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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-27 · 22 (27.5.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
22 (27.5.1892)
Date
1892-05-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 22 Orstrrrrtchifchr Wochrnfttzrist Sette 381 Im Uebrigen ist statistisch nachgewiesen, daß wegen Veruntreuung im Amte in den Jahren 1882—1889 bestraft wurden: 3395 Christen und 7 Juden. Nach dem Verhältniß der Bevölkerung müßten es 42 Inden sein. Wien. Wie uns aus Bukarest vom 21. d. geschrieben wird, hat die Art und Weise, wie die rumänischen Consulate in Rußland die ihnen seitens ihrer Regierung zugegangenen Weisungen betreffs ihres Verhaltens den aus Rußland a u s g e w i e s ene n Juden gegenüber auffassen, bereits zu einer kleinen diplomatischen Eontroverse geführt. Der rumänische General-Consul in Odessa hat nämlich einem österreichischen Staatsangehörigen das zur lleberschreitung der rumänischen Grenze erforderliche Paßvisum rundweg abgeschlagen und seine dies bezüglich negative Entscheidung mit der Erklärung motivirt, das; er überhaupt keinen Juden den Paß vidiren dürfe. In Folge einer au die österreichisch-ungarische Gesandtschaft in Bukarest in dieser Angelegenheit gerichteten Reklamation hat der diplomatische Vertreter der Monarchie in Rumänien den erwähnten Fall im rumänischen Auswärtigen Amte zur Sprache gebracht und hiebei eine das Verhalten des Odessaer General-Consulats in entsprechender Weise richtigstellende, demgemäß beruhigende Erklärung erhalten. Minister Al. Lahovary stellte nämlich die Existenz eines gegen die Juden im Allgemeinen sich kehrenden Bimmverbotes ganz entschieden in Abrede. Allerdings habe die rumänische Regierung angesichts der von Rußland her drohenden Gefahr einer Masseneinwandernng subsistenzloser Israeliten ihren in Rußland residirenden Consnln die bestimmte Weisung ertheilt, bei Vidirung der Pässe der ans Rußland ausgewiesenen russischen Juden die größte Vorsicht walten zu lassen. Aber auch hier handle es sich um kein eigentliches Verbot, sondern nur um eine Vorsichtsmaßregel gegen die Masseneinwandernng erw.n'bsloscr Proletarier auf rumänisches G.biet. Gleichzeitig wurde vom rumäuischeu Minister des Aeußern in zuvorkommendster und befriedigendster Weise versichert, daß er durch eine geeignete Belehrung des General-Consnls von Odessa einer Wiederholung ähnlicher, zu gerechten Beschwerden Anlaß gebenden Fälle Vorbeugen werde. Doch ist es nicht allein das Auswärtige Amt Rumäniens, welchem durch den antisemitischen Uebereifer seiner Consulats-Bcrtreter Unannehmlichkeiten bereitet werden. Vielmehr liegt aus der Moldau eine Menge von Beschwerden vor, in welchen über ein vcx.torisches, ungesetzliches Borgehen der dem Ministerium des Jauern unterstehenden Verwaltungs-Behörden der israelitischen Bevölkerung gegenüber Klage geführt wird. Letzteres gilt namentlich von der den Präfekten neuerdings ans Herz gelegten Ausführung der den Aufenthalt nicht naturalisier Juden in den Landgemeinden beschränkenden Vorschriften. Ohne sich viel darum zu kümmern, ob die in oe» Landgemeinden ansässigen Juden unter die Zahl jener Fremden gehören, welchen nach den Bestimmungen des letzten Land-Poli eigesetzes der stabile Aufenthalt in den Landgemeinden versagt ist, oder ob sich die betreffenden Inden nicht vielleicht schon vor dem Inkrafttreten des keine rückwirkende Kraft besitzende Polizeigesetzes in den respectiven Gemeinden niedergelassen hatten, wurden namentlich in der oberen Moldau invielen Dorfgemeinden einfach alle Juden ohne Unterschied ausgetrieben. Nun hat zwar Ministerpräsident Caturgin auf Grund der diesbezüglich eingelanfenen Beschwerden die Präfecten angewiesen, bei Ausführung des Land Polizeigesetzes nicht über die Absichten der Gesetzgebung hinauszugehen, ob aber diese Weisung Berücksichtigung finden wird, ist nach