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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-27 · 22 (27.5.1892) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
22 (27.5.1892)
Date
1892-05-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette ggs Orstrrrrichifchr Wochrnschrlst Skr. LS Am Sabbathtage sah man sie, während sie sich am Arme ihres Gemahls im Freien erging, von den Wiesen draußen hinter der Stadt Blumen pflücken. Entgegen der herkömmlichen Sitte ging sie nicht so schmutzig und verwahrlost einher, wie die Andern, sondern sie wusch und schmMe sich alltäglich. Ihre Kinder waren auch stets geschniegelt und gesttiegelt, dursten sich nicht im Straßenkehricht herumwälzen, sondern sie mußten daheim bleiben, wo sie selbst wie eine Houri geschmückt, in ihrem Kreise sich in die Schönheiten der Bibel vertiefte, was auch nicht in der Gewohnheit jüdischer Mütter liegt. Chaim duldete solche Religionsverstöße — daher schlug sie die Hans des Herrn. Er büßte bei irgend einer geschäftlichen Transactton ein Heidengeld ein, so daß er sein Haus verkaufen mußte! hernach starben seine Kinder dahin!.. . zuletzt kam es noch ärger! . . . Chaim segnete das Zeitliche... die schwergetroffene Frau begann zu kränkeln ... der Rest der Habe kam unter den Hammer und unter den hoffnungsvollen Sprößlingen hielt der Tod scharfe Musterung . . . zuletzt blieben von der ganzen zahlreichen Nachkommenschaft nur noch die Tochter Elsa und der Sohn Abraham am Leben. Und neuerdings pochte das Unglück an ihre Pforte. Abraham wurde zum Militär ausgehoben — die Perlenbinde, das einzige Ueberbleibsel einer glücklicheren schöneren Zeit wurde zu seiner. Rettung geopfert. Doch Alles umsonst!... Der Sohn wurde eiugerecht... der liebe gute Abraham mußte mit den anderen Soldaten in die Ferne ziehen... die Mutter weinte sich die Augen blind — der Schmerz hatte in einer Nacht ihr sündiges Haar gebleicht. Vielleicht hat sie es dann glatt rasirt doch sichttich zu spät um den Zorn des Herrn zu versöhnen. Adonaj ließ sie auch fürder seine volle Strenge empfinden. Ihre einzige Tochter Elsa, eine reizende schelmische Brünette hatte sich als Verkäuferin in dem Juwelenladen Perl Franks zu tief in die goldenen Achselschnüre der jungen schmucken Officiere verguckt, indeß sich ihre Mutter daheim abrackerte und die Folge davon war, daß im Hause der Witwe Chaims zwei kleine Kinder Moses und Lae aufwuchsen. Das waren die Sünden, welche ihre Glaubensgenossen Sarah vorhielten. Zumal die letzte Schuld konnten sie ihr nicht verzeihen; eher hätte sie die Tochter steinigen oder mit Schimpf und Hohn von ihrer Schwelle weisen sollen, welche sich so weit verging und auf die ganze Gemeinde solche Schande lud ... und statt dessen unterstützte sie das gottvergeffene, verworfene Geschöpf, ja sie nahm sogar die junge Brut zu sich und unterstand sich den kleinen Moses, der sie mit seinen hellblondem Haar und seinen blauen Augen an ihren theuren, unvergeßlichen- Abraham gemahnte — abgöttisch zu lieben. Sie hegte und pflegte dieses Kind — die Frucht eines in der Gemeinde unerhörten Fehltritts... Die Strafe kam wie der Blitz. Der Enkel, der kleine, herzige, von der Großmutter verhätschelte, vergötterte Mnses kam eines Tages in zerrissenen Kleidern, das Haar zerzaust, den Körper mit (Striemen und Beulen bedectt — von der Schule heim, wo ihn seine Collegen so übel zugerichtet. Einige Tage später hauchte der Aermste in den Armen seiner wie wahnsinnig sich geberdenden Großmutter sein junges Leben aus. Die letzten Schi^alsschläge hatten die Milch der sanften Denkungsart Sarah's in gährend Drachengift verwandelt — so daß sie eines Abends jenen Jungen, welcher den Tod ihres Enkels verschuldet hatte, auflauerte und an ihn in der dunklen Gaffe auch sicherlich furchtbare Lynchjustiz