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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-03 · 23 (3.6.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 23 WeSerrrichifche wochrnfchrM. Sette 399 So sagt schon Hesiod: „Arbeit ist sicher keine Schande, wohl aber Müssiggang"; und Menander: „Ein sicherer Hafen im Unglück ist den Menschen die Arbeit". Solon, der weise Gesetzgeber, verordnete, daß Jedermann seinem Sohne ein Handwerk lehren lassen müsse. Der erhabene Stifter unserer Lehre, Moses, nannte die Handwerker und Künstler beim Baue der Stiftshütte: „Die Weisen des Herzens"; und der Königsdichter ruft in einem seiner Psalmen zu: „Heil Dir und Wohlergehen, so du dich von deiner Hände Arbeit ernährst". Unsere Glaubensväter sagten: „Groß ist die Arbeit, denn sie ehrt diejenigen, welche ihr nachgehen". Ja, die heiligste und unvergänglichste Institution des Judenthums, die Sabbathruhe, ist eine Verherrlichung der Arbeit, denn sie ward eingesetzt, daß an ihm (dem Sabbath) der Arbeiter ausrnhen möge von dem Werke, das er geschaffen. Und wie Sie, hochverehrter Herr Baron, zu allen Zeiten ein aufrichtiger Bekenner unseres- Glaubens, ein anhänglicher Sohn unserer Stadt Wien und ein treuer Bürger unseres Vaterlandes gewesen, in dessen höchstem gesetzgebenden Körper Sie wirken und arbeiten, so haben Sie auch mit diesem jüngsten Werke der Menschenfreundlichkeit sich ein neues Verdienst um unsere Gemeinde, um die Hauptstadt, ja um das ganze Vaterland erworben. Glücklich, wem es beschieden, soviel des Guten zu wirken, wie Sie gethan. Doppelt aber und dreifach glücklich sind Sie, verehrter Herr, zu preisen. Denn an Ihrer Seite wirkt jene edle Frau, welche wir Alle als einen Schutzengel der Armen und Elenden, als Helferin in jeder Noth und Bedrängniß kennen und verehren, jene herrliche Frau, der Inbegriff aller weiblichen Tugenden, esobeg cbajil, wie sie der gottesbegeisterte Dichter in seinem Buch der Sprüche schildert. Und Beide sind Sie umgeben von einer Schar blühender Kinder, welche in Dankbarkeit und Ehrerbietung aufblicken zu ihren gefeierten Eltern, und den Adel ihrer Gesinnung auf kommende Geschlechter übertragen werden. Und so lassen sie mich im Namen meiner Amtsgenoffen Ihnen, hochverehrter Herr Baron, aus dem Grunde meines Herzens zurufen: Gottes Lohn für diese Arbeit, die Sie gethan! (Lebhafter langanhalter Beifall). Nachdem noch Baumeister Donat Zifferer gesprochen, erwiderte Baron K ö n i g s w a r t e r mit einigen Worten. Er hob die Hindernisse hervor, die sich dem Unternehmen in den Weg stellten, und brachte auf den Kaiser, dem die Völker in Liebe und Treue als ihrem Schützer und Beschirmer anhängen, ein dreimaliges Hoch, in das die Versammlung begeistert 'einstimmte, worauf die Volkshymne gesungen wurde. Mit einem Rundgange durch alle Räume wurde das zweckinäßig erbaute Haus eröffnet. Wien. Das „Deutsche Volksblatt" vom 25. Mai bringt unter dem Schlagworte: „Jüdischer Vorbeter und Mädchenschänder." „Man -berichtet a i§ Karzin in Posen: Der Borbeter der hiesigen jüdischen Gemeinde, Levin Hermann, 79 Jahre alt, wurde wegen Sittlichkeits- Verbrechens, begangen an einem christlichen schulpflichtigen Mädchen im Alter von 12 Jahren, verhaftet." Ob das wahr ist, wiffen wir nicht und wir möchten es gründlich bezweifeln. Ein. 79jähriger Mann begeht keine „Sittlichkeitsverbrechen" mehr, solche Lügen kann blos ein Bergani sich ausdenken! Dagegen sind nachstehende Thatsachen amtlich verbürgt : Das Kreisgericht in Feldkirch (Vorarlberg) verfolgt steckbrieflich den Jesuiten Wilhelm Beelmann aus Wesel, der zuletzt Präfect der Erziehungsanstalt „Stella matutina“ in Feldkirch war, wegen schwerer körperlicher Beschädigung eines Knaben. Schwere körperliche Beschädigung" ist hier eine zartfühlige Umschreibung für ein ganz gemeines Sittlichkeitsverbrechen. — Aus Denzen bei Kirchberg im Hunsrück wird dem Kreuznacher General-Anzeiger von einem seltsamen Vorgang berichtet. Ende Jänner starb dort die ledige 83jährige K. K., eine frühere Dienstmagd. Nach ihrem Tode war ein Sparkassenbuch über 3055 Mark verschwunden. Der Bruder der Verstorbenen, ein pensionirter Briefträger, fragte den Pastor E. in Kirchberg, der oft bei der Verstorbenen gewesen war, ob ihm etwas über den Verbleib des Sparkassenbuches bekannt sei. Pastor E. versicherte, vc wisse nichts von der Sache. Dagegen benachrichtigte die Sparkassen-Verwaltung den Notar S. in Kirchberg, der im Aufträge der Erben amtlich anfragte, daß Pastor E. den Betrag von 3055 Mark bereits am 29. October v. I. erhoben habe. Also frommer. Diebstahl. Ausdem Torfe Spreewitz bei Spremberq ist der bisherige Pastor Breugst spurlos verschwunden. Der Geistliche, ein noch junger Mann, verwaltete seit etwa 3 Jahren vikariatsweise die dortige evangelische Pfarre und sollte Anfangs Mai eine andere Vertretung übernehmen. Seit dem 2. Mai, an welchem Tage er sich aus Spreewitz entfernte, ist er nicht gesehen worden. Verschiedene Kassen, welche von ihm verwaltet oder ihm sonst zugänglich waren, stimmen natürlich nicht. — Großes Aufsehen erregt in Murrhardt und Umgebung (Baden) das Verschwinden des Orlsgeistlichen in dem 9 Kilometer entfernten Grab. Derselbe hat sich, dem „Bad. Landesbote" zufolge, Unterschlagungen verschiedener ihm anvertrauter Gelder zu Schulden kommen lassen; auch hat er bei Angehörigen feiner Gemeinde verschiedene Schulden hinterlassen. Alle diese Thatsachen verschweigt Herr Bergani. Das ist wahrheitsgetreue Berichterstattung. Wien. (Eine Frozzelei mit Hindernisse n.) In einem Prater-Restaurant spielte sich an einem der letzten Abende eine erregte Szene ab. In dem Gasthause saß bei einem Tische ein bartloser, anscheinend junger Mann bei einem Glase Bier. Drei Männer betraten das Lokal und setzten sich zu dem Gaste. Nach kurzer Zeit begannen sie sich über diesen lustig zu machen: sie hielten ihn sür einen Juden und verspotteten ihn fvegen seiner Eonfesfion. Ter Gast erwiderte kein Wort, er nahm die Redensarten der drei Leute mit ruhigem Gleichmuthe hin, wodurch dieselben ermuthigt wurden, ihre ..Späße" noch derber aufzutragen. Plötzlich erhob sich der Gast von seinem Stuhle und stellte sich den drei Antisemiten, tvelche ebenfalls aufgestanden waren, gegenüber. Ohne ein Wort zu reden, stellte er sich in die Positur des englischen Boxers und blitzschnell, im Verlaufe weniger Sekunden, hatte er allen drei Angreifern Faustschläge inS Gesicht versetzt, so daß dieselben zu Boden sielen. Die drei Antisemiten waren übel zugerichtet, ihre Gesichter bluteten und unter Jammern und Wehklagen richteten sie sich vom Boden auf. Der Mann aber, der ihnen die Schläge versetzt hatte, setzte sich in Mer Ruhe und ohne ein Wort gesprochen