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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-06 · 19 (6.5.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
19 (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 334 Srstrrrrichischr Wochenschrift. Nr. 19 schauspieler Hartmann, Schriftsteller Fritz Singer, Vertreter des Handelsmuseums, der Baron Hirsch-Stiftung und Andere. Nach den rituellen Functionen, die Obercantor Singer versah, hielt Oberrabbiner Dr. Jellinek die Trauerrede. Der Prediger zeichnete mit beredten Worten und ergreifenden Zügen den Verblichmen als Mensch, als Gatten und Vater, sein Wirken als GroßindKsttieller, als Mgeordneter und endlich an der Spitze jener Sttftung, welche von einem Fürsten der Wohlthätigkeit begründet, berufen ist, Licht und Bildung zu verbreiten. Sonntag, am 1. Mai um 11 Uhr hielt das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung eine Trauerfeier für seinen dahingeschiedenen Präsidenten Herrn Jvsef Ritter v. Fürth ab. — Der Vicepräsident des Curatoriums Herr Dr. Arnold Rapoport von Porado widmete dem Verblichenen einen riefergreifenden Nachruf. Er zeichnete dessen Wirksamkeit in der Sttstungsangelegenheit in großen und markigen Zügen, schilderte den glühenden Eifer, welchen der Dahingeschiedene vom ersten Anfang der Sache der Stiftung entgegengebracht und bis zum letzten Augenblick seines schönen und ehrenreichen Lebens bewochrt hatte. Wie schwierig auch die Situation der Stiftung bei ihrer Jnaugurirung nach verschiedenen Richtungen hin gewesen, das Programm, welches der Verewigte in der constituirenden Sitzung des Curatoriums entworfen, habe beschwichtigend und klärend gewirkt, es lautete: Schonung und Förderung der religiösen und nationalen Gefühle! Der Nachruf, welcher ein ebenso erschöpfendes als anregendes Lebensbiü) entwarf, machte einen tiefen und nachhaltigen Eindruck auf die zahlreich versammelten Mttglieder des Curatorimns und wurde beschlossen, an die Witwe des Verblichenen ein Beileidschreiben zu richten, ferner das Bild desselben im Bureau der Stiftung aufzustkllen. Beileidsdepeschen sind an das Curatorium gelangt von: Hem, Baron Hirsch, den Executiv-Comites Krakau und Czernowitz, dem Lokal-Comite in Stanislau, der Schulinspection und dem Lehrkörper der Brodyer Schule, betn Mitglieds des Executiv-Comites Lemberg Herrn S. Chajes :c. Brünn. (Eine Begrüßung Hieronymus Lorm's.) Im Vereinslocale des Deutschen Journalisten- und Schriftsteller-Vereines für Mähren und Schlesien im Deutschen Hause versammelten sich gestern Abends außer dem Bereinspräsidium zahlreiche wirkliche Mitglieder des genannten Vereines zu einer Abschiedsfeier für den berühmten Recitator Profeffor Alexander Strakosch, welchem vom Präsidium des Journalisten- und Schriftstellervereines mit einer herzlichen Ansprache ein Dankschreiben überreicht wurde. Die Gesellschaft, welche in anregendstem Verkehre mehrere Stunden beisammen blieb und die erfahren hatte, daß zufällig auch der berühmte heimische Dichter Hieronymus Lorm, der bekanntlich jüngst von Dresden nach Brünn übersiedelte, im Hause anwesend sei, beschloß, dem Genannten ein Begrüßungsschreiben zu übermitteln. Dasselbe wurde rasch verfaßt, von dem anwesenden Gaste Profeffor Sttakosch und den versammelten Vereinsmitgliedern gefertigt und dem Dichter Lorm übermittelt, der dasselbe umgehend in der liebenswürdigsten Weise erwiderte. Das Schreiben der Verein -- Mitglieder hat folgenden Wortlaut: „Euer Wohlgeboren! Der anläßlich der Anwesenheit des Herrn Professors Alexander Strakosch versammelte Deutsche Journalisten- und Schriftstellerverein für Mähren und Schlesien, dem soeben die Kunde ward, daß Euer Wohlgeboren sich zufällig auch im Deutschen Hause befinden, benützt den Anlaß, um Ihnen einen collegialen Gruß zu entsenden und der Freude über ihre Uebersiedlung nach Brünn Ausdruck zu geben." — Dr. Hieronymus Lorm antwortete: „Geehrte Herren! Ihr collegialer Gruß hat mich innig erfreut. Die Heimat ist eine Art Jugend. Zur Jugend kann man nicht tviederkehren, wohl aber zur Heimat, und ist man in ihr so freundlich begrüßt, wie ich durch Sie, so gibt die Heimat eine Art Jugend zurück. Haben Sie dafür aufrichtigen Dank. Brünn, 25. April 1892. Hieronymus Lorm." — Dieses Antwortschreiben Lorm's erstillte die Mttglieder des Journalisten- und Schrifsteller-Bereines mtt großer Freude und wurde mit lebhaftem Beifalle begrüßt. Nachdem noch dem Profeffor Sttakosch wiederholt für sein freundliches Entgegenkommen gedankt und die Hoffnung ausgesprochen worden war, ihn bald, womöglich aus Anlaß der Enthüllung des Grillparzer-Denkmals wieder in Prünn begrüßen