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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-27 · 22 (27.5.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
22 (27.5.1892)
Date
1892-05-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. SS Orstrrrrichischr Wochrnschrtft Seite 385 Range eines Obersten brachte, in einem Ressort, bei welchem man es nur durch eigenes Verdienst, durch Eifer, Fleiß und Hingebung an seinem Berufe zur höchst erreichbaren militärischen Stellung bringen kann. Trotz seiner großen Begabung und großen Talente war Braunschweig eine bescheidene Natur, die jede Ostentation vermied. Noch kurz vo.r seinem Tode verbat er sich bei seinem Leichenbegängnisse einen militärischen Conduct. Trotzdem fanden sich bei der am 22. d. M. am israelitischen Friedhofe stattgefundenen Bestattung seiner irdischen Ueberreste über 60 hohe Militärs, Kameraden und Freunde aus der Militär- Rechnungs-Berpflegsbranche, der Intendanz und der Armee ein. Es waren unter Anderm auch erschienen Hofrath Lang, Hofrath Pi stau er vom Kriegsministerium, die Oberrechnungsräthe Jonas, Kohlroß, Lekort und Zippert u. s. w. Unter den vielen Kränzen, die den Sarg bedeckten, befand sich auch ein prachtvoller Kranz, welcher dem Verblichenen vom Kriegsministerium in pietätvoll« Weise gewidmet worden war. Die Leichenfeier gestaltete sich weihevoll durch die in zu Herzen gehenden, vom Kantor Schiller vorgetragenen Trauergesänge und als der Letztere einen kurzem Nachruf'hielt und ein Gebet am offenen Grabe verrichtete, perlte so manche Thräne in den Augen der militärischen Kameraden. Braunschweig war Zeit fernes Lebens dem Glauben seiner Väter ergeben und blieb demselben trotz aller Versuche treu bis zu seinem Tode. Braunschweig liefert ein eclatantes Beispiel, daß der allerhöchste Kriegsherr das Verdienst ohne Rücksicht auf die Confession würdigt. Beweis dessen rasche Carriere und die allerhöchste Auszeichnung mit dem Franz Josefs-Orden. Dessen mögen Alle diejenigen eingedenk sein, welche durch eine ehrvergessene, eines Mannrs und Charakters unwürdige Convertirung vermeinen, zu einem schnellen Avancement zu gelangen. Lapievti sat! Wien. «Todesfall.) Oberstabsarzt Dr. Josef Brenner ist gestorben. In demselben verliert das militärärztliche Offiziers- Corps einen sehr befähigten Kameraden. Wien. (Zollveirath.) Zu Zollbeiräthen wurden ernannt: die Fabriksbesitzer Moritz I. Oberländer, Dr. Julius Baum, Bankier Jul. Epstein, Fabrikant Ignaz Flnß, Spediteur teinrich Goldlust in Brody, Groß-Industrieller Heinrich linger, Fabrikant Simon Strakosch. Zu Ersatzmitgliedern: termann Fritsch in Krakau, Gustav Kafka in Brünn, R. andauer, Sigmund Mauthner, Leopold Pollak in Wien, Geza Pullitzer in Triest, Emil Rosenthal in Wien, Karl Schätzer in Lemberg und Ignaz Zucker in Wien. Dagegen ist zum Beirathe des Handelsministeriums behufs Verwendung des vom Reichsrathe genehmigten ^Credites von 10.000 fl. zur Förderung des Kleingewerbes durch Anschaffung von Maschinen kein Jude ernannt worden. Brünn. (Fabriks-Jubiläum.) Vorige Woche beging die Fabriksfirma Joh. Reibhorn hier ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum. Dem Jubilar, dessen Fabrik sich eines vortheilhaften Rufes erfreut, wurden seitens der Fabriksbeamten und Arbeiter, ferner von den angesehensten Firmen des hiesigen Platzes ehrende Ovationen dargebracht Lemberg, 20. Mai. In Stanislau wurden gegen einen Handelsgerichts-Beisitzer, einen Gerichts- Auscultanten, zwei Landesadvocaten und gegen den Chef eines S p e d i t i o n s b u r e a u s die str a fgerichtliche Untersuchung wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit, begangen durch den bei der jüngsten Reichsrathswahl in Stanislau versuchten Ueberfall einer Synagoge eingeleitet. Kolomea. Herr Jacob Brettler hat zum Zwecke des Ankaufes und Anlegung eines hierorts nöthig gewordenen neuen israelit.schen Friedhofes die namhafte Summe von 3000 fl.gefpendet. Kreuzburg O.