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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-29 · 18 (29.4.1892) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
18 (29.4.1892)
Date
1892-04-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 318 Vrsterretchlfche Wochenschrift. Nr. 18 Ein fröhlicher Commers, von den Hörern des Seminars dem Jubilar zu Ehren veranstaltet, vereinigte einen großen Theil der Festgesellschaft, darunter säst sämmtliche Rabbiner, noch bis zu den frühen Morgenstunden. Labes, (Pommern) 10 April. Der Kaufmann L. Leyser ist von dem hiesigen Kriegerverein ber seiner kürzlich erfolgten Uebersiedlung von hier nach Charlottenburg zum Ehrenmitglied ernannt worden. Außer dem Genannten sind von dem betreffenden Kriegerverein während seines zwanzigjährigen Beffchens nur noch ber Rittergutsbesitzer v. Borcke und der Sanitätsrath Dr. Porchnow zu Ehrenmitgliedern gewählt. Herr Leyfer war der einzige Jude, welcher dem betreffenden Kriegerverein zur Zeit angehört hat. Paris. (Die Colonien des Baron Hirsch.) Nach in Paris eingelangten Nachrichten sollen die von Baron Hirsch unter dem Namen „Jewish colonisation association” im Vorjahre gegründeten Judencolonien in Auflösung begriffen sein. Die bedeutendste der drei Colonien, welche Mauricio beißt, soll der Schauplatz ernster Unruhen gewesen sein. Die Colonisten, für deren Unterbringung nicht ausreichend gesorgt werden konnte, äußerten ihren Mißmuth in stürmischen Scenen. Der Localverwalter war endlich gezwungen, die Hilfe der argentinischen Polizei in Anspruch zu nehmen. Diese wirthschaftete arg unter den Meuterern, tödtete und verwundete mehrere. Auch andere zwei Colonien befinden sich in übler Lage. Baron Hirsch soll hiedurch selber in seinem Vertrauen auf die Ausführbarkeit feines Planes erschüttert sein. Sein jetziger Vollmachthaber, der englische Oberst Goldsmid, erhielt den Auftrag, die Judencolonien zu schließen und sämmtliche Ansiedler, insgesammt etwa zweitausend Personen, nach einem Hafen der Vereinigten Staaten von Nordamerika zu befördern. Paris. Herr Renan tjeröjfeuiftdfjHnt „Journal des Savantg'' einen anziehenden Essay über den Charakter und die Werke P hil o's aus Alexandrien, wobei er die Gelegenheit benutzt, den jüdischen Charakter wiederholt zu glorificiren. Paris. Senatspräsident M. Bedarrides, welcher in Folge vorgerückten Alters von seinem Anttc zurückzutrcten sich veranlaßt sah, war aus diesem Anlasse Gegenstand zahlreicher herzlicher Ovationen. Von den vielen Ansprachen sei jene des Präsidenten der Advocatenkammer, des am Caffationshofe zugekassenen Anwälte M. A. Perier hervorgchobcn, welcher u. A. sagte: „Niemand unter uns wird Ihre stete Bereitwilligkeit vergessen, mit welcher Sie uns bei den Diskussionen unterstützten, Ihr Bestreben, uns bei jeder Gelegenheit die Ausübung unseres Amtes zu erleichtern, und Ihre feine Höflichkeit, welche den Weg zu unserer Sympathie fand. Im Namen des ganzen Bureanx bringt die Kautmer den Ausdruck ihres Dankes dar, welcher Ihnen in den Ruhestand folgen wird ebenso wie unsere aufrichtige und ehrerbietige Zuneigung." London. Das jüngste Heft von Jewish Guaterly Review veröffentlicht an erster Stelle eine Abhandlung von Ober-Rabbiner Dr. Güdemann zur Erklärung der dunklen Stelle des Mischnah Sanhedrin XI, welche Jene des Antheiles am künftigen Leben für verlustig erklärt. welche den göttlichen Ursprung der heiligen Schrift leugnen oder welche „fremde Bücher" lesen. London. Der Deean von Worcester predigte Charfreitag in der Cathedralc der City und legte von der Kanzel herab beredten Protest ent gegen die Verfolgung der Juden in Rußland. Spanien. (Aus dem judenreinen Lande.) Der' „Jmparcial", das Organ Sagasta's, zeiht den Ministerpräsidenten Ccmovas der Anstiftung von Attentaten. Das Blatt, so wird aus Madrid gemeldet, behauptet, die Königin habe Canovas in heftigen Worten den Vorwurf gemacht, daß er sich zur Anstiftung von Attentaten des Lockspitzels Munoz bedient habe. In der Kammer seien hierüber Interpellationen und lebhafte Debatten zu erwarten. Das erwähnte Blatt veröffentlicht gleichzeitig das Beweismaterial, aus dem hervorgeht, daß Munoz auf Befehl des Polizeipräfekten die Attentate arraugitt habe.Dem „Daily Telegraph" wird aus Madrid telegmphirt, der verhaftete Anarchist Munoz, der Anstifter des Dynamit- Attentats gegen die Kammer, habe im Verhör ausgesagt, es bestehe eine anarchistische Verschwörung gegen das Leben des jungen Königs, eine demnach wohl auch erfundene oder gar von Canovas angestiftete Verschwörung. Neulich habe eine anarchistische Versammlung stattgefttnden, in