Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 19 (6.5.1892)
- Date
- 1892-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Vrstrrrrichtschr WochrnschrW. Sette 329 den Uebung, von einer großen, nur in entgegengesetzter Richtung wirkenden Lüge beherrscht war. Vor der formellen Beseitigung der Ausnahmsgesetze waren Unzählige, wenn auch nicht unbedroht, so doch unbehelligt geblieben, die nach den positiven Satzungen die Freiheit und selbst das Leben verwirkt hatten. Nach der formellen Ausstattung mit den vollen bürgerlichen Rechten mußten die brittischen Katholiken noch manches Jahr hindurch die bittere Erfahrung machen, daß sie so viel als möglich hintangesetzt wurden, daß insbesondere auf der auch ihnen jetzt zugänglichen Tafel des öffentlichen Dienstes für sie nur Schaugerichte bereit standen. Bei Besetzung der Anwalts- und Richterstellen blieben die Katholiken lange Zeit ganz und gar unberücksichtigt. Bei Zusammensetzung der Geschwornenlisten pflegte man die Katholiken so gründlich auszusieben, daß noch in dem 1843 stattsindenden politischen Processe gegen O'Connell nicht ein einziger Katholik in der Jury Dublins, der Hauptstadt eines wesentlich katholischen Landes, zu finden war. Die Tories, die unverhüllten Feinde der Emancipation, suchten durch allerhand Winkelzüge den Katholiken selbst das Wahlrecht zu schmälern, und die Whigs, die berufenen Vertreter der Gleichberechtigungs- Idee, verhielten sich nach O'Connell's Ausspruch wie „Tories außer Dienst". Wir sind nicht naiv genug, um vom Tugendpredigen irgend etwas und von edlen Beispielen viel zu erwarten. Der Versuch, die Menschen zu bessern, wird wohl stets ein prekärer sein. Allein, daß ein Blatt für kirchliche Interessen, wie das „Vaterland" es wagen darf, die Geschichte dieser Antikatholikenbewegung mit allen ihren der antisemitischen Agitation so ähnlichen Erscheinungen einfach wegzulügen, das ist das traurigste Merkmal der heutigen Zeit Vom antisemitischen Kriegsschauplatz. Das deutschnationale, antisemitische Organ „Ostdeutsche Rundschau" schreibt in seiner letzten Nummer: ' „Warum Ehren-Vergani die Vorlegung und Prüfung der Bücher scheute? Weil sonst zu Tage gekommen und aller Welt klar geworden wäre, daß er statt Herausgeber der Herausnehmer des „D. B." heißen sollte!" _ Die „Unverfälschten Deutschen Worte" des Herrn Georg Schönerer vom 1. Mai bringen nachstehende Mittheilung: Das „Deutsche Volksblatt" in Wien foppt seine Le^ser in der aller frechsten Weise, indem es gegen „Schwindel-Annoncen" schreibt, trotzdem es bekannte Thatsache ist, daß das Volksblatt selbst wiederholt Ankündigungen von großer Zweideutigkeit brachte und auch die Aufnahme jüdischer Anzeigen nicht verschmäht. Das „Deutsche Volksblatt" vom 30. März 1892 schreibt u. A. folgendes: „Wie wird man mit 100 Gulden — Millionär? In unseren Judenblättern begegnet man in neuerer Zeit wieder sehr häufig einer llnzahl von Schwindel-Annoncen, in denen das große Publicum aufgefordert wird, sich an Börsentransactionen zu beiheiligen. Die Gimpelfänger. die sich theils als „gut informirte Bankdirectoren", oder „der baute ünanee nahestehende" Personen bezeichnen, machen sich erbötig, ihren „guten Rath" bei Erlegung eines entsprechenden Depots Jedermann, der Lust hat, in kurzer Zeit reich zu werden, mitzutheilen. Da rede man noch einmal ein übles Wort über die Nächstenliebe unserer gesetzlich anerkannten Mitbürger, die die edelsten Leute der Welt sind — wollen sie doch den dümmsten der dummen Goims reich und zmn Millionär machen, nur muß er — „eppes e klanes Depot" haben. Was uns anbelangt, so hegen wir auf Grund der mit diesen „Goldzauberern" gemachten Erfahrungen kein Verlangen nach den im Depot der Zukunft stehenden Millionen, da nicht die dummen Goim, sondern deren Rathgeber sich und zwar mit dem Depots der von ihnen gerupften Gimpel bereichern. Doch einen Rath haben auch wir, wie Millionen erhalten werden können und dieser Rath, den wir Jedem gratis und zwar