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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-06 · 19 (6.5.1892) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
19 (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 19 Oestrrreichtschr Wochrnfchrist. Sette 337 Es war um die gewöhnliche Vortragszeit, zehn Uhr Vormittags. Haynau war in vortrefflicher Laune, er lachte wiederholt sein stoßweises häßliches Lachen. „Haben Sie mir noch etwas zu sagen?" fragte er, als Zako, sein Vortragender Rath in Civilsachen, mit seinem Referat zu Ende, noch blieb und ganz gegen seine Art eine absonderlich feierliche Miene ausgesteckl hatte. „Ich habe", sagte dieser stockend, „von höchst verläßlicher Seite die Nachricht, daß Eure Excellenz demnächst zurücktreten, und da ..." Er konnte seinen Satz nicht zu Ende reden, ein wüthender, schrill gellender Schrei wie der eines zu Tode verwundeten Panthers entrang sich der keuchenden Brust, dem geifernden Munde, den convulsivisch zitternden Lippen Haynau's; im nächsten Augenblicke stürzte er gegen die Mauer, wo seine Pistolen hingen. Zako war mit einem Sprunge zur Thüre hinaus, flog über den Corridor und sprang mit halsbrecherischen Sätzen die Treppe hinab. Vom Vestibüle warf er einen raschen Blick nach seinem Verfolger, der schimpfend und fluchend wie Thersites hinter ihm nachgestürmt war. Haynau lehnte schier bewußtlos an der Corridorwand, die Hand, welche die Pistole hielt, war kraftlos hinabgesunken, und mit der anderen griff er stöhnend nach dem Kopfe . . . Das Weitere ist bekannt. Haynau erfuhr am Nachmittage von vertrauter Seite die Bestätigung dessen, was ihm Zako angedeutet, und richtete sich dementsprechend ein. Mit Radetzky werden die Antisemiten kein Glück haben, sie mögen lieber mit Haynau ihr Glück versuchen, der ist für diese Partei und ihre Bestrebungen der rechte Heilige. Me Mgr und ihr Ndvorat. Die zwei Feuilletons des „Vaterland" vom 20. und 21. April gegen einen Artikel der „Oesterr. Wochenschrift" aus dem Jahre 1888 verdienen nach einer Richtung einer weiteren Beleuchtung. Daß der Scribent unsere Ausführungen gar nicht erfaßt hat, muß man ihm zu Gute halten; es ist nicht Jedermanns Sache, sich mit Gedankenarbeit abzugeben. Die Siegeszuversicht aber war seit jeher das vornehmste Attribut der Ignoranz. Allein die Vorgänge der Gegenwart, die Geschehnisse, 'deren Zeugen wir sind, dürfen einem Zeitungsschreiber nicht fremd sein. Die Behauptung der „Oesterr. Wochenschrift" vom Jahre 1888, daß Anklagen wegen Kindermord „gegen die alten Christen bis in die allerneueste Zeit sich erstrecken" — erklärt das „Vaterland" als eine — Erdichtung! „Der allerneueste Anklagelieferant ist der Herr Dr. Bloch." Dadurch soll wohl der Anschein geweckt werden, als ob Dr. Bloch oder die „Oesterr. Wochenschrift" den Anklagen gegen das Christenthum das Wort redete. Das ist schamlos gelogen. Wörtlich hieß es in der „Oesterreichischen Wochenschrift" : „Die heidnische Niedertracht suchte nach plausiblen Motiven für ihren Christenhaß, das eigene L a st e r imputkrte man den unglücklichen Opfern und man sagte von ihnen, daß sie von einem Haß gegen das ganze Menschengeschlecht beseelt wären und daß sie dessen sogar überführt worden sind. Da diese Anklagen für den großen Haufen zu subtil waren, so erfand der Verfolgungsgeist der heidnischen Priester sociale Verbrechen. So wurden den Christen schändliche Greuel angedichtet. vor Allem der Kindermord — eine der häufigsten Beschuldigungen, weil sie die Erfolg versprechendste ist. Sie stachelt alle Mütter gegen die Verleumdeten auf und macht das Weib zum wirksamsten Träger des Hasses. Theysteische Mahlzeiten, blutschänderische Umarmungen und Atheismus wurden den Männern voll SiUenreinheit, voll heiligen religiösen Eifers und geläuterter Gotteserkenntniß ins Gesicht geschleudert. Männer, wie die alten Kirchenväter, hören wir heidnischen Schurken gegenüber sich vertheidigen, daß sie keine Atheisten, keine Mörder und keine Baalen sind. Die literarischen Proletarier Griechenlands überschwemmten das römische Reich, betrieben handwerksmäßig die Hetzerei gegen die Christen und suchten gegen sie die Behörden anzustacheln (Tatian, gegen die Griechen, Capitel 4), wobei die Beschuldigung des Kindernrordes die vornehmste Rolle gespielt