Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 19 (6.5.1892)
- Date
- 1892-05-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Oran 1× ep/1048048
- Tunis 1× ep/1048155
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wsamm pr-— Nr. 19 Orstrrrrichifche WvchrnfchrM. Sette 333 und Unterdrückung der Anderen. In einer angesehenen Revue die sich einen wissenschaftlichen Anstrich gibt, in dem Jahrbuch für „Geographie und Archeologie" war dieser Tage folgende Tirade zu lesen: „In Algerien sind die Juden noch weniger sympathisch als in Frankreich, da nichts sie dazu bringen kann, die ersten Stufen der Erziehung zu entwickeln. Es scheint im Gegentheil, daß sie unsere Berührung vermeiden, so peinlich ist es ihnen, alle Gewohnheiten der Unterwürfigkeit und des Wuchers abzulegen." Das wagt man zu sagen, da man sie von aller Berührung peinlich ausschließt, die Beamten zu den Empfangsabenden den letzten Gewürzkrämer, aber nicht den ersten, vollkommen französisch erzogenen jüdischen Kaufmann einladen. Und wie gehässig erlogen ist erst folgende Auslassung: „Der größte Theil der jüdischen Bevölkerung, welche sich beiläusig auf 100.000 beziffert (unter 4 Millionen), ist gänzlich unwissend und empört sich gegen Fortschritt und Civilisation, was nicht hindert, daß sie seit dem Decret Cremieur' die Wahlen, besonders in den Departements Oran und Constantine, so gestalten wie sie wollen, und zwar in allen Vertretungskörpern, in Gemeinde, Departement und Parlament. Das Uebergewicht der Zahl ist aber heute in der Politik noch mehr als im Kriege einer der hauptsächlichsten Factoren des Sieges; nun weiß man aber, daß die Juden zahlreich sind, man beachtet, daß sie von einer Zählung zur anderen um 19 43 Procent sich vermehren gegen 13 38 Procent der Franzosen, und daß sie ganz und gar vom Chef des Consistoriums abhängen, der sie nach seinem Willen stimmen läßt. Auch kann man an den Wahltagen geradezu empörende Scenen von Wahlschlachten bemerken, welche eine traurige Anschauung vom allgemeinen Wahlrecht, diesem demokratischen Prinzip par excellence, geben. Ist man nicht im Recht zu sagen, daß die jüdische Race im Begriffe ist, uns ihre Herrschaft aufzulegen? Hat man Unrecht zu behaupten, daß das Geld ein Hebel der Macht sei und daß diejenigen, die ihn besitzen, Henen aller Situationen sind?" Golddurst, auri sarraffames, der sie beherrscht und der der tvesentliche Charakter ihrer Race ist." So wie dieses wissenschaftliche Organ — aber in nych gemeineren Ausdrücken sprechen Franzosen, Spanier, Italiener, Deutsche, die hier sind. So spricht auch der Vertreter einer österreichischen Handelsgesellschaft, die zum größten Theile aus Israeliten besteht — und dieser Mann, dessen bezeichnender Name Pollach (französisch heißt er ja doch wieder Pollak) keinen Zweifel an seiner angestammten Confession läßt, eniblödet sich nicht, in Kaffeehäusern ihm unbekannte, anständige junge Leute ohne Ursache mit Schimpfwörtern wie „S . . jud", „jüdischer L . . . bub" zu attakiren. Haben die Israeliten einerseits den Antisemitismus der christlichen Bevölkerung zu bestehen, so bedroht sie auf der andern Seite der Haß der Mohamedaner, die in ihnen ihre früheren Sklaven, jetzt ihnen Uebergeordnete sehen. Diese Feindschaft hat denn auch zu den blutigen Exzessen vor einigen Jahren geführt. Alle, ob Christen oder Mohamedaner, möchten die Israeliten in der gedeckten, menschenunwürdigen Lage sehen, in welcher sie sich in Marokko und Tunis befinden. In ersterem Lande sind sie zu einer eigenen, dunkeln Kleidung gezwungen, müssen in mell all" genannten, abgesonderten Vierteln leben, die Nachts geschlossen werden; es ist ihnen verboten, sich dem Ackerbau zu widmen. Grundstücke oder Häuser außerhalb der „mellah“ zu besitzen, auf Pferden, anders als mit Maulthiersatteln zu reisen; dürfen bei Gericht nur hockend Zeugenschaft ablegen und keinen Muselmann klagen. Trotzdem werden sie verhindert auszuwandern und erhalten nur gegen hohe Beträge Pässe. Den Frauen, die den Ruf großer Schönheit haben, wird nur gegen fast unerschwingliche Summen die Erlaubnis ertheilt, ihren Geburtsort zu verlassen. So handelt man gegen ein Volk von 