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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-03 · 23 (3.6.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 23 Oesterreichifchr Wochrnschrifk. Seite 403 den Fond für ein israelitisches Blinden-Jnstitut je 50 fl., von Herrn Eduard Machlup und Frau Witwe Ludwig Bernauer je 100 fl. zur Armenunterstützung, von Herrn Alfred Wellisch zur Armenunterstützung 25 fl., von Herrn Heinrich Abel zur Armenunterstützung 2 fl. und von Herrn Dr. Julius Singer für das Taubstummen-Jnstitut 2 fl., von Herrn Dr. Koloman v. Heinrich 600 Steinbad- und 500 Badekarten für das allgemeine Bad. - Kojetein. Am 22. d. hatte hier die Dieustmagd Mizera, welche beim Lederhändler Moses Fuchs bedienstet war, ohne zu kündigen, ihren Dienst verlassen. Montag, den 24. war Fuchs bei den Eltern der Mizera in Beznnrau und fragte an, warum ihre Tochter den Dienst, ohne zu kündigen, verlassen habe; er erhielt die Antwort, daß ihnen der Aufenthalt der Tochter unbekannt sei. Alsbald verbreitete sich mit rapider Schnelligkeit das blöde Gerücht, daß das Mädchen ein em rituellen Mo^ve zum Opfer gefallen sei. Die Gährnng nahm derart überhand, daß die Juden, wo sie sich zeigten, an dem Leben bedroht wurden und einige auch körperliche Verletzungen erlitten, außerdem wurden bei mehreren angesehenen Kaufleuten sämmtliche Fensterscheiben nächtlicherweise zertrümmert. Durch Intervention des Bezirkshauptmannes Nawratil wurden die Gemüther endlich beru.figt, da es den Nachforschungen bald gelang, die Leiche des verschwundenen Mädchens im Marchflusse aufzufinden. Es wurde festgestellt, das' das Mädchen wegen unglücklicher Liebe in den Tod gegangen war. Berlin. Als der Reichstagsabgeordnete Pickenbach — so lesen wir in der „Berl. Ztg." — an einem der letzten Vormittage vom Anhalter Bahnhofe in Groß-Lichterfelde aus abreisen wollte, und sich in der schönsten Unterhaltung befand, trat plötzlich ein Gerichtsvollzieher auf ihn zu, deutete auf seine imposante Uhrkette und nöthigte ihn zum Eintritt in das Bahnhofsgebäude. Dort wurde ihm Uhr und Kette abgenommen, und Herr Pickenbach mußte rvohl oder übel das Pfändungsprotocoll unterzeichnen. Berlin. (Wie die Antisemiten lügen.) Louise Michel sei eine Jüdin, oder mindestens von jüdischer Abstammung, wird in Nr. 196 der „Antisemitischen Correspondenz" behauptet. Auf unsere Erkundigung in Paris wird uns mitgetheilt. daß die Michel eine katholische Christin sei. Der in Hanau erscheinende „Main"- und „Kinzig-Bote" macht den durchgegangenen Kassirer Rothschild's, Jäger, zum Juden. — Jäger ist aber Christ. („Miltheilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus".) Berlin, 21. Mai. Auf dem Auswandererbahnhof zu Ruhleben (bei Spandau) fand gestern eine Conferenz von Vertretern der betheiligten Behörden statt zur Berathung sanitärer Vorkehrungen gegen die Einschleppung von Krankheiten durch die russischen Auswanderer. Namentlich richteten sich dieselben gegen die drohende Gefahr der Einschleppung des in Rußland herrschenden Flecktyphus. Fortan wird jeder Auswanderer in Ruhleben ärztlich untersucht, und sind dazu ständig zwei Aerzte stationirt; einer, vom jüdischen Auswanderercomite bestellter, versieht den Dienst schon seit einiger Zeit. Verdächtig erscheinende Auswanderer werden einer Quarantäne unterzogen. Eine Apotheke ist in Ruhleben eingerichtet. Köln, 18. Mai. Gestern mußten sich vor der hiesigen Strafkammer der verantwortliche Redacteur des „Brühler Stadt- Anzeiger", D. Wollersheim von Bonn, sowie der Expedient Ferdinand Becker, der Hotelbesitzer Franz Kluth und der Kaufmann Kirsch, alle drei ans Brühl, verantworten. In Nr. 254 des Brühler Stadt-Anzeigers vom 4. Nov. 1891 befand sich im Jnseratentheile ein „Eingesandt", worin auf die bevorstehenden Gemeinderathswahlen in Brühl hingewiesen wurde und u. A. folgender Satz vorkam: „Wählet christlich gesinnte Männer, nicht solche, deren Religion es gut heißt, Eure Glaubensgenossen in verbrecherischer Weise an Hab und Gut zu schaden." Tie Spitze dieser Ausführungen richtet sich gegen den Kaufmann und Gemeinde-Berordneten David Fröhlich zu Brühl. Die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Anklage wegen Beschimpfung der jüdischen Religions - Gesellschaft (§ 166 des Str.-G.