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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-27 · 22 (27.5.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
22 (27.5.1892)
Date
1892-05-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Gelle 384 Vrsterrrichischr Wochenschrift. Nr. 32 und die Kinder nicht degenerirt haben. Der chronische Alkoholismus ist unter den russischen Juden äußerst selten (obgleich sie „ein Gläschen Schnaps" durchaus nicht verachten uno sich bei Hochzeiten u. dgl. gern betrinken), die Syphilis überhaupt nicht vorhanden; in Folge deffen habe ich unter ihnen nur etwa 1% Arbeitsunfähige durch konstitutionelle Schwäche (meist Skrophulose) constatiren können. Dagegen habe ich 1889, bei meinen Untersuchungen argentinischer Colonien im Aufträge der argentinischen Regierung, unter den Colonisten und Einwanderern aller Nationallläten bis 8 und 10%, selbst 14% Ausschuß durch Trunksucht, Syphilis und Skrophulose gefunden. Diese Zahlen und ihre wissenschaftlich zureichende Begründung sprechen überzeugender für den mindestens ebenso hohen und höchstwahrscheinlich höheren Werth der russischen Juden als Colonisten, namentlich im Hinblick auf die jüngere, in der befteienden und kräftigenden Landarbeit auswachsende Generation, als alle das Gegentheil behauptende Phrasen Derjenigen, welche in ihrem ganzen Leben weder jüdische noch andere Colonisten gesehen haben. Freilich muß man, um günstige Resultate zu erzielen, auch russische Juden als Menschen und gerecht, ihrer Eigenart entsprechend, behandeln, diese ihre Eigenart also kennen, ihre Sprache sprechen, chre Gefühle und ihre Lage würdigen. Ebenso darf man nicht erwarten, daß Hausirer und sonstige der Handarbeit ungewohnte Städter von heute auf morgen und ohne jede Lernzett gute Ackerbauer werden. Beides aber gitt für Colonisten aller andern Nationalttäten in genau derselben Weise. So hat also jedenfalls dieser erste Versuch in Argentinien zu dem ebenso wichtigen wie erfreulichen Ergebnisse geführt, daß die Befähigung russischer Juden zu Colonisten nicht mehr ernstlich in Zweifel gezogen werden kann — gute Leitung und richtige Behandlung der Sache natürlich vorausgesetzt. Buenos Aires, 31. März. Im „Standard", vom 1. April ist von den Delegirten der Colonie „Mosesstadt", den Herren Moses Rosengarten, Moses Risiin, Abraham Goldin und Wolf Cochet nachstehendes Schreiben veröffentlicht worden: Da wir wissen, daß Ihre Zeitung immer großes Jntereffe an unserem Wohlergehen nimmt, bitten wir Sie uns eine Spalte in derselben einzuräumen. In den Tageszeitungen macht ein Mann, der sich Rabbi nennt, bekannt, daß er während der letzten 30 Jahre mit Aus Wanderern aller Nationen dieses Landes in Berührung gekommen und er seine besondere Aufmerksamkeit den jüdischen Emigranten gewidmet habe. Menschlichkett fordert uns auf, ihnen mitzutheilen, wie die jüdischen Colonisten behandelt und bedroht werden. 5000 verfolgte und unterdrückte Seelen müssen in verfaulten Zelten, der Sonne, dem Regen und den Feinden ausgesetzt, Hausen. Erst vor zwei Monaten wurde ein Arzt für „Mauricio" bestimmt und vor 14 Tagen ein zweiter, der nach „Mosesstadt" gesandt wurde; beide Aerzte find gegenwärtig in Buenos Aires, um unsere Interessen zu wahren. Aber was können diese Aerzte für etwa 200 Kranke thun, die jetzt in den Colonien sind, so lange nicht für Arzneien gesorgt ist; für Arzneimittel ist kein Geld da, aber um so mehr für Luxus. Ja jeder Colonie sieht man ein Dutzend Beamte täglich ihre Zeit in Faulheit und Zank verbringen, jeder will der Verwalter sein. Unter dem ganzen Regiment von Angestellten ist auch nicht ein einziger, der Landbauer oder Colonist gewesen ist, und nichts braucht ein Verwalter zu können, als schmeichelhafte Artikel in die europäische Presse zu setzen. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis man uns ein Stückchen Land, dazugehörige Werkzeuge und Vieh giebt, was uns alles versprochen wurde? -—..Warum giebt man uns keine Arbeit? Am 16. Februar wurden die Colonisten von Mauricio von 500 mit Gewehr, Revolver und Pistolen bewaffneten Soldaten überfallen. Welches Verbrechen verübten die Colonisten? Empörten sie sich? Nein; es ist ja bekannte Thatsache, daß sich Juden nicht empören und daß je mehr sie verfolgt werden, desto geduldiger und gehorsamer sind sie. — Das einzige Verbrechen, das sie begingen, war, daß der Verwalter glaubte, sie hätten in der europäischen Presse Berichte über ihr trauriges Schicksal verösfentl cht. Bringen die irischen Colonisten in der Colonie Noposta nicht ihre Beschwerden vor die brttische Regierung? Tritt die brttische Regierung nicht für ihre