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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-13 · 20 (13.5.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
20 (13.5.1892)
Date
1892-05-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Settr 348 Vrstrrrrlchischr Wochrnfchrtfl. Nr. 20 des Bittstellers jenen von Arnstein und EÄeles gleich und befürwortete das Gesuch. Die Hofkammer (jetzt Finanzministerium) -würdigte wohl die Verdienste Herz's, meinte jedoch, daß jene von Eskeles, der das Vorrecht Grundbesitz zu erwerben besaß, größer waren und behielt sich vor, die vorliegende Bitte bei weiteren Verdiensten zu befürworten. Die Hofkanzlei (jetzt Ministerium des Innern) sprach sich aus das entschiedenste für die Gewährung der Bitte aus, bemerkend, daß es nur vom Kaiser abhänge eine Ausnahme von den bestehenden Gesetzen zu machen, und dürfte diese Ausnahme nicht nur nicht schädlich sondern nützlich sein, weil dadurch die jüdischen Religionsgenossen nach und nach von den Vorurtheilen ihrer Secte befreit und dem Staat nützlicher werden können. Sie glaubte ferner, daß die angeführten Verdienste von der Art seien, um auszeichnend belohnt zu werden. Die Angelegenheit kam hierauf in den Staatsrath, der sich einstimmig dem Votum der Hofkanzlei anschloß. Der Kaiser jedoch rescribirte (Baden 6. Juni 1810) eigenhändig: „Dieses Gesuch findet aE gesetzwidrig nicht statt". Es liegt uns ferm hier Glossen zu dem Mitgetheilten zu machen. Wir möchten jedoch einen Punkt hervorheben. Wie nian weiß, wird dem hochverdienten Samuel Oppenheimer angedichtet, daß er das ehemalige israelitische Spital, an dessen Stelle sich jetzt das Altersversorgungshaus befindet, gegründet hätte, und bis aus den heutigen Tag wird ihm dieses Verdienst in den Gotteshäusern der Gemeinde bei Gelegenheit des „Seelengedächtnifies" nachzerühmt. Wir haben jedoch in unserer Geschichte der Juden in Wien S. 92 und Beilage XXXVI, S. 272 den Beweis geführt, daß der Begräbnißplatz Oppenheimer, hingegen das Spital der Judenschaft gehörte. Nun rühmt sich aber Herz in dem mitgetheilten Gesuche Punkt 6, daß er das jüdische Spital errichtet hätte. (Selbstverständlich handelt es sich da nicht um das ursprüngliche Spital, das blos aus 2 Zimmern bestand, sondern um das später erbaute Spital.) Diese Angabe entspricht jedoch nicht der Thalsache. Wie nämlich Wölfler in der Schrift „das alte und neue'Wiener Jsraelitenspital" S. 11, berichtet, borgte Herz znr Erbauung des Spitals fl. 13.000 gegen 5% Interessen. Im Jahre 1801 nahm er als Ratenzahlung fl. 6400 in 4^ Sraatspapieren an. Ueberdies aber hatte er seit 1798 auf die Berichtigung der bedungenen Zinsen nicht gedrungen. Im Laufe der Zeit wurden weitere Rückzahlungen geleistet und blieben dann noch fl. 4000 sammt den verfallenen Zinsen. Herz hat also Geld hergeliehen, aber das Spital erbaut (der Voranschlag betrug fl. 30 000) hat er nicht. Zum Schlüße sei mir noch gestattet folgende Anekdote mitzutheilen, die mir durch einen hochgeachteten Freund und Gönner zur Kenntniß kamen, welcher nicht nur zu den hervorragendsten Männem der hiesigen israelitischen Gemeinde gehört, sondern auch im socialen Leben eine Stelle unter den übelsten Zehntausend einnimmt, welcher zugleich großes Interesse für Juden und Judenthum und insbesondere für die Geschichte der Juden in Wien hat. Wie wir aus dem Vorhergehenden wissen, war der älteste Sohn Herz's Kaufmann und ein anderer Hauptmann. Jener halte einmal ein Duell zu bestehen und der jüngere war leichtlebig und b°r Vater mußte oft dessen Wechsel bezahlen. Da bemerkte derselbe: Es geht mir eigeythümlich, ich habe zwei Söhne. Der Eine soll schreiben (als Kaufmann) und er schießt, und der Andere (als Hauptmann) soll schießen und er schreibt. Die Söhne fielen später vom Glauben der Väter ab. Der ältere, Leopold, sprach vor seinem Tode den Wunsch aus auf dem Währinger Friedhofe begraben zu werden. (Wie bekannt ist aus diesem Friedhofe die jüdische Abtheilung von der christlichen durch eine Mauer getrennt.) Er wollte an der Mauer begraben werden und sollte der Kopf oben an der Mauer gebettet werden, um in der Nähe seiner ehemaligen Glaubensgenossen zu sein *J. *) Zur Sache selbst mag noch bemerkt, daß unter Josef II., wie wir den Akten des Staatsrathes entnehmen, der Hofkanzlei das Recht zustand, Inden Grundbesitz zu gestatten, Häuser außerhalb des General-Versammlung der „Vesterreichisch-Ifraelitischen Union". Unter zahlreicher Betheiligung seitens seiner Mitglieder, hielt dieser Verein Dienstag den 26. April d. I. im Restaurant Khuner seine VI. ordentliche Generalversammlung ab. Der Präsident, Cnltnsoorstcher