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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-20 · 21 (20.5.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
21 (20.5.1892)
Date
1892-05-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 21 --t ».t« «. - m« i i f a. ..t» rcpctntttt|ots jP0qttt| Seite 365 sorgungshauses im Gemeinde-Rechnungsabschluffe erscheint. Es ist dem unermüdlichen Streben des früheren Obmannes, Dr. von Kuh, sowie dem Eifer seines Nachfolgers, Gemeinderath Simon, zu danken, daß die vorhandenen Stiftungen, Ludwig Bürger, Charlotte Lerner und Theobald Ussenheimer dazu benützt werden konnten, aus dem kleinen, sanitätswidrigen Siechenhause das derzeitige großartige Alters- Bersorgungshans zu gestalten. Allerdings reichte diese Stiftung nicht aus und mußte etwa ein Drittheil der auf 140.000 fl. sich belaufenden Herstellungskosten aus dein Gemeindesäckel bestritten werden. Nun ist aber zu unser aller Genugthuung das Versorgungshaus hergestellt und durch Wohlthäter so ansehnlich dotirt, daß die Verpflegung von derzeit 60 Greisen und Matronen dem Gemeindebudget nur eine verschwindend kleine Last — 900 fl. — auferlegt. Dank sei es der unablässigen Obhut der 3. Section, daß der Verpflegsdienst in diesem Bersorgungshause ein brillanter ist. Die Verköstigung, obwohl ausgezeichnet, kommt nur aus 36 Kreuzer per Tag und Kopf zu stehen. Die Gesammtanslagen per Kopf und Tag betragen 90 Kreuzer, daher circa 24 Kreuzer mehr als im Bürgerversorgungshause der Groß-Commune, welcher Umstand der überaus sorgsamen und reichlich statthabenden Pflege der kränklichen Pfründner, dann den Extraausgaben für Fasttage, Gottesdienst u. s. w. zuzuschreiben ist. Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß der derzeitige Pflegestand von 60 Personen wohl etwa der dreifache ist, gegen früher, aber den dritten Theil desjenigen beträgt, der Angesichts des Gemeindebe>ürsniss.'s ein normaler wäre. Hoffen wir, daß sich die Mittel finden werden, diesem erwünschten Ziele näher zu kommen. Ergänzend muß noch erwähnt werden, daß der Bau des Bersorgnngshauses an seiner jetzigen Stellenurdadurch ermöglichtwurde, daß.dieBrüdervonGutmann in ihrer bekannten Mnnificenz etn neues reichlich ausgestattetes und erweitertes Mädchenwaisenhaus erbauen ließen und hiedurch den bisher dem alten Mädchenwaisenhause gewidmeten Platz in der Seegasse für das Bersorgungshaus verfügbar machten. So ist eine Wohlthat die Quelle vieler neuer Wohlthaten geworden. Nachdem über Antrag des Herrn kais. Rathes Kling er dem Herrn Baurathe Wilhelm Stiaßny, nach dessen Plänen und unter dessen umsichtiger und selbstloser Leitung der monumentale Bau des Altersversorgungshauses entstanden ist, der Dank und die Anerkennung öffentlich votirt wurde, wird die Sitzung geschloffen. Wien. Die jungczechische Parteileitung hat nachstehende Mittheilung an ihre Mitglieder versendet: „Auf Grund eines erneuerten Beschlusses wird die vertrauliche Information dahin ergänzt, daß das Executivcomits sämmtlichen Parteimitgliedern empfiehlt, sich jedweder Aeußerung zu Gunsten des Antisemitismus zu enthalten." Wien. (Der Goldrerchthum der Juden in Europa.) Worin besteht die Hauptkunst der Anlisemiten-Presse? Wir wollen die Frage einfach beantworten: Sie besteht darin, die hundertmal widerlegte Lüge zu wiederholen, indem sie auf die Leichtgläubigkeit und Urtheilslosigkeit ihrer Leser speculirt. Herr Bergani, der sein einziges journalistisches Können darin erkannt hat, den antisemitischen Mist ans aller Herren Blätter mittelst einer wohlgeschliffenen Scheere seinem eigenen Leibblatte zuzuführen, veröffentlicht neuerdings eine in deutschen antisemitischen Zeitungen colportirte Lüge über den Goldreichthum der Juden in Europa. Alles Gold ist in den Händen der Juden, jammert der arme Bergaui und fügt hinzu: „Wie soll dieser Zustand noch enden? „Trösten Sie sich Herr Bergani, Sie brauchen ja die Lügen in Ihrem Blatte nicht selber zu glauben! Sie selbst Herr Bergani. wissen es ja ganz gut, daß die Inden nicht nur nicht alles Gold, sondern z. B. viel weniger davon besitzen als die—„tobte Hand" allein ihr Eigenthum nennt... Und außer dieser soll es auch noch ein paar Christen geben, die allein mehr Geld haben als Millionen Inden — zusammen. Also beruhigen Sie sich Herr Bergani. Glauben Sie — Ihrem Lttgenblatte nicht und Sie können aufathmen. Wien. (Rothschild, Ravachol und Comp.) Nun ja, es ist nicht anders möglich, der Antisemitismus kann nirgends, in keinem Lande mit anderen Waffen als denen der frechen Lüge