-S., 18. Mai. Durch den Tod ihres Ehrenbürgers, des zu Berlin verstorbenen Geheimen Commerzienraths Herrn Simon Cohn, hat unsere Stadt einen überaus großen Wohlthäter verloren. Derselbe, ein Kreuzburger Kind, hat sich hier durch seine wohlthätigen Spenden einen unvergeßlichen Namen gemacht. So hat er zum Baue des uunmehr königlichen Gymnasiums 90.000 Mark beigetragen und 10.0 00 Mark zur Errichtung von Stipendien fiir fleißige arme Schüler gegeben. Als er im Jahre 1883 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, überwies er abermals 10.000 Mark für die Armen, von deren Zinsen die Armen Feuerungsmaterial für die Winterszeit erhalten. Als Herr Cohn im Jahre 1886 zum königlichen Geheimen Commerzienrath ernannt wurde, schenkte er wiederum seiner Vaterstadt zehntausend Mark als Beitrag zum Bau eines Siechenhauses. Stockholm. (Berichtigung) In der Correspondenz aus Stockholm in dir. 21 ist durch Versehen des Druckers ein Paffus ausgelaffen worden. Es soll daselbst heißen: „In Lottenburg functionirt ein deutscher Rabbiner Dr. Wolf, in Norrkoeping ein französischer Rabbiner Josue Levy vom Pariser Seminar. Kopenhagen. Die Wahl des Rabbiners Dr. Simonson zum Oberrabiner von Dänemark erhielt mit Rescript vom 14. Mai die königliche Sanction. Samstag den 21. fand die Jnstallationsfeier in der Synagoge statt. London 17. Mai. Sonntag den 16. Mai sind hier aus sämmtlichen englischen Provinzstüdte,, die Rabbiner oder hier zu Lande unter dem Namen Bevrend gentlemann ol>ev Minister genannt, angelangt, um gemeinschaftlich mit den hiesigen Ministers, unter Borsiy des Chief Babbis Dr. Hermann Adler, Berathungen zu pflegen, welche von Montag den 16. Mai von 1v Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends in der Kanzlei des Chief Babbis Jarisbury Synare bis Donnerstag den 19. Mai täglich stattsinden. In der LondonerGemeinde war seit Jahren st ts der orthodoxe Ritus maßgebend; es gährt aber unter den meisten größeren West-End Synagogen und namentlich in allen größeren Synagogen, die zur United Synagogue gehören. Es sind nicht die Mitglieder der einzelnen Gemeinden, die eine Reform anflreben, oder an eine Reform gedacht hätten, unsere Minister waren cs hier, die die erste Anregung gegeben haben zur Verbesserung des Gottesdienstes, öffentlich von der Kanzel herunter wurde es in einigen Synagogen gepredigt, daß unsere Gebete, dem alten Ritus nach, der jetzigen Zeitströmung nicht passend, auch keine Andaä)t erwecken und \u länge dauern. So kam es. daß durch eine solche Anregung der Minister ^Rabbiners unter den meisten Mitgliedern dieser Synagogen, jetzt eine förmliche Umwälzung verlangt wird. Da aber keine einzige dieser Genreinden, welche zum Verbände der United synagogue gehören, in ihrem Ritus ändern dürfen oder können ohne Bewilligung des Chief Babbis Dr. Hermann Adler; so ist diese Rabbiner-VersammiUng einberuftn, um die Beschwerden und Vorschläge jeder einzelnen Gemeinde anzuhoren. P. G. London. Zu Gunsten des jüdischen Reconvalescenten- Heimes in Norwood und Brighton fand in Princeß Hall, Picadilly ein großes Ballfest statt, welches von den ersten Familien der jüdischen Gemeinde besucht wurde und einen erheblichen Reinertrag abwarf; letzterer beläuft sich (mit Einschluß des Ergebnisses der Sammlung) auf mehr als 2000Pfund Sterling. Feuilleton. Sarah (Lieber der Tod.) Erzählung aus dem Polnischen v. Walerie Solecka. Einzig antorisirte Uebersetzung v. Herm. Löwenthal. (Fortsetzung.) Wenn der Meeresgrund tief ist, tiefer, unergründlicher noch ist des Menschen Seele. In dieser Tiefe schlummerrr wie in Oceanen Ungeheuer, Scheusale, Gifte und hundertarmige Polypea dicht nrben unwiederbringlich verlorenen Verlen und Schätzen, vielleicht auch solcher, die nie ein menschliches Auge geschaut, nie vorempfunden. Ein undurchdringlicher Schlamm krustet sich um sie und dringt immer tiefer darin ein! — Die neckische Welle wirft das Eine oder das Andere an die Bildfläche empor. Wer ist diese Sarah? Jrgelid ein seltsames wunderliches Gespenst, das zum Himmel schreit und eine fahrende Krämerin in einer Person? Das Weib wurde von der ganzen Stadt verachtet — sowohl von den Christen wie von ihren eigenen Glaubensgenoffen. Man erzählte sich von ihr, daß, als sie noch jung und schön, ihr Mann Chaim Raab sehr reich war, ein eigenes Haus besaß und Sarah in Sammt und Seide einherstolzirte. O, in was für einer blendenden Schönheit leuchtete Sarah damals Jedermann entgegen. Der schwanenweiße Leib — der volle wie in Marmor herausgemeißelte Busen, das blühende rosige Oval des Gesichtes und die Kare Stirne — durch eine prachtvolle Binde aus lauterem Dukatengold und vier echten Perlenschnüren — eine so groß und leuchtend wie die Andere — noch wirkungsvoll gehoben. _ Die Ehe ward gesegnet. Zwölf Kindern schenkte Sarah das Leben. Doch Sarah war ekn sündiges Weib! Unter der Binde verborgen trug sie eigenes Haar — einen goldblonden Zopf, den sie, rituellen Geboten zuwider, frei wachsen ließ, ihn sorgfältig den Blicken der vorwitzigen Menge entziehend.

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