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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-03 · 23 (3.6.1892) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Drstrrretchischr Wochenschrift. Nr. 23 SÄe 394 nicht ebenfalls auf die Anklagebank, weil sie die ihnen längst bekannten Ungeheuerlichkeiten bisher verschwiegen haben? Mag nun die Untersuchung ergeben, was sie will, mag sie die Anklagen als Uebertreibungen und Irrungen seststellen, mag sie wirklich einige Schuldige als Theilhaber jüdischer Geschäftskniffe finden; das eine steht fest: wäre der angeschuldigte Waffenfabrikant nicht einer vom Stamme Israel-nie» mals wäre es Ahlwardt eingefallen, sich um den Zustand der Gewehre unserer Armee zu ckümmern, wäre Ahlwardt nicht der extreme antisemitische Egoist (denn der Antisemitismus an und für sich ist ein achtbarer Ausfluß deutschnationaler Gesinnung), sondern ein wahrhaft deutscher, für des Reiches Frieden und Wohlfahrt eintretender Mann, dann hätte er die Angelegenheit nickt auf dem, zwar nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Sensationsbrochüre erledigt, sondern sich mit seinen Beobachtungen und Ersahrniffen an die rechte Schmiede, an die Militärbehörde gewendet, die seine Anklagen dann ebenso bereitwillig geprüft hätte, wie. sie es jetzt thut. Also um eines Juden willen, zur Befriedigung seines Privathasses, diskreditirt Ahlwardt sein Vaterland und dessen stolze Armee bei Freund und Feind in wenig christlicher, in wenig nationaler Weise! Mußte es sein? Nein! Aus dem Vorstehenden ergibt sich von selbst, daß die Expectorationen Ahlwardt's für das zu nehmen sind, was sie in Wirklichkeit bedeuten — Niederträchtige, schamlos lügnerische Verleumdung und nichts weiter. — Interessant erscheint es jedoch, wie ein von der Pesttllenz des Antisemittsmus nicht ganz freies Militärblatt, sich über einen „Heros" äußert. Weitere Commentare sind überflüssig. Dmnchalsky. Zur Urgeschichte Palästinas von Dr. D. Feuchtwang. Das „Land der Verheißung" hat Moses nicht gesehen. Sein großer Geist konnte in weitsichtiger Vorschau sich eine Vorstellung von den Ländergebieten machen, in die seine Nachfahren einziehen sollten. Kundschafter hatten ja auch Nachrichten gebracht und Schilderungen gegeben von dem Lande, da „Milch und Honig" fließen sollten. Es war politisch vollkommen begreiflich, daß die große Volksmaffe nicht ohne Kenntniß von Land und Leuten nach Palästina ziehen wollte, das denn doch voraussichtlich ein Kriegsschauplatz zu allererst war, durchtobt von den Kämpfen der Einwohner mit dem erobernd einziehenden Israel. Eines der interessantesten und leider auch dunkelsten Capitel in der Geschichte Israels ist die Erorberung Palästinas. Die Quellen, das sind die ersten Capitel des Buches Josuah und Richter, sind vielfach getrübt und schwer verständlich. Getreiuit von einander sind die Bücher nicht zu verstehen und insbesondere das erste Capitel der Richter ist zur sachlichen und historischen Erklärung und Ergänzung des Josuabuches unentbehrlich. Was die alten jüdischen Erklärer zu diesen Abschnitten bemerken ist recht schätzenswerth und Befferes konnten sie mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln nicht leisten; den Ansprüchen wissenschaftlicher Kritik genügen ihre Ausführungen jedoch kaum. Auch die jüdischen Geschichtsschreiber haben die betreffenden Capitel nicht immer genügend beleuchtet und insbesondere auf die historische Wichtigkeit der Zeiten der Eroberung Palästinas durch die hebräischen Stämme unter Führung Josuas und seiner Unterfeldherrn viel zu wenig Gewicht gelegt. Es ist wohl wahr, daß die Schriften des Alten Testamentes für uns Juden in erster Linie religiöse und ethische Bedeutung hüben; bei so hervorragend geschichtlichen Urkunden, wie sie in Josuah und Richter vorliegen, tritt das wissenschaftliche Moment aber gleichwertig hinzu und das muß also wohl beachtet werden. Die Reconstruction des Josuahtextes und des Richtertextes, welche sich auf die Einwanderung des Volkes Israel in Kanaan beziehen, sieht nun, nach kritischer Prüfung des inneren und äußeren Zusammenhanges anders aus, als die bisherige Vorstellung sich die Dinge dachte. Es ist hier nicht der Ort, den kritischen Apparat vorzuführen, der aus den lose zusammenhängenden Texten ein festes Gefüge gestaltet hat; das mag all anderem Orte geschehen. Hier sei nur bemerkt, daß sich ein klares Bild der unzähligen kleinen und großen Züge und ihrer Kämpfe mit der Ureinwohnerschaft Palästinas entwickeln läßt, aus welchem sich die übrigens bekannte Thatsache ergibt, daß die Eroberung des Landes allmälig, sogar mit großen Unterbrechungen der Wanderzüge, vor sich ging und insbesondere auch durch Besiedlung kleiner Ländergebiete