Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 22 (27.5.1892)
- Date
- 1892-05-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. SS Orsterreichlschr Wochrnfchrist. Seite den ganzen *%pott in der Hand (Pfui!) haben und für den Export ist die Goldwährung — Gold! Wer hat denn allen Grundbesitz? (die Juden.) Wer hat alle Fabriken? (die Juden.) Wer hat somit den ganzen Export? (die Juden.) Nun wollen sie uns noch den letzten Guldenzettel nehmen! (Allgemeine Entrüstung. Rufe: Peitschen soll man sie.) Ich sehe, meine Herren, daß Sie in dieser großen, wichtigen Frage vollkommen auf merner Seite stehen (Bravo) und daß das ganze christliche Volk diese Meinung theilen wird. In dieser Frage gibt es nur Juden und Christen. Für die Goldwährung ist das ganze Cabinet Taaffe (Juden), dagegen sind der Lueger, der Liechtenstein, Geßmann, der Schneider u. s. w., also die Vertreter des christlichen Volkes. Wer schreibt für die Goldwährung? Die Judenpresse! Wer schreibt gegen die Goldwähmng? (Rufe: Die Scharf'sche „Sonn- und Montagszeitung".) Ja . . . ja ... (Der Redner ist in arge Verwirrung gerathen und verliert den Faden seiner Rede. Endlich fährt er fort.) Ja, die Judenpresse, die „Reue Freie Presse" voran, ist für die Goldwährung und nur die christliche Presse ist es, die für das Papiergeld schwärmt und alles daran setzt um es zu erhalten. (Rufe: „Hoch Vergani!") (Gregorig schüttelt den Kopf und fährt dann fort.) Ich schließe meine Hereen. (Tobender Beifallsturm.) Wir haben uns verstanden. (Bravo.) Wir wollen einig sein, damit in dieser großen Frage der Sieg nicht auf Seite der vereinigten Juden sei. Unsere Losung ist: Keine Goldwährung! (Bravo!) Keine Baarzahlung! (Bravo! Bravo!) Kein Export! (Hoch Gregocig! Bravo! Bravo!) (Redner wird von den Zuhörern auf die Schultern gehoben und durch den Saal getragen.) Aus der deutschen Reichshaupkstadt. Der preußische Konservativismus kann seine Erbärmlichkeit gar nicht abschreckender bloßlegen, als durch den Versuch, sich mittelst der Juden fr esserei das verdorbene Blut aufzufrischen. Wie weit muß sein Kräfteverfall fortgeschritten sein, wenn er die Neubelebung nur mehr von solcher Transfusion erwarten kann! In der That, der Verstand und das gesunde Gefühl im Volk wenden sich zusehends von ihm ab, und so geht er denn auf die Eroberung des Blödsinnes und der gemeinen Triebe aus. Freilich, einzig wie in der gesitteten Welt die Erscheinung dasteht, daß man das Hepp-Hepp zu einem politischen und gesellschaftlichen Grundsatz erhebt, hat auch die preußische Spielart des Konservativismus nirgends ihresgleichen. In England kann man die konservative Partei seit einer Reihe von Jahren an der Arbeit sehen, sie wird weder an Vornehmheit der Gesinnung, noch an Weitherzigkeit der politischen Auffassung, noch an Volksthümlichkeit des Reform bestreb ens von dem festländischen Liberalismus übertroffen, und selbst das, wodurch sie sich von ihren Gegnern unterscheidet: die stärkere Betonung des britischen Imperiums und die größere Vorsicht in der Abänderung der geschichtlichen Grundformen des Staatswesens — es kann ihr in den Augen aller Unbefangenen nur zur Ehre gereichen. Oder, um das Beispiel nicht jenseits des Canals zu suchen: auch in Frankreich gibt es eine bedeutende konservative Partei und sie macht ja von Zeit zu Zeit der Republik genug zu schaffen; aber ihr Konservativismus bezieht sich wesentlich auf das monarchische Princip, sie ist, je nach ihrer Tradition, bonapartistisch oder orleanistisch oder gar legitimistisch, doch über dieses Moment hinaus liegt ihr der Gedanke an eine Rückkehr zu den überwundenen Durchgangsformen der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Frankreichs unendlrch fern — sie bildet sich nicht ein, daß die Gestaltungen des revolutionären Jahrhunderts vernichtet werden können. Aber der preußische Konservativismus namentlich jener der Hammerstein-Retzow-Stöcker'schen Couleur, wie niedrig und verkommen in seiner Gesinnung, wie verwerflich in seinen Mitteln ist er! Der schäbigste Classenegoismus, der in der Bewahrung seiner sehr materiellen Standesvorrechte und in der Restaurirnng seiner verlorenen Privilegien die höchste Tugend erblickt, das ist sein aristokratisches Prinzip. Bezeichnend für die Noblesse dieser Leute ist ein Fall, der jetzt durch alle deutschen Blätter geht, wie ein Konservativer eine Bauernfamilie von einem Anwesen, das ihre Vorfahren seit zweihundert Jahren bewirthschafteten, einfach wegzujagen und zu Bettlern zu machen sucht — kraft seiner