der Art und Weise, wie die in der rumänischen Armee dienenden, womöglich von jedem Avancement ausgeschlossenen Juden behandelt werden, billig zu bezweifeln. Wien. (Das israelitische Blindeninstitut ans der Hohen Warte in Wien.) Die Reihe der zu besuchenden Bildungsinstitute und eine Notiz der Tageblätter führten mich Sonntag, den 15. Mai d. I. in diese Blinden-Erziehnngsaustalt. Das zur Aufnahme der Instituts-Zöglinge ans mäßiger Anhöhe gelegene Gebäude bietet durchwegs freundliche, den Anforderungen der Schulhygiene entsprechende Räume, und in der Frontseite des erben Stockwerkes einen geräumigen Prüfungssaal, dessen Wände die Bildnisse und Botivtafeln der Stifter und Wohlthäter dieser Anstalt schmücken. Ans einer geringen Erhöhung sitzen ans geräumigen Schulbänken etwa 40 des Augenlichtes entbehrende Schüler und Schülerinnen im Alter von 9—20 Jahren, welche der Prüfung harren. Ein in melodischer Harmonie unter Leitung des Herrn Obercantors Josef Singer vorgetragenes Gebet bildete den ersten Punkt des reichen Programmes. Thränen in den Angen so vieler der anwesenden Priifungsgäste verrietheu den tiefen Eindruck dieses von dem .Herrn Obercantor verfaßten Tonstückes, das nm so rührender stimmte als die Lippen so reiner unschuldiger Wesen ihm Klang verliehen. Herr Lehrer Lasch prüfte dann die Zöglinge der unteren Elasten, welche durch ihre bestimmten und richtigen Antworten bewiesen, daß sie in den Gegenständen ihrer Classe ihren vollsinnigelt Altersgenossen nicht nachstehen. Die Prüfung in den höheren Classen übernahm Herr Direktor Heller.,In Beantwortung der Fragen aus der Religionslehre bewiesen die Zöglinge vielfache und gründliche Kenntnisse der Bibel und erhärteten durch entsprechende Citate aus derselben eine jede ihrer Antworten. Die Wiedergabe der Bibelsätze in der Originalsprache sowie in getreuer deutscher Uebersetzung erfolgte ganz deiltlich, correct und rasch und bewies wie verläßlich und geübt das Gedächtniß dieser Schüler ist. Wahrhaft staunenenegend waren die Leistungen derselben im Kopfrechnen. Schwierige, verwickelte Rechnungen wurden rascher gelöst als viele der Zuhörer mit dem Stifte in der Hand es vermochten, und alle Rechenexempel wurden dann von einem Zöglinge mit der reichen Ziffer,zahl fehlerfrei wiedergegeben. Einige Erklärung für ein so ausgebildetes Gedächtniß gaben die nun folgenden Proben der Schärfung der Sinne. Die oft nur wenig verschiedenen Münzstücke, selbst ein Silberguiden und ein Füuffrankenstück wurden durch Auswerfen auf den Tisch von den Schülern sofort erkannt und eine größere "Anzahl derselben zusammengezählt und ohne zu irren angesagt. So wie dar Gehör, so sein emsindet ihr Tastsinn, trotzdem sie fast alle auch gröbere Handwerke sehr fleißig üben, lesen sie durch die Fingerspitzen sehr geläufig, und zenheilen kleine Büthen, wie die Aehrchen einer Aehre in die einzelnen Bestandtheile, und unterscheiden wohl auch manchmal durch Mithilfe der Lippen und Zunge die Beschaffenheit der Blätter und sonstigen Bestandtheile der Haus- Gartenpflanzen, welche sie auf solche Art erkennen. Welche Fertigkeit Blinde in der Musik erlangen können ist wohl allgemein bcfamit und da in diesem Institute grundsätzlich nur jene Schüler in Musik und Gesang Unterricht genießen, und diese von Herrn Professor Labor, Obercantor Singer, Professor Dessing und den ehemaligen Justi.uts- Zögtinge» Meister Storch und Herz ertheilt werden, so bekam man Vortreffliches zu hören und saugen Knaben und Mädchen die Bolkshymne mit einer Kraft, Frische und Lust, als ob die mehr als zweistülldige Prüfung sie gar nicht ermüdet hätte und Director Heller betonte dann in warmen, überzeugenden Worten, daß nach seiner Erfahrung und Ueberzeuguug die Fähigkeiten der Minden so ausgebildet werden können, daß sie in ihrer Leistungsfähigkeit den Bollsinnigen kaum nachstehen. Zum Schluffe nahm kaiserlicher Rath