Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 23 (3.6.1892)
- Date
- 1892-06-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Vrsterrrichlsrtze Wortzenzchrifl Sette 387 zu pflegen hat) versehen imb c) deren Anstellung über den Vors chlag der Judenschaft und über das Gutachten der Polizei-Oberdirection die Genehmigung der Regierung künftig überlassen werden. Rur für jetzt wäre ausdrücklich für eines der beiden Lehrämter Herz Homberg zu benennen, weil er als Verfasser des Lehrbuches Lus Zion der geeignetste zu dessen Erklärung ist, als einer der gebildetsten Israeliten sicher der Jugend rein sittliche Begriffe beibringen wird und sich seit der Aufhebung der deutschjüdischen Schulen Galiziens*) ohne Gehalt und Anstellung befindet, auch vom Präsidenten der Polizeihofstelle dringend zu einer Versorgung empfohlen wird, ä) die Eltern vermöglicher Kinder sollen, das angetragene Schulgeld monatlich fl. 2 zahlen, jedoch soll es der Regierung einverständlich mit der Polizei-Oberdirection überlassen sein, nach Vernehmung der Judeuschast dieses Schulgeld zu vermindern. Arme Kinder müssen unentgeltlich unterrichtet werden. Das Wirthschastswesen wird ganz recht vom Ausschüsse geführt und von der Regierung controllirt, jedoch soll der Ausschuß über die weitere Verwendung des Geldes an die Polizei-Oberdirection angewiesen und die-Rechnung jährlich durch die Polizei-Oberdirection an die Regierung überreicht werden.**) Ueber die Ordnung in dieser Lehranstalt soll die Polizei-Oberdirection. über den Unterricht selbst, insbesondere daß derselbe nicht in Spitzfindigkeiten der Rabbiner ausarte, die christliche Schulen-Oberaufsicht wachen. Endlich wäre die Beschreibung der schulfähigen israelitischen Jugend jährlich zu machen und von der Polizei-Oberdirection dem Schulen - Oberaufseher einzuhändigen, um zu ersehen, ob diese Jugend durchaus den vorschriftsmäßigen Unterricht erhalte, denn obschon in Galizien bisher den israelitischen Kindern der Besuch der Christenschulen nach Aufhebung ihrer deutsch-jüdischen nicht gesetzlich besohlen, sondern blos zugestanden wurde, so zweifelt die Studienhofcommission doch nicht, daß auch in Galizien die neue Judenordnung hierin werde Abhilfe verschafft haben. Sie glaubt daher auch für Wien gegenwärtig auf dieses Verhalten zum Unterricht eintreten zu müssen. Freiherr v. Stifft, Leibarzt des Kaisers Franz referirte über diesen Vertrag der Studienhofcommission im Staatsrathe. Er schrieb: die Anträge der Studienhofcommission haben einen, zweifachen Zweck: einmal der jüdischen Jugend einen entsprechenden religiösen und sittlichen Unterricht zu verschaffen und dann mittelst dieses Unterrichtes sie zu verhalten die christlichen Normalschulen (mit Ausnahme des Religionsunterrichtes) zu besuchen. Die Folgen hievon müssen für die Judenschaft und für den Staat gedeihlich sein, weil erstens einzig durch eine bessere intellectuelle sittliche und religiöse Bildung aus der tiefen Verderbtheit, in welche sie versunken sind, erhoben werden kann Sehr zweckmäßig wird die Anstellung des Herz Homberg bei dieser Schule sein, da von ihm als Verfasser der vorgeschriebenen religiösen und sittlichen Lehrbücher am ersten zu erwarten ist, daß er die Jugend vor talmudischen Spitzfindigkeiten bewahre. Dieser Ansicht sttmmten die Staatsräthe v. Pfleger und Gf. Wallis bei und der Kaiser rescribirte (Schönbrunn, 5. September 1814): „Die Anträge der Studiencommission erhalten in allen Punkten Meine Genehmigung." Die Religionsschule trat hierauf in'^Leben, doch wirkte Herz Homberg nicht an derselben. Lesefrüchte. Georges Ohnet über die Juden. Einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller, Georges Ohnet, der Verfasser des berühmten Bühnenstückes „Der Hüttenbesitzer" schildert seine Stellung zu den Juden in einer seiner Novellen: „Die Diebin" in folgenden Worten: „Die Gerechtigkeit erfordert es, zu sagen: Das Wohlthun, die Barmherzigkeit dieser Leute (Juden) ist blind und unerschöpflich; sie machen keinen Unterschied zwischen Juden und Christen, wenn es Wohlthaten gilt und alle Menschen, mögen sie auf diese oder jene Weise getauft sein, sind sich gleich, wo es sich um eine Bethätigung ihrer Hochherzigkeit handelt!.Ich kenne in der Umgebung von Paris ein Dorf, welches von der Freigebigkeit einer vornehmen Dame jüdischer Abstammung lebt, deren herrlicher *) lieber dieses Moment werde ich an einem anderen Orte Gelegenheit haben, mich ausführlich zu äußeru. **) Bis zum Jahre 1827 mußten die Vertreter jährlich über bas finanzielle Gebühren Rechnung legen. Weiteres hierüber in meiner Geschichte der israel. Cultusgemeinde S. 40. Geist und göttliche Güte den stolzesten Christinnen als leuchtendes Vorbild dienen könnten. Die bewunderungswürdige Frau geht sogar so weit, daß sie das Holz in ihren Wäldern fallen, bündeln und Jedermann ins Haus schaffen läßt, damit die Leute fick nicht selbst darum in den Wald bemühen müssen. Und Sie meinen, man sei ihr dafür erkenntlich! Bewahre! Es gibt keine kleinen Vexationen, keine niedrigen Bosheiten, die sie nicht zu verkosten bekäme, während sie durch ein einziges Wort alle diese Hallunken dem Elend und Hunger preisgeben könnte. Sie aber nimmt all die Bosheiten ruhig hin und fährt fort Gutes zu thun, ohne sich aber dessen in den Zeitungen zu rühmen und cs ist nur der reine Zufall, wenn einiges chrer edlen Thätigkeit bekannt wird. . . . Man findet überall gute und schlechte Menschen und in einem großen liberalen und aufgeklärten Lande wie Frankreich nehmen sich solche Streittgkeiten lächerlich und kindisch aus." Gustav Freytag über Berthold Auerbach uud Jacob Kaufmann. In seinen „Erinnerungen aus meinem Leben" schreibt Gustav Freytag: „Eines Tages, es war inr Jahre 1844, (Freytag stand im 28. Lebensjahre, und hielt sich in Breslau auf), trat Berrhold Auerbach bei mir ein, damals in voller Jugendkraft und auf der Höhe seines literarischen Ruhms. Denn wie man auch den Werth von Allem, was er später geschrieben, beurtheilen möge, die beiden ersten Bände der „Schwarzwälder Dorfgeschichten" waren bei weitem das Wirksamste, was er geschaffen hat, für Deutschland ein literarisches Ereigniß. Sie erschienen als eine Erlösung von der öden Salonliteratur, welche französischen Vorbildern ungeschickt nacharbeitete, sie brachten Schilderungen aus dein deutschen Volksthum zu Ehren, Charaktere und Sitten, die auf unserem Boden gewachsen waren. Das wurde überall dankbar empfunden und der ftische treuherzige Gesell, welcher den Norddeutschen selbst wie eine Gestalt aus seinen Dorfgeschichten entgegentrat, ward, wohin er kam, mit Begeisterung empfangen und als Verkünder einer neuen Gattung von Poesie gefeiert. Es ist jetzt leicht, die Grenzen seiner Begabung abzumefsen und in seiner Weise zu schildern, die Manier zu erkennen, wer aber mit ihm jung gewesen ist, wird die große und wohlthätige Einwirkung seiner Geschichten dankbar in der Seele bewahren. Er war in jenen Jahren lebensfroh, hoffnungsvoll und nicht ganz so beifall-bedürftig, als er wohl später wurde, ein lieber Kamerad. Ich habe niemals einen zweiten kennen gelernt, der mit so kindlicher Hingabe sein Inneres aufschloß und seine Freunde so völlig zu Vertrauten seiner geistigen Arbeit machte, wie er; gute Einfälle und poetische Bilder, kleine charakteristische Züge, die ihm aufgegangen waren, theilte er immer wieder mit und schliff sich durch die Mittheilung selbst die bunten Steine, welche er später in seine Dichtungen hineinsetzte. Niemand ging so sorglos wie er mit einem Bekannten Arm in Arm, und immer war er es, der sich einhing, und der andere führte. So wurde es auch mit uns Beiden. Während seines Aufenthaltes in Breslau war er in besonders gehobener Stimmung. Er hatte sich dort eine Braut geworben, die seine erste Frau wurde, ein liebenswerthes zartes Mädchen, das ich wohl früher bei Agnes Franz gesehen hatte. Als er mit ihr vermählt werden sollte, lud er mich ein, weil Niemand von seiner Verwandtschaft zugegen war, bei der Trauung als sein Zeuge zu erscheinen. „Gut, wie habe ich mich zu verhalten?" „Komm nur zu der und der Stunde in das Gotteshaus.^ Ich ging, erhielt beim Eintritt von zwei Thürstehern die unwillige Ermahnung: „So setzen Sie doch auf", und ward Zeuge, wie er würdig unter dem Brauthimmel stand und durch Geiger nach einer sehr guten Rede getraut wurde. Ich konnte ihm mit vollem Herzen meine Freude über ein Glück aussprechen, dem leider keine lange Erdendauer beschieden war. _ Von da an hat er mir durch sein ganzes Leben eine wahrhaft herzliche Zuneigung bewahrt, obgleich ich ihm zuweilen wider Willen bitter weh thun mußte. Er hatte den Roman „Neues Leben verfaßt und forderte eine Besprechung durch mich in dem