Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 24 (10.6.1892)
- Date
- 1892-06-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 416 Oesterrelrhisrhr Worhrnsrhrist Nr. 24. Fleisch fiir die Kinder selbst beistellt) zurückzuführen ist, so ist diese Bevorzugung doch auch teilweise auf die größere und wirksamere Ueberwachung zurückziMhren. In dieser Beziehung ist übrigens Beihülfe nöthig. Ein Tag oder ein Nachmittag mit den Kindern zugebracht wird doppelte Unterhaltung bieten, ihr, die gibt und jenen, die nehmen. Wir sagen mit Vorbedacht „ihr", denn hier ist ein Gebiet, auf welchem speciell Frauen sich große Verdienste erwerben können." „Biele gutherzige Mitglieder unserer Gemeinde sind in der Lage, Kinder, sei es auf ihren eigenen Landsitzen, sei es in der Nachbarschaft unterzubringen. Wir möchten diese Uebung gerne„weiter ausgedehnt sehen." „Es ist Hoffnung vorhanden, daß dieses Jahr gegen tausend jüdische Knaben und Mädchen auf das Land geschickt werden können. Jedermann wünscht etwas für das Glück der Kinder beizutragen, ihr Leben ftoher zu gestalten, ihre Noth zu lindern. Die größten Poeten haben darnach gestrebt, die Jugend zu ihrem Publikum zu zählen, Märchen zu schreiben, welche fortleben in allen Generationen. Die Bewegung, für welche wir eintreten, hat mehr als das geleistet, sie hat unseren Kindern'ermöglicht, selbst eine Weile im Feenlande zu leben. Wenn man bedenkt, daß der Anblick eines grünen Feldes oder einer blumenübersäten Wiese für Tausende von dem kleinen Volk ein Blick in'« Paradies ist, so müssen wir erkennen, daß es unsere Pflicht sei, dafür zu sorgen, daß ein so leicht erreichbares Entzücken ihnen nicht versagt werde." Wien (Corruptionsriecherei). Herr Dr. Psenner im „Oesterreichischen Volksfreund" vom 5. Juni 1892, erzählt als Grund, daß der Hohenwatt-Elub für die Valutaregulirung eintritt, es soll „der Abgeordnete Dr. Suklje, der Führer der Slovencn nn Hohenwart-Club, der bisher Gymnasial-Profeffor war, als Hof- oder wenigstens Sectionsrath in's Unterrichtsministerium berufen werden. Und der Bicepräsident des Abgeordnetenhauses Dr. Kathrein, welcher erst unlängst das Comthurkreuz des Franz Joseph-Ordens erhalten hat, wird am Ende dieser Legislaturperiode zum Hofrath beim Vertvaltungsgerichtshofe ernannt werden." Bon Herrn Steinwender berichtet er in derselben Nummer: „Professor Steinwender ist heute glücklich, wenn er den kleinen Finger einer ministeriellen Hand erwischt. Er fühlt sich ganz gehoben, wenn ihm ein Minister ein paar freundliche Worte sagt und schimpft weidlich auf das Volk, wenn dieses nicht für die Goldwährung der Rochschild und Consorten begeistert ist. Er glaubt offenbar, die Stunde, sei nicht fcme, wo er seine armselige Gymnasialprofessur mit einem Portefeuille vertauschen kann; und diese Einbildung bringt ihn um den kleinen Rest von Bescheidenheit, der ihm von jeher zu eigen war. Er täuscht sich aber selbst in wahrhaft kindischer Weise. Man duldet zwar, daß er als ministerieller Agitator sich aufspiele; man zeigt ihm hie und da wohl ein scheinbar huldvolles Lächeln, das weit mehr einem herablassenden Milleide entspringt; aber nicht einmal eine Sectionsrachsstelle wird für den armen Gernegroß abfallen, bei dem das Streben nur vom Eigendünkel übertroffen wird." Es gibt somit blos zwei ehrliche Leute in ganz Oesterreich, Ernst Vergani und Ludwig Psenner und Beide gehen bekanntlich bei jüdischen Banken und Versichemngsinstituten schnorren und nehmen auch die geringsten Beträge Wie«. (Die neueste Entdeckung des Herrn Vergani). Aus Paris läßt «sich das „Deutsche Bolksblatt" vom 5. Juni 1892 melden, daß der ruffische Botschafter, welcher das ruffisch-ftanzösische Einverständniß zusammengebracht und die Seele der dreibundfeindlichen Politik ist. der jüdischen Raffe augehört. Selbstverständlich wird der russische Botschafter in Paris von der „4Iüauee israelite" inspnirt, zu deren Gunsten er arbeitet. Das „Deutsche Volksblatt" schreibt: „Dieses ist nur sehr Wenigen bekannt und wer den Baron von seinen Vorfahren sprechen hört, muß glauben, daß selbige Kreuzfahrer waren! Der Großvater des Baron von Mohrenheim war ein kleiner jüdischer Arzt aus Galizien, der in Polen pratticirte und nebenbei auch auf Pfänder lieh. Eine Großfürstin, die in Polen herumreiste, wurde krank und da kein anderer Arzt zur Stelle war so wurde der kleine Mohrenheim herbeigerufen. Er hatte das Glück, sie zu heilen und aus Dankbarkeit attachirte sie ihn an ihre hohe Person. Natürlich ließ sich der gute Doctor sofort taufen, wurde mit Ehren überhäuft uud zum Baron gemacht. — So macht man in Rußland Carrier«! Und der hiesige Baron Mohrcnheim, kaiserlich ruffischcr Botschafter, ist ein großer. Aristokrat und trotzdem daß er katholisch ist, ist er ein Stockruffe, der so weit geht, daß