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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-13 · 20 (13.5.1892) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
20 (13.5.1892)
Date
1892-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 Vryrrrrlchlschr WochrnsrtzriN Seite 343 mit denen Sr. Durchlaucht dem Prinzen Alois Liechtenstein das Compliment gemacht wird, die liberale Partei habe erst in dem Momente „wieder frisch aufleben können," als er den Plan betrat! Prinz Liechtenstein und seine Gesinnungsgenossen werden überhaupt sozusagen als verkappte Freunde — „vermummte Antisemiten" nennt sie das in Steyr erscheinende echte Antisemitenblatt — und Helfer der Juden declarirt, die wahrscheinlich im Dienste der Alliance Jsraelite bemüht seien, das arme ideale Antisemitenthum durch christliche Gesinnungen zu compromittiren. Verhältnißmäßig gut kommt aber noch Fürst Liechtenstein davon, wenn man bedenkt, wie das in Steyr erscheinende echte Antisemitenblatt mit dem großen Führer der „Vereinigten Christen", dem großen Dr. Lueger verfährt. Der wird geradezu als eine tödtliche, verderbenbringende Gefahr für das Antisemitenthum gebrandmarkt und sein Untergang wird mit wahrer Inbrunst von — ja, wir wissen nicht gleich, welche Götter man in Steyr anbetet, — erfleht. „Für die einheimische Bevölkerung, soweit sie nicht dem Judenheere Folge leistet, wäre es das größte Glück, wenn Dr. Lueger für immer verloren sein würde!" Das ist doch ein radical-frommer Wunsch! Wer aber noch eine Steigerung, der Liebenswürdigkeit gegen den Tribunen von Margarethen für denkbar hält, der befindet sich in einem Jrrthum. „Wir haben in ganz Oesterreich" — rrtf&rt „die Judenfrage" — nicht einen Menschen, der der Sache des Volkes durch diesen Schwindel einen so großen Schaden zufügte, als Dr. Lueger... Je eher wir ihn verlieren, desto bester ist es für das Allgemeine" u. s. w. u. s. w,. Wir wollen die Blüthenlese aus diesem „echt" und conseqnent antisemitischen Organe für heute damit beschließen. Es mag ja vieles lächerlich, possirlich, ja albern darin sein, aber mit Einem hat das Blatt, das sein Anti-Christenthum so stolz und freudig offen bekennt, Recht: Wahres Christenthum und echter Antisemitismus sind im Grunde genommen wirklich unvereinbar. Der Antisemit muß in 'erster Reihe anti-christlich gesinnt sein.??? Das Denkmal des Kindermordes"). In einem alten, jüdischen Buche*) **) ist in wenigen Zeilen eine Erzählung enthalten, die nicht vergessen werden darf, wenn anders die Weltgeschichte der Gerechtigkeit dienen und die Wahrheit bezeugen soll. Wir wiederholen es, diese Episode aus dem Leben und den Thaten des berühmten Kosakenhetmans, über die ein Jude berichtet, hat eine weltgeschichtliche Bedeutung und es gereicht der Geschichtswissenschaft nicht zur Ehre, wenn sie gerade solche Geschehnisse mit der Seidenflagge des Jndifferentismus zudeckt und dafür nicht die gebührende Awähnung findet. Der gelehrte Jude aber schreibt Selbsterlebtes und seine Aussage lautet: „Rujemienitz war von den Kosaken erstürmt und die Blutorgie nahm ihren Anfang. Sie brachen in die Häuser der Juden und Katholiken ein, es wurde geraubt, geschändet, gemordet und die Flammen der brennenden Häuser verwandelten den Nachthimmel in eine blutige Lohe. Mehrere Hundert Judenkinder hatten die Kosaken auf einen Platz zusammengetrieben. Da kam ein Kosak, bewaffnet mit einem Schlachtmesser***) und hatte Kenntniß vou einigen jüdischen Worten. Er fing an die Kinder abzuschlachten und wenn er den Hals des Kindes durchschnitten hatte, fragte er seinen Kameraden: „Ist das koscher oder trefe?" Der andere Kosak antwortete „trefe". Darauf warf er die Leiche des ermordeten Kindes den Hunden vor. Und so mordeten sie *) Das „Deutsche Volksblatt" vom 9. Mai meldet: „In der Wochenversammlun« des deutsch-socialen Reform-Vereines in Leipzig am 6. Mai wurde beschlossen, ein Prers-Ausschreiben zu veranstalten für eine wissenschaftliche, auf genauem Quellenstudium beruhende Arbeit über die R i tu al m o rd e der Juden, die alle in den verschiedensten Acten befindlichen und sonst habhaft zu machenden Fälle aufzählen und einer kritischen Würdigung unterziehen soll. Für eine vorzügliche Ausarbeitung dieses Themas wurde ein Preis von 500 Mark, für eine minder gute, aber noch brauchbare, ein solcher von 300 Mark ausgesetzt." Mit vorstehendem Aufsatz wollten wir einen Beitrag dazu liefern. **) Javan Mezila von Rabbi Nathan Neta. ***) Es ist von dem Messer die Rede, dessen sich die Juden beim Piehschlachten nach de» rimellen Vorschriften bedienen. stundenlang. Als aber das letzte Kind au die Reihe kam und