zu Haben, wieder zu seinem Tische; es war ein englischer Jockey, der in der Freudenau bei Hindernißrennen seinen Anhängern in diesem Jahre bereits ansehnliche Quoten bescheert hat. Wien. (Lauter Juden.) Der Wahnwitz des französischen Antisemiten Drumont gibt dem bekannten Humoristen des „Figaro", Albert M i l l a u d, Anlaß dem Verfasser des „verjudeten Frankreich" folgenden komischen Monolog in den Mund zu legen: Es ist zweifellos, daß das jüdische Element sich immer mehr unter uns breit macht und uns zu Grunde richten wird, wenn wir nicht Acht geben. Schon hat B i s m a r k, dieser verkleidete Jude, der vom Stamme Benjamin berkommt, man findet thatsächlich im Namen Bismarck die Buchstaben B und M — Frankreich vielen Schaden zugesiigt. Heute höhnt uns der Jude A. mit seiner Reise nach Metz. Der Jude Rouvier und der Levite Louvet thun alles Mögliche, um das öffentliche Vertrauen und die Rechtlichkeit zu untergraben. Ueberall ist der Jude. Zum Beispiel: Der Mord in der Rue du Rocher. Herr Paul R. (der Gatte der Mörderin) ist ein ehemaliger Rabbiner und seine Frau, welche das Blttl ihrer Rivalin vergoß, eine Jüdin, welche die Geschichte von Judith und Deborah nur zu gut kennt. Neben den Verbrechen aus Leidenschaft prüfen wir nun die „finanziellen" Verbrechen. Der „Jude" Mary Renaud und der „Jude" Mace-Berneau sind auf der Flucht, geschützt durch ihre „Stammesgenoffen" Constans und Rabbi Fallieres, diesen direkten Sprößlingen von Moses und Aron. Es gibt auch keinen Patriotismus mehr. Der „Hebräer" Jules Claretie führt den „Stamm" der Comedie franoaise, und zwar von Ephraim Febvre angefangen brs Esther Bartet mit Einschluß des Zoroboam Sylvain und der Abigail Dudlay, nach Wien, wo sie in hebräischer Sprache spielen. Literatur und Theater? Ueberall Juden! Da haben wir die Theorien des „Juden" Dumas und den Schachergeist des Kanaaniters Sardou, der seinen deutschen Accent zu verheimlichen sucht, indem er sehr schnell und „mit Schwung" spricht. Was den Juden Zola betrifft — nun das ist der reine Schmutzjude. Aus den ersten Blick sieht man an ihm alle Züge der Race Sems. Dabei fällt mir noch der Jude Eiffel ein, der, ganz wie sein Borfahr in Babylon, den Himmel erstürmen wollte. Mit einem Worte lauter Juden. Ich kann die Augen nicht öffnen, ohne nicht überall Juden zu sehen! . . ." Wien. Bor uns liegt der sechste Jahresbericht des Unterstützungsvereines für Taubstumme in Währing. Obwohl es keines besonderen Lobes bedürfen sollte, wenn ein humanitärer Verein, zu dem Juden wie Christen Beiträge leisten, auch bei seinen Beneficien keine konfessionellen Schranken zieht, müssen wir bei der gegenwärtigen antisemitischen Strömung, die den Humanitätsbegriff corrumpirt, die Liberalität dieses Vereines rühmend hervorheben. Von den 412 unglücklichen Kindern, die seit dem zehnjährigen Bestände dieses Vereines bei demselben Ausnahme fanden,' waren 63 jüdischer Confeifion, und bei dem Umstand, daß das israelitische Tanbstnmmen-Jnstitirt in Wien bei den beschränkten Mitteln, die ihm zu Gebote stehen, nicht Allen die Aufnahme gewähren kann, die sie ansuchen, darf die für unsere Glaubensgenossen aus dem in Rede stehenden Institute resultirende Wohlthat nicht gering angeschlagen werden. Die i Behandlung der jüdischen Kinder seitens der Lehrer ist ein

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