Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 24 (10.6.1892)
- Date
- 1892-06-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 42Z Orsterrrlchlfchr Wochenschrift. Air. 24 und Tabak versorgt, hat sie in die Stadt zu jeder Zeit freien Eintritt ... sie kommt eben von drüben ... sie kennt die heutige Losung, forscht sie aus... sie wird sich nicht bitten lassen. .. so können wir getrost an die Ausführung unseres Handstreichs schreiten... die Stadt ist unser." „Sarah! sag uns die Losung!" herrschte er der Alten zu. Sie hob die stahlblauen Augen zu ihm empor.. . ein Zittern überfiel sie... in ihrem Hirn war's plötzlich helle. Sie erinnerte sich deutlich diesen Menschen schon irgendwo gesehen zu haben... seine höhnischen, den Stempel der Gemeinheit tragenden Züge sinnen ihr gar so vertraut vor ... ja, ja ... cs war keine Täuschung länger möglich. . es war der Verruchte, von denl es in der Stadt hieß, daß er zum Ueberläufer und dann zum Spion geworden. Jndeß schlug der Fragesteller eine höhnische Lache auf: „Hihi!... Sarah ist mit allen sieben Salben geschmiert. . . sie hat es dick hinter den Ohren ... sie wird sich eher die Znnge herausreißen laffen, als umsonst, gratis ein Geheimniß preisgeben ... Sie müssen die Alte bezahlen ... gut bezahlen, General — sie feilscht und schachert mit allmöglichem, mit Kleidern und Gold... ja, die eigene Tochter soll sie verkuppelt haben... „Nicht wahr, Sarah ... die schöne Elsa hast Du verkauft?" fragte er neuerdings in Lachen ausbrechend. Die Alte hörte ihm schweigend zu. :. je länger er sprach, ein desto tieferer Abscheu malte sich in ihren Zügen. Ihr ganzes Wesen bäumte sich gegen eine solche erbärmliche Beschuldigung auf und eine heiße Blutwelle schoß ihr ins Gesicht und Nacken. Sie war imponirend in dieser wortlosen, flammenden Entrüstung. 'Die Anderen begannen zu tuscheln und zu berathen... augenscheinlich hielten sie die Ueberrumpelung der Stadt für ausgemacht. Mit dem Lachen der Soldaten vermischte sich das Wiehern der Rosse. Der Offizier, welcher zuvor General titulirt worden, warf ihr eine gespickte Geldbörse vor die Füße, tut Falle hatte sich der Verschluß gelöst und goldene, lautere, sternengleich strahlende Ducaten rollten auf den Boden umher. Schier geblendet fuhr sie auf die Moneten los. „Hollah, stillgestanden!" kam ihr der General zuvor, zuerst ausgesagt! J&ä wird nichts angerührt, bevor Du uns nicht Auskunft gegeben. Und das sage ich Dir... sprich die Wahrheit, denn wenn Du uns anlügst... ist es Dein Tod... Sie stand da in einer Art Verzückung — hart über dem Goldhaufen gebeugt — so daß der Saum ihres Kleides die Goldstücke streifte, sie bewegte in ein cm fort die Lippen... nnarttculirte Laute wispernd ... so viel Gold auf einmal hatte sie nie zuvor geschaut... ein Wort... und das Alles ... der ganze Schatz ist ihr Eigenthum... für so viel Geld konnte man ja eine ganze Stadt kaufen!... Und Abraham, der vielgeliebte Abraham wird heimkehren. . . wird ein großer Herr werden ... das Herz schlug ihr in den Hals hinauf. „So sprich denn alte Hexe! Worauf wartest Du noch! Zum Henker! es ist Dir dein Gehirn ausgetrocknet. Mach rasch!" bestürmte man sie von allen Seiten. Und warum wollte doch nicht das erlösende Wort über ihre Lippen? Sie konnte es ja auswendig. Erst gestern hatte es ihr der Sergeant Toporek gesagt ... es schwebt ihr schon auf der Zunge... es zittert auf chren Lippen ... das inhaltsschwere Wort... wofür ein solcher Schatz winkt... weshalb zaudert sie also noch? Wozu das Besinnen?... Schnell wie Blitze durchkreuzten wirre Gedanken ihr Gehirn! Als wäre sie mit einem Zauberschlag wieder jung geworden, so frisch begann das Blut in ihren Adern zu pulsiren. . . neues Leben durchströmte sie... Sie brechen in die Stadt ein . ... sie werden sengen und plündern... er sagte, daß ich mein eigen Kind verkuppelt... soll ich nun meine Vaterstadt verschachern und verrathen! Daraufhin! Sengend