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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-10 · 24 (10.6.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
24 (10.6.1892)
Date
1892-06-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 24 Orstrrreichifchr WochrnsA^rW Seite 421 spottete. Als der Freund Boulanger's einer mehrmaligen Weisung des Stadtfergeanten, keine Zusammenrottung zu veranlassen, nicht Folge leistete, wurde er nach dein Polizei-Commissariate geführt und dann mit einigen guten Rathschlägen wieder entlassen. Ein Zwischenfall, der fiir die Mehrzahl der Gäste unbeachtet voriiberging, trug sich bei den Ausgängen der Synagoge, wo sich die Equipagen stauten, zu. Es wurden Assafoetida-Kugeln von Individuen in einige Wagen geworfen und selbst in dem des Fräuleins Rothschild. Der Polizei-Cvmmissär Guenin nahm eine solche Kugel von der Robe der Braut fort. Eine andere wurde der Behördex durch ein Mitglied der Familie Rothschild übergeben. Unter den Camelots, welche judenfeindliche Broschüren ausriefen, wurde Einer, ein'gewisser Hay a rd, ein Drucker sestgenommen. Er hielt sich beim Eingänge der Synagoge auf und rief allen Eintretenden zu: „Sales poulres" Auch hob er gegen einen Polizei- Agenten einen eisenbeschlagenen Stock. Man arretirte ihn wegen Widersetzlichkeit und Verbotes des Waffentragens. Paris. Die Municipal-Wahlen in Frankreich und Algier hatten einen fiir die Juden günstigen Verlauf, indem viele Juden wiedergewvhlt wurden. Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerther, als in vielen Gemeinden die Fahne des Antisemitismus anfgervllt und die Parole: „Nieder mit den Juden" ausgegeben wurde. In Aix wurde Mr. Abram zum Maire wiedergewühlt, nach einem heftigen Wahlkampf, rvelchen ein republikanisches Comits verursacht hatte, öas Placate mit den Worten: „Keine Juden mehr!" „Keine Fremden!" in der ganzen Stadt anschlagen ließ. Paris, 3. Juni. Isidor Loeb Secretär der Alliance israelite universelle, ist gestorben. Isidor Loeb war einer der bedeutendsten Gelehrten des französischen Judenthums, ein scharfsinniger, klarer Kopf, ein Meister des Styles, dem die Sprache ein gefügiges Werkzeug war, mit einem Herzen voll Milde und Güte, ein Freund der Armen und Bedrückten aller Länder, für welche er sein Leben einsetzte. Die „Oesterr. Wochenschrift" verliert in Isidor Loeb einen treuen Freund, welcher ihr von Anfang an theilnahmsvoll und berathend zur Seite gestanden. In einer der nächsten Nummern unseres Blattes werden wir eine Biographie des Heimgegangenen Gelehrten publiciren. London, am 29. Mai 1892. Am verflossenen Mittwoch wurde bei der Stadtgemeinde in Gravesend, unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Mr. Arnold, das Bild des verstorbenen Alderman Rev Mr. Berkowitz (bei B. I. Marks) im Stadthause Fownhall enthüllt. Der Rev. G. Barr Bicar von Gravesend hat einen warmen Nachruf dem Verstorbenen gehalten. welcher hohe Sichtung Rev Berkowitz bei dem Bischof von Rvchester und bei dem Bischof von Minosota genossen. Redner erklärte, daß es eine Ehre ist, das Prvtrait eines solchen Mannes zu bewahren. „Er war ein guter Jude und ein noch besserer Mensch". p. G. London. Am letzten Samstag Nacht starb in Cannes in ihrer Billa Lady Goldsmid, die Gemahlin des Sir Julien Goldsmid M. P. Lady Goldsmid war eine geborene Philipen ans Florence, seit März 1868 an Sir Julien Goldsmid Ll. P. angetrnut. Der Ehe entsprangen 7 Tochter, wovon 2 verheiratet sind, die älteste an Herrn Francis Hoffnung und eine an Sir Charles Jessel Bart. Lady Goldsmid war eine sehr geachtete und wohlthätige Dame, leistete viel für Unterstützung der Kunst und Wissenschaft. Sie selbst war eine Schönheit und eine Priesterin der Musik. Ihre nt Lomes in London lvnren die meist beliebtesten und besuchten von der besten Londoner Society. p. G. London, am 29. Mai 1892. Am letzten Dienstag wurde in der New Road Whitechapel eine neue Synagoge eingeweiht, in Anwesenheit von Lord Rothschild und Mr. Sam. Montogne M. P. Ursprünglich war es nur eine kleine Chewre, meistens aus Krakau hier eingewanderte Glaubensgenossen, die sich aber der Födöration angeschlossen haben, durch deren Präsidenten Mr. Montagne und mit Hilfe Lvrd Rothschilds dieses schöne Gotteshaus zu Stande kam. Der Chef Rabbi Mr. Herman Adler hielt die Eröffirungs-Rede und Dr. Lern er, der Rabbi der Födöration, hielt eine deutsche Ansprache, Mr. S. M a n n i e, der Cantor der New Dalston Synagoge mit seiner prachtvollen Tenorstimme, erwarb durch seinen Vortrag beim Einweihungsfeste sich das Lob und den Dank seiner Landsleute in vollem Maße. Herr Mannie ist ein Krakauer Enkelkind des berühmt gewesenen Chasens Mannie in Krakau. Nach dem Einweihungsfeste begaben sich Mr. Montagne uild der Präses