zu können, geleitete die ganze Gesellschaft den Genannten nach Hause und verabschiedete sich dort von ihm in herzlichster Weise. Prag. (Israel. Beerdigungs-Bruderschaft.) In dieser so bedeutenden Körperschaft steht eine Aenderung der Statuten bevor, welche bereits seit mehreren Jahren von vielen Altmännern und Mitgliedern der Brüderschaft geplant, und nach und nach vorbereitet wurde und so zwar, daß die Statuten- Paragrafe, welche mit dem Zeitgeiste nicht gleichen Schritt zu halten vermögen, einer gründlichen Revision unterzogen werden sollten. Bereits im Jahre 1891 wurden vom Gesammtvorstande der Chewra Kadischa die neuen, 57 Paragrafe enthaltenden Statuten ausgearbeitet und wurde gleichzeitig zur Durchberathung und Prüfung derselben eine Altmänner-Berathungs-Commission berufen, insbesondere auch um ein Gutachten über die vorgelegten Statuten abzugeben. In Folge dessen hielt dieser Berathungskörper in Anwesenheit und unter Vorsitz des Obmannes Herrn David Lieben und im Beisein des Gesammtvorstandes bereits am 27. Dezember 1891 die erste Commissionssitzung ab, deren nicht weniger wie 44 Sitzungen folgten, die letzte am 27. April 1892. Die in die Berathungs-Commission berufenen Mitglieder waren sämmtlich mit Eifer und seltener Hingebung für die Sache thätig, was um so höher anzuschreiben ist, als der größte Theil der Mitglieder dem Kaufmannsstande angehört. Die neuen Statuten, die weder die bisher beobachtete, 3'/r Jahrhunderte den Verein beherrschende Tendenz, noch auch die Einhaltung der rituellen Vorschriften auch nur im Geringsten tangiren, zeichnen sich jedoch von den bisherigen dadurch aus, daß bei aller Wahrung des bisher geübten Standpunktes dennoch auf die Neuzeit in allem und jedem Rücksicht genommen wurde. Gegründet wurde die Prager Chewra Kadischa im Jahre 5324 jüdischer Zeitrechnung (1564 der üblichen Zeitrechnung) und zwar durch den damaligen Prager Oberrabbiner Eleazar Aschkenasy. Die damals entworfenen Statuten sind unter Mitwirkung mehrerer hervorragender Zeitgenossen hervorgegangen, insbesondere betheiligte sich hiebei auch der seinerzeit unter dem Namen „der hohe Rabbi Löw" bekannt gewordene, nachherige berühmte Prager Oberrabbiner. Löw ben Bezalel, dieser vervollständigte die alten Statuten und er war es auch, der dem Vereine den Namen „Israelitische Beerdigungsbrüderschaft Chewra Kadischa", welchen der Verein auch noch bis heute führt, gegeben hat. Budapest. Die Art und Weise, nach welcher wir ungarische Juden das Millenium denk- und dankwürdig mitfeiern sollen, bildet ohnehin schon seit Wochen den Gegenstand lebhafter Erörterungen und in der Phantasie einiger Glaubensgenossen tauchen so manche mögliche und unmögliche Projekte auf. Es wurde sogar auch der Vorschlag gemacht, Arpad, den Besitzergreifer des Landes — mit dem auch die Kabaren, ein Stamm der Kasaren, nach Pannonien zog — eine Statue zu errichten. Daß die ungarischen Juden ein historisches Recht haben, dieses nationale Fest mitzufeiern, geht gerade aus den Funden in jüngster Zeit unzweifelhaft hervor. So wurde» in diesem Jahre in einem bei Steinamanger aufgedeckten Grabe jüdische Münzen gefunden und in Siebenbürgen ein mit der römischen Inschrift „judaeus“ versehener Stein zu Tage gefördert. Ferner wurde vor 14 Tagen in der ung. hystorischen Gesellschaft in einem von Dr. Josef Husza gehaltenem Vortrag die Behauptung aufgestellt, daß die Szekler Nachkommen derjüdischen Kabaren wären, was er sehr einleuchtend von dem bei ersteren in Anwendung stehenden Palmen- und Lotusblätter-Ornamenten ableitet. Angesichts der vielen bereits vorhandenen und noch immer frisch auftauchenden Denkzeichen ungarisch-jüdischer Vergangenheit, ist noch der Vorschlag am plausibelsten, daß man anläßlich der Milleniumsfeier auch eine Ausstellung ungarisch-jüdischer Alterthümer veranstalte. Was vor einigen Jahren den 80.000 jüdischen Engländern so schön gelungen, würde auch von den 600.000 ungarischen Juden zu Stande gebracht werden können. Von einem Jubiläum zum andern ist nur ein geistiger Schritt, weshalb mir der Leser gestatten möge, vom ungarischen Milleniumsfeste Hur Feier der vierhundertsten Jahreswende der Entdeckung Amerikas zu übergehen. — Aus Anlaß dieses Heuer zu begehenden Jubiläums haben einige hervorragende und reiche New-Iorker Juden den gelehrten Hystoriker und Prediger der Pester jüdischen Geineinde mtt der wissenschaftlichen Mission bettaut, die noch in den spanischen und portugiesischen Bibliotheken vorhandenen, auf die iberischen Juden bezughabendeu, literarischen Schätze aufzusuchen. Daß die Forschungsreise un-

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