-B.). Der angeklagte Redacteur erklärte, daß der Artikel, den er nicht billige, ohne sein Vorwissen im Annoncentheil Aufnahme gefunden habe und diese Erklärung wurde durch den Verleger des Blattes bestätigt. Die anderen Angeklagten wendeten ein, daß das incriminirte „Eingesandt" nicht zur Aufnahme in den „Brühler Stadtanzeiger" bestimmt gewesen sei, sondern als „Flugblatt" gedruckt werden sollte. Der Staatsanwalt beantragte Gefängnißstrafen von 5—7 Tagen, der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung, da er die Euttveudungen der Beschuldigten als begründet erachtete. Der Muth der antisemitischen Hetzer gleicht zu sehr dem Muthe des kläffenden Köters, der nur so lange hinter einem her kläfft, als man ihm nicht entgegentritt, aber sofort mit emgekniffenem Schwänze Reißaus nimmt, wenn man ihm die Peitsche zeigt. Braunschweig, 12. Mai. Gelegentlich' des Geburtsfestes unseres Prinz-Regenten wurden zum ersten Male — was in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft besondere Beachtung gefunden hat — auch einige Glaubensgenossen mit Titel-Auszeichnungen bedacht, und zwar wurden die Herren Rechtsanwälte Dr. Magnus. Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, und Heymann zu Justizräthen, Herr Fabrikant M. Jüdel zumCommerzienrath ernannt. Diese Verleihungen finden deshalb gesteigerte Beachtung, well sie nicht lange nach jenen bedauerlichen Vorgängen erfolgt find, durch welche versucht wurde, auch in unser Land den Antisemitismus zu importiren. Marienburg, W.-Pr. 25. Mai. In unserer Zeitjdes Antisemitismus ist folgendes erfreulich. Unser allverehrter Rabbiner Herr Dr. S. Pick, welcher dem Herzogspaare von Coburg- Gotha zur goldenen Hochzeit eine hebrcusch-deutsche Widmung in poetischer Form Übersand, erhielt aus dem herzoglichen Geh. Cabinetein Dankschreiben höchst schmeichelhaften, ehrendenJnhaltes. Gießen, 15. Mai. Tie heutige, von den Antisemiten einbcrufene Versammlung in Großen-Busek nahm einen für die Gegner des Antisemitismus sehr erfreulichen Verlauf. Rechtsanwalt Grünewald- Gießen trat in einstündiger, beifällig aufgenommener Rede dem Antisemitenführer Bocket entgegen; eine von ihm beantragte Resolution, die hessische Landgemeindeordnung betreffend, gelangte zur einstimmigen Annahme. Paris. Bei der Trauung der Tochter des Baron Gustav Rothschild warfen vor der Synagoge mehrere hiezu gedungene Bursche unter antisemitischen Rufen einige Asa foetida- Kügelchen, von welchen eines in den Wagen des Brautpaares fiel. Der anwesende Polizei-Commissär ließ vierzehn Bursche verhaften und forderte den bekannten Antisemitenhäuptling Marquis Mores, den er in der Nähe erblickte, auf, fich zu entfernen. Die Burschen wurden für das Attentat gedungen und vorher betrunken. , Dazu gehört eine so unmenschliche Verkommenheit, daß selbst die Plünderung eines Ladens daneben noch verzeihlich erscheint. Wo ist eine Psychologie, die erklärt, daß Jemand ein Mädchen, welches die socialen Kämpfe nicht verschuldet hat, an seinem Ehrentage beim Ausgange vom Gotteshause schmäht.'? Die Geschichte weiß dafür kein Beispiel, und der Vorfall muß eine Warnung sein für alle Verirrten, damit sie den Sumpf gewahren, zu welchem sie gedrängt werden. Marquis Mores steht bekanntlich mit Wiener Antisemitenhäuptlingen in inniger Verbindung. Paris. M. David Raynal, Mitglied der Deputirtenkammer, welcher bereits zweimal Minister der öffentlichen Bauten war, wurde zum Bicepräsidenten der Oberen Handelskammer ernannt. — Der Vice-. Präsident der Kammer, Burdeau, wird Drumont verklagen, weil ihn dieser einen „jüdischen Dieb" genannt hat. London. Das Profefforen-Colleginm der Universität zu Cambridge hat dem Senate den Vorschlag erstattet, es möge dem Lector für Talmud Mr. S. Schechter der Docror-Titel verliehen werden. London> Nach der neuesten Nummer der „Darkest Rusfia" sieht man in den höhern Cirkeln der russischen Aristokratie der Mißhandlung der Juden mit weniger Befriedigung als ftüher zu. Die energische und thatkrästige Verwendung des Auslandes (und besonders die der ausländischen Juden) scheint nicht erfolglos geblieben und sogar von den höchsten Behörden zur Notiz genommen worden zu sein. Amsterdam. Die Königin-Regentin hat die Wahl des^Dr. H. Pollak aus Rotterdam zum Mitglieds der kgl. Akademie der Wissenschaften bestätigt. Ihre Majestät hat auch den Pros. I. Oppenheim von der Groninger Universität zum Mitgliede einer königl. Commission ernannt, welch: der Regierung Vorschläge wegen Anlagen der Wasserstraßen zu erstatten hat. — Wie alle Jahre haben auch heuer zwei jüdische Institute von der Köniain-Regentin Spenden erhalten; es sind dies der Witwenunterstützungs-Fond der Diamanten-Schleiser und der Waisenfond. Newyork. Jsak Mizrachi, welcher den Mordanschlag gegen das Leben des Rev. Dr. Mendes versucht hat, wurde zum höchsten Strafmaß, nämlich 10 Jahre Zwangsarbeit, verurtheilt. Philadelphia. Die jüdischen Anarchisten, welche am letztverstoffenen Kol-Nidre-Abend einen Ball veranstalteten und dadurch das allen Israeliten der ganzen Welt so hochheilige Ber» söhnungsfest in empörender und unverzeihlicher Weise entweiht

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