durch Ackerbauer und Viehzüchter hebräischer Abkunft berverkstelligt wurde. Ueber die allgemeine polttische Lage Palästinas und seiner Nachbarländer vor der Zeit der Einwanderung der Hebräer gibt die Bibel nur leise Andeutungen und keinerlei sicheren Auffchluß. Wir wissen aus ihr sicher, daß Kanaaniter diese zu erobernden Ländergehiete innehatten, welcheS cm i ten waren wie die Hebräer - auch. Die Ansichten der modernsten Historiker Schlosser, Weber, Duncker, Ranke, Jost, Grätz, Stade gehen in der Ausfassung des Eroberungswerkes seitens der Hebräer vielfach auseinander und nur hypothetisch können sie häufig merkwürdig scharfsinnige und hart an Wahrscheinlichkeit streifende Ansichten äußern über die Zustände Palästinas vor und gerade während der massenhaften Einwanderungen des Hebräervolkes. Tie lichtvollste, am leichtesten verständliche und den Thatsachen sich am besten anschmiegende Auffassung hat wohl Meister Ranke, wenn auch er sich nicht in eine Detailkritik der Urkunden einläßt. „Das Land", sagt er, „ist von einer großen Anzahl, unabhängiger Stämme, an deren Spitze Fürsten stehen, die sich Könige nennen, eingenommen. Die Notwendigkeit der Verteidigung gegen die vordringenden Egypter hat sie vereinigt; nachdem die Gefahr vorüber ist, treten sie wieder in ihre alte Unabhängigkeit zurück. Die gemeinschaftliche Richtung abergeht nothwendig gegen Israel, welches sich einst in ihrer Mitte nicht hat behaupten können und nun in einer späteren Generation zurückkommt.Die israelitischen Stämme sind zu einer zahlreichen und tapferen Kriegsgenossenschaft erwachsen, die durch die Idee ihres Gottes, den sie einst in Kanaan verehrt haben und der sie aus Egypten ausgeführt hat, zusammengehalten und angefeuert werden. Josua überschreitet ohne Widerstand (?) zu finden den Jordan und stellt sich bei Gilgal auf, wo er im Lager die Beschneidung nach dem Vorbilde Abrahams erneuert.... Das Heer hat Ueberlegenheit der Zahl, der Kriegsübung und des idealen Impulses für sich; Jericho fällt in die Hand Josuas; Ai wird durch einen Hinterhalt besiegt. Es sind zwei Ueberfälle gewesen, welche die Sache entschieden: der eine bei Gibeon gegen die fünf Könige, welche sich aufgemacht hatten, die Gibeoniten zu züchtigen, und der andere, der Ueber fall der bei dem See Merom zur Wiedervertreibung Israels vereinigten Eingeborenen. Militärische Handlungen, wie der Uebergang über den Fluß, die Aufstellung eines Kriegslagers und das rasche Vorrücken Josna's gegen Gibeon, constituiren eine Reihe von militärisch strategischen Actionen, deren Erfolg die Eroberung des Landes war. Alles war Occupation und mit wenigen Ausnahmen Vertilgung. Den religiösen Geist, der die Menschen erfüllte, bezeichnen die Wunder der Ueberlieferung. Die vielen Völkerschaften, welche die Bibel aufzählt, wie: Perise, Kenisie, Jebusi, Chiwwi, Girgaschi u. A. m., sind unter dem gemeinsamen Namen: Kanani zusammenzufassen. Kananäer wohnten damals in Palästina. Hat Jerusalem damals irgend eine Rolle gespielt? Ein Niederschlag der uralten Ueberlieferung über die Urgeschichte Palästinas ist in dem merkwürdigen Könige Malki-Zedek von Salem (Jerusalem). Das war unbedingt ein altkanaanitischer Fürst. Seine Priesterwürde und königliche Hoheit dient in dem wundersamen Psalm 110 als Vorbild und Beispiel. Es ist außer Zweifel, daß Adoni-Zedek (Josna 10) und Adoni-Besek (Richter 1) dieselben Personen und beide Reflexe jenes M alki-Zedek sind. Daß zur Zeit der Einwanderung der Hebräer, in Jerusalem und auch in anderen Städten Kanaans Fürsten geherrscht haben, läßt sich aus allerneuesten Forschungen scharf beweisen; es läßt sich aber auch zeigen, daß die Bewohner des zukünftigen Heiligen Landes eine, dem Hebr. auf das Nächste verwandte Sprache gesprochen haben. Die Hetiter, wohl bekannt als stete Feinde der egyptischen Oberhoheit und gefährliche Gegner der späteren assyrischen und babylonischen Könige und Bundesgenossen der Völker, welche beim Einzüge in das verheißene Land sich Israel widersetzten, drohen, die egyptischen Gaufürsten aus Phönizien und Palästina zu verdrängen. Diesen Ansturm vermochten die kanaanitischen Fürsten kaum zurückzuschlagen und schon droht ihnen eine neue Gefahr: das Hereinbrechen der hebräischen Schaaren. Palästina ist zu dieser Zeit Egypten suzerän. Die Fürsten sind Vasallen des egyptischen Königs, Amenophis IV. Urkunden in babylonischer Schrift und Sprache — merkwürdig genug — geben uns über diese Vorgänge des vierzehnten vorchristlichen Jahrhunderts untrüglichen Auffchluß. Sie sind in Tell-el-Amarna, der Residenz jenes egyptischen Königs, gefunden worden; Briefe sind es, welche die Vasallen ihrem Gebieter schreiben; die hart-

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