Mr. Singer der New Road Synagoge mit den meisten Mitgliedern und deren Frauen zu Bonns Hotel, wo ein Soupe stattfand und von Hernr Jl. Blank, Secretär der Födöration, wurde eine Liste vorgelesen, iv!o über 250 Pf. St. für die Synagoge gespendet wurde, was mit g'roßem Beifall und Enthusiasmus ausgenommen wurde. \ P. G. Bern, 30. Mai. Die Sammlung von Unterschriften fiir das in die Bundesverfassung «ufzunehmende Verbot des Schächtens hat begonnen. Der neue Berfassungsartikel soll lauten: „Das Schlachten der Thier e ohne vorherige Betäubung vor dem Blutentzuae ist bei jeder Schlachtart und Viehgattung ausnahmslos untersagt." -Für diese Action sind 50.000 Unterschriften nöthig. s 1 Moskau. Neuerdings hat mau eine fernere Rechtsbeschränkung gegen jüdische Rekruten in Anwendung gebracht. Die zum Dienste ausgehobenen Rekruten haben sich nach dem bestehenden Gebrauche erst 10 Tage nach der Aushebung ihrem Truppentheile zu stellen, um während dieser Frist ihre häuslichen Angelegenheiten ordnen und sich von ihren Verwandten verabschieden zu können. Den jüdischen Rekruten wurde diese Frist nicht mehr gewährt: sie wurden sofort, nachdem sie tauglich befunden, nach den betreffenden Garnisonen abgeführt. Petersburg. Stadthauptmann Greffer, welcher kürzlich mit dem Tode abging, ist an einem aus ekelhaften Stoffen zusammengesetzten Geheimmittel, welches sich besonders bei der hiesigen Lebewelt großer Beliebtheit erfreut, gestorben. An seine Stelle ist der Generalmajor Victor von Wahl getreten. — Bei dieser Gelegenheit erinnert der „Herold" daran, daß der erste Inhaber des 1718 von Peter dem Großem geschaffenen Postens eines „Generalpolizeimeisters" von Petersburg ein — Jude war, Graf Diviere, der Peter in Amsterdam auf einem Schiffe als gewandter Schiffsjunge aufgefallen war. Derselbe hieß Anton Diviere, war der Sohn eines nach Holland gekommenen portugiesischen, getauften Juden, der seinen Sohn völlig mittellos hmterlassen hatte. Peter nahm ihn mit nach Petersburg, wo er bis zum Polizeimeister avancirte. Feuilleton. Sarah (Lieber der Tod.) Erzählung aus dem Polnischen v. Walerie Solecka. Einzig antorisirte Nebersetzung v. Herm. Löwenthal. (Schluß.) Eines Tages, als sich die Sonne schon zum Untergange neigte, gewahrte sie — eben unter der Last eines vollbepackten Korbes seufzend, mit Schrecken, daß der Holzsteg, der fie sonst ans jenseitige Ufer führte, verschwunden war. Die aus dem Wasser ragenden Stümpfe und die Splitter ringsum sagten an, daß der Feind dieses Zerstörungswerk vollbracht. Rathlos spähte sie umher. Morgen gelingt es ihr vielleicht, eine Furth ausfindig zu machen. Doch was sollte sie heute anfangen? Heute aber winkt ihr ein besonders reicher Verdienst, vielleicht zwei volle Ducaten . . . vielleicht noch mehr . . . Ehe der Abend hereinbricht, gilt es, die Stadt zu erreichen, um vor Eintritt der Dunkelheit heimzukehren. Wie sich also helfen? Die Jochbrücke ist ein Raub der Flammen geworden. Eine Zille ist nicht in der Nähe . . und wenn auch, würde fie sich allein hinüber» rudern können? Erschöpft ließ fie sich am Ufer nieder. Nach reiflichem Erwägen beschloß sie den morgigen Tag abzuwarten — es war noch nicht alles verloren — fie wird an der alten Stelle einen neuen Steg errichten laffen . . . wohl wird ihr das theuer zu stehen kommen, denn die Bauern können nur des Nachts arbeiten . . und vielleicht werden fie sich überhaupt weigern, . . doch dafür wird sie um so höher die Lebensmittel berechnen. Sie überschlug in Gedanken den möglichen Verlust und Gewinn. Nachdem sie eine Weile gerastet, lud fie den schweren Korb auf den Rücken und lenkte gemüthlich ihre Schritte heimwärts. Da jählings schlug Pferdegetrappel und Säbelklirren an ihr Ohr. In tiefe Gedanken verloren, hatte fie das Nahen einer Soldaten-Colonne überhört. Zur Flucht war es bereits zu spät. Aengstlich blinzelte sie hinüber.. Es warenMonturen des Feindes.. eisengraue Schwellen.. blinkende Picken... es waren ihrer Biele.. soweit das Auge reichte nichts als Soldaten., als wäre drüben der Wald lebendig geworden und an der Spitze in goldverschnürter Uniform, mit weinseligem rochen Gesicht und unheilvoll funkelnden Augen der General selbst. In einem Nu war sie umzingelt. „Halt!" gebot ihr eine rauhe Sttmme. Sie blieb wie angewurzelt stehen... auf ihre Augen senkte es sich wie ein Nebel, aus dem nur Säbel, Piken, Lanzen, Monturknöpse, der goldene Generalskragen und die Roßmähncn heranstraten. „Wer ist das Weib?" hörte sie eine Sttmme fragen. „Das ist Sarah, die Marketenderin." „General", erwiderte die erste Stimme, „ein unschätzbarer Fang.. . fie kommt uns gerade in den Wurf... fie kann uns den sichersten Bescheid geben, da fie die Soldaten mit Schnaps

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