Dr. Wölfler. welcher als Vorsitzender des Eur ckvriums die Prüfung leitete, das Wort zu einer Ansprache, in welcher er den Zöglingen den Eindruck schilderte, welchen die heutige Prüfung auf ihn und den großen Kreis der Anwesenden gemacht, und sie aufforderte nur in gleicher Weise sortzuschreiten. Im Rückblicke auf das eben abgeschlossene Schuljahr betrübe ihn jedoch der Gedanke, daß einer der besten Freunde und Gönner dieses Hauses, ein Mann, der bisher noch, bei keiner Prüfung fehlte, nun nicht mehr für sie sorgen uuo arbeiten könne, denn der Herr Cur-.tor Baron Stefan Scher; von Koromla ward in der Vollkraft der Jahre dahingerafft: diesem Wohlthäter und innigen Freunde des Institutes möge ein stets dankbares Andenken in ihren Herzen bewahrt bleiben. Alls der düsteren Stimmung führte die Hoffnung, daß die Theilnahme so vieler Anwesenden für das Loos dieser.Heimgesuchten gesichert und die Schlußworte. welche der unermüdete Herr Direktor in seinem auch in diesen Blättern mitgetheilten Bortrage über die Blindenbildung zur Wahrheit werden, daß es jeder von Ihnen weithin verki'mdet, daß der Blinde ans die Anerkennung seines Menschenthums und die Bethätigung seiner Wirkungsfähigkeit ein volles Recht habe. Dem würdigen Director, der an der Spitze des Lehrkörpers für die geistige Bildung und im Vereine mit seiner biederen Gattin unter umsichtiger Führung der» Damen des Curatoriums die ganze Oeconomie der Anstalt mit Hingebaug besorgt, wurde in wärmsten Worten der Tank ausgedrückt, ebenso den Gästen, von denen unter so vielen nur die Damen Baronin von Königswarter, Pfeifer, von Hochwart, die Herren Pros. Dr. G. Wolf, W. Kuffner genannt seien. Hiemit war die Schulfeier im Prüfungssaale beendet und die Gäste besuchtet! unter Führung der Damen des Curatoriums die Nebenräume des Saales, wo die Frauenarbeiten, welche die Zöglinge unter der Leitung der fleißigen Lehrerin. Fräulein Lenk, verfertigten, eine reiche Ausstellung bildeten, welche bei den Besuchern volle Anerkennung und auch willige Käufer fanden. Bon den sonstigen sehenswerthen Einrichtungen des Hauses sei nur noch erwähnt die Lehrmittelsammlung, die reiche Fundgrube für Gedanken und Vorstellungen der Zöglinge, die kostbaren Modelle, Reliefkarten und Muster für Haudsertigkeitsarbeiten, ferner eine vollständig eingerichtete Druckerpresse, durch welche die wichtigen Theile des Unterrichtes und sonstigen Schriften vervielfältigt und jedem austretenden Schüler als erster Hausschatz mitgegeben werden. Damit soll das Band zwischen Schule und Leben untrennbar erhalten bleiben. Befriedigt von den Eind.ücken dieser Stunden und erfreut über die Fortschritte einer vernünftigen Pädagogik auch in diesem Zweige der Volksbildung erfüllte mich innigstes Dankgefühl für den hochherzigen Wohlthäter, welcher den unglücklichsten Geschöpfen ein so wohlthätiges nützliches Heim geschaffen und den geistigen Begründer derselben. Möge diesem Dichtergreis noch durch viele Jahre der Musen Treue, der Menschen Liebe, des Höchsten Güte das Leben versüßen! Praq. Mit der Formel „videant consules, ne qnid detrimenti capirat republica“ wurde in den Zeiten des römischen Freistaates den Consulen eine außerordentliche, an die verfassungsmäßigen j Beschränkungen nicht gebundene Machtvollkommcnheit ertheilt, nämlich jene, nach ihrem besten Wissen das Zweckdienliche zu veranlassen. Seitdem ein Journalist, dessen Schulzeugniß aus Latein nicht sehr gut gelautet haben kann, die Anfangsworte rvideant consnles* als Drohung gegen die bestehende Verwaltung angewendet hat, schreiben die übrigen Collegen desselben diese Worte nach, so oft sie die als Vertrauensvotum gemeinte Formel als Mißtrauensvotum gebrauchen wollen. In gleichem Sinne tverden sie jüngst in einem hiesigen Local- ' blatt gebraucht, um die drohende Gefahr von unserer Gemeinde ab-

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