Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 20 (13.5.1892)
- Date
- 1892-05-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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f Seite 354 Orperrrichischr Wochenschrift. Nr. 20 noch einigen jungen Mannen,, unter welchen einer sichtbar die Maskerade des polnischen Juden machte, und von allen Bonnen und Stubenmädchen des ganzen Hauses, und als sie den Kops des Mädchens erblickten, brachen sie Alle. Alle in eine^helle Lache aus: „Da ist sie ja, die Jüdin?" und alle Fenster der Hvfwohnungen öffneten sich und Hunderte Gesichter grinsten sie höhnisch an. Die Schande verwirrte den Verstand des armen Mädchens, sie beugte sich noch weiter vor und ließ sich fallen. Ein Schrei und auf dem Pflaster des Hofes lag sie als Leiche. In den Localnachrichten der Blätter war am folgenden Tage zu lesen, daß eine Arbeiterin durch eigene Unvorsichtigkeit aus ihrem Fenster im vierten Stocke hinabgestürzt sei und sofort den Tod gefunden habe. Wer konnte aus diesen Zeilen ahnen, daß ein böswilliger Streich deutsch-nationaler Studenten diesen Tod veranlaßt hatte. Literatur. Es dürste mancher Jude im Stillen schon die Frage gestellt haben, warum die Lehrbücher für den jüdischen Religionsunterricht in den Volksschulen nicht gerade so wie die christlichen eingerichtet seien, wodurch ja die Gleichheiten und Unterschiede beider Religionen am prägnantesten hervortreten würden? Nun ist mit einem solchen jüdischen Religionsbuche unter dem Namen Lekach-tob in der That schon am Ende des 16. Jahrhunderts in Italien der Versuch gemacht worden. Der Verfasser Abraham Jagel lehnte sich, obwohl auf streng jüdischem Standpunkte fußend, ganz an die katholischen Katechismen an. Eine jüngst vom Rabbiner Dr. Siegmund Maybaum in Berlin erschienene Schrist: „Abraham Jagels Katechismus J/ekach-tob, ein Beitrag zur Geschichte des jüdischen Religionsunterrichts", führt die Vergleichung des Lekach-tob mit dem katholischen Katechismus in allen Stücken glänzend durch und erklärt auch, warum dieses Buch trotz seiner Bortrefflichkeit und Feinheit und ungeachtet der vielen Auflagen, die es erlebte, doch niemals zum Unterrichte der Jugend benützt wurde. Wir verweisen alle diejenigen, die sich die Eingangs erwähnte Frage füllten auf diese Dr. M a y b a u m'sche Schrift; sie werden darin die Antwort finden. Die M a y b a u m'sche Schrift zeigt aber auch, daß selbst im Mittelalter und zwar auf rein religiösem Gebiete zwischen Christenthum und Judenthum sehr innige und rege Wechselbeziehungen stattfanden. Gebet- und Religionsbuch für die reist re Jugend. Herausgegeben von Dr. Theodor Krouer, Direktor der Blldnugsanstalt für jüdische Lehrer zu Hannover. Hannover- Linden. Verlag von Many & Lange. 1892. Wir Juden stehen in der Methode des Religions-Unterrichts auf dem Boden der allgemeinen Unterrichts- und Erziehungslehre, nach welcher die Katechese als ein „hineintrichterndes Herauspumpen" wie es Pestalozzi nennt, zu verwerfen ist und es sind auch alle die katechetischen Lehrbücher für den jüdischen Religionsunterricht,- welche jüdische Religionslehrer in gedankenloser Nachäffung christlicher Muster in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts verfaßt haben, schon nach kurzer Zett in Vergessenheit gerathen. Den, eigentticheu Lehrstoff für die jüdische Religion bilden nach wie vor die Bibel und das Gebetbuch. Der Religionsunterricht im modernen Sinne muß sich an diese anschließen. Daß hiezu gar kein besonderes Religionsbuch nothwendig ist, zeigt uns die hier angezeigte, neueste literarische Erscheinung. Es rst dies ein vollständiges Gebetbuch, worin nichts, nicht einmal das Jekum-Parkin, aliminirt ist, der alte Sidur, wie er in der orthodoxesten Familie, in dem orthodoxesten Bethause gebraucht werden kann, mtt einer dem Texte gegenüberstehenden, fast wörtlichen Uebersetzung, bei jedem einzelnen Gebete die Angabe der Quelle