Dr. Josef Grünfeld eröffnete die Versammlung und widmet zunächst den mit Tode abgegangenen Mitgliedern eine pietätsoolle Erinnnerung. Die Versammlung ehrte das Andenken an die Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Hieraus verlas Secretär F u ch s folgenden Rechenschaftsbericht: Geehrte Versammlung! Der Vorstand Ihres Vereines beehrt sich, Ihnen über die im abgelaustnen Vereinsjahre entwickelte Thätigkeit Bericht zu erstatten. Die Verschiedenartigkeit der Aufgaben und Zwecke unsers Vereines bringt es mit sich, daß auch das Bild der Thätigkeit desselben in den einzelnen Zeitabschnitten entsprechend den austretenden Erfordernissen variirt und sich bald auf das eine, bald auf das andere Gebiet concentrirt. Die Wahlen in die öffentlichen Vertretungskörper sind in einer siir die liberale Sache erfolgreichen Weise vollzogen worden, und gereicht cs uns zur besonderen Befriedigung, daß unsere hiebei entwickelte Thätigkeit allerseits und von maßgebender Stelle volle Anerkennung gefunden hat. Wir konnten nunmehr jenen Punkten der Statuten gerecht werden, welche der Pflege jüdischer Wissenschaft gewidmet sind und die Uebung des Sinnes für die Angelegenheiten des Judenthums bezwecken. Unsere Hauptthätigkeit entfalteten wir demnach im abgelaufeuen Vereinsjahre durch die periodische Einberufung von Versammlungen, welche sich eines sehr zahlreichen Besuches erfreuten- Durch einen Cyclus von Vorträgen, gehalten voll hervorragenden Vertretern jüdischer Wissenschaft haben wir der uns gestellten Aufgabe bezüglich der Hebung jüdischen Geistes, sowie der Förderung jüdischer Institutionen in geeigneter Weise Rechnung getragen. Eine Reihe von Abenden, eingeleitet von hervorragenden Mitgliedern öffentlicher Bertretungskörper haben wir der Besprechung allgemeiner actueller Angelegenheiten gewidmet, und hiedurch den Mitgliedern unseres Vereines Gelegenheit gegeben, sich über alle, ihre vitalsten Interessen berührenden, und das öffentliche Leben beherrschenden Fragen Klarheit zu verschaffen und aussprecheu zu können. Als besonders erfreulich muß es bezeichnet werden, daß Männer von hohem Anseheit ulld bedeutender socialer Stellung in unserem Vereine Vorträge hielten, und ist dies als ein glänzender Beweis für die regen Sympathien, welcher sich unser Verein erfieut, anzusehen. In allen Versammlungen fanden nicht allein lebhafte sachliche Discussionen statt, es wurden auch Anträge und Jnte.pellationen, Anregungen zu zweckmäßigen, mitunter erfolgreichen Maßnahmen im Interesse unseres Vereines gegeben. So haben wir in einer ain!\ Mai v. I. abgehaltenen Bereins- Bersammlung gegen die Scenen rohester Leidenschaften in den öffentlichen Vertretungskörpern, gegen die in denselben erhobenen gehässigen Angriffe auf das Judepthum in einer Resolution energisch Stellung genommen, und diese Resolution auf deputativem Wege dem Präsidium des Abgeordnetenhauses zur Kenntnis gebracht. In der abgelaufenen Vereinssession hielt die Vereinsleitung 11 Versammlungen ab, in welchen die Herren Ob.-Rabb. Dr. Güdemann, Dr. Sonnenschein aus St. Louis, Gemeinderath Dr. Friedjung, Th. Devids, Hof- und Ger.-Adv. Dr. Sigism. Feßler, Gemeinderath Frauenberger, Cultusvorsteher Dr. Max Steiner, Mag.-Rath Dr. F. Kronawetter, Gem.-Rath Dr. Alfred Stern, Hof- und Ger.-Adv. Dr M. Frankl, Dr. Feuchtwang, Rabb. Dr. S. Wolfsohn aus Lomnitz und Direktor Heller Vorträge hielten. Es sei hiemit allen diesen Herren für die liebenswürdige Bereitwilligkeit, mit welcher selbe unserer Einladung Folge geleistet haben, an dieser Stelle unser wärmster Dank gesagt. Einer Anregung folgend, hat der Vorstand Ihres Vereines die Abhaltung von Vorträgen im II. und VI. Bezirke veranstaltet, und wird derselbe, angespornt durch den erzielten Erfolg auch fernerhin darauf bedacht sein, derartige Vortragsabende in den einzelnen Bezirken zu insceniren. Mit stolzer Befriedigung constatiren wir ferner die Erreichung eines der ersten Ziele, welche sich die Gründer der Oe. I. ll. bei Schaffung der Statuten vor Augen gehalten haben. Es ist dies die bevorstehende Errichtung eines Seminars für jüdische Wissenschaften zur Heranbildung von Rabbinern und Religions- Ghettos zu kaufen. Es rvaren jedoch öfters dabei besondere Bedingungen gestellt So durfte ein Fabrikant Taussig in Prag 1787 ein Haus in der Christenstadl kaufen und in demselben fein Magazin haben. Es durften jedoch nur Christen in demselben wohnen. Als derselbe 1811 starb, zu einer Zeit, wo Grundbesitz den Juden nicht gestattet war, ging das Recht aus seine Erben unter denselben Bedingungen über. * i

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