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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-20 · 21 (20.5.1892) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
21 (20.5.1892)
Date
1892-05-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ras» Nr 21 Vrstrrrrichischr Wochrnschrist. Sette 361 kurz zurückgewiesen worden, wird sich jetzt die Thierschutz-Gesellschaft an den Poüzeipräfecten wenden . . . Arme verfolgte Hasen, Hirsche, Rehe und Rebhühner! um euch kümmert sich die Pariser Thierschutz-Gesellschaft nicht, ihre ganze Liebe widmet sie dem Rindvieh. Aber auch nicht allen Ochsen und Stieren. Stierkämpfe, bei denen die Stiere durch in ihre Nacken gestoßene Widerhaken gereizt werden, bis sie den Pferden d r Toreadors ihre Hörner in den Leib stoßen, so daß diese mit herausfallenden Eingeweide» durch die Arena galoppiren, scheint sie nicht für im „Widerstreit mit den Grundsätzen der Menschlichkeit und Moral stehend" zu halten. Sonst hätte sie sich um die Stierkämpfe in Tunis cBcnfo gekümmert wie um die jüdischen Schlachthäuser. Es ist ja jetzt Mode geworden, die Völker Afrikas mit europäischer Civilisation zu beglücken, und Frankreich hat diese Aufgabe in Tunis übernommen. So wurde denn auch dort, um die rohen Semiten mit der europäischen Thierfreundlichkeit bekannt zu mache', im April dieses Jahres von einem Herrn Pauly, welcher schon 1889 in Paris Stierkämpfe veranstaltet hatte, den Tunesiern ein solches veredelndes Schauspiel geboten. Wahrscheinlich wird man auch in Paris „über diesen von der Humanität errungenen Sieg unter der Fahne Frankreichs lebhafte Freude empfinden." Leider war es, vielleicht aus Rücksicht auf die grausamen Semiten, noch verboten, die Pferde und Stiere zu tödten und man mußte sich nrit dem bloßen Quälen begnügen. „Der Unternehmer hofft indessen", schließt der Bericht aus Tunis, „noch in diesem Sommer von der Regierung die Erlaubnis zu erhalten, diese Kämpfe hier in echt spanischer Weise vorzuführen, und will sich dann wilde Stiere aus Spanien selbst dazu kommen lassen." Ob der Pariser Thier schutzverein dagegen petitioniren wird, wissen wir nicht; aber vielleicht petitioniren die Stiere, daß man ihnen lieber nach dem „orientalischen Schächtverfahren" das Leben nehmen soll. Die Jagd wird man wohl trotz aller Humanitäts- und Moralphrasen nie abschaffen, aber könnte man sie nicht ein wenig schonender machen? Der jüdische Schächter muß sich doch über eine gewisse Fachkenntniß ausweisen, das Wild kann aber von den ungeschicktesten Sonntagsjägern nach Belieben gequält werden. Wie wäre es, wenn man da eine Art Befähigungsnachweis einführen möchte? M. L. Die socialen Probleme in Israel und ihre Bedeutung für dir religiöse Entwicklung des Volkes. Bon W. Nowak. Rede beim Antritt des Rectorates am 30. April 1892 in der Aula der Kaiser Wilhelms-Universität zu Straßburg gehalten.. i. Hochansehnliche Versammlung! Nicht ohne Bedenken folge ich der alten Sitte, daß der neu eintretende Rector das Thema seiner Antrittsrede aus seinem besonderen Arbeitsgebiet wählt, denn weder können die alttestamentlichen'Studien heute auf allgemeines Interesse rechnen, noch ist es leicht, in einer kurzen Spanne Zeit und ohne jede Bezugnahme auf die philologische Seite einen Einblick in die meist recht verwickelten Probleme zu geben, welche gegenwärtig die alttestamentlichen Forscher beschäftigen. Wenn ich es dennoch wage, für kurze Zeit ihre Aufmerksamkeit auf die socialen Probleme in Israel und deren Bedeutung für die religiöse Entwicklung dieses Volkes zu lenken, so geschieht das in der Ueberzeugung, daß einerseits ein derartiger Gegenstand heute der Theilnahme aller Gebildeten sicher ist, daß derselbe aber auch andererseits einer wissenschaftlichen Behandlung umsomehr bedarf, als theologische wie nichttheologische Dilettanten im letzten Jahrzehnt sich diesem Gegenstände zugewandt, und auf Grund einer unhistorischen Betrachtung altwie neutestamentlicher Schriften nicht geringe Verwirrung angerichtet haben. Freilich kann es sich hier nur um ein in großen Zügen zu entwerfendes Bild handeln, für das ich ihre nachsichtige Aufmerksamkeit erbitte. I