hat." So hieß es wörtlich in einem Artikel der „Oesterreichischen Wochenschrift". Der „Allerneueste Anklageliefer-ant" ist somit nicht Dr. Bloch, wohl aber — ein Parteigenosse des „Vaterland". Ja, der Antisemit G. Fr. Daumer, dessen Buch „Feuer- und Molochdienst der alten Hebräer" Hauptquelle eines neuen antisemitischen Machwerkes „Die Juden und das Christenblut" ist, ist zugleich Verfasser des Werkes „Die Geheimnisse des christlichen Alterthums", in welchem cr die Anklagen der Heiden gegen die alten Christen erneuert. Was dieser Arier Daumer von dem Abendmahl der alten Christen seinen Lesern vorlügt, was er von den Geschehnissen erzählt, welche Judas zur Denunciation getrieben, dies an dieser Stelle auch nur anzudeuten wagen wir nicht aus preßgesetzlichen Gründen. Mögen die Redacteure des „Vaterland" es dort nur Nachlesen. Und kennt das „Vaterland" nicht das traurige Geschick der christlichen Märtyrer in China? An die unheilvolle Katastrophe, welche die Christen in China aus Anlaß ähnlicher Anklagen 1870 ereilte, erinnerte Dr. Bloch am 11. Februar 1890 im österreichischen Parlament, er warnte vor derlei vergiftenden Agitationsmitteln, welche in fernen Ländern gegen die Christen ausgenützt wurden und in Zukunft aitsgenützt werden könnten. Was haben wir unterdeß erlebt. Ist diese Warnung nicht zur Wahrheit geworden? Haben die chinesischen Christenhetzer nicht genau nach antisemitischem Recept gearbeitet? Diese hohe Weisheit haben die chinesischen Pfaffen auch getroffen. Die „Gelehrten" des „Vaterland" können es nicht wissen, daß es eine Zeit gab, in welcher der Parteifanatismus diese Beschuldigung erfand, um die urtheilslofe Menge zur Wuth gegen politische Gegner christlichen Glaubens zu erhitzen. Dies geschah gegen die Mitte des XVII. Jahrhunderts in England, als dort der Kampf zwischen den aristokratischen Anhängern des Königs Carl I. und den Puritanern losbrach. Der Haß der Letzteren richtete sich hauptsächlich gegen die „Cavaliere", die unter der Führung des Prinzen Ruprecht von der Pfalz, eines Neffen des Königs, standen. Nachdem dieser tollkühne und verwegene Mann den Truppen des Parlaments eine Anzahl empfindlicher Niederlagen beigebracht hatte, wurde von puritanischer Seite der Federkrieg gegen den Prinzen eröffnet, und in zahllosen Pamphleten wurden dem „Räuber-Prinzen" und seinen „Cavalieren", zu denen die Söhne der ältesten Adelsfamilien Englands gehörten, die ärgsten Schandthaten nachgesagt. Der englische Historiker Elliot War burton, der die „Geschichte des Prinzen Ruprecht und der Cavaliere 1849 in London herausgegeben hat, berichtet in diesem Werke (I., pag. 17), von den Puritanern sei verbreitet worden, daß die Cavaliere die kleinen Kinder schlachten und essen und daß in Folge dessen damals in England die Mütter ihre Kinder mit dem Schrecken des Namens Ruprecht von der Pfalz einschüchterten. Auf diese Weise suchten die fanatischen „Heiligen" jener Tage den gefürchteten Gegner, dem sie im offenm Kampfe nicht gewachsen waren, in den Augen des Volkes als ein Ungeheuer und Scheusal verhaßt zu machen und gewiß sst die wahnwitzige Erfindung auch damals in England von der unzurechnungsfähigen Menge geglaubt worden. Die Schmähungen und Verleumdungen der puritanischen Presse veranlaßten endlich den Prinzen Ruprecht, in der ersten Hälfte des Februar 1643 eine „Declaration" drucken und veröffentlichen zu lassen, worin er sich namentlich gegm die Anklage der Grausamkeit gegen Kinder und Frauen verwahrt und sich darüber beschwert, daß man chn beschuldigender schlachte und esse Kinder. Der Prinz schrieb hierüber in seiner Declaration: „I openly dare the most valiant and quick sighted of that lying factiou, to name the time, the person or the honse, where any child or woman lost so much as a hair from their head by me or any of my soldiers.“ („Ich fordere offen den Tapfersten oder Klügsten dieser verlogenen Faction heraus, die Zeit, die Person oder das Haus namhaft zu machen, wo irgmd ein Kind oder Weib auch nur ein Haar von seinem Haupte durch mich oder einen meiner Soldaten verloren hat.") (Warburton H. 89.) Zu den englischen Cavalieren, denen von den damaligen christlich-socialen Reformern nachgesagt wurde, daß sie Kinder morden, gehörte

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