desselben, seinen Gebrauch im Gottesdienste, und eine Beleuchtung der Gebetordnung. Bei jedem Gebete sind die Religiouslehren angegeben, auf die es sich aufbaut, in Verbindung mtt Belegstellen aus der heiligen Schrift, sowie Anwendung derselben auf die Beffpiele der Geschichte. Auf diese Weise ist dieses Gebetbuch ein wahres Volksbuch unserer Religionsgemeinschaft, das jedem Vater und jeder Mutter möglich macht, ihren Kmdern selbst Unterricht int Verständniß der Gebete und in den Lehren und Geboten unserer Tora zu ertheilen, das jedem Lehrer Stoff geben kann, das Gebetübersetzen zum Hebel der Charakterbildung und der Herzensveredlung zu machen, und das den Schülern die Gebete tief ins Herz einzupflanzen geeignet ist — mit einem Worte ein Betbuch fiir Schule, Haus und Gotteshaus, wie wtt kein zwettes mit dieser weitumfassenden Aufgabe besitzen. Im Jrttereffe der Erstarkung unseres Glaubens wäre es zu wünschen, daß dieses Gebetbuch die weiteste Verbreitung finde und sich überall einbürgere,. ein Hausschatz werde in jeder Familie, wie ehemals der Korban Mincba-8idur, in jedem Pult in der Synagoge sich vorfinde als lieber Freund der Beter, und unsere Jugend in die Schule begleite als der tteue Führer zu Gott und seiner Lehre. Wochenkalender. Wachen- Mai 1892 Jj« 5852 Kalender Freitag 13 16 Samstag Sonntag 14 15 17 18 •wsr? Montag 16 19 Dienstag 17 20 Mittwoch 18 21 Donnerstag 19 22 Freitag 20 23 Ein Polizzen-Resultat in England. Beispiel N. 44 (keine Tontine) Polizze N. 245, ausgestellt: 1843 für William C. Pickersgill in Bexley (Grafschaft Kent) auf Doll. 5000. Ausbezahlt: 1892 mit JDoll. 13, ©1'7. Demnach erhöhte sich die Versicherungssumme um Doll. 8917 oder mehr als 278 Percent und wurde ausserdem durch 49 Jahre, gegen eine Gesammt- Prämienleistung von Doll. 4623, volle und steigende Versicherung für den Todesfall gewährt. Keine Ganztontine — deren Resultate gegenwärtig von anderen amerik. Gesellschaften veröffentlich werden — und daher der Verlust sämmtlicher Prämien im NichtzahlungsfaUe ausgeschlossen. „The Mutual“ die grösste u. reichste Versicherungs-Gesellschaft der Welt. Garantiefonds 39874 Millionen Gulden General-Direction für Oesterreich: Wien, I.. Lobkowitzplatz 1. Püblicationen der israelitischen Cnltnsgemeinde. Milde Stiftung des Herrn Michael Cohen da Silva. Der Vorstand der Wiener israel. Cultusgemeinde bringt hiemit zur Kenntniss, dass aus den Zinsen der oben genannten Stiftung für israel. Handwerker zu ihrer Etablirnng in Niederösterreich ein Stiitplatz ä fl. 400 pro 1892 zu verleihen kommt. Die Bewerber haben ihre mit dem Geburtsscheine, dem Moralitätszeugnisse, dem Heimatsscheine und dem Nachweise über verbrachte Lehr- und Gesellenzeit (Wanderjahre) und der entsprochenen Wehrpflicht versehenen Gesuche bis 31. Hai 1892 in der Kanzlei der Cultusgemeinde (I. Seitenstettengasse 4, 2. Stock) einzureichen. Wien, 1. Mai 1892. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde. Gesuchsblanquette sind im Secretariate I., Seitenstettengasse Nr. 4, 2. Stock, während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu beheben. Benedict Karplus’sche Gewerbeschul-Stipendien- Am 20. Juli )892 gelangen zwei Benedict Karplus’sche Stipendien per je fl. 25 an zwei junge Leute mosaischer Confession, welche mit Vorzugsclasseu die Gewerbeschule besuchten, zur Verleihung. * Die Bewerber haben ihre Gesuche mit dem Nachweise, dass sie mosaischer Religion und mittellos sind, ferner dass sie die Gewerbeschule mit vorzüglichem Erfolge besucht haben, bis längstens 31. Hai 1892 in der. Kanzlei der israel. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, einzubringen. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums stebt, event. in welchem Betrage. Gesuchsblanquette sind im Secretariate während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu beheben. Wien, am 1. Mai 1892. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde»