Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 22 (27.5.1892)
- Date
- 1892-05-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 374 Orstrrrrichlschr Wochrnfchrift. Nr. 22 tischen Herzensnetgungen betonen. Sie sind ein Judengenosse, ob sie auch Herrn Kaiser in Ihrem Club hospitiren lasien und den facultativen Antisemitismus als das Alpha und Omega praktischer Staatsweisheit preisen. Sie sind ein Judengenosse, ob sie auch hundertmal Ihren Antagonismus gegenüber den Herren Plener, Hohenwart und Jaworski betonen und tausendmal mit Herm Schönerer liebäugeln! Der Ehrenmann Vergant hat Ihnen den gelben Fleck zuerkannt, und es ist Ihr bejammernswerthes Schicksal, diesen Fleck tragen zu müssen, obgleich Sie ein Cato und ein getreuer Eckart des deutschen Volkes in Oesterreich sein wollten. Es muß anerkannt werden, daß Sie bisher keinen „besser dotirien" annahmen — allerdings ist Ihnen auch vorläufig nichts angeboten worden. Und trotz alledem und alledem sind heute die politische Wetterfahne Lueger und der geschäftskundige Ehrenmann Vergani Ihre Richter und stehen in den Augen der Bevölkerung Wiens, die Sie mit der ganzen geheimen Inbrunst Ihres Herzens liebten, thurmhoch über Ihnen. Armer Dr. Steinwender! Man wandelt nicht ungestrast unter Antisemiten und man wechselt nicht ohne schwere Folgen heimliche Händedrücke mit dem Schneider und Vergani. Wenn Herr Lueger demnächst Ihren Villacher Wählern erzählen wird, um welcher persönlichen Vortheile willen Sie für die Subventionirung der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft für die Millionenaustheilung an den „Lloyd" und für die Goldwährung gestimmt haben, so erinnem Sie sich daran, daß er bei diesem Feldzuge nur Ihre eigene Methode anwendet und daß dabei der Schüler den Meister übertrumpft. Zum „Wilden Mann" nach Währing aber, das rathen wir Ihnen ehrlich, gchen Sie nicht mehr. Man wird dort an den Cato mit dem Cäsarenkopf nimmermehr glauben, man wird Ihnen die höher dotirte Stelle an den Kopf werfen, wie Sie den „Judenliberalen" einst die Ministerportefeuilles an den Kopf geworfen haben, und ein racheschnaubendes „Hepp Hepp" wird Ihnen mißtönig in den Ohren klingen.- „Alle Schuld rächt sich auf Erden". Herr Gregorrg Wer die Valuta- Aegulirimg. Der LandtagsabgeMnete und Gemeinderath Gr eg orig hat nächst der Furcht, von den Juden doch einmal rituell abgeschlachtet zu werden, nur noch einen Gedanken: ein berühmter, vielgenannter Mann zu sein. Da die Valuta-Regulirung derzeit eine vitale Frage ist, welche alle Köpfe beschäftigt, so will Herr Gregorig nicht alle Lorbeeren, die auf diesem Gebiete zu gewinnen sind, Herrn Dr. Lueger allein gönnen. Er sagt sich: wozu ist mein Kopf da, wenn er nicht auch mit Lorbeern garnirt werden soll und er berief daher vorige Woche in den großen Saal „Zum Luchsen" eine Versammlung, in welcher er feine Ansichten über die Valuta-Regulirung auseinandersetzte. Da das „Deutsche Volksblatt" systematisch daran arbeitet, den Ruhm und die Bedeutung Gregorigs zu untergraben, hat dieses Büttt von der sensationellen Rede Gregongs kein Sterbenswörtchen gebracht. Wir, denen die Gerechtigkeit gegen den Gegner eine heilige Pflicht ist, wollen Herrn Gregorig eine Genugthuung verschaffen, indem wir seine Rede veröffentlichen. Hier ist sie: (Von stürmischen Zurufen der zahlreich erschienenen Gäste begrüßt, bettat Herr Gregorig die Tribüne und begann): Hochverehrte Versammlung! Sie werdm alle wissen, wozu wir hier sind (Zwischenruf: Kellner noch ein Glas Bier), wir wollen einmal als ehrliche Oesterreicher und gute Christen uns mit der Frage der Valuta-Regulirung beschäftigen. Sie meine Herren wissen ja genau so wie ich, um was es sich handelt (Stürmischer Beifall. Mn vereinzelter Ruf: „Was ist denn dös Vatuta-Regulirung"). Man will die Goldwährung in Oesterreich einführen. Wer sind die Leute aber, welche die Goldwährung wollen? (Zwischenrufe: Die Juden) Wer soll verdienen bei der Goldwährung? (Die Juden!) Nein, meine Herren, Sie dürfen nicht immer denselben Zwischenruf ertönen lassen. Zur Abwechslung müssen sie: „Die Christen" rufen (Stürmische Zwischenrufe: Ja, die Christen sind es, die die Goldwährung brauchen). Redner fährt ein wenig ärgerlich fort: Ich werde Ihnen meine hochverehrten Anwesenden vor Allem den Beweis dafür erbringen, daß nur die Juden es sind, welche die Goldwährung wollen. Schon die Vorliebe der Juden für Namen, die mit „Gold" Zusammenhängen, beweist dies auf das Glänzendste (Rufe: „So ist es" . . . „Noch ein Bier!"), Kennen Sie die Namen: Goldstern, Goldberg, Goldenthal,- Goldoni, Goldenherz (Zwischenruf: „Das goldene Wiener Herz". Stürmisches Beifallklatschen), Goldring, Goldfein u. s. w. Wie, soll ich Ihnen eine ganze Seite aus dem Lehmann (Rufe: Auch ein Jud) herablesen? Alles was Gold ist (Zwischenrufe: Ist Jud), nein, alles was Gold ist — wollen die Juden. Also wollen sie, die Juden, ihrer Natur geinäß auch die Goldwährung. Was wir aber wollen, meine Herren, ist, (Rufe: Kellner bringend schon das Bier!) daß nicht immer das geschieht, was der Juden her-rischer Wille ist! (Bravo) Wir, ehrlichen arbeitenden Christen, wir wollen keine Baarzahlungen aufnehmen (Bravo) wir wollen das Bestehende auftecht erhalten (Bravo.) wir wollen unser nationales Heiligthum, (Bravo!) den Papiergulden behalten! (Bravo! Bravo!!) Man hat schon einmal den Versuch gemacht, in Oesterreich die Baarzahlungen aufzunehmen (Pfui! Judenwirthschaft) aber was kam? Das Jahr 1859 kam. (Rufe: „Niederträchtig." Jüdische Gemeinheit) Aber man hat sich daran keine Lehre genommen, man hat nicht geruht (die Juden) bis man wieder mit den Baarzahlungen (Rufe: „Schwindel", „Jüdische Frechheit") Ernst machen wollte. Was kam? Ja, meine Herren, was kam? (Ruf: Kellner, was kommens nicht mit dem Bier?) Es kam meine Herren (Kellner: Frisches Bier, meine Herren!) das Jahr 1866. (Rufe: „Jüdische Niederttacht". . „So ist es".) (Redner macht eine Kunstpause.) Sie sehen, meine Herren, wie verhängnißvoll für Oesterreich das Prinzip der Baarzahlungen ist, für welche die Feinde unseres Vaterlandes (die Juden) eine unauslöschbare Vorliebe haben. (Rufe: „Das gibt's net!" „Das darf nicht sein!") (Redner macht einen Schluck aus dem vor ihm sichenden Glase und fährt fort) Wo, in welchem Lande, meine Herren, hat man denn mit der Goldwährung noch Ernst gemacht? Ich werde es Ihnen sagen, denn ich weiß alles, mich kann man nicht foppen. In Italien! Dort wo die Juden und die Freimaurer dem heiligen Vater den Krieg erklärt haben. (Rufe: Niederträchtig.) Und in Portugal! (Rufe: Nor de Gall') wo, wie Sie alle wissen, alles durch und durch verjudet ist, obwohl die Juden seit ein paar hundert Jahren nicht im Lande leben dürfen (Rufe: Bravo! Hoch Portugal!) Wer will also die Goldwährung? Will sie der Bauer? Nein, der ist froh, wenn er viel Banknoten weglegen kann. (Rufe: So ist es) Will sie der Arbeiter? Nein, dem ist ein Fünfer lieber, als zwei „Kronen". Nur der Jude will sie, denn der ist golddürstig. (Rufe: Bier her.) Die Juden wollen die Goldwährung! Und die ungarische Regierung, die für die Goldwährung schwärmt, die thut das nur, weil sie ganz in den Händen der Juden ist. (Bravo.) Die ungarischen Minister, vom Grafen Szapüry angefangen, bekommen ihre Gage direct von Rothschild bezahlt (Rufe: Niederttächtig. Jüdische Arroganz.) „Ja, meine Herren, die Juden und die ungarische Regierung, das ist ein und dasselbe, die wollen die Goldwährung, weil sie dabei profitiren werden. Denn die Juden sind es, die