und der bodenlosesten Albernheit kämpfen. Auch in dem „geistreichen" Frankreich nicht. In Paris ist der Marquis More's eine der Stützen des Antisemitismus. Nun sehe man, wie der antisemitische Herr Marquis vor der großartigen Dummheit nicht zurückschreckt, eine Broschüre unter dem Titel „Rothschild, Ravachol und Comp." zu veröffentlichen, in welcher er allen Ernstes den Beweis zu erbringen trachtet, daß die Hauptagenten der Inden unter anderen auch — die Anarchisten seien. Ja wohl, Rothschild und Ravachol sind gute Freunde, Brudergenossen. Alliirte, im gemeinsamen Kampfe für — die Juden! Der Anarchist, der im fanatischen Menschenhaß sinnlos das Zerstörungswerk betreibt, welcher Schrecken und Verderben verbreitet ohne erst zu fragen, wem das Unheil treffen wird, der ist ein Bundesgenosse des Crösus! Dummheit ist schon recht, namentlich für einen Antisemiten, aber wir glauben fast, der Herr Marquis macht ein wenig Mißbrauch davon. Wie». (Die Arbeiter und die — „jüdischen" Fabrikante n.> Der „Warschawski Diewnik" berichtete über Unruhen und Tumulte, die in Lodz seitens der Arbeiter rnscenirt wurden, welche unzufrieden mit den Löhnen, gegen die Fabrikanten sich anflehnten und die Arbeit eingestellt hatten. Schließlich kam es dazu, daß die Arbeitslosen, um etwas Beschäftigung zu haben, Barrikaden errichteten, Läden plünderten, auf die Offiziere Steine warfen u. s. w. Nur mit Mühe konnte der Aufstand, nachdem mehr als tausend Arbeit er verhaftet wurden, durch militärische Intervention unterdrückt werden. Das „Deutsche Volksblatt", welches sich keine Gelegenheit entschlüpfen läßt, um eine Lüge nnterzubringen, weiß mit dieser Geschichte nichts anderes anznsangen, als das zu behaupten, die Arbeiter hätten sich gegen die „jüdischen" Fabrikanten gewendet! Das biedere Blatt weiß nun zwar sehr gut, daß das eine l ü gneris che B eh auptung äst, es weiß sehr gut. daß die Arbeiter bei ihren Forderungen keine Rücksicht auf die Consession des Arbeitsgebers nehmen, aber — gelogen muß w erden. Das bleibt dem „Deutschen Bolksblatte" die Hauptsache unter allen Umständen. Wien. In der letzten Nummer der „Unverfälschten Deutschen Worte" vom 15. Mai 1892 giebt Herr Georg Schönerer bekannt: „Wir werden noch einige Zeit (wahrscheinlich bis Ende Juli) warten, das Materiale sichten und dann veröffentlichen, tvie es Ehren-Bergani mit der Bezahlung von Ehrenschulden hält; auch der betreffende Briefwechsel soll dann kein Geheimnis bleiben. — Wenn das „Bolksblatt" am 25. 2lpril d. I. sich dagegen wehrt, daß Schönerer in der Versammlung auf der Wieden von einer „Berlotterurig unter den Antisemiten" gesprochen habe und diese Verlotterung als Lüge begeifert, so haben wir ja schon bisher zur Genüge, beinahe in jeder Nummer durch Anführung bestimmter Be ispiele n achgewiesen. daß diese Verlotterung hauptsächlich ihren Sitz im „Deutschen Bolksblatt" ausgeschlagen hat. — Bergani's Grundsatz war bis jetzt: „Nicht zahlen und die Gläubiger beschimpfen!" — Das ist Polonski's Eigenart!" Wien. (Judenriecherei.) Das „Vaterland" kann keinen Juden schmecken. Herr Greg orig, das erleuchtete Mitglied so vieler Vertretungskörper auch nicht. Gut, das ist Geschmackssache. Uns geht zwar die Sache nicht an — aber wie kommen ehrliche, von arischen Christen geborene Christen dazu von Antisemiten als Juden verhöhnt zu werden? Herr Gregorig überschüttet den Verfasser der „Bolkshymne", mit der die Musik- und Theaterausstellung eröffnet werden sollte, mit seinem Geifer, weil dieser ein „Jude" ist. Das „Vaterland" gibt diesem Geiser Platz in seinen geschätzten Spalten und verhöhnt erst recht diesen „Juden." Und wer ist dieser „Jude?" Er ist erstens ein katholischer Christ, zweitens ein Arier, drittens der Sohn eines Sectionschefs, viertens soll er sogar ein wenig selber Antisemit sein, fünftens, und das ist das Schönste an der Sache, ist der besagte Herr Niemand anderer als der Musikreserent des „Vaterland" selbst, Herr Albert Ritter v. Hermann! Und das alles schützt nicht gegen den antisemitischen Eifer des Hern: Gregorig und des frommen „Vaterland"? Wie soll das enden, wird da bangen Gemüthes mancher Christ — mit Bergani ausrufen. Wien. Dienstag, den 17. d. M. Hielt der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" seine diesjährige Generalversammlung. Hosrath Pros. Nothnagel hielt eine herrliche Rede gegen die Gistblasen des gemeinen Neides und der niedrigsten Mißgunst und seine Worte verdienen von jedem Menschenfreunde beherzigt zu werden.

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