alten Feudalrechte. — Die Capitalisirung der monarchischen Idee, das gar nicht verschämte Bestreben, die Person und die Autorität des Monarchen für die eigenen, engherzigen Zwecke und Interessen aus Kosten der. Gesammtheit, auf Kosten selbst der (^istenzintereffen der Krone dienstbar zu machen, das ist sein monarchisches Prinzip. Wieder ist es in hohem Grade bezeichnend für die Königstreue dieser Leute, daß sie gegen den Kaiser, weil er das Volksschulgesetz über Bord geworfen, neuestens eine Sprache führen, welche an das Verhalten der Wilden erinnert, die ihren Götzen auspeitschen, weil er ihnen einen Wunsch nicht erfüllt hat. — Die widerlichste Heuchelei, die salbungsvoll jüdische Psalmen plärrt und inbrünstig die jüdischen Alpostel verehrt, aber dabei Hand in Hand mit den Antisemiten operirt, die nicht blos den Juden, sondern auch dem Chrrstenthum, als einer semitischen Gkaubensinstitution, den Krieg erklären, das ist sein religiöses Prinzip. — Schäbig, verlogen und heuchlerisch bis auf die Knochen, so ist die konservative Fraktion Hammerstein- Stöcker, und diese Abart ist ein spezifisch preußisches Gewächs, man findet sie sonst nirgends in der Welt. Wenn nun diese Sippe den Antisemitismus als Programmpunkt aufnehmen will, so ist das nicht im Mindesten zu verwundern. Eigentlich thut sie damit nichts Anderes, als daß sie jetzt etwas codifizirt, was sie auch bisher schon als ungeschriebenes Gesetz beobachtet hat. Dennoch kann ihr das Beginnen verhäugnißvoll werden. Zunächst stößt es diejenigen Conservativen ab, die schon aus wirklich aristokratischen Reinlichkeitsrückfichten von der Berührung mit der demagogischen Gemeinheit zurückscheuen. Die Regierung konnte über die antisemitischen Allüren der Conservativen hinwegsehen, so lange diese die Judenfrefferei nur als freie Kunst betrieben; sie mußte in diesem Punkte nicht heikler sein, als der wasserdichte Nationalliberalismus, der sich trotz seiner angeblich liberalen Gesinnung willig vor den Cartellkarren spannen ließ, und der in seiner maßlosen Opferfreudigkeit einmal gar die Wahl des Herrn Stöcker unterstützte. Aber in dem Augenblicke, als die conservative Partei den Antisemitismus feierlich und verbindlich als Programmpunkt proklamirt, muß für die Regierung die gemächliche Täuschung aufhören, denn es geht ja doch nicht an, daß die Vertreterin der Staatsgewalt ein offen verkündetes Princip gutheiße, welches gegen die primitivsten Forderungen des Rechtsstaates — von den Cultursorderungen gänzlich zu schweigen — heillos verstößt. Geradezu ins Lächerliche verfallen die junkerlichen Demagogen, wenn sie sich auf die Rassenhetzer auffpielen und mit den Rassenantisemiten coquettiren. Diese Herren ahnen nicht wie zahlreich die jüdischen Tropfen im blauen Blute sind, wie stark „verjudet" dem Rassenfanatiker die Adelsgeschlechter erscheinen. Ein deutscher Schriftsteller, Hans Mertens hat unlängst im „Berliner Tagblatt" einige Zusammenstellungen geboten, die wir nachstehend reproduziren, weil sie höchst instructiver Natur sind. Wir wollen uns im Allgemeinen an die deutschen Adelsgeschlechter halten und darin nicht einmal die österreichisch-ungarischen einbegreisen. Wir thun dies, nicht weil uns der Nachweis für die letztgenannten und für die übrigen europäischen Länder fehlt, sondern weil die Auszählung derselben einen allzugroßen Raum in Anspruch nehmen würde. Nur kurz sei erwähnt, daß der erste jüdische Edelmann in Italien zu finden ist. Er hieß Pierleoni und war der Sohn eines durch Papst Leo IX. getauften Juden Leo, welcher im Jahre 1116 unter den römischen Adel ausgenommen und Präfekt von Rom wurde. Bon seinen Söhnen bestieg Leo als Anaclet II. im Jahre 1180 als Gegenpapst Jnnocenz' II. den päpstlichen Stuhl, während eine Tochter, Alberia, im Jahre 1120 mit König Roger von Sizilien vermählt, jüdisches Blut auf Europas Throne verpflanzte. In Frankreich sehen wir im Jahre 1386 einen Neophyten, Simon Machault, in den Adelstand erheben. In Polen stammen aus der Verbindung König Kasimirs mit der schönen Jüdin Haster oder Esther zwei Söhne P elka und N i em ira, welche Rechte der polnischen Edelleute genossen. In Rußland wurde der in Georgien herrschende Stamm der Bagr atiden, dessen angebliche Abstammung von König David zwar berechtigten Zweifeln unterliegt, dessen jüdische Abstammung aber unzweifelhaft feststeht, zum Christenthum gezwungen. Die vier Haupt-Edlen desselben, die Fürsten Bagration, die Fürsten Davidow, die Fürsten Jmeretinski und die Fürsten Mus kr an ski brachten durch