welcher darum gelost worden sei, wer den jungen König lobten solle. Die Nachricht bat, wie das englische Blatt hinzusetzt, in Madrid große Besmrzung hervorgerufen. Washington. Der Ausschuß des Repräsentantenhauses für auswärtige Angelegenheiten empfiehlt die Annahme der Resolution, durch welche'der Präsident aufgefordert werden soll, Erkundigungen einzuziehen, ob jüdische Bürger der Bereinigten Staaten, wenn sie nach Rußland kommen, sich Beschränkungen gefallen lassen müssen, welche gegen den zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland geschlossenen Vertrag verstoßen. Mogador (Afrika). Auf ein Schreiben des Londoner Comites an Lord Salisbury in Betreff des kläglichen Zustandes des Mellah (Judenviertel) in Mogador ging vom auswärtigen Amte folgende Antwort ein: „Mit Bezug auf mein Schreiben vom 15. Jänner habe ich vom Marquis von Salisbury den Auftrag erhalten, Ihnen mitzutheilen, daß Ihrer Majestät Minister in Tanger die Aufmerksamkeit der maurischen Regierung auf den Gesundheitszustand des Mellah zu Mogador gelenkt und befohlen hat, daß die Ausführung der Absichten des Sultans, die Lage seiner jüdischen Unterthanen in Mogador zu bessern, nicht länger hinausgeschoben werden soll, sondern daß die nöthigen Befehle ertheilt werden sollen, die bessere wohnliche Einrichtung des Mellas sofort in Angriff zu nehmen. Sir C. Evan Smith bat von der maurischen Regierung Bericht eryalten, daß dem Sultan nicht unbekannt sei, daß das jüdische Mellah für die Anzahl seiner Bewohner nicht Raum genug biete, und daß Se. Majestät veranlaßt hat, sich wegen eines Grundcomplexes zur Erweiterung desselben umzusehen. Da ein zu diesem Zwecke in Aussicht genommenes Grundstück sich als ungeeignet erwies, hat Se. Majestät den Gouverneur von Mogador aufs Neue beordert, ein anderes zu ermitteln und zu dem er wähnten Zwecke zu erwerben." Feuilleton. Der alte Inlroligakor oder Mendels Glauberrsbekenntniß (Fortsetzung trnd Schluß.) Er tätschelte den Jungen auf die Backen und setzte hinzu: „Geh', Liebster, schlafen, morgen früh mußt Du in die Schule." Der Kleine klappte wieder die Absätze an dem Uhrmacher vorübergehend zusammen, zog die Hand des Alten an die Lippen und verschwand hinter dem persischen Vorhang, welcher die Sitzstube von dem Alkoven schied. Der alte Jude warf einen verstohlenen Blick auf den Uhrmacher, räusperte sich und fragte: „Aber mit Verlaub zur Frage, wer sagte das, daß man es auf die Juden abgesehen habe? Vor dem Jungen wollte ich mich darum nicht erkundigen, um ihn, Gott behüte, nicht zu erschrecken, denn das ist ein sehr gebrechliches Kind. Doch jetzt, glaube ich, werden mir der Herr nicht verübeln, wenn ich frage." Ein gewinnendes, einnehmendes Lächeln umspielte seine Lippen und seine grauen Augen hatten etwas Einschmeichelndes. Der Uhrmacher, den die vorigen Elocubrationcn des Juden schon etwas kleinlaut gemacht, fühlte sofort seine Uebe.legenhnt heraus. „Man sagt es," warf er nachlässig hin, die Backen aufblasend. „Wer sagt es?" forschte der Jude und seine sammtenen Augen nahmen einen,durchdringenden, inquisitorischen Ausdruck an. „Die Leute sagen's", brachte der Uhrmacher in demselben Tone vor. Der alte Jude trat jählings zwei Schritte zurück mit einer Behendigkeit, die man dem Alten gar nicht zngctraut hätte. Seine Augen funkelten, seine Lippen bebten und den Kopf pflanzte er auf, wie ein Sturmbock. „Die Leute! Die Leute sagen's?" fragte er mit zischender Stimme, die sich in immer höhere Lagen vcrstieg. „Die Leute?" Und nach jedem Worte beugte er sich immer mehr vor, duckte sich fast zur Erde. Der Uhrmacher blickte ganz gleichgiltig vor sich hin und spielte mit seinem Anhängsel und schlenkerte mit seinen Füßen. Doch er sagte sich, daß das ganze Gebähten des Juden ihm gegenüber lächerlich und ungebührlich sei. „Was thnn Sie so ausgebracht?" fragte er frostig. Doch der alte Buchbinder hatte sich schon beruhigt. Er reckte sich gerade, stützte die Arme in den Hüsten, warf den Bart in die Höhe und kniff halb die Au zeit zusammen. „Sie irren, Herr!" sprach er. „Die Leute sagen es nicht! Das sagt der Schnaps, das sagt die Schänke, das sagt Ränkesucht und Dummheit, das sagt der böse Wind, der heult..." Er erhob die Hand und machte eine geringschätzige Bewegung. „Der Herr kann ruhig schlafen, und ich werde ruhig schlafen und das Kind wird ruhig schlafen! Unsere Stadt hat viel Kummer und unsere Stadt hat viel Ungemach erduldet, doch unsere Stadt ist noch nicht so weit gekommen, daß die Menschen sich zerfleischen wie Hunde. Deswegen können Sie ruhig sein, Herr."

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