Rechte ein? Aber wir Juden sollen uns nicht beklagen dürfen; nnser Elend wäre verborgen geblieben, wenn nicht einige unparteische Christen (Engländer und Franzosen) an Baron Hirsch appellirt hätten. Diese edlen Leute haben die Colonien besucht und haben mit ihren eigenen Augen gesehen, daß wir gegenwärtig uns in einer elenderen Lage befinden, als selbst in Rußland. Wie lange werden wir uns noch gedulden müssen? Jeder Unparteiische wird uns recht geben, daß wir lange genug gewartet haben, unsere Leiden und Beschwerden vorzubringen, aber jetzt sind wir dazu herausgefordert worden; denn man hat uns bei unserem Beschützer, dem Baron Hirsch verleumdet. So lange kein Rabbiner in Argentinien vorhanden, um uns zu beschützen und unsere Interessen zu wahren, ist es unsere Pflicht, dies zu tbun. Unsere einzige Hoffnung, welche wir hatten u»d haben, um unsere Lage zu verbessern, ist auf unseren edlen Glaubensgenossen, Colonel Goldschmid gerichtet, welcher, wie wir hören, zum Verwalter der Colonie und zum Secretär des sich Rabbi nennenden Mannes bestimmt worden sei. VknmMte^. Wien. «Trauungen). In der abgelaufeneu Wache wurde« im Teurpel der Wiener israel. Cnliusgemeinde, I., Seitenstetlengasse 4, nachstehende Paare getraut: Sonntag, den 22. Mai 1892: Herr Julius Pollak mit Fräulein Adele Ehren freund; Herr Emil Gutmann mit Fräulein Laura Kulka; Herr Sam. H. Neubauer mit Fräulein Herm. Wärmer; Herr Carl Gerst! mit Frl. Theresia Wohrifchek. — Dienstag, den 24. Mai 1892: Herr Siegfried Kornitzer mit Fräulein JdalB rändln er; Herr Wilhelm Hitler mit Fräulein Hermine W e l d l e r. -- Donnerstag den 26. Mai 1892: Herr Eduard Rubert mit Fräulein Elisabeth Weiß; Herr Max Sperling mit Fräulein Therese Schwarz. Wien. Am 29. d. M. findet die Trauung des Großhändlers Emerich Fürst aus Budapest mit Frl. Irene Mandl, Tochter des Großindustriellen Ignaz Mandl (M. & I. Mandl) im Tempel Seitenstettengaffe statt. Wien. (Probepredi gl.) Herr Rabbiner Dr. Fried aus Ulm wird Samstag am 28. Mai 9 Uhr Vormittags im israel. Tempel der Leopoldstadt und 3 Uhr Nachmittag im Stadttempel eine Gastpredigt galten. Wien. Dem Kaufmann Herrn Max Z erner, Chef der gleichnamigen Firma, ein durch seinen Wohlthätigkeitssinn bekannter Mann, wurde von seiner Heimatsgemeinde das Ehrenbürgerrecht erlheilt. Wien. Im Bethaufe „Limias Chen", II., £b. Donaustraße 89. nächst der Stefaniebrücke, findet an jedem der beiden Schewuothfesttage zweimaliger Gottesdienst, und zwar um 6 Uhr und um 8-]5 Uhr früh, statt Wien. Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten, welcher arme jüdische Knaben dein Handwerke zuführt und während der Lehrzeit mit Kleidern, Wäsche, Schulrequisiten, Werkzeugen, rc. unterstützt, hat anläßlich des 50jährigen Vereins-Jubiläums den Beschluß gefaßt, ein eigenes Lehrlingshaus zu errichten. Herr Moriz Freiherr von Königswarter hat in der hochherzigsten Weise sich bei diesem Anläße bereit erklärt, die Kosten des Baues, sowie der inneren Einrichtung ans eigenen Mitteln zu tragen. Das Lehrlingshaus, in dem Garten des Vereinshauses, IX., Grüne Thorgasse Nr. 26 errichtet, ist nun vollendet und findet am 26. d. M. halb 12 Uhr.Vormittags die feierliche Eröffnung desselben statt. Wien. Siebentcs Vcrz ichniß der in Folge des Aufrufs der Frau Dr. Grünfeld, I-, Schottenring Sir. 2 (Ferienaufenthalt betreffend) einaelangte» Spenden: Th. Ä. Nr. IM fl. 20, Hermine Schüller fl. 2, Frau Dr. Blum fl. 2, Frau Sofie Hayduska fl. 2, Frau Louise Bacher fl. 3, Frau Dr. Löwy fl. 2, Frau Emma Frankl fl. 3, Frau Adele Frankl fl. 3, Frau Math. Bittmann fl. 2, Frau Clara Geiringer fl. 1, Frau Math. Schiller fl. 1, Herr Direktor Weishut fl. 5, Frau B. Kanitz fl. 5, Frau Minna Epstein fl. 3. Sammlung der Frau Dr. .Friedmann: Frau Dr. Bornett fl. 5, Frau Pinel fl. 5, Frau Waller fl. 3, Frau Löwenstein fl. 2, Frau Leibowitz fl. 2. Sammlung der Frau E. Fluß: Frau Lucie Harpner fl. 2, Frau Clara Pollak sl. 2, Frau Rosa Hamburger fl. 1, Frau Ignatz Mandl fl. 5, Frau Ernestine Pilligssohn fl. 5, Frau M. Mandl fl. 5, Frau Math. Straffer fl. 5, Frau Ottilie Fluß fl. 5. Hiezu die ausgewiesenen fl. 2399 zusammen fl. 2500 E. 8. Wien. (Militär-Oberrechnungsrath Braunschweig.) Am 18. d. M. verschied nach längerem Leiden an einer beimtückischen Krankheit der Militär-Oberrechnnngsrath I. Claffe in Activität, Herr Friedrich Braunschweig, im 63. Jahre seines an Thaten reichen Lebens. Daß der leider allzufrüh Dahingeschiedene eine Capacität und ein hervorragender Mensch war, beweist wohl der Umstand schon zur Genüge, daß es derselbe beim Militärstande „von Pick auf" zum

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