Die alten Zeiten Israels boten wenig Anlaß zu socialen z Conflicten. Zwar fehlen uns primäre Quellen über die Landvertheilung an die einzelnen Geschlechter und Familie^ aber es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß jeder Stcmnn das von ihm eroberte Land unter die Zahl seiner waffenfähigen Männer vertheilte, besaß doch Israel in jener alten Zeit weder einen eigentlichen Priesternoch Kriegeradel. Je nach der Beschaffenheit des Land-s setzten die Israeliten auch in der neuen Heimat die Viehzucht fort oder wendeten sich dem Ackerbau zu, worin die Kanaaniter ihre Lehrmeister wurden. Letzterer war die bei weitem verbreitetste Beschäftigung, der Hoch wie Niedrig sich Hingaben. Der zum König bestimmte Saul kommt mit seinem Ochsengespann vom Felde her, als die Boten des belagerten Jabesch hilfeflehend in seiner Vaterstadt anlangten, 1 Sam. 11,5, und auch nach seiner Thronbesteigung blieb Saul auf seinem Hof in Gibea; der berühmte Feldhauptmann des David, Joab, beschäftigte sich, wenn er nicht zu Felde lag, mit dem Ackerbau, 2 Sam. 14,30, und der offenbar aus sehr wohlhabenden Verhältnissen stammende Elisa wird hinter den Rindern weg zumNachfolger des Elias berufen, 1 Reg. 19,19. Von nennenswerthem Handel war in der alten Zeit keine Rede, von der Meeresküste abgeschnitten, hätten die Israeliten höchstens am Karawanenhandel sich betheiligen können, was aber während der Richterzeit schon um deswillen unmöglich war, weil die Karawanenstraßen durch die Städte der Kanaaniter gingen, mit denen sie fortdauernd um ihre Existenz zu kämpfen hatten, und auch noch während der erstn Jahrzehnte der Königsherrschaft, so lange das Reich noch nicht fest consolidirt war, konnte von derartigen Unternehmungen keine Rede sein. So völlig auf sich selbst gestellt und allein auf den Ertrag ihrer Scholle angewiesen, erhielt sich während des Jahrhunderte langen Kampfes um die nationale Selbstständigkeit die Einfachheit der väterlichen Sitte und damit auch im wesentlichen die sociale Einheit des Volkes. Das wird erst anders mit der Königszeit, als Israel, das bis dahin oft unterdrückte und nicht selten den Verzweiflungskampf um süne Existenz führende Volk zu einer nicht unbedeutenden Machtstellung in Vorder-Asien kam. Die Quellen über diese alte Königszeit, welche uns einen Einblick in die socialen Zustände Israels gewähren, stießen freilich außerordentlich spärlich, immerhin reicht das sogenannte Bundesbuch Ex. 20, 23—c. 33 aus, um die Anfänge des Bildes zu erkennen, welches die Propheten uns mit lebhafteren Farben und in kräftigerm Zügen zeichnen. Es tritt uns in einzelnen Kreisen des Volkes ein Schwinden des Besitzes und der socialen Selbstständigkeit entgegen, es macht sich eine unnatürliche Härte des Gläubigers dem Schuldner gegenüber geltend, Uebelstände, welche das Gesetzbuch zu beseitigen oder doch zu mildern sucht. Sehen wir von der Warnung vor der Rechtsunterdrückung bezw. von der Parteinahme zu Gunsten des Mächtigen (33, 21 ff. 33, 3.6) ab, so treten uns namentlich vier Forderungen, welche zu Gunsten der Armen geltend gemacht werden, entgegen: 1. Das Verbot des Wuchers dem Volksgenoffen gegenüber, wobei allerdings fraglich ist, ob nach dem ursprünglichen Text des Bundesbuches Wucher und Zinsnahme identische Begriffe sind (22,24); 2. Will der Gläubiger sich auch ein Pfand sichern, so darf er doch jedenfalls das Obergewand des Schuldners nicht während der Nacht behalten, sondem muß es vor Abend zurückgeben, weil es vom Armen zugleich als Decke benützt wurde, in die er sich zum Schutze gegen die Kälte der Nacht einzuhüllen suchte (33,35); 3. Jeder Israelit, welcher die Schuld nicht anders hatte abtragen können, als dadurch, daß er sich dem Gläubiger, unter Umständen mü Weib und Kind, verkaufte, sollte im siebenten Jahr mit den Seinen ohne jedes Lösegeld ftei ausgehen (31,3 ff.); 4. Endlich fordert das Gesetz ein Brachliegen der Aecker, Weinberge und Oelgärten im siebenten Jahr zu Gunsten der Armen, welche essen sollen, was Feld und Weinberg von selbst in diesem Jahre geben. Man hat diese Fordemng mit der des *

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