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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-27 · 22 (27.5.1892) · page 4

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Sette 376 Vrstrrrrkhischr Wochenschrift. Nr. n ihre Verbindungen jüdisches Blut in fast alle russischen Fürstengeschlechter und durch diese wiederum in viele vornehme Familien Europas. Jüdischen Ursprungs ist auch, tvie schon sein Name besagt, das ebenfalls georgische Fürstenhaus der Guriel oder H u r i e l. Was nuu das deutsche Reich anlangt, so begegnen wir trotz aller Verachtung und Knechtung, denen die Juden ausgesetzt waren, bereits im Spätmittelalter den ersten geadelten Juden. Jakob Ben Jechiel Loa ns, Leibarzt Kaiser Friedrichs III., war von diesem nicht nur zum Doctor mediciuae promovirt, sondern auch zum egaes anratns ernannt worden. Im Jahre 1560 empfing Wilhelm Lämble, genannt Schäckel, von Philipp, Kurfürsten von der Pfalz, die Belehnung mit dem Edelsitze Renuertshofen. Ist auch sein Geschlecht im Mannesstamme erloschen, so fließt durch seine Töchter und Enkelinnen jüdisches Blut in fast allen vornehmen Geschlechtern Schwabens. Im Jahre 1579 adelte Kaiser Rudolf II. den getauften Juden Philipp Lang mtt dem Beinamen „von Laugenfels"; 1622 erlangte Jakob Bafsewi, eigentlich Batscheba Schmieles, befreiter Hofjude und Hoffactor Wallensteins, von Kaiser Ferdinand II. mit dem Beinamen „von Treuenburg" den böhmischen Adelstand nebst allen Vorrechten eines deutschen Edelmanues. Im Jahre 1746 erlangte der Sprößling einer Berliner Rabbinerfamilie Alois Wiener, Magister der orientalischen Sprachen, von Kaiser Franz Hden Reichsadelstand mit dem Beinamen von Sonnensels. Der bekannteste hierauf folgende Fall ist die Erhebung des Armeelieferanten Abr. Wetzlar in den Reichsfreiherrnstand mit dem Beinamen von Blankenstern, im Jahre 1777 und die im folgenden Jahre erfolgte Verleihung des Adels an die Gebrüder Schönfeld, Söhne des Abraham D obruska, nachdem bereits im Jahre 1776 Jonas Wolf Eibeschütz, ein Sohn des bekannten Rabbiners gleichen Namens, unter dem Versprechen sich taufen lassen zu wollen, den Reichsfreiherrenstand unter dem Namen von Adlersthal erworben hatte. Die Zahl der in unserem Jahrhundert in Oesterreich und Ungarn geadelten Juden und Neophyten dürfte tausend bei Weitem überschreiten. In Baiern wurde die erste Nobilitirung eines Juden durch König Maximilian 1. im Jahre 1818 dem Hofbankier Jakob Hirsch zu Würzburg zu Theil, unter welchem König auch die Neophytenfamilien Chaudoir, Livio, Seligmann als „Edler von Weling",Brunnstein mit „vonBrunicki", Hornthal und Pappenheimer geadelt worden sind. Unter König Ludwig I. erfolgten die Nobilitirungen der Juden: Elkan, Liebmann und Dessauer und der Neophytenfamilie Beck. Maximilian IL erkannte auf dem Gnadenwege die gefälschte Abstammung seines der jüdischen Familie von der Pforten entstammenden Ministers von der Pforten an und erhob den Neophyten Schauß in den Adelstand. Die einzige unter König Ludwig II. erfolgte Nobilitirung eines Juden ist die seit 1870 erfolgte Erhebung des Daniel Weisweiler in den Ritterstand. Von demselben Monarchen erhielt ferner der dem mosaischen Glauben treu gebliebene Josef Hirsch auf Gereuth den Freiherrnstand und der Sprößling der Neophytenfamilie Seligmann, Karl Edler von Weling, die Uebertragung des Grafenstandes seines Stief- und Adoptivvaters Maximilian Grafen von Leubelfing. Groß ist ferner die Zahl der Juden und Neophyten, welche als Rttter des Verdienstordens der Zairischen Krone den persönlichen bairischen Adelstand erhalten haben. In Baden erlangte der Neophyt Ernst Philipp Sensburg im Jahre 1815 vom Großherzog Karl Ludwig I. und im Jahre 1829 der Jude Salomon Haber mit „von LiuSberg" vom Großherzog Ludwig II. den Adelstand. In Württemberg erlangte im Jahre 1814 Demoiselle d'Ansbach von König Friedrich I. den Adelstand und unter den folgenden Königen mehrere Juden die Anerkennung ihrer, von fremden Fürsten verliehenen Adelstttel. Im Großherzogthum Hessen erhielten unter Ludwig II. Doktor Eduard Julius Breidenbach, der getaufte Sohn des brannten hessischen Verfechters des Judenthums Wolf Breidenbach, im Jahre 1837, und der berühmte, von jüdischen Eltern Seborene Chemiker Professor Dr. Justus L i e b i g den Adelsezüglich Freiherrnstand. lütter Großherzog Ludwig III. erlangten die Neophytenfamilien Kap-herr, Levita mtt „von Rechten" und Go