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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-13 · 20 (13.5.1892) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
20 (13.5.1892)
Date
1892-05-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 20 Drstrrreichische WochrnschrW. Seite 345 herigen Inhabers des bischöflichen Stuhls in Salford-Manchester, zum Erzbischof von Westminster, dem höchsten geistlichen Amte, welches das Papstthum in England zu verleihen hat, bestätigt. In seiner bisherigen Wirksamkeit hat Dr. Vaughan wiederholt Gelegenheit genommen, seinen Sympathien für .Juden und Judenthum unverhohlen Allsdruck 311 verleihen, und es war daher sicherlich angebracht, daß ihm auch von jüdischer Seite bei Antritt seines neuen,' höheren Amtes Glückwünsche und Worte des Dankes entboten wurden. Herr Dr. B. Salonl on, Rabbiner der Gemeinde zu Manchester, welcher das humane Wirken des Salforder Bischofs aus nächster Nähe beobachtet und die Früchte seiner Liebessaat in seiner Umgebung erblühen sah, hat den Empfindllngen der gesammten englischen Judcnheit Ausdruck gegeben, indem er das nachstehende Schreiben an den Herrn Erzbischof richtete: An den hochwürdigen Herrn Herbert Vaughan, den neuerwählten Erzbischof von Westminster. Eure Eminenz! In einem Augenblicke von iveit tragender Bedeutung für Tausende Ihrer Glaubensgenossen, welche Sie als treuer Hirte in unermüdlicher Thätigkeit und aufopfernder Hingebung mit dein Stabe aufrichtiger und frommer Rathschläge geleitet haben, in der feierlichen Stunde des Abschieds, da Sie den Ort zu verlosten im Begriffe stehen, >vo Ihr Name so verehrt wurde, um in höherer Sphäre Ihr verdienstreiches Wirken fortzusetzen, ringsumLiebe zuGvtt und zu den Menschen jedweder Glaubensgemeinschaft einzuflößen, werden die guten Wünsche eines Geistlichen der jüdischen Gemeinde, welcher der Sprecher von Tausenden seiner Brüder ist, Eurer Eminenz nicht unwillkommen sein. Ich kann Ew. Eminenz versichern, daß die Erinnerung an den Geist des Friedens und der Eintracht, von welchem Ihr Verhalten zur jüdischen Gemeiilde in Manchester stets eingegeben ward und welcher uns mit Hochachtung und Ehrerbietung zu Ihnen aufblicken ließ, nie aus unserem Gedächtnis; schwinden wird. So oft irgend ein gegen unsere verfolgten Brüder gerichteter Fall von Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit die Fürsprache und Bertheidignng der großen Männer unseres freien Landes herausforderte, waren Sie stets bereit. Ihre mächtige Stimme anzureihen dem Gesuche um Recht und Gerechtigkeit, um Besserung der Lage und bessere Würdigung derjenigen, welche der Menschheit Wahrheit und Liebe gebracht haben. Weit entfernt, zu glaube», daß wir ein Anrecht Hütten, die großen geistigen Gaben der Offenbarung zu monvpolisiren, als ob die Juden allein auserkoren seien, die einzigen Träger wahrer und echter Religion zu sein, begrüßen wir mit Freude und Dankbarkeit Jeden, der die Gedanken der wahren Religion, welche die Verbrüderung der Menschheit zeitigt, verbreitet, ob dies in dem engen Kreis der Synagoge oder in dem weiteren Bereich der Kirche geschieht. Alle Juden schulden den Zoll der Dankbarkeit den hervorragenden Männern, welche zur Erfüllung der prophetischen Worte beitragen, „die Erde wird voll sein von der Erkenntnis Gottes wie die Wasser die See bedecken." Unter diesen erhabenen Männern strahlt Eure Eminenz glänzend hervor, und da Sie nunmehr uns verlassen, um einem Manne zu folgen, dessen Andenken im Herzen eines jeden gerechten und wahren Freundes der Menschheit stets hochgeschätzt bleiben wird, bitte ich Sie, in meinem Namen und im Namen von tausenden meiner Glaubensgenossen unsere herzlichste Gratulation und guten Wünsche entgegenzunehmen, daß der Herr in der Höhe Sie bewahren und Ihnen unverminderte Stärke verleihen möge, das Werk Ihres Lebens zu vollenden, auf daß Ihre Herde im Besonderen und die Menschheit im Allgemeinen aus den großen Gaben, welche Ihnen von dem barmherzigen Vater in so reichem Maße verliehen wurden, Vortheil ziehen möge. Eurer Eminenz ergebenster Diener, B. S a l 0 m 0 n. Der hohe Kirchenfürst richtete in Beantwortung derselben folgendes Schreiben an den Rabbiner von Manchester. Euer Ehrwürden! Ich habe mit großem Vergnügen die herzlichen Glückwünsche zur Kenntniß genommen, mit denen Sie und die jüdische Gemeinde von Manchester aus Anlaß meiner Beförderung mich beehrt haben. Während ich voll und ganz die tiefe Kluft und die mannigfachen Differenzen erkenne, die die jüdische Religion von der christlichen trennen, bin ich doch der Ansicht, daß wir Katholiken mit Interesse und Hochachtung auf die Anhänger des alten Bundes blicken