geübt hätte, wenn nicht zufällig der halb bewußtlose Junge durch einen des Weges daherkommenden Paffanten aus ihren Klauen befreit worden wäre. Sarah mußte dafür ins Gefängniß wandern. Länger als ein Jahr verblieb sie in Untersuchungshaft und das Urtheil lautete auf weitere zwei Jahre Gefängniß. Nach Verbüßung der Strafe fühlte sie sich so elend, so herabgekommen, so siech an Geist und Körper, daß sie schnurstracks zum Fluffe lief, um sich zu erttänken. Die Wellen rauschten ihr so verlockend entgegen und sie verlor vollends den Kopf. Da jählings fühlte sie sich von Jemandem von rückwärts am Kleide festgehalten... sie wendete sich bestürzt um und erblickte ein Keines, zerrissenes Mädchen, über deffen abgehärmte Wangen Thränen hinabschossen. In dem wirren, schwarzen Gelock hatten sich Sttohhalme und Straßenunrath festgeklebt neben einigen bunten Feldblumen, die das Kind sich selbst ins Haar genestelt. , , „ _ , O Gottlob, daß ich Dich eingeholt habe. Großmutterchen ich laufe dir schon von der Stadt nach. Jeden Tag bin ich um das böse Haus herumgeschüchen, wo man dich eingesperrt hielt... ich hoffte immer, daß ich Dich erspähen und hier diesen Bonbon Dir zustecken werde. . . Damit hielt sie freudestrahlend ein in buntes Papier eingewickeltes, verstaubtes, abgegriffenes Caramel der Großmutter entgegen. ' Da kost nur Großmütterchen ... das trage ich schon lange für Dich mit mir herum ... Versuch's nur ... es schmeckt gar so gut... O Lorchen, mein süßes Lorchen! Gott erbarme dich unser! schluchzte das Weib, das Gesicht und die Hände der zu ihr emporstrebenden Kleinen mit Küßen bedeckend. Die Lust, sich das Leben zu nehmen war wie verflogen, sie nahm das Kind an der Hand, und entfernte sich behenden Schrittes. fAortiekuna solat.l Briefkasten. S a m. B r e i n e r, O st f i - A ß o n y f a: Die Frau des Herrn Georg Schönerer ist die Enkelin des seligen Schmul Leb Kohn; über die Abstammung des Antisemitenhäuptlings selber ist bis nun Verläßliches nicht zu Tage gefördert worden. Der Afrikaforscher Ennn Pascha (Dr. Schnitzer) ist als Jude geboren und bekennt sich auch derzeit nicht zum Christenthum. Wochrnkalender. Wachen- Mai-Juni 1892 Jjar- Siwan 5652 Kalender Freitag 27 1 Rosch-Chodesch Samstag 38 2 -ü-m Sonntag 29 3 Montag 30 4 Dienstag Mittwoch 31 1 5 6 1. Tag des Pfingsfestes Donnerstag 2 7 2 n „ w Freitag 3 8 Kundmachung. Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde in Lemberg wird hiemit zur Kenntniss gebracht, dass aus der Rabbiner Bernhard Löwenstein’schen Stiftung mit Beginn des nächsten Schuljahres 1692/93 ein Stipendium in der Höhe von 180 fl. jährlich an einem Rabbinatskandidaten für die Dauer seiner dreijährigen Studien zur Verleihung gelangt. Bewerber um dieses Stipendium haben den Nachweis zu erbringen: 1. über ihr Alter, 2. über die an einem Staatsgymnasium in Galizien abgelegte Maturitätsprüfung und die hiebei erlangte Fortgangsclasse in der polnischen Sprache, 3. über den Besuch einer Rubbinatsschule resp. die Einschreibung an einer solchen und schliesslich 4. Über den Umstand, dass dieselben weder aus eigenen, noch aus Mitteln der Eltern sich zu erhalten im Stande sind. Das Stipendium wird in halbjährigen Raten ausgezahlt werden und wird der damit betheilte Rabbinatskandidat während der Zeitdauer seiner Studien verpflichtet sein, alljährlich den guten Fortgang in denselben nachzuweisen, ferner nach deren Beendigung einen Rabbinats- und Prediger-Posten in einer der israelitischen Cultusgemeinden in Galizien anzunehmen und wenigstens durch drei Jahre ein solches Amt zu bekleiden. Die mit obverlangten Documenten belegten Bewerbungsgesuche sind längstens bis 30. Juni 1. J. in der israelitischen Gemeindekanzlei zu überreichen. Lemberg, 25. April 1892.

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