rissen und die israelittsche Familie Günzburg den Adelstand. Auch Friedrich Fürst von Hohenzollern-Hechintzen hat im Jahre 1841 den israelitischen Hofbankier Josef Wolf K a u l l a in den Adelstand erhoben. Von den von Napoleon I. eingesetzten Rheinfürsten erhob der Fürst-Primas und Großherzog von Frankfurt, Karl Dalberg, den Vorstand der Judengemeinde, Anton Franz I tz st ei n in den Adelstand, sowie Hieronymus, Wnig von Westfalen, den jüdischenBankier Karl August Malchus im Jahre 1811 in den Freiherrnstand und im Jahre 1813 als „v o n Marienrode" in den Grafenstand. Die erste Nobilitirung eines Juden in Preußen erfolgte durch König Friedrich Wilhelm III. im Jahre 1810 und galt dem Bankier Ferdinand L e v y genannt D e l m a r; welcher den Freiherrnstand erhielt. Unter König Friedrich Wilhelm IV. haben Nobilitirungen von Juden in Preußen nicht stattgefunden. Unter König Wilhelm I. erlangten hingegen der Geheime Kommerzienrath Abraham Oppenheim zu Köln im Jahre 1868 den Freiherrnstand und der Geheime Kommerzienrath Gerson Bleichröder zu Berlin im Jahre 1872 den Adelstand. Zahlreich sind hingegen in Preußen die Nobilitirungen von Neophyten. Jüdischer Abkunft waren die durch König Friedrich II. im Jahre 1780 geadelten Offiziere Löwe und Sehm, die durch Friedrich Wilhelm III. geadelten Eberty (1798), Grünen thal, vormals Sieb mann (1812), Löbenstein (1839), die durch Friedrich Wilhelm IV. geadelten Wolfs (1846), Magnus (1853), die durch König Wilhelm I. geadelten O p p e n f e l d, vormals O p p e n heim (1859 und 1861) L i n d h e i m (1861), N o r m a n n (1863), Fließ, der berühmte General der Kavallerie und Sieger von Langensalza (1864), M a n n l i ch - L e h m a n n (1864), U ck r o vormals Schlesinger (1865), Philip sborn (1865), Hitzig < 1866), A n t e r (1866) R o s e n t h a l (1869), Hansemann (1872), Lieber (1872) Schuhmann (1880), H e l l m a n n vormals H e i m a n n (1883), Meyer (1883 und 1884) die durch Kaiser F.icdrich geadelten F r i e d b e r g, S i m s o n, Hey er vormals Meyer und Mendelssohn der durch Wilhelm II. im Jahre 1890 geadelte Kommandeur des Leib- Garde-Husaren-Regiments M o s s n e r. Auch soll ein in den letzten Jahren unter Anerkennung seiner altadeligen Abstammung in den Freiherrnstand und jüngst in den Grafenstand erhobener Industrieller sicherem Vernehmen nach jüdischer Abkunft sein. Ferner erlangten mehrere Personen jüdischen Ursprungs und auch Juden selbst in Preußen Anerkennungen ihrer, von fremden Fürsten verliehenen Adelstitel: die Marannenfamilie Pinto im Jahre 1783, die v. B r e s s e n s d o r f, vormals B r e s s e l a u (1826), L i n d h e i m (1861), R e i n a ch (1867), Oppenheim (1868) Stiebet (1870), Kauffmann- Asser (1871), Erlanger (1872), Liebermann v. Wahlendorf (1873), Fromm (1873), Lesser (1877). Eine Jüdin war auch die 1825 unter dem Namen „v. Prittwitz" geadelte Marianne A r e n d, die Stammmutter der heutigen Herren V. Prittwitz. Von den sächsischen Fürsten erhob Bernhard Herzog zu Sachsen-Meiningen-Hildburghausen im Jahre 1860 den Bankier Rafael Erlanger in den Adelstand. Juden dem Ursprung nach, waren die durch seinen Nachfolger, den Herzog Georg geadelten Stiebet (1869), S o t h e n (1869), Wolf (1872), Fromm (1873), Lesser (1876), Hierschel (1877) und Ko lisch (1881). Joseph, Herzog zu Sachsen-Altenburg erhob im Jahre 1838 den Neophyten Friedrich Sigismund Cnobloch in den Freiherrnstand. Ernst II., Herzog zu Sachsen-Koburg und Gotha erhob folgende Israeliten in den Freiherr n stand: Ponte-Zeno (1856), den Hosbankier Kaiser Wilhelms I. Cohn (1869), D reif ns (1872), Gerion (1878), Landau (1881), Schneider (1882), M a ch i e l s (1884), Mayer (1890). Aus dem kurfürstlichen, jetzt königlichen Hause Sachsen erhob nur König Friedrich August I. in seiner Eigenschaft als Herzog von Warschau im Jahre 1812 den Neophyten Jakob Martin Schönborn in den Adelstand. Ferner erlangten hier die Rahel von Loewmannsegg (1747) Abendroth (1796), Cno bloch (1838), Kaskel (1869), und Lesse r (1877) Anerkennungen ihrer fremden Adelstitel. Im Fürstentbnm Reuß-Lobenstein-Ebersdorf erlangten im Jahre 1843 die Kinder des fürstlich reuß'schen Geschäftsträgers Adolf von Philip p sb orn und dessen Stiefkinder Könngerle den Freiherrnstand. Der jetzt regierende Fürst Heinrich XIV. Reuß jüngerer Linie erhob im Jahre 1874 den Juden Adolf Louis

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