auf das Eindringlichste empfehlen, besteht darin, diesen schwindelhaften Ankündigungen dieser maßlos frechen Räuberbande keine Beachtung zu schenken. Da aber die Dummen nicht alle werden, so fragen wir, wo bleibt der Staatsanwalt, der derartige offene, auf Betrug und Bolksausbeutung abzielende Manöver, als die sich sämmtliche derartige Ankündigungen qualificiren, duldet? Wo ist der Staatsanwalt, fragen wir?" So das „Deutsche Volksblatt"! Wir nun brachten bekanntlich in den „U. D. W." Nr .5 vom 1. März 1892 folgende Notiz: „In der Nummer des „Deutschen Volksblattes" vom 31. Jänner d. I. fand sich im Anzeigetheil dieses „christlichen" Tagblattes des von wahrer Nächstenliebe beseelten antisemitischen Geschäftsmannes Vergani nachfolgende Ankündigung: Ein Vermögen kann Jedermann sowohl in Wien wie auch in der Provinz in einigen Jahren erwerben, der über 100 fl. verfügt, welche in eigener Verwahrung bleiben. Auskünfte spesenfrei, jedoch unftankirt. Unter „Statistik" an die Expedition. Wir beaufttagten eine Person unter „Statistik" einen Brief an die Expeditton des „Deutschen Bolksblattes" zu richten, um zu erfahren, welcher Schwindel sich hinter dieser in echt jüdischer Art gehaltenen Anzeige versteckt. Und was war die Antwort auf die Anftage unseres Beauftragten? De^. Mann erhielt von dem Inserenten eine Spielta-belle für die kleineZahlenlotterie zugeschickt. Es werde^ jenen Gimpeln, welche an dem Leim dieses Inserates de^ Verganiblattes hängen bleiben, auf einem speciell für diese^ Schwindel hergerichteten „Geschästsformular" Zahlmserien sü^. die Ziehungen des Zahlen-Lottos empfohlen. Vor uns lieg, die „Tabelle" 11. Was die Leser des „Deutschen Bolksblattes", die dem „christlichen" Sinn des Ehren-Vergani und damtt auch dem Jnseratentheil seines Blattes verttauen — bei diesem Lotterie- Schwindel für ein Vermögen erwerben können, geht klar und deutlich aus dieser „Tabelle 11" hervor. Nach der dort vorgeschlagenen Serie hätte der Angeschmierte 6 st. 90 kr. Einsatz zu erlegen und bekäme, da in Prag am 10. Februar aus sämmtlichen zu setzenden Ertranummern mn die einzige 8 gezogen wurde — nur 1 fl. 40 kr. Das Berganiblatt-Jnserat hätte also jeden Abonnenten des „christlichen" Tagblattes, der ein „Vermögen erwerben will", schon beim ersten Anlauf um 5 fl. 50 kt', leichter gemacht. Dieser Bolksblatt-Orlice nennt sich B. Schuschitz, und wohnt VII. Schottenhofgasse 8. Bei den Lotterieschwindel-Jnseraten wäre also Herr Vergani auch glücklich angelangt. Einerseits bringt man Gerichtssaalberichte, in welchen die Opfer des Lotterie-Teufels geschildert werden, Berichte, die erzählen, wie ehrliche Männer durch Lottospiel zu Dieben und Defraudanten wurden und andererseits hilft man dem Lottoschwindel auf die Füße. Kann dieser Herr Vergani, der die Frechheit besaß, sich in seinem „Geschäft" den „Führer der Deutschnationalen in Oesterreich" nennen zu lassen, noch tiefer fallen? Wir haben schon wiederholt gesagt: Aus der linken Bahngasie wird es einmal noch fürchterlich zum Himmel stinken! Angesichts solcher Inserate haben die Bolksblattmacher aber noch die Kühnheit im Briefkasten des Morgenblattes vom 11. Februar d. I. nachstehende Notiz zu bringen: „Nachrichten. Der langen Rede kurzer Sinn ist der: „Kaust nur bei Christen!" und das steht ohnehin jeden Tag zweimal in unferem Blatte. Wenn bei uns heute noch Einer einem Juden in der von Ihnen beschriebenen Weise auf dem Leim geht, dann verdient er nicht nur angeschmiert zu werden, sondern obendrein noch 25 Stockprügel. —" » Wir fragen: Und was verdient derjenige, der heute noch einen antisemitischen Geschäftsmacher vom Schlage des Vergani auf dem Leim geht? Unserer Meinung nach zumindest 50 Stockprügel!" „Das „Deutsche Volksblatt" und die Läuderbauk. Am 21. April ging uns nachstehendes Schreiben zu: Geehrte Schristleitung! Es dürste Ihnen vielleicht noch nicht ausgefallen sein, daß sich unser (?!) „Volksblatt" vollkommen im Dienste der „Länderbank" befindet.