er alle baltischen Edelleute haßt, von ihnen sagt, daß sie Deutsche sind und eigentlich ausgerottet werden müßten, was ihn aber nicht gehindert hat, eine baltische Baronesse von Korf zu heirachen." Damit bängt wohl auch zusammen, daß der amerikanische Botschafterin Constantinopel Excellenz Hirsch und die „jüdischen Einflüffe am goldenen Horn" für Rußland und seine Politik arbeiten wie das „Deutsche Volksblatt" jüngsthin zu melden gewußt hat. Es ist eben das Judenthum Enropa's an der Arbeit, um Rußland die Oberherrschaft der civilisirten Welt auszuliefern. Merkwürdiger Weise ist es gerade der internationale Antisemitismus, welcher alle dreibundfeindlichen Elemente, die Rumänen, die Jungczechen u. s. w. in seinen Dienst genommen und auch das „Deutsche Bolksblatt" hat nie unterlassen den Ruhm des russischen Czaren und die Weisheit seiner Regierung in allen Tönen zu preisen. Den antisemitischen Lesern kann man Alles, selbst den hellsten Wahnsinn, glaubwürdig darstellen. Mannersdorf. (Zwei Antisemitenhelden.) B.is vor einigen Jahren wußten die biedern Mannersdorfer nichts von jener „arischen" Leidenschaft, welche man als Antisemitismus bezeichnet. Nun ist es aber anders geworden. Ein Qnerkopf, der sich in einem Orte nicht zurechtfinden konnte, ließ sich eines Tages in Mannersdorf nieder, und von diesem Zeitpunkte an colportirt er daselbst antisemitische Druckschriften. So bedachte er beispielweise mit dem berüchtigten Antisemiten-Katechismus einen ehrsamen Schneidermeister, der aber damit nichts anzufangen wußte und sich über die Bedeutung dieses Geschenkes bei einem — Juden Raths erholte. In Mannersdorf befinden sich übrigens im Ganzen drei jüdische Familien, deren eine seit etwa zwanzig Jahren dort einen Laden besitzt und sich stets eines guten Rittes erfreute. Die zweite Familie, aus eitler Witwe mit drei Töchtern bestehend, welch' letztere in der dortigen Fabrik als Arbeiterinnen beschäftigt sind, ist gleich der früheren wohlgelitten. Außerdem lebt in Mannersdorf noch ein Hansirer, der sich mühselig durch das Leben fortschlevpt. Selbst nach der bekannten antisemitischen Doctrin läuft das „Wirthsvolk" von Mannersdorf keine Gefahr, durch die erwähnten Angehörigen des „Gastvolkes" verjudet und corrumpirt zu werden. Nichtsdestoweniger kämpft der Querkopf gegen dieselben mit einem solchen Eifer wie Don Quixote gegen die Windmühlen. Ein seiner würdiger Genosse befindet sich in dem benachbarten Götzendorf. Derselbe ist Vertreter eines Wiener Bierbrauers jüdischer Confession, huldigt also, wenn er bei einem Juden Geld verdienen kann, dem Grundsätze: von ölet. Beide Orte sind um ihre Antisemitenhelden wahrlich nicht zu beneiden. Brünn, den 7. Juni. Soeben erschien im achten Stück des Landesgesetzblattes für Mähren unter Nr. 40 eine Berordnuilg des Cultus-Ministers vom 29. April 1892. womit dem im Sinne des Gesetzes vom 21. März 1890 R.-G.-B. 57 constitnirten isr. Cultusgemeinden in Mähren aufgetragen wird, gemäß der § 28 und 29 dieses Gesetzes neue Statuten aus- resp. ihre bisherigen Statuten umzuarbeiten. Dies obliegt den derzeitigen Vertretungen unter Zuziehung des Rabbiners und zweier von der Bezirkshauptmannschaft berufenen Gemeindemitgliedern. Die Statuten-Entwürfe sind nebst den bez. Berathungs-Protokollen bis Ende 1892 den Bezirksbehörden zur Genehmigung vorzulegen. Um die Verfassung solcher zur staatlichen Genehmigung geeigneter Statuten zu erleichtern, wird gleichzeitig ein Muster-Statut veröffentlicht, das in der Buchhandlung Winiker für 40 kr. zu haben ist. Es wird demgemäß nunmehr jede der 50 Gemeinden eine amtliche Aufforderung zur Vorlage ihres Statutes erhalten, wobei ihnen jedoch die freie Willenbestimmung bei Abfassung der Statuten innerhalb der Grenzen des § 28 des Gesetzes nicht benommen ist, da das Musterstatut nur zur Erleichterung und zur Beförderung der thunlichsten Gleichartigkeit der Statuten dienen soll. Wir gehen somit der endlichen Ordnung unseres Gemeindewesens in Mähren entgegen. K . Prag, den 6. Juni 1892. Die Prager Israel. Beerdigungs-Bruderschaft hielt gestern, wie alljährlich an diesem Tage, die ordentliche General-Versammlung ab. Der Obmann Herr David Lieben widmete dem verstorbenen Actuar, weiland Koppelmann Lieben einen ebenso warmen als geistreichen Nachruf, in welchem er dessen mehr als 40jährige Thätigkeit für die Bruderschaft schilderte und von ihm als Mensch und hervorragenden Gelehrten ein getreues Porträt lieferte. Die Ausführungen wurden von den Anwesenden stehend angehört. Auch dem Heuer verstorbenen Custos David R a d ni tz und der vor Kurzem Hingeschiedenen Vorsteherin „des Vereines frommer Frauen" Obebera Keduscha Naschim-Zedkanijoth weiland Frau Sarah Wiener, gedachte er in warmen Worten und forderte die Anwesenden zur Beileidskundgebung auf.