müssen, zu welchem die katholische Kirche als dem Vorläufer ihres eigenen rückwärts schaut. Es war zur Zeit, als das Papstthum auf der Höhe seiner politischen Macht in Europa sich befand, daß Jnnocenz III. vor der ganzen Christenheit offen für das Recht der Juden auf den Schutz der christlichen Völker eintrat und alle Katholiken daran erinnerte, daß es ihre Pflicht wäre, sie als die! „lebendigen Zeugen" ihres eigenen Glaubens zu respectiren. | Es war derselbe Pontifex, welcher in einer der dunkelsten Stunden Ihrer traurigen Vergangenheit in der Lage war, aus das Beispiel seiner Vorgänger: Ealixtus, Eugenius, Alexander, Clemens und Coelestin zu verweisen, als er erklärte, das jüdische Volk unter seinen besonderen Schutz nehmen zu wollen, und zugleich allen Mitgliedern der Kirche die stricte Verordnung zugehen ließ, daß sie weder die Person der Juden bedrücken, noch ihr Eigenthum angreifen, noch irgend einen Zwang in Religionssachen auf sie ausüben dürfen. Ferner verordnete er, es sei bei Strafe verboten, ihre Freiheit in der Ausübung des Glaubens und der rituellen Vorschriften anzutasten. Die in gleicher Weise von Honorius IH. im 13. Jahrhundert und von Pius IV. und Sixtus V. im 16. Jahrhundert herausgegebenen Bullen zum Schutze der Juden und ihrer Rechte bezeugen, daß diese Haltung der Päpste nicht nur ein bloßer Act berechneter oder sentimentaler Philantropie war, sondern eine fortlaufende praktische und überlieferte Politik, die ihren Ursprung hatte in den unwandelbaren Grundsätzen christlicher Gerechtigkeit, deren wichtigste Stütze und beredtester Anwalt für uns der apostolische Thron ist. Ich habe diese Thatsachen erwähnt, damit Ihnen meine Worte eine Versicherung seien, kräftiger und überzeugender, als sie durch irgend eine individuelle Empfindung oder durch meine eigene Meinung zum Ausdruck gebracht werden kann. Daraus mögen Sie entnehmen, wie fest und dauernd die Grundlagen sind, auf welchen jene Beziehungen ruhen, die heute und immer das Verhalten der katholischen Kirche gegen das jüdische Volk bestimmen sollten. Gestatten Sie mir, Ihnen sowohl, sowie Ihrer Gemeinde meinen herzlichsten Dank auszusprechen für die freundlichen Worte, die Sie an mich gerichtet haben. Ihr ergebener Herbert, Erzbischof von Westminster. „Jewish Chronicle" bemerkt dazu: „Es wäre sehnlichst zu wünschen, daß die andere katholische Kirche — die griechische oder russische Kirche — diese merkwürdige Manifestation lesen, merken und innerlich verdauen möchte! Es ist klar, daß der neuerwählte Bischof die ihm von seinem hochwürdigen Vorgänger, Cardinal Mann in g hinterlassenen Traditionen treulich und pünktlich ausüben wird. — Das Gedächtniß an den letzteren wird stets ' liebevoll und dankbar bewahrt werden von jenem Volke, dessen Ruf nach Gerechtigkeit er so treu und unverdrossen unterstützte." Welch eine Lehre für die Antisemiten! I. H. WM: Zur Geschichte der jüdischen Tradition. V. Theil: Vom Anfang des sechsten Jahrtausends jüd. Z. R. bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien. Wien 1891. (Hebräisch.! Besprochen von Dr. I. Babad (Greifswald). Eine ausführliche Darstellung der jüdischen Literatur hat eigentlich bis jetzt gemangelt; denn der Leitfaden von Dr. Cassel enthält, soviel ich weiß — es ist mir hier nicht zur Hand — auf 146 Seiten eine Darstellung der gesammten jüdischen Literatur, und das zweibändige, den gleichen Gegenstand behandelnde Werk von Gust. Karpeles ist erstens für ein großes Publikum berechnet, sozusagen „für die Gebildeten aller Stände", und zweitens nicht aus erster, sondern aus zweiter und dritter Quelle geschöpft. Daß ferner Grätz, der die ge sammle Geschichte der Juden, die politische, sociale und literarische behandelte, einen Ausschnitt der letzteren, auf den sich Herr Weiß beschränkt, wie wir sehen werden, nicht erschöpfend genug darstellen konnte, ist beinahe selbstverständlich. Aber auch Letzterer will nicht in seinem Werke, dessen fünfter Theil hier besprochen werden soll, die gesummte jüdische Literatur nachdem Abschlüsse des Kanons bis auf unsere Zeit, oder wenigstens bis zum Ausgang des Mittelalters behandeln, sondern, wie er in der Einleitung zum vorliegen den Buche sagt, nur einen Theil, einen Abschnitt derselben, nämlich die Geschichte der Bibel- und Talmudexegese, letztere natürlich im weitesten Sinne des Wortes verstanden. Und wie zur letzteren die halachische Responsenliteratur, dis bekanntlich eine sehr beträchtliche ist, und alle die jeweiligen Verordnungen (Tekanoth) gehörten, so zur ersteren, nämlich der Bibelexegese, die religionsphilojophische Literatur, soweit sie aus und in dem

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