und plündernd brechen sie in die Mauern der Stadt ein ... Blutströme fließen... Der Tag der Vergeltung ist gekommen .. . Das wird die langersehnte Rache sein für den erschlagenen Moses ... Adonai süÜbst hat das Racheschwert in ihre Hand gelegt ... Doch nein.... tausendmal nein ... was wollte ich Unselige beginnen.. es stcht geschrieben: „Ich selbst werde das Racheschwert in die Hand nehmen... selbst werde ich Sodoma in Rauch und Flammen aufgeheu laffen. „Nein, nein, Herr Gott im Himmel, ich chue es nicht .. . apaje satanas ... Diese Bestien würden Niemanden schonen.... nicht einmal die Säuglinge an den Brüsten der Mütter... Sie werden Alles vor sich niedermetzeln_ die Stadt dem Erdboden gleich machen ... weit und breit ragende Schutt- und Aschenhaufen und Cadaverhügel. . an jener Stätte, wo ich einst mit meinem Manne gelebt, meine Kinder geboren... wo ich glücklich war an der Seite meines braven Abraham!. . . . Ihr tödtlichcr Haß ging unter in dieser trauten Erinnerung an genossene Gutthaten ... Der starre Groll schmolz dahm in der aufflammenden Gluth patriotischer Begeisterung . . zum ersten Male fühlte sie sich Bürgerin jener bedrohten Stadt, wo sie mit Chaim glückliche sonnige Tage verlebte, wo sie ihr eigenes Heim besessen, wo ihre Kinder gespielt, wo sie in einer übermüthigen Stunde sich sogar mitder'Königin von Saba zu vergleichen vermaß ... und heute. .. heute sollte sie dieselbe Stadt verrathen, verkaufen, dem grausamen, entmenschten Feinde schnöde ausliefern . . . nein ... nie und nimmer . .. nur das nicht. .. lieber den Tod! . . . . Hunderttausend Teufel, Pest und Hölle! Wirst Du einmal den Schnabel aufmachen Alte oder ich lasse Dich auf der Stelle snsiliren. Du hast die Wahl.. . Gold oder Tod durch Pulver und Blei... „General!" . . stammelte die Alte. „Also hast Du dich endlich besonnen — sagst uns die Losung?" „Ich sage weiter nichts, als Sarah verschachert nicht Menschenblnt um schnödes Geld." Der Commandant riß so heftig am Zügel, daß der feurige Araber bockte und sich hoch aufbäumte. „Ist das Dein letztes Wort. .. Megäre? Ich gebe Dir eine Minute Bedenkzeit. Ich verstehe keinen Spaß. Du weißt,, was Dir bevorsteht." „Gottes Wille geschehe." Schon winkte der General den Soldaten mit der Hand — damit sie die Alte niederknallen, doch plötzlich besann er sich eines Anderen. „Pah . .. ist keinen Schuß Pulver werth. Schleift sie in den Fluß hinab." Unter wieherndem Gelächter und Gejohle wurde die Aermstc über die Uferböschung hinabgestoßen. Erst einige Tage hernach fand Lore im Uferschilf das Stirnband der Großmutter... an den rothen und blauen Steinchen perlten Wassertropfen wie Thränen. . . Der Leichnam wurde nicht gesunden — vielleicht darum, weil Niemand nach ihm forschte. Wochrnkalender. Wochen- Juni 1892 Siwan 5652 Kalender Freitag Samstag 10 11 15 16 Sonntag 12 17 Montag 13 18 Dienstag 14 19 Mittwoch 15 20 Donnerstag 16 21 Freitag 17 22 Briefkasten. Raöb. Dr. D. Weis;, Krems: Der Satz in dem Artikel „Antisemitischer Thicrschntz" in Nr. 21: „Der fromme Jude hat die gleiche Ueberzeugnng von der seinigen" war entschieden falsch nnd nur durch ein Versehen der Redaktion blieb eine entsprechende Randbemerkung aus. „Austria." In der am 29. v. M. abgehaltenen 31. ordentlichen Generalversammlung der allgemeinen wechselseitigen Capitalien- und Rentenversicherungs-Gesellschaft „Austria" waren 55 Versicherte anwesend nnd 145 Stimmen durch Vollmachten vertreten. Laut des vorgelegten Rechenschaftsberichtes betrug Ende vorigen Jahres bei einer Mitgliederzahl von 34.516 Personen das Versicherungscapital 21,214.098 fl. 54 kr.; die Prämieneinnahme bezifferte sich auf 391.579 sl. 38 kr. Die Gesammtreserve beläuft sich auf 3,047.271 fl. 39 kr. Seit Bestehen des Institutes wurden 7,8*91.798 ff. 42 kr. für fällige Versicherungen ausgezahlt. Alls Grund des v'orgelegten Revisionsberichtes wird dem Berwaltungsrathe einstimmig das Absolutorium ertheilt. [