganze Kraft ein, damit die Mädchen die Religionsschule besuchen *) und meine Bemühungen hatten Erfolg. Im ersten Jahre meiner Amts- Wirksamkeit 1852/3 bestand eine Mädchenclasse, die 32 Schülerinnen zählte, im zweiten Jahre zählte diese Classe bereits 72 Schülerinnen und im darauf folgenden Jahre trat die zweite Classe ins Leben, 1855/6 wurde die 3. Classe errichtet, ein Jahr hernach die 4. Classe und im Schuljahre 1858/9 eine Borbereitungsclasse; überdies war ich genöthigt, die 1. Classe zu theilen, da die Zahl der Schülerinnen zu groß geworden war. Es wurde daher noch eine Lehrkraft damit betraut, die unteren Classen zu unterrichten. Unter Anderen führte auch Herr Dr. Heinrich Zirndorf, der als Schriftsteller einen Namen hatte und jetzt als Prvf'ssor in Cilicinati wirkt, kurze Zeit dieses Amt. Im Jahre 1860 wurde mit demselben Jonas Jellinek betraut, der vor kurzer Zeit aus dem Leben schied. Im Jahre 1857 legte Leopold Breuer in Folge vorgerückten Alters sein Amt nieder und an seine Stelle trat Herr Samuel Hammerschlag. Kurz zuvor wurde Herr Dr. Adolf Jellinek zum Prediger erkoren. Dieser übernahm den Unterricht der 7. und 8. Gymnasialclasse. Zugleich tvurde er zum Director der Religionsschule ernannt. Herr Dr. Jellinek versah diese Aemter bis zum Schlüsse des Jahres 1864. Nachdem Herr Dr. Moriz Güdemann zum Prediger berufen worden war, übernahm *) Es muß hervorgehoben werden, daß Knaben aus den sogenannten besseren Häusern die damaligen Volks- (richtiger Pfau- oder Normal-Schulen) wenig, Mädchen aber gar nicht besuchten. Sie erhielten zu Hause Unterricht und legten jedes Semester die Privatprüfung ab. Diese Privatprüfungen wurden für Knaben ausschließlich in der Normalhauptschule zu St. Anna im I. Bezirke Annagasse und für Mädchen ausschließlich in der k. k. Mädchenschule im I. Bezirke Bäckerstraße abgehalten. Die anderen Schulen hatten kein Recht Privatprüsimgen uvrzunehmen. *) Ich will hier offen bekennen, welches Mittel ich anwendete, um Schülerinnen für die Religionsschule zu gewinnen. Wie bereits bemerkt, hatte man damals ein Borurlheil gegen die öffentlichen Volksschulen, die thatsächlich nicht gut bestellt waren und halbwegs gute Privatlehrer fanden lohnende Beschäftigung. Ich selbst erlheilte Privatunterricht in verschiedenen Disciplinen, unter anderem auch in Religion und ohne daß ich es wollte, hatte ich zumeist Schülerinnen. Nachdem ich das Amt als Religiotlslehrer angetreten hatte, wurde ich vielfach ersucht, privatim Religionsunterricht zu erlheilen. Ich hielt dies jedoch in meiner neuen Stellung nicht für angemessen und fürchtete üble Nachrede. Thatsächlich habe ich auch mit Ausnahme von drei Fällen, wo ich von angesehenen Mitgliedern des Vorstandes gewissermassen dazu gedrängt wurde, s'it meinem Amtsantritte als Religionslehrer weiter nie privatim Religionsunterricht ertheilt. Wenn ich nun von Eltern ersucht wurde, ihrer Tochter oder ihren Töchtern Religionsunterricht zu ertheilen, die mir bei dieser Gelegenheit Schmeicheleien über meine Methode rc. sagten, empfahl ich ihnen stets, ihre Töchter in die Religionsschule zu schicken. Es kostete zwar da und dort Ueberwindung, aber schließlich folgte man mir und so kamen die Töchter von Wilhelm R. v. Boschan, Dr. Ignaz v. Hofmannsthal, Juwelier Goldschmidt rc. in die Religionsschule. Diese zogen andere nach. dieser den Unterricht der obersten Gymnafialclaffen und unter seinem Borsitze begannen die Lehrerconserenzen. In Folge vielfacher Amts- und Berufsgeschäfte sah sich Herr Dr. Güdemann veranlaßt, nach wenigen Jahren dieses Lehramt auszugeben. Herr Hammerschlag schied im Jahre 1873 aus seinem Amte und sein Nachfolger war Herr Dr. Jonathan Wolf. Inzwischen hatte die Decentralisation des Religionsunterrichtes begonnen und wird derselbe jetzt, wie man weiß, in den betreffenden Volks-, Bürger- und Mittelschulen ertheilt oder in Sammelschulen und werden die Localitäten von Seite des Gemeinderathes auch für die Sammelschulen in den Schulen, in tvelchen der Unterricht stattfindet, die vom Borstande der isr. Gemeinde bezeichnet werden, zur Verfügung gestellt. In dem ehemaligen Locale der Religionsschnle befindet sich jetzt nur noch eine Sammelschule für Schüler der Mittelschulen. Wie es sich von selbst versteht, entspricht jetzt die Eintheilung der Classen rc. der allgemeinen Organisation der Schüler, wie sie im Laufe der Zeit auf Grund der Gesetze entstanden ist. Wir haben hier blos die Namen der Religionslehrer in Alt-Wien angeführt und die in den ehemaligen Vororten nicht genannt. Eben so wenig sehen wir uns veranlaßt, aus den Lehrplan oder auf die Lehrpläne, wie sie im Laufe der Zeit entstanden sind, näher einzugehen. Hingegen wollen wir Folgendes hervorheben. Die Polizei- Oberdirection stellte wiederholt, zuletzt am 7. Mai 1822, das Verlangen, einen israelitischen Schülausseher zu wählen. Es sollte das ein Mann sein, der mit der Liebe für die Schuljugend auch Fachkenntniß, mit der Ueberzeugung von dem hohen Werthe des Schulwesens auch den nöthigen Eifer in der Ausführung verbindet, die Schule öfters besucht, die Fleißkataloge durchgeht, die Eltern der nachläffigen Kinder zuerst selber ermahnt, dann der Polizei-Oberdirection zur weiteren Behandlung anzeigt u. s. w. Es wurde hierauf Jsak Lob Edler v. Hofmannsthal zum Schulaufseher gewählt und bekleidete er dieses Amt bis zu seinem Tode am 3. December 1849. Ihm folgte Josef, nachmals Ritter v. Wertheimer. Nachdem dann auf Grund des neuen Gemeindestatutes Fach - Sectionen inmitten oes Vorstandes entstanden unterstand die Religionsschule selbstverständlich der Schulsection. Als Obmann dieser Section sungirten während dieser Zeit die Herren: Josef Ritter v. Wertheimer, Dr. Ignaz Kuranda, Dr. Maximilian Engel, Dr. Leopold Kompert, Emanuel Baum» garten, Wilhelm Ritter v. Gutmann und Dr. Gustav Kohn. Schließlich mag noch bemerkt werden, daß der Vorstand, nachdem der Religionsunterricht decentralisirt worden war, einen Jnspector bestellte und zwar Simon Szanto, der sich als Schriftsteller einen Namen erworben hatte. Dieser hatte zunächst di £ Inspektion in den Volksschulen zu versehen. Nach dessen Tode tvurde der Verfasser dieser Skizze im Jahre 1882 zum Jnspector des isr. Religionsunterrichtes in den Volks-, Bürger- und Mittelschulen ernannt. Lefefrüchke. Fr. v. Schack über die Dichtkunst der Hebräer.„Es gab Völker, deren Literatur sich ganz ohne Einwirkung der Erzeugnisse anderer Nationen entwickelte, weil sie keine solche kennen lernen konnten. So die Juden . . . Ebenso ganz aus sich selbst hat sich die Dichtkunst der Hebräer entwickelt; sie hat eine einseitige, jedoch erstaunliche Höhe erreicht, und nach Allem, was seitdenl hervorgebracht worden, bleibt doch das Buch Hiob, sowie Manches in den Psalmen und Büchern der Propheten wegen seiner Erhabeitheit und seines Schwunges staunenswerth. Alles ist mächtig und groß, ein donnernder Choral, neben dem jeder Ton von Menschenstimme verhallt. Wollte man hier sagen das beständige hochgestimmte Pathos erzeuge Monotonie und die Kenntniß fremder Gedichte hätte den Juden, wenn solche ihnen zugängig gewesen wäre, von Nutzen sein können, um ihre eigenen zu vervollkommnen, so würde das nahezu so viel heißen, als wünschte man überhaupt aus der hebräischen Poesie dasjenige hinweg, worin ihre überwältigende Wirkung besteht." (Pandora S. 11.) Ein seltenes Beispiel aufopferndsten Heldenmuthes und wahrhaft heroischer Pflichterfüllung seitens eines jüdischen Soldaten erzählt I. v. Hoffinger in seinen „Lorbeern und Cypressen von 1866", S. 50. „Der Name des Tapferen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.