340.000 Personen unter 8'/, Millionen Einwohnern, von welchen selbst der oben zitirte antisemitische Schriftsteller sagen muß: „Trotz ihrer schlechten Lage, in welcher sie in Marokko gehalten werden, ist das jüdische Element, besonders jenes des Litorale, das intelligente "Lebensinstrument, welches beiläufig die Hälfte der Bevölkerung von Tanger und allen bedeutenden Städten bildet." Wird den Juden in Nordafrika auch einmal die Stunde der Erlösung schlagen? lhsrresMäenren. Me». Donnerstag den 38. April ist der erste Präsident der galizischen Baron Hirsch-Stiftung, Josef Ritter von Fürth, Mitinhaber der Fezfabrik in Strakonitz, im 70. Lebensjahre gestorben. Herr v. Fürth, der ehemals Abgeordneter der Pilsener Handelskammer war, hinterläßt in politischen, industriellen und gesellschaftlichen Kreisen einen vorzüglichen Namen. Seine reichen wirthschaftlichen Kenntnisse und Erfahrungen waren dem Parlamente bei vielen wichtigen Anlässen und namentlich bei allen handelspolitischen Vorlagen sehr willkommen. Er fungirte in der Session von 1872 und 1873 als Berichterstatter über die Verträge mit der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft und dem Oesterreichisch-ungarischen Lloyd, sowie über die Eisenbahn Bozen-Meran. Fürth war auch Referent über die Arlbergbahn- Vorlage und seinem lichtvollen Referat war es zu danken, daß der Rau dieser Bahn von allen Parteien gefördert wurde. Wenn Oesterreich bei den letzten Handelsverträgen mit Deutschland relativ günstige Bedingungen erlangte, so dankte es dies ausschließlich seinem von Deutschland unabhängigen Schienennetz der Arlbergbahn, für welche Fürth seine ganze Persönlichkeit einsetzte. Der Verblichene hat» einen vortrefflichen Bericht über die Lage der Wiener Export-Industrie mit Rücksicht auf dm rumänischen Handelsvertrag verfaßt, der viel Aufsehen machte. Er gehörte zu den wenigen consequenten Freihändlern im Abgeordnetenhaus^ Ein treuer Parteigenoffe der„Vereinigten Linkm", genoß er auch bei den politischm Gegnern hohe Achtung und namentlich in Kreisen polnischer Politiker anerkannte man sein consiliantes versöhnliches Wirken und man brachte ihm Sympathien entgegen. Deswegen war er für die Stellung des ersten Präsidenten der galizischen Baron Hirsch-Stiftung geradezu prädestinirt, und er widmete dieser Stiftung seine letzten Lebenskräfte. Den ganzen Tag weilte er im Bureau der Stiftung, jede Geringfügigkeit interessirte ihn, überwachte er mit Eifer. Als Kurator des Oesterreichischen Handelsmuseums stellte er seine reichen Erfahrungen in den Dienst dieser 'Lache, und als Industrieller war sein Name in weiteste Kreise gedrungen und das Absatzgebiet seiner Fabriksanlagen erstreckte sich über den ganzen Orient. Der Kaiser anerkanilte die Verdienste Fürth's im Jahre 1873 durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph-Ordens urch einige Jahre später durch den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse. Fürth war Ritter der französischen Ehrmlegion und des Belgischen Leopolds-Ordens, war Ehrenbürger der Stadt Wallern, Vorsteher der Israelit. Allianz und andererer humanitärer Vereine. Unter lebhafter Theilnahme von Vertretern der angesehenen Kreise der Residenz fand Freitag Nachmittag die Leichenfeier statt. Im Trauerhause, Schwarzenbergplatz Nr. 4, sah man um 5 Uhr dm Feldzeugmeister Baron Tiller, Baron Chlumecky, Baron Banhans und Baron Czedik, Sectionschef Baron Dewez, Ministerialrath Ritter v. Klaps, Hofrath Roza, Generaldirector Hofrath Jeitteles, die Herrenhausmitglieder Gögl und Baron Königswarter, die Reichsrarhs-Abgeordnetm Baron Scharschmid, Baron Oppenheim, Dr. Arnold Rapoport von Porado, Dr. Ruß, Sectionschef Ritter v. Gniewosz, Dr. Bloch, Popper, Dr. Stöhr, Ritter v. Gomperz, den Präsidenten des Gewerbevereines Matscheko, Corvetten-Capitän Frankl. Regierungsrath Piesling, Regierungsrath Winternitz, Regierungrath Dr. M. Frydmann, Procurist Dub, Hofrach Ritter v. Pfeiffer, S. Ritter v. Bauer, Präsident David Ritter v. Guttinann, Direktor Herz, Universitätsprofessor Dr. Neumann, die Gemeinderäthe Baurath Stiaßny, Simon und Dr. Stern, die Cultusvorstände Brandeis und kaiserlichm Rath Klinger, Hof-