abgeschlachtet war, da sprach der Kosak: „Dieses ist koscher". Sie rissen dem Kinde den Leib auf. nahmen die Eingeweide heraus, trugen den Leichnam auf einer Bahre durch alle Straßen und riefen dabei: „Wer will ein Lamm kaufen, wer braucht ein Osterlamm?" So weit unser Gewährsmann, dessen Wahrheitsliebe über jeden Zweifel erhaben. Die Kosaken werden zu den Ariern gezählt, und Arier sind es, die diese Heldenthaten begangen haben. Die geschlachteten Kinder aber waren Judenkinder. Arier haben sich dieser Grausamkeit schuldig gemacht, wie es auch Arier waren, welche in den indischen Aufständen die entsetzlichsten Grausamkeiten an den Engländern begingen. Jene berüchtigte Höhle in Algier; ein arischer General ließ das Feuer anzünven und die Araber, die sich in die Höhle geflüchtet hatten, starben unternamenlosen Qualen mit ihren Weibern, Kindern und Thieren. In der sizilianischen Besper und in der Bartholomäusnacht erschienen nur Arier auf dem Schauplatze. Die spanischen Inquisitoren, deren Grausamkeit mit ihrer Geldgier wetteiferte, waren arisch, Arier waren die Kreuzzügler, welche die wehrlose» Juden in den deutschen Städten hinmordeten und plünderten. Titty und Alba waren Arier. Auch die römischen Cäsaren gehören zur arischen Race. Die Arier m Indien weihen noch heute ihre Wittwen dem Feuertod und sie werfen sich unter den ^Wagen des Dschaggzisauth, um sich zermalmen zu lassen. Die Priester aber haranguiren das Volk von dem vierstöckigen Wagen herab, damit es dem Gotte an Opfern nicht fehle. Wollust und Mord, sie ergänzen sich bei den großen Wallfahrten der arischen Indier. Die Juden aber werden des Kindesmords beschuldigt; Grausamkeit, Mordlust, Raubgier und namenlose Verlogenheit verkörpern sich in dieser Anschuldigung. Schon ans diesem Grunde sind die wenigen Zeilen aus dem Judenbuche überans merkwürdig und lehrreich, denn sie zeigen uns, in welchem Lager sich die Kindermörder befinden und wie es Kosaken waren, welche Judenkinder rituell geschlachtet haben. Würde die Geschichtsschreibung bei solchen Thatsachen mit etwas größerer Gewissenhaftigkeit verweilen, dann wäre die Biutlüge gegen die Juden längst aus der Welt geschafft. Kennt man Kiew mit seinen unheimlichen, wilden Legenden? Kennt man die unterirdische Kirche, wo sich Fanatiker einmauern laffen? Das Unheimlichste in Kiew ist das Denkmal des Kosakenhetmans Bogdan Chmielnicky. — Perfid wie der spanische Cid, hat Chmielnicky den Helden der maurischen Kriege an blutiger Grausamkeit weit übertroffen. Dritthalb Jahrhunderte sind darüber hingegangen; aber der menschliche Geist war bereits mit Macht in jene Entwicklungsphase getreten, welche man als di. neue Zeit kennzeichnet. Das Werk der Reformatton war längst vollbracht, die Freiheit triumphirte in England und den Niederlanden, die Wiedergeburt der Wissenschaften war verbürgt und der Mathemattker und Physiker Deskartes erschien, um der menschlichen Denkkrast ihre Unabhängigkeit zurückzugeben. Noch eine Spanne Zeit und Spinoza gewährt der Welt neuen Trost und neues Licht. Der Jude Baruch Spinoza und derArier BogdanChmielnizky, warum vertteft sich die Geschichte denn nicht in diesen Gegensatz? Chmielnicky war nicht nur Soldat, sondern auch Diplomat. Er übte Berrath an denjenigen, mit denen er ein Bündniß geschlossen hatte und er war im Geheimen mü denjenigen verschworen, die er im Felde als Feinde bekämpfte. Ungefähr ein Bierteljahrhundert lang wußte dieser Mann erst als Notar (Kanzler) des Kosakenlagers, dann als dessen Hetman stets den Krieg von Neuem zu enffeffeln. Der König von Polen, Stanislaus, verschwor sich mit ihm gegen die Republik, das heißt gegen den Adel und dm Reichstag. Erst sollte ein Krieg gegen die Türkei angezettelt werden, damit die Unterstützung der Kosaken sich als nothwendig erweise und der Reichs tag gezwungen werde, ihnen ihre Privilegien zurückzugeben. .Als der Reichstag sich diesem Plane widersetzte, kam man überein, Chmielnicky solle die Tartaren zu einem Feldzuge gegm die Polen aushetzen, weil dann Polen wieder in die Zwangslage versetzt wäre, die Hilfe der Kosaken in Anspruch zu nehmen. Während solcher Verhandlungen wurde der allgemeine Aufstand gegen die Polen vorbereitet und in denJahren 1647 und 1648 kam es zu blutigm Schlachten. Es war kein dauernder Friede mehrmöglich, bis Chmielnicky ein Jahr vor seinem Tode den ersten Vertrag über die Theilung Polens (20. November 1656) zu Stande brachte. Polen sollte zwischen Schweden, Brandenburg und den Kosaken getheilt werden. Radziwil und Rakoczy sollten ebenfalls große